Montag 13.11.2017 Lahore-Amritsar: 54 km
Wir verlassen Lahore schon bevor es richtig hell ist, dadurch kommen wir ohne Stau aus der Stadt. Es herrscht eine angenehme, ja sogar friedliche Stimmung am frühen Morgen. Vom üblichen Verkehrschaos keine Spur, stattdessen sind bloß einige Bauern mit ihren Ochsen,- Esel- und Pferdekarren unterwegs. In Richtung Grenze sind wir die Einzigen auf der Straße. Schon viele Kilometer vor dem eigentlichen Grenzübergang müssen wir mehrere unfreundliche Militärcheckposten passieren, an denen unsere Pässe kontrolliert werden. Die „Wahga Border“ ist eine eher außergewöhnliche Grenze. Es ist der einzig mögliche Grenzübergang zwischen Pakistan und Indien für Ausländer. Die pakistanischen Ausreiseformalitäten für uns und das Motorrad sind schnell erledigt. Wir verlassen Pakistan, und zwar durch ein kleines Stadion mit Tribünen links und rechts!

Auf der indischen Seiten angekommen befinden wir uns ebenfalls direkt in der Mitte eines Stadions, allerdings ist dieses im Vergleich zur pakistanischen Variante riesig! Die Tribünen sind um ein vielfaches höher und größer als die pakistanischen.

Hier findet jeden Abend eine Grenzschließungszeremonie statt. Soldaten marschieren auf beiden Seiten hin und her, holen die Landesflagge ein, und knallen nach einigem weiteren Tamtam die Tore zu. All dies geschieht dermaßen übertrieben, dass es einem eher vorkommt wie eine Parodie. Die Tribünen sind voll mit Einheimischen, die voller Enthusiasmus wie bei einem Fußballspiel Fähnchen ihres Landes schwenken. Wir verzichten auf dieses Spektakel. Die Feindseligkeit zwischen Indien und Pakistan und die Auswirkungen des Kaschmirkonflikts haben wir zu nah erleben dürfen, ein lächerliches Show-Off der beiden Streitmächte möchten wir uns nicht auch noch ansehen!
Durch ein großes indisches Tor verlassen wir das Stadion und halten an einem kleinen Häuschen zu unserer Linken. Unsere Pässe werden kontrolliert, wir müssen uns selbst in ein Buch eintragen und ein Spürhund wird um Gregor geschickt.

Wir fahren weiter bis zum nächsten Grenzposten, auch hier müssen wir unser Pässe vorzeigen. In der eigentlichen Haupthalle müssen wir dann ein Formular ausfüllen und ewig lange warten, obwohl wir bereits ein Indien Visum im Pass haben. Inder kommen und gehen, wir beobachten das quirlige Treiben und bekommen irgendwann endlich unsere Reisepässe gestempelt. Bevor auch unser Carnet de Passage einen Stempel erhält, wird das Motorrad noch von einem Grenzbeamten kurz durchsucht. Endlich sind wir offiziell in Indien eingereist und können nach Amritsar fahren. Matze ist heute wieder richtig schwach auf den Beiden, daher wollen wir einfach nur schnell ankommen!
In Pakistan gab es auf den Straßen neben Trucks und Autos immer nur ein und dasselbe Motorradfabrikat. Hier begegnen uns allerdings die unterschiedlichsten Motorräder und sogar Roller. Der krasseste Unterschied zu Pakistan: Uns begegnen auch rollerfahrende Frauen! Wir sehen außerdem Fahrradrikschas, Männer mit den typischen Turbanen und bereits viele heilige Kühe auf den Straßen.
Mittags erreichen wir dann das Mrs Bandhari Guesthouse. Dieses wurde uns als Treffpunkt für Overlander und als Paradies mit Pool, Selbstbedienungskühlschrank (mit Bier) und Zeltmöglichkeit empfohlen. Also der perfekte Ort um sich von Pakistan zu erholen und Matzes anstehenden Geburtstag zu feiern! Dummerweise sind wir bei unserer Ankunft die einzigen Overlander, der Pool ist bereits trocken und über den Kühlschrank voller Bier kann sich Matze erstmal nicht freuen. Im Iran herrscht striktes Alkoholverbot und auch in Pakistan ist kaum Alkohol zu bekommen. Dort haben wir uns oft nach Amritsar und dem indischen Bier gesehnt.
In einer der Garagen erspähen wir eine BMW mit österreichischem Kennzeichen. Der freundliche Mann an der Rezeption erklärt uns, dass der Besitzer derzeit in Goa ist und die Maschine hier solange geparkt hat.
Matze geht es immer schlechter und daher fahren wir mit einem Tuktuk in die nächstbeste Apotheke. Wir erklären dem „Apotheker“ Matzes Symptome und dieser nickt. Er öffnet einige Schubladen und schneidet verschiedene Tabletten von mehreren Blisterverpackungen ab, packt alles in ein Tütchen, kassiert 2,50 € und erklärt uns wann was zu nehmen sei.

Zurück im Guesthouse schlagen wir unser Zelt im Garten auf,
unsere direkten Nachbarn sind Wasserbüffel und spielende indische Kids.

Melli ordert ein vegetarisches indisches Thali Set zum Mittagessen. Ein Thali Set ist eine Kombination aus verschiedenen, typischen indischen Gericht. In diesem Fall werden Reis, Chapati, Dal und eine leckere Auberginenpaste aufgetischt.

Unser Gastgeber empfiehlt für Matze Reis, Joghurt und Banane. Er kann jedoch kaum etwas essen, er nimmt die Tabletten also fast auf leeren Magen und es quälen ihn am Abend furchtbare Schmerzen.
Selbst nachts ist es hier laut, es wird ununterbrochen gehupt, von allen Seiten dröhnt Musik in unsere Ohren und ständig knallt und knistert irgendwo ein Feuerwerkskörper. Welcome to India!
Dienstag, 14.11.2017 Amritsar
Wegen den schlimmen Krämpfen in der letzten Nacht überlegt Matze die Tabletten wieder abzusetzen. Wir versuchen herauszufinden was er da eigentlich gerade am Schlucken ist, gar nicht so einfach ohne Verpackung und Packungsbeilage. Matzes bester Freund ist im Medizinstudium und dessen Schwester Apothekerin, anhand des Folienaufdrucks auf den Tabletten können sie uns weiterhelfen. Es handelt sich um zwei Sorten Antibiotika und Tabletten um den Magen zu unterstützen. Da durch diese Tabletten leicht Resistenzen gebildet werden können empfehlen sie ihm die Einnahme abzubrechen nur bedingt. Da Matze grundsätzlich immer übel ist kriegt er auch kein Essen runter, und auf leeren Magen verursachen die Antibiotika dann die fiesen Krämpfe. Die Informationen über die Medikamente zu bekommen und den Kontakt nach Hause zu haben tut Matze sehr gut. Die Durchfallmedikamente aus unserer Reiseapotheke haben kläglich versagt und Matze ist nun bereits schon seit vielen Tagen krank. Also nimmt er die Antibiotika weiter in der Hoffnung dass sie bald anschlagen!
Im Garten des Guesthouses versuchen wir uns von den Strapazen der letzten Tage zu erholen. Für mehr sind wir heute einfach nicht im Stande!

Wir sind hier immer noch ganz dicht an der pakistanischen Grenze, ein Land geprägt von Wüste und spärlicher Vegetation. Aber hier in Indien tummeln sich Eichhörnchen und sogar exotische Papageien um uns! Es wachsen und gedeihen tropische Früchte und es ist angenehm warm!
Mittwoch, 15.11.2017 Amritsar
Die Antibiotika scheinen anzuschlagen, es geht Matze endlich etwas besser!
Das freut uns riesig, denn heute ist sein Geburtstag! Gerne hätten wir diesen mit anderen Overlandern gebührend gefeiert, aber es ist niemand da und gesund ist Matze auch noch nicht.
Da das Internet bei Mrs Bandhari nicht funktioniert, machen wir uns auf in die Stadt um Simkarten zu besorgen.
Leider ist es ein kompliziertes Unterfangen in Indien Simkarten zu bekommen: Neben Pass und Passfoto braucht man auch noch eine Art Empfehlungsschreiben eines Gastgebers. Mit all dem ausgerüstet lassen wir uns in einen Handyladen fahren. Der Stadtteil in dem der Handyladen liegt wirkt fast schon modern auf uns. Foto Stadtteil Handyladen

Im India Airtel-Shop nimmt man unsere Daten auf, hält Rücksprache mit unserem Gastgeber und dann müssen wir erst mal lange warten. Wir fragen daher ob es in der Nähe vielleicht ein Drogeriegeschäft gibt, denn wir brauchen einen neuen Nagelknipser. Einer der Angestellten geht uns daraufhin prompt einen besorgen, sehr nett! Irgendwann haben wir dann auch die langersehnten Simkarten in unseren Smartphones und die Verkäuferin verspricht uns das sie heute Abend noch freigeschaltet werden! Super, denn dann können die Nachrichten von Matzes Gratulanten durchkommen!
Im Mrs Bandhari Guesthouse gibt es ein Restaurant, welches neben indischer auch europäische Hausmannkost serviert. So feiern wir Matzes beginnende Genesung und den Geburtstag mit einer Lauchsuppe, Kartoffelpuree und gedämpften Gemüse. Welch herrliche Abwechslung zu seiner Schonkost die bisher nur aus trockenem Reis bestand!
Leider funktionieren die Simkarten immer noch nicht, und so gehen wir heute ohne Nachrichten von Familie und Freunden etwas traurig zu Bett (bzw. zu Luftmatratze und Schlafsack).
Donnerstag, 16.11.2017- Samstag, 18.11.2017 Amritsar: 0km
Matze erholt sich nur langsam von dem schlimmen Infekt. Und jetzt leidet Melli an dem sogenannten „Dehli-Belly“, der typischen unangenehmen Reisekrankheit in Indien. Daher ruhen wir uns viel aus und entspannen im Garten.
Außerdem lassen wir uns erneut zum Handyladen fahren, nach einigem Hin und Her bekommen wir endlich unsere Simkarten freigeschaltet. Dadurch können wir wieder mit unseren Liebsten kommunizieren und verbringen auch viel Zeit damit.
Freitag, 17.11.2017 Amritsar: 0km
Am Morgen lernen wir Wolfgang, den Besitzer der BMW in der Garage kennen. Er ist die Nacht von Goa nach Amritsar geflogen und fährt heute allerdings auch schon wieder weiter.
Ansonsten kommen derzeit leider keine anderen Overlander ins viel gerühmte Overlander-Paradies um uns Gesellschaft zu leisten.
Stattdessen lädt uns ein indischer Gast zu einem Tee ein und bittet uns bei ihm Platz zu nehmen. Wir nehmen dankend an und freuen uns über ein wenig Unterhaltung. Doch schon nach kurzer Zeit haben wir blutige Ohren, ausgelöst durch den unaufhaltsamen Redeschwall des Inders. Wir entkommen mit Mühe und Not den Fängen des redseligen Inders und lassen uns kurzerhand in die Stadt fahren. Matze fühlt sich ganz gut heute und seine Haare müssten dringend mal geschnitten werden. Wir machen einen Friseur ausfindig, erklären ihm per Zeichensprache wie die Frisur denn werden soll und das Ergebnis kann sich dann auch sehen lassen!

Wir genießen die gute Küche des Guesthouses (soweit es unsere Mägen zulassen) und entdecken hier auch unsere neuen Lieblingsgetränke: Mango und Bananen- Lassis!
Samstag, 18.11.2017 Amritsar: 0km
Von Amritsar sehen wir nur wenig, Regeneration ist uns erstmal wichtiger als Sightseeing. Ein Highlight lassen wir uns allerdings nicht nehmen und so besichtigen wir den goldenen Tempel, das höchste Heiligtum der Sikh.

Der Sikhismus ist eine monotheistische Religion, die im 15. Jahrhundert von Guru Nanak gegründet wurde. Er versuchte, mit der neuen Religion eine Verbindung zwischen Islam und Hinduismus zu schaffen. Wir sind gerade erst vom islamischen Pakistan ins hinduistische Indien gefahren und lernen hier nun viel über den Sikhismus:
Ein besonderes Merkmal des Sikhismus ist seine weltliche Orientierung und Diesseitsbezogenheit. Er möchte seinen Glauben vor allem für den Alltag nutzbar machen und sieht seine Hauptaufgabe im Dienst an der Schöpfung. Daraus ergeben sich bestimmte Glaubenssätze und Werte, die den Sikhismus ausmache:
Gleichheit: Der Sikhismus glaubt an die Einheit aller Wesen. Alle Wesen sind gleich vor Gott und tragen Gottes Seele. Somit sind Toleranz und Respekt vor der Schöpfung für die Sikh sehr wichtig. Die Gleichheit von Mann und Frau wird betont und Diskriminierung jeglicher Art strikt abgelehnt. Deshalb sind auch Menschen aller Religionen und Kasten in den Tempeln der Sikh jederzeit willkommen.
Gerechtigkeit: Aus der Gleichheit folgt die Gerechtigkeit allen Wesen gegenüber. Ein Verstoß gegen die Gerechtigkeit ist ein Verstoß gegen Gottes Willen. Dharma wird im Sikhismus auch als „Pfad der Gerechtigkeit“ verstanden.
Handeln: Nach dem Sikhismus kann Erlösung alleine durch Meditationn und Erkenntnis nicht erreicht werden. Ebenso wichtig ist es, sich im Leben zu engagieren, einer ehrlichen Arbeit nachzugehen, fleißig zu sein und Gerechtigkeit durch sein Handeln umzusetzen. Ganz allgemein ist Produktivität und Dienst an der Schöpfung ein wichtiger Faktor.
Positive Einstellung: Man sollte immer eine positive Einstellung zum Leben behalten und auch in schwierigen Zeiten glücklich sein.
Familie: Es ist die Aufgabe eines Sikh eine Familie zu gründen und Kinder aufzuziehen, um den Fortlauf der Schöpfung zu erhalten. Dieses Konzept wird als Gegensatz zu dem Leben als Mönch gesehen, das eine gängige spirituelle Praxis in Indien ist.
Teilen: Ein Sikh soll seinen Besitz mit den ärmeren und bedürftigen Teilen. Es wird geboten 10 % seines Verdiensts mit der Allgemeinheit zu teilen.
Gottes Willen akzeptieren: Gottes Willen drückt sich sowohl in, für uns guten, wie auch schlechten Ereignissen aus. Dies zu akzeptieren ist ein Weg zur Erlösung.
Wahrheit: Ein Sikh sollte stets nach der Wahrheit streben. Alles was unlogisch ist wird abgelehnt. Dazu gehören Aberglauben, Esoterik, Okkultismus und sinnlose Rituale. Es gibt viele Pfade zu Gott. Der Sikhismus sieht sich selbst nicht als der einzige Weg zu Erlösung. Wahrheit wird über Ideologie gestellt.
Ein rechtschaffenes und tugendhaftes Leben zu führen ist für die Sikh die wichtigste Pflicht im Leben.

Der Goldene Tempel wurde im 16 Jahrhundert erbaut. Tempel der Sikh stehen grundsätzlich allen Menschen, aus allen Religionen offen. So weisen im Goldenen Tempel von Amritsar, vier Eingänge in die vier Himmelsrichtungen, um zu zeigen, dass die Sikhs allen Menschen offen gegenüberstehen und sie willkommen heißen in ihrem Tempel. Wir müssen um eintreten zu dürfen unsere Schuhe abgeben und eine Kopfbedeckung tragen.
Da der Sikhismus, seinem Verständnis nach auf Rituale und Götzen verzichtet, gibt es keinen Altar, keine Sakramente und keine Priester. Das Zentrum bildet deshalb nur das Buch der Sikh-Weisheiten, das Guru Granth Sahib. Dieses wird in der Haupthalle auf einem Thron präsentiert.

Die Haupthalle befindet sich eingebettet in einem See. Dem Glauben der Sikhs zufolge kann, wer im heiligen Wasser badet oder davon trinkt, sein persönliches Karma verbessern.
Wir fühlen uns hier gleich wohl, es ist angenehm ruhig und es herrscht eine sehr friedvolle Atmosphäre. Nach einer Weile landen wir im sogenannten Langer, eine Besonderheit der Sikh Tempel: Ein offener Speisesaal, der nach den Grundsatz von Gleichheit zwischen den Menschen unabhängig von ihrer Religion, Kaste, Hautfarbe, ihres Alters oder Geschlechts gestalten wurde. Er soll die grundlegenden Prinzipien von Teilen, Gemeinschaft, Integration und Einheit repräsentieren. Jeder ist willkommen, um an den Speisungen teilzunehmen. Finanziert wird das Langer durch Spenden und ehrenamtliche Arbeit. Wir bekommen eine einfache köstliche Mahlzeit serviert, die wir auf dem Boden sitzend mit vielen Gläubigen einnehmen.


Im Anschluss wird das Geschirr von Freiwilligen gespült und getrocknet.


Auch die Küche in der täglich tausende Mahlzeiten zubereitet werden kann man besichtigen und auch gerne helfen. Nachts ist es den Pilgern sogar gestattet, unter den Arkaden und in angrenzenden Räumen zu schlafen. Als es beginnt zu dämmern leuchtet der Tempel in einem magischen Gold und wir genießen die besondere Atmosphäre hier sehr.

Sonntag, 19.11.2017 Amritsar
Wir fühlen uns wieder gut erholt und beschließen daher heute unseren letzten Tag hier in Amritsar zu verbringen. Damit wir morgen bei Zeiten los können und endlich wieder unsere elektronischen Geräte laden können, gönnen wir uns heute ein Zimmer im Guesthouse. Dadurch können wir bereits heute unser Zelt abbauen und das Motorrad bis auf wenige Kleinigkeiten fertig packen.
Da wir Bargeld benötigen machen wir uns anschließend zu Fuß auf die Suche nach einem Geldautomaten.
Unser Weg führt zunächst durch eine relativ ruhige Marktstraße.

Doch schon bald befinden wir uns mitten um Trubel und kämpfen uns durch eine total überfüllte, typische indische Einkaufsstraße.

Schnell sind wir total genervt und einen Geldautomaten scheint es hier auch nicht zu geben. Per Fahrradrikscha lassen wir uns dann zu einem funktionierenden Geldautomaten kutschieren.
Zurück an unserer Unterkunft erspähen wir vorm Tor einen Landcruiser, der sehr nach Overlander Fahrzeug aussieht. Ob wir endlich Gleichgesinnte treffen werden? Sieht ganz so aus, denn der Wagen hat ein deutsches Kennzeichen! Aus dem Toyota steigt ein Paar in unserem Alter mit einem kleinen Welpen aus. So lernen wir Matthias und Theresa kennen, die genauso wie wir durch Pakistan und den Iran hierhergekommen sind. Und im Iran haben sie Joey, einen kleinen zuckersüßen Mischlingswelpen aufgelesen. Wir verbringen den Nachmittag mit den Dreien im Garten des Guesthouses und passen abends auf Joey auf, damit die beiden den goldenen Tempel besichtigen gehen können.


Zum krönenden Abschluss gibt es endlich, seit langer langer Zeit wieder ein Bierchen für Matze und zwar indisches Kingfisher.

Hinten auf der Flasche steht beim Alkoholgehalt zwischen 3,75 % und 6,35% und der Geschmack ist auch eher gewöhnungsbedürftig.

Am nächsten Morgen geht es endlich weiter…

Der See entstand durch einen Erdrutsch am Hunza-Fluss bei dem ganze Dörfer überschwemmt wurden. Wir genießen den herbstlichen Karakorum Highway nochmal in vollen Zügen, bestaunen erneut das schöne Hunzatal und die kleinen urigen Bergdörfer entlang des Weges. 

Zurück in Gilgit schlagen wir wieder unser Zelt im Innenhof des PTDC Hotel auf und spazieren etwas durch die Stadt.

In einem Straßenrestaurant wird uns neben dem typischen Reis und Dal auch Rindfleisch aufgetischt. 
Es schmeckt richtig gut!
Da die Eskorte allerdings noch auf sich warten lässt, essen wir hier noch eine Kleinigkeit zu Mittag.

Dieser Aufenthalt im Shangrila Hotel ist nicht annähernd so schön wie der Erste, denn wir vermissen unsere österreichischen Freunde!
So haben wir heute keine reine Fahrzeit von ca. 4 Stunden bis ins PTDC in Balakot vor uns, sondern eine doppelt so lange von 8 Stunden bis ins PTDC in Besham. Die Strecke nach Besham gehört allerdings noch zum Karakorum Highway und führt uns zu Beginn oberhalb grüner Täler durch schöne Landschaften.


Wir essen in einem Restaurant am Straßenrand zu Mittag, uns wird frisch gebackenes Fladenbrot und Leber aufgetischt. Beides sehr lecker!
Wie so oft in derartigen Restaurants in Pakistan, stehen auf den Tischen große Wasserbehälter und Trinkbecher, aus denen die Gäste trinken können. Normalerweise meiden wir solches Wasser und Becher. Matze will sich aber ,, abhärten“ und trinkt ab und an ein paar kleine Schlucke, so auch heute.
Wie so oft ziehen wir und das Motorrad die Aufmerksamkeit der Pakistanis auf uns.
Als wir in Besham beim PTDC Hotel ankommen ist es schon spät, es war ein langer und anstrengender Fahrtag. Wir dürfen für umgerechnet 7 € im Garten zelten und nehmen das Angebot gerne an.
Auch heute haben wir einen langen Weg von über 6 Stunden vor uns. Matze geht es mittelmäßig. Vor der Stadt Mansehra erhalten wir mal wieder eine Eskorte. Diese besteht aus zwei bewaffneten Polizisten vom „Antiterrorsquat“ auf einem kleinen Moped. Während wir gerade brav unserer Eskorte durch den dichten Verkehr folgen, rutschen wir plötzlich in einer steilen Kurve einfach weg! Wir drehen uns noch auf dem Motorrad sitzend um unsere eigene Achse und rutschen eine gefühlte Ewigkeit über den Asphalt. Sofort sind Pakistanis zur Stelle die sich um uns kümmern und uns helfen das Motorrad wieder aufzustellen. Matze geht es soweit gut. Melli ist auf ihren linken Ellenbogen aufgeschlagen, doch die Protektoren in Ihrer Jacke haben das Schlimmste abgefangen. Gregor scheint soweit auch in Ordnung zu sein! Der linke Koffer ist verschrammt und vor allem der linke Sturzbügel hat was abbekommen.
An dieser Stelle mal wieder ein großes Dankeschön an unseren Partner Wunderlich GmbH für die zur Verfügung gestellten
Nach über drei Stunden haben wir genug davon und wollen uns eine Übernachtungsmöglichkeit suchen, Matze ist noch sehr schwach. Laut Google ist das nächste Hotel noch 10 km entfernt, doch am markierten Ort angekommen sehen wir bloß ein paar Schuppen? Das nächste Hotel entpuppt sich als Restaurant. Im nächsten findet eine Hochzeit statt und daher ist kein Zimmer verfügbar, ein weiteres hat keinen sicheren Parkplatz für Gregor. Viele Kilometer später kommen wir an ein Luxushotel mit utopischen Preisen, die nächste Herberge hat kein warmes Wasser, kein Internet aber super dreckige Zimmer. Am Ende des Tages landen wir in Lahore. Nach über 12 Stunden Fahrt, Matze fühlt sich wie in einem Rausch. Abgesehen von zwei Bananen hat er nur Wasser zu sich genommen. Bevor wir zum uns bereits bekannten Panoramic View Hotel fahren, machen wir noch einen Abstecher zu unserem geliebtem Salt`nPepper Restaurant! Matze hat Hunger und Lust auf Essen, ein gutes Zeichen. Er kann aber dann doch bloß etwas Reis essen. Nach dieser Tortur heute es geht ihm wieder schlechter. Todmüde und erschöpft, aber auch erleichtert darüber es bis nach Lahore geschafft zu haben, gehen wir zu Bett.




Wir bekommen auch heißes Wasser zum Duschen, es wird für uns in einem Kessel mit Feuer erhitzt! Auch hier scheinen wir die einzigen Gäste zu sein. Im Restaurant essen wir bevor wir schlafen gehen noch zu Abend. 

Dort ist auch direkt der nächste Checkpoint, wir müssen mal wieder unsere Pässe vorzeigen und sämtliche Daten eintragen. Wir befinden uns nach dem Überqueren des Babusar Top in der Region Giligit-Baltistan. Dies ist offiziell keine pakistanische Provinz, sondern ein pakistanisches Sonderterritorium unter Bundesverwaltung. Die nördlichste Region Pakistans für viele unbemerkt Teil des Kaschmir Konflikts. Die Menschen Gilgit- Baltistans fordern keine Abspaltung, sondern das Gegenteil. Sie wollen dass Pakistan sie endlich offiziell als Bürger des Landes anerkennt. Doch würden die Verantwortlichen Pakistans dies tun, würden sie auch Jammu Kaschmir als Teil Indiens anerkennen.
Das Zimmer ist nicht schlecht jedoch ist das Mobiliar wie immer in die Jahre gekommen. Heißes Wasser und Internet gibt es keins für uns.
Als Olli und Remo vorbeikommen halten sie ebenfalls und versorgen uns mit Mangosaft und indischen Chips.
Als wir fahren wollen halten zwei Pakistanis, sie unterhalten sich kurz mit uns und wollen Selfies machen. Wieder unterwegs fällt Melli auf, dass einer ihrer Motorradhandschuhe fehlt!? Wir kehren um, Melli sucht den Straßenrand ab und Matze den hinteren Teil unseres Rastplatzes, leider ohne Erfolg. Also fahren wir weiter, im Iran hatten wir ein Paar Stoffhandschuhe erstanden, diese werden nun herhalten müssen wenn es kälter wird. Wir passieren einen Punkt an dem sich die drei großen Gebirge Himalaya, Hindukusch und Karakorum treffen bevor wir am frühen Nachmittag die Stadt Gilgit erreichen. Unsere erste Anlaufstelle ist das dortige PTDC Hotel. Hier wir dürfen eine Nacht umsonst im Garten zelten und auch für Mr. Rolli gibt es einen sicheren Stellplatz.
Wir schlendern ein wenig durch die Stadt, kaufen frisches Fladenbrot und kühle Getränke. Olli und Remo zaubern uns dazu einen leckeren Salat. Den Rest des Tages entspannen wir im Garten, die Sonne scheint und es ist herrlich warm. Doch als die Sonne hinter den hohen Bergen versinkt wird es dann richtig kühl. Im Hotelrestaurant essen wir Vegetable Biryani zu Abend und trinken noch ein paar Tassen Chai um uns aufzuwärmen. In der Nacht hat es 8 Grad Celsius.
Die Täler sind herbstlich bunt eingefärbt und wir müssen mehrmals anhalten um zu Genießen: 







In Hussaini halten Olli und Remo ebenfalls. Hier gibt es eine der längsten Hängebrücken Pakistans. Matze traut sich drauf, während Melli sich diesen Spaß lieber verkneift!
Die Brücke ist nicht nur extrem hoch, sondern auch unheimlich wackelig. Es gibt bloß einzelne dünne Holzbalken als Tritte, die weit voneinander entfernt in der Luft hängen, darunter liegt der reißende Fluss.
An einer kleinen Hütte am Straßenrand löffeln wir eine typische Suppe und trinken Chai.
Kurz bevor wir unser Tagesziel erreichen passieren wir den Passu Gletscher. Die Straße führt ganz dicht an ihm vorbei, das haben wir so noch nirgends gesehen.
In Passu gibt es bloß 3 Hotels, wir entscheiden uns für das Sarai Silk Route, da es auch jetzt am Nachmittag trotz der hohen Berge noch ein wenig Sonne abbekommt. Auch hier nehmen wir uns lieber ein Zimmer anstelle das Zelt aufzubauen. Denn hier wird es nachts schon unter 0 Grad. Das Zimmer hat einen schönen Bergblick, doch es gibt kein heißes Wasser und wie immer auch keine Heizung.
Als dann die Sonne verschwindet wird es richtig kalt. Die Zeit bis zum Abendessen wollen wir mit Kartenspielen in unserem Zimmer überbrücken. Doch wir verquatschen uns mit Olli und Remo, die Karten bleiben unberührt und die Zeit vergeht auch so wie im Flug. Wir verstehen uns einfach super mit den Beiden und haben tierischen Spaß zusammen. Schade dass sich unsere Wege schon bald trennen werden.


Gregor muss ganz schön kämpfen, wir spüren einen deutlichen Leistungsverlust in dieser Höhe.
Kurz vor der chinesischen Grenze dürfen wir dann nicht mehr weiterfahren. Um in China mit dem eigenen Fahrzeug einreisen zu können, braucht man neben viel Papierkram auch einen Guide. Doch wir lassen es uns nicht nehmen abzusteigen und zu Fuß bis zur chinesischen Grenze zu gehen.
Uns ist richtig schwindelig, Melli hat Kopfschmerzen, das Gehen fällt uns schwer: Wir sind höhenkrank! Kein Wunder, wir befinden uns hier auf 4.700 m Höhe. Der Khunjerab-Pass ist einer der höchsten befestigten Pässe der Welt. Es fühlt sich großartig an mit dem eigenen Motorrad hier hergefahren zu sein!
Der höchstgelegenste ATM der Welt ist leider gerade außer Betrieb.
Trotz strahlendem Sonnenschein und mehreren Kleidungsschichten ist uns eisig kalt. Um die Null Grad. Da kommt es uns gerade recht, dass es hier einen Teestand gibt. Der Chai schmeckt lecker und tut uns in dieser Situation richtig gut.
Der Betreiber erzählt uns, dass er nur noch zwei oder drei Tage hier sein wird, es ist Schnee gemeldet und somit ist die diesjährige Saison für ihn beendet. Doch wer kommt überhaupt hierher zum Teetrinken? Neben LKW-Fahrern und ein paar wenigen Overlandern, kommen ab und an noch pakistanische Touristen. Auch heute ist eine kleine Gruppe Pakistanis zur Grenze gefahren um Selfies zu schießen. Schnell werden wir zur Hauptattraktion ihres Ausfluges und sie machen lieber Bilder mit uns und dem Motorrad, anstelle vor der chinesischen Grenze. Zum Dank laden sie uns auf den Tee ein.
Während wir umgeben sind von den immer wieder aufragenden majestätischen Gipfeln der Siebentausender des Karakorum Gebirges, können wir es uns nicht verkneifen noch einige Fotostopps einzulegen. 


Als wir durch die hohen Felsschluchten den Rückweg antreten beginnt die Sonne bereits zu sinken. Zurück in dem Grenzstädtchen Sost suchen wir Olli und Remo um uns endgültig von ihnen zu verabschieden. Hier müssen sie noch die restlichen Formalitäten erledigen, bevor sie sich morgen auf den Weg nach China machen können. Der Abschied fällt uns schwer, wir haben die Beiden sehr lieb gewonnen und hoffen auf ein Wiedersehen!
der Umweg hier hoch hat sich mehr als nur gelohnt.
Der Norden Pakistans ist wunderschön. Gerne würden wir ihn wieder bereisen, im Frühjahr oder Sommer, mit Wanderschuhen und mehr Zeit im Gepäck!
Am Straßenrand spazieren ganze Herden von Wasserbüffeln entlang. Plötzlich halten wir an: das Moped der Polizisten hat einen Loch im Reifen und wird bei einem kleinem Shop am Straßenrand repariert. In der Wüste Belutschistans sahen wir keine Frauen und kaum Kinder, nur Männer in typischen pakistanischen Tuniken und Pluderhosen. Hier sehen wir zum ersten Mal auch Kinder und vereinzelt ein paar Frauen in bunten Gewändern. Melli lächelt mit ein paar pakistanischen Kindern um die Wette und hat endlich die Chance unterwegs mal ein paar Fotos zu machen.


Auf der gegenüberliegenden Seite entdecken wir einen Kiosk und möchten Wasser kaufen, dazu wird Matze von einem der Polizisten begleitet. Nachdem wir das Wasser ausgetrunken haben hilft einer der Polizisten uns beim Entsorgen des Mülls: er wirft die leere Plastikflasche einfach auf den Boden. Wir können nur mit dem Kopf schütteln! Die Reparatur des Reifens kostet die Polizisten umgerechnet übrigens 25 Cent, sie bekommen 50 % Rabatt als Beamte!
Während Matze mit seiner Mama skyped, klopft ein älterer Pakistani an die Tür und drängt sich rein. Er spricht kaum englisch, trägt keine Uniform aber gibt uns zu verstehen dass er Polizist sei. So ganz verstehen wir nicht was dieser Besuch soll. Er will Fotos von Matze und Melli, dann nur von Melli, dann Selfies mit Melli machen und unsere Handynummern (Geheimdienstfuzzy?). Matze kann sich etwas aus der Affäre ziehen, telefoniert einfach lauter und wendet sich etwas von ihm ab. Als er dann endlich weg ist, sind wir froh, können mal etwas relaxen und in Ruhe nachhause telefonieren. Rausgehen dürfen wir nicht, aber wir können Essen und Getränke von einem Restaurant nebenan bestellen. Wir entscheiden uns für typisches pakistanisches Essen:
Es klopft und der „Fuzzy“ steht wieder an der Türschwelle. Er will mit uns raus gehen, uns die Gegend zeigen und mit uns etwas Essen gehen. Aus verschiedensten Gründen lehnen wir mehr oder weniger höflich ab.
Mal geht das ruckzuck, mal dauert es elend lange. Dann halten wir Schwätzchen mit den Polizisten und posieren brav wenn sie Fotos oder Selfies mit uns wollen.
Wir werden mit heulenden Sirenen durch die chaotischen Städte gehetzt und wenn wir mal wieder über den Highway schleichen versuchen wir mit Gesten die Polizistin zum schneller fahren zu animieren. Einmal klappt das und die Eskorte deutet uns an sie zu überholen und Gas zu geben. Das lässt sich Matze nicht zweimal sagen und wird düsen davon.
Endlich kommen wir mal voran, können die lahmen Trucks überholen und haben unser geliebtes Freiheitsgefühl zurück. Doch zu früh gefreut, irgendwann will uns am Straßenrand wieder eine Polizeieskorte abfangen! Allerdings steht diese auf der anderen Seite des 3-spurigen Highways und dadurch können wir leider nicht richtig anhalten und fahren ohne zu zögern zügig weiter. Beim nächsten Mal stehen sie auf der richtigen Seite und fangen uns dann doch ab. Dieses Spiel geht noch eine Weile so weiter doch irgendwann schaffen wir es wirklich der Eskorte zu entkommen und wir werden auch nicht mehr abgefangen. Nachdem wir erstmal viele Kilometer „Sicherheitsabstand“ zwischen uns und der letzten Eskorten rausgefahren haben, gönnen wir uns die erste Pause in Pakistan am Straßenrand ohne Polizei.
Bis zu unserem heutigen Tagesziel Lahore sind es noch einige Stunden Fahrt. Die Zeit vergeht wie im Flug, denn wir können in unserem Tempo fahren und pausieren wann und wo wir wollen.
Bei unserer nächsten Pause an einer Tankstellte bekommen wir von den Einheimischen Stühle gebracht, man lädt uns zum Tee ein. Alle sind sehr höflich zu uns, reichen auch immer Melli die Hand. Einige sprechen gutes Englisch und viele Pakistanis wirken fast schüchtern uns gegenüber. Bevor sie ein Foto oder Selfies machen, fragen sie stets höflich ob dies denn in Ordnung wäre.
Das Navi führt uns durch einige Seitenstraßen durch die wir uns zu Fuß eher nicht durchtrauen würden. In einer davon gibt es ausschließlich Fleischwaren, links und rechts hängen sämtliche Tierkörperteile und Innereien entlang der Straße aufgereiht.
Unser angepeiltes Hotel können wir nicht finden, die Adresse scheint wohl falsch markiert zu sein. Hotelpreise sind online meist nicht angegeben, also machen wir uns auf spontane Hotelsuche. Wichtig ist uns ein sicherer Parkplatz und nach einigem Suchen finden wir ein riesiges Hotel mit Schranke und Sicherheitspersonal. Melli geht in die Lobby nach dem Preis fragen und fühlt sich in ihrer dreckigen Motorradkombi hier total deplatziert, denn wir sind in einem 5 Sterne Haus gelandet in dem selbst das günstigste Zimmer 140 € kostet. (Da gerade die Deutsche Bank hier tagt sind außerdem alle günstigen Zimmer ausgebucht und nur noch Executive Zimmer ab 260 € verfügbar.) Alle Hotels in dieser sicheren Gegend scheinen außerhalb unseres Overlander-Budget zu liegen und wir müssen weiter durch Lahore fahren, was gerade sehr an unseren Nerven zerrt. Im dritten Anlauf werden wir dann mit dem Panoramic View Hotel fündig.
Es liegt in einer Seitenstraße der Mall Road, auf der es viele „Geschäfte“ gibt und abends reges Treiben herrscht. Für umgerechnet 36 € bekommen wir hier ein ordentliches Zimmer. Gregor dürfen wir in einer schmalen und düsteren Seitengasse direkt neben dem Hotel parken.
Wir freunden uns gleich mal mit dem Sicherheitsmann des Hotels an, er versichert uns ein Auge auf Gregor zu haben. Der Housekeeper unseres Stockwerkes ist super nett, wir seien seine „Specialguests“. Er begleitet uns sogar zu einem Geldautomaten, bietet uns an ihn per Whatsapp zu kontaktieren wenn wir etwas brauchen und er wäre außerdem Masseur, falls Matze eine Fußmassage bräuchte?? Ähm, nein danke. Wir fragen stattdessen ob er uns denn ein Restaurant empfehlen könnte und landen so zum Abendessen im Salt`n Pepper. Dieses liegt einen kurzen Fußmarsch entfernt auf der Mall Road, auf der wir uns sicher fühlen und übertrifft unsere Erwartungen. Unser Kellner ist super nett, das Essen verdammt lecker. Das Salt´n Pepper ist eine Restaurantkette die auch Filialen in Islamabad, Karachi und sogar London hat. Das Ambiente wirkt für unsere Verhältnisse mittelmäßig, die Preise günstig. Um uns herum sitzen viele pakistanische Familien die eher wohlhabend wirken. Auch hier gibt es bewaffnetes Sicherheitspersonal vor der Tür! Wir essen eine Kombination aus typischen pakistanischen Gerichten: pikantes Boneless Chicken Handy, Vegetabel Biryani, Raita und Kachumar Salat. Dazu gibt es leckeres Knoblauch-Nanbrot.
Ein schönes Gefühl das Hotel verlassen zu dürfen, und ein noch schöneres Gefühl in ein Restaurant essen gehen zu können!
Er schmeckt uns viel besser als im Hotel und der Preis von 25 Cent lässt sich auch verschmerzen. Da wir uns endlich frei bewegen können steht uns der Sinn nach ein wenig Sightseeing. Um uns den stressigen Verkehr zu ersparen, lassen wir uns mit einem Tuktuk durch die Stadt fahren.
In der Nähe der Badschahi Mosche werden wir abgesetzt und suchen deren Eingang. Dabei kommen wir an der Food Street vorbei, die im Rotlichtbezirk neben der alten Stadtmauer eingerichtet wurde. Leider sind die Restaurants in den jahrhundertealten, restaurierten Häusern aber gerade geschlossen.
Wir schlendern weiter durch ein paar ruhige Straßen und wundern uns was hier alles so auf der Straße liegt?
Irgendwann finden wir dann auch den Eingang zur Moschee, bevor wir reindürfen müssen wir noch unsere Schuhe abgeben und Melli ihre Haare bedecken.
Die Moschee ist wirklich sehr schön, doch es dauert nicht lange und schon sind wir die Hauptattraktion! Während Matze aus dem Hintergrund das Treiben vor der Moschee beobachtet, schaut sich Melli ein wenig alleine um.
Direkt ist sie von Pakistanis umringt, die Fotos und vor allem Selfies mit ihr machen wollen. Alle Fragen immer zuerst ganz höflich ob es denn in Ordnung sei. Wo wir herkommen wollen sie wissen, wie wir Pakistan finden, wo wir schon überall waren und noch hinwollen…Es werden immer mehr und es ist kein Ende in Sicht. 
Irgendwann wird es Melli dann zu viel und sie macht sich aus dem Staub. Auch Matze muss für Selfies mit den Mädels posieren. Jetzt wissen wir wie sich Hollywood-Stars fühlen 😉 In einem Seitengang machen wir noch ein paar Fotos, da kommt ein Pakistani auf uns zu: „Meine Frau möchte Sie gerne kennenlernen, ist dies okay für Sie“? „Klar, warum nicht!“ Wir reichen ihm und seiner voll verschleierten Frau die Hand. Sie redet nicht mit uns, wir wissen nicht ob sie das nicht darf oder sich nicht traut, so sprechen wir ein wenig mit ihrem Mann über ihr süßes Baby.
Durch den angrenzenden Park, den wir leider aufgrund des Smogs nicht richtig genießen können, geht es zum Ausgang.
Die Wachmänner am Ausgang möchten dann natürlich auch noch ein gemeinsames Bild!


In Dalbandin teilen wir uns die Straße mit Eselskarren und Ziegen.




Am Nachmittag fahren wir zunehmend durch kleinere Siedlungen und die Landschaft besteht nicht mehr gänzlich aus Wüste. Vor den Lehmhäusern stehen oft Brunnenanlagen und es wird vereinzelt auch Getreide oder Gemüse angebaut.
Manchmal allerdings Traktoren, Eselskarren oder Fahrräder.
Die Region Belutschistan ist reich an Bodenschätzen, die Bevölkerung gehört allerdings zu den ärmsten Pakistans. Eine Infrastruktur ist kaum vorhanden, genauso wenig wie Stromzufuhr und sauberes Trinkwasser. 88 % der Belutschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Mit der Zeit wird die Strecke immer bergiger und abwechslungsreicher, wir scheinen die Wüstenregion zu verlassen.
Der Verkehr in Quetta ist absolut chaotisch, und die Polizei will uns hier schnellstmöglich durchschleusen.
Im fliegenden Wechsel ändern sich unterwegs die Eskortfahrzeuge, zunächst der übliche Pickup, dann ein komplett gepanzertes Fahrzeug und am Ende sind es nur zwei Polizisten auf einem Moped.
Sowohl der Fahrer als auch der Sozius haben die AK47 umhängen und gekonnt schlängeln sie sich durch das Chaos. Wir können mit unserer breiten und schweren Maschine nur mit Mühe und Not folgen, quetschen uns vorbei an Tuktuks, Mopeds, allerlei Tieren und Trucks.
Am Straßenrand werden auf Karren Gemüse und Fische verkauft. Metzger bieten frisch geschlachtete Tiere an, daneben Mülldeponien auf denen barfüßige Kinder spielen und Ziegen nach Essbarem suchen.
Das Hotel dürfen wir nicht verlassen, wir sind uns auch nicht sicher ob wir es denn überhaupt verlassen wollen! Die Sicherheitslage in Quetta ist äußerst prekär, die Statistiken über unzählige Bombenanschläge und Attentate verdeutlichen uns dies. Letzte Woche gab es einen Bombenanschlag auf einen Polizeitruck bei dem 7 Polizisten ums Leben kamen.
Er fragt uns im Flüsterton ob wir denn ein Bier wollen. In Pakistan wäre Alkohol für Nicht-Muslime gestattet, Matze kann nach der anstrengenden Passage ein Bier vertragen und wir sagen zu. Für schlappe 10 USD bekommen wir so unterm Tresen zwei Dosen pakistanisches Bier verkauft. 

Am Abend klettern wir für ein winziges Freiheitsgefühl aufs Hoteldach während die Sonne über Quetta untergeht. 

Unsere Eskorte ist auch schon da, allerdings dürfen wir erst los als der ominöse Typ von gestern erneut auftaucht und sein Okay gibt. Nachdem die Hotelangestellten noch ein paar Fotos von uns gemacht haben können wir los.
Es ist unglaublich heiß heute! Bei den Eskortenwechseln werden wir oft gnadenlos gehetzt um schnellstmöglich weiter zu fahren! Oder wir müssen ewig am Straßenrand in unseren Motorradklamotten schwitzend in der Hitze warten bis eine neue Eskorte aufkreuzt und wir endlich weiter dürfen.
Total genervt fragen wir dann die Polizisten wann es endlich weiter geht, denn wir würden gerne ankommen, und zwar heute noch! Wir haben für uns beide gerade mal 1,5 Liter Wasser dabei und es gibt nicht ein einziges Mal eine Möglichkeit zur Pipipause. Manchmal schleichen die Eskortfahrzeuge unglaublich langsam daher, wir könnten so viel schneller vorankommen ohne sie!
Angeblich sollen wir ja außerhalb der Provinz Belutschistan ohne Eskorte fahren können. Doch auch als wir nach über 6 Stunden die Provinz Sindh erreichen, haben wir immer noch ein Eskortfahrzeug vor uns. Die Landschaft und auch die Menschen die wir sehen ändern sich hier im Vergleich zum Wüstenstaat Belutschistan schnell. Wir fahren entlang grüner Baumwollplantagen, in denen bunt gekleidete Frauen und Mädchen sitzend Baumwolle pflücken.
Einmal zieht sogar eine Karawane an uns vorbei.
Als es langsam beginnt zu dämmern und wir so langsam auch nicht mehr weiter können, versuchen wir auch das den folgenden Eskorten zu erklären. Sie nicken immer, und entgegen uns „Sukkur“. Dies ist eine noch über zwei Stunden entfernte Stadt! Bei jeder neuen Eskorte erklären wir dass wir nun endlich in ein Hotel wollen, doch es ist als reden wir gegen eine Wand. Jedes Mal werden wir bloß schnellstmöglich zum nächsten Checkpoint gebracht.
Es ist mittlerweile schon dunkel, wir sind stinksauer und fix und fertig. Diese zwei Stunden sind die schlimmsten Stunden auf unserer bisherigen Reise und auch darüber hinaus. Mit den Kräften am Ende, Schmerzen am ganzen Körper und einem letzten Rest Konzentration quälen sich Matze, Melli und Gregor hinter der Eskorte durch die Dunkelheit. Kurz vor der Stadt dann die erlösende Frage des nächsten Polizisten: „Which Hotel?“ Hier in Pakistan gibt es keine Hotels bei den üblichen Portalen wie Booking.com oder Expedia zu finden. Über Google findet man vereinzelt mal eins, allerdings ohne Bewertungen und Preise. In der Navigationsapp „Mapsme“ die viele Overlander benutzen, wurden aber zu Glück auch einige Hotels mit Bewertung und Preis eingetragen. Im Voraus hatten wir uns bereits Hotels in der App markiert und so halten wir ihm eins davon unter die Nase. Bereits in Quetta und Dalbandin hatten wir keine Wahl, mussten in heruntergekommenen und gleichzeitig verdammt teuren Hotels schlafen. Der Polizist nickt, wir fahren durch sehr abgelegene Viertel der Stadt und sorgen uns schon ob wir eine gute Wahl getroffen haben. Doch das „Decent Lodge Guesthouse“ liegt dann in einer Seitenstraße der Hauptstraße, auf der es Geschäfte und Restaurants gibt. Und Gregor parken wir direkt vor der Rezeption. Die Polizisten begleiten uns hinein, weichen uns nicht von der Seite. Zuerst diskutieren sie ewig mit dem Rezeptionist, wir vermuten es geht darum ob wir hier bleiben können. Endlich können wir einchecken, der Hotelangestellte ist nicht gerade freundlich zu uns. Der versiffte Hotelflur und die offenen Türen zu Gemeinschaftsstehklos lassen und schlimmes erahnen. Doch unser Zimmer für umgerechnet 26 € die Nacht ist relativ sauber und hat ein eigenes Bad. Wir sind vollkommen ausgehungert, es gab für uns keine Möglichkeit unterwegs irgendetwas zu essen, also wollen wir raus. Doch die Polizisten sitzen noch vor der Rezeption und wollen uns nicht gehen lassen. Wir sind einfach nur noch fertig. Den ganzen Tag sind wir durch die Hitze gefahren, ohne viel zu trinken, ohne Pipipausen, ohne auch nur eine kurze Erholungspause, ohne zu Essen. Und dann auch noch durch die Dunkelheit und viel länger als wir eigentlich in der Lage waren zu fahren. Melli hat heftige Migräne und Anzeichen eines Hitzestiches. Nach endloser Diskussion mit Polizei und Rezeption dürfen wir dann doch in ein Fastfood-Restaurant auf der Hauptstraße gehen. Die Restaurants haben eigene Sicherheitsleute an den Türen, vielleicht dürfen wir deshalb hierher? Pizza und Burger sind dann auch eher die Kategorie der Hunger treibst rein! Wir können nicht viel essen und nehmen uns den Rest mit. Zurück im Hotel nervt uns wieder die Polizei, denn sie will unbedingt wissen wann wir morgen losfahren wollen. Wir haben keine Lust uns jetzt auf eine Uhrzeit für morgen festlegen zu müssen. Das Einzige was wir gerade wirklich wollen ist Schlafen!

Es gibt auch nur ein einziges „Stehklo“ mit einem Eimer zum Spülen.
Es ist sehr simples aber gleichzeitig auch schmackhaftes Essen und wir sind dankbar für ihre Gastfreundschaft.
Hier gibt es bloß einen winzigen Gasherd, ein paar Waffenkisten und einen alten Fernsehapparat. Wir nehmen neben den Pakistanis auf dem Boden Platz.
Nach dem Frühstück schauen alle in die Glotze, es wird durchgezappt und auf dem Bildschirm erscheint Bear Grylls. Alle freuen sich und scheinen ihn sehr zu mögen. Doch dann gibt es einen Szenenwechsel, Bear Grylls schüttelt einem Afroamerikaner die Hand. Als dieser von den Levies als Obama identifiziert wird schalten sie direkt um. Eine Sendung über Affen sagt ihnen dann doch mehr zu 😉 Für uns eine komische Situation, die Levies unterhalten sich nicht wirklich mit uns. Als wir untereinander reden vermeiden wir es Wörter wie Taliban oder Operation Enduring Freedom in den Mund zu nehmen. Für Taliban benutzen wir daher das Deckwort „Ducktales“. Schließlich hat sich unsere Bundeswehr jahrelang an dem amerikanischen Krieg „gegen den Terror“ beteiligt. Schätzungen zu Folge wurden dadurch mehr als 176.000 Zivilisten in Afghanistan, Irak und hier in Pakistan getötet.
In einem winzigen Steinhäuschen direkt an der Straße nehmen wir mit den Levies auf dem Boden Platz, so sind wir wenigstens vor der Sonne geschützt. Wir werden zum Chai eingeladen und unterhalten uns so gut wie es geht mit dem Paramilitär. Stets werden wir nach dem Namen unseres Heimatlandes gefragt, ob wir verheiratet sind und Kinder haben. Mit einem uralten Satellitentelefon wird mit unserem nächsten Eskortfahrzeug Kontakt aufgenommen. Melli nutzt die Chance und fragt nach einer Toilette, der Levie zeigt auf einen winzigen Hügel in der Wüste auf der gegenüberliegenden Straßenseite 😉
Hier sollen wir endlich unser Nachtquartier beziehen, nachdem wir nun über 9 Stunden unterwegs sind. Über eine mit Müll zugeschüttete Treppe gelangen wir zu den Zimmern. Wir dürfen zwischen dem Standardzimmer und der „VIP-Variante“ wählen. Das VIP-Zimmer ist bloß größer, aber genauso versifft und heruntergekommen.
Ein Polizist begleitet uns zu einem Kiosk direkt neben dem Hotel, wo wir uns mit ein paar Snacks eindecken damit wir wenigstens etwas zum Abendessen haben. Der „Hotelier“ betreibt anscheinend auch ein Restaurant, aber wir lehnen dankend ab.
Gegen Mittag gibt es einen Grund zum Stoppen und Jubeln, denn wir haben gerade die 10.000 km Marke geknackt! Unfassbar wie viele Kilometer wir bereits hinter uns haben und wie weit wir mittlerweile von zuhause entfernt sind. Wir fahren an unzähligen „Achtung Kamel“ Schildern vorbei, sehen allerdings kein einziges. Hinter Bafq entdecken wir außerdem ein Schild mit der Aufschrift „Desert Camp“. Das klingt interessant für uns und wir versuchen unser Glück. Das Camp können wir gerade so erreichen, dann wird die Piste zu sandig für uns. Von hier aus sehen wir auch schon die ersten Sanddünen. Im Camp spricht niemand englisch und wir erklären mit Händen und Füßen dass wir hier schlafen wollen. Gregor dürfen wir im Inneren parken und in einem Lehmhaus bekommenwir Matratzen auf den Boden gelegt.
Stellenweise ist es ganz schön anstrengend die Sanddünen zu erklimmen, aber es macht uns gleichzeitig auch unheimlichen Spaß!
Der Sand unter unseren Füßen ist weich und warm, und auf jeder bestiegenen Düne bieten sich uns neue herrliche Ausblicke über die Wüste. Auch der Sonnenuntergang ist wunderschön. 


Im angrenzenden Nationalpark befahren wir eine Offroad-Piste und staunen über die schöne Natur die uns hier umgibt!
Bisher sind wir hier im Iran immer über sehr gute Highways und Hauptstraßen gefahren. Aber heute fahren wir über kleinere Nebenstraßen in Richtung Kerman. Irgendwann endet der Asphalt und wird zu einer ca. 80 km langen Schotterpiste!



Matze versucht Mellis Kofferschloss zu reparieren, Gregor bekommt eine Wäsche und neues Öl.

Im April wurden hier in Mirjaveh 10 iranische Grenzsoldaten von sunnitischen Militanten umgebracht.
Die Einheimischen meinen schließlich es wäre okay wenn wir mit dem Motorrad durchfahren. Kurz zweifeln wir noch ob das passt, aber wir wollen es versuchen und quetschen uns langsam durch die engen Gassen. Stellenweise ist es so schmal, dass wir nur mit Mühe und Not gerade so durchpassen!
Da haben wir Glück gehabt, denn eine Wendemöglichkeit hätte es auch nicht gegeben. Als wir auf der anderen Seite aus dem Dorf wieder rauskommen sind wir happy.
Zum Glück haben wir für die nächsten Tage eine Einladung einer iranischen Familie über Couchsurfing bekommen und müssen nur eine Nacht hier verbringen!
Solch eine würde sich gut über Gregors Tank machen! Auf dem Bazar des Imam-Platzes werden wir fündig und müssen unseren „Teppich“ demnächst nur noch irgendwie an Gregor anpassen.
Die restliche Wartezeit über machen wir es uns in einem kleinen Café gemütlich. 




Für den Eintritt zum Palast müssen wir als Ausländer allerdings den siebenfachen Preis zahlen! Aus dem obersten Stockwerk des Palastes erblicken wir blaue Kuppeln, emaillierte Türme und schlanke Minarette soweit das Auge reicht. Der riesige Naqsch-e-Dschahan-Platz ist mit seinen Moscheen, dem Königspalast und dem Bazar, ein beindruckendes und sehenswertes UNESCO-Weltkulturerbe und ein gutes Beispiel für die iranische Baukunst.



Wir probieren Kamelfleisch, welches einen eher gewöhnungsbedürftigen Geschmack hat und köstliches 
Wir schlafen aus, genießen ein gemütliches Frühstück, waschen unsere Wäsche, sichern und sortieren Bilder… Auch unsere Motorradkombis haben sich mittlerweile eine Wäsche verdient. Und die für Gregor neu angeschaffte Satteltasche muss noch ein wenig modifiziert werden, damit sie über den Tank passt. 

Die sich davor befindlichen Wasserfontänen werden abends in wechselnden Farben beleuchtet. Viele Iraner tummeln sich hier, wir beobachten, lassen uns treiben und schlendern über den Bazar. Vor einem Hotel entdecken wir eine Honda Africa Twin! So lernen wir ein deutsches Paar kennen, das auf dem Weg nach Kirgisistan ist, und verbringen einen netten Abend zusammen. 









Die Häuser bestehen aus Lehm und wir fühlen uns wie in einem orientalischem Märchen.


Es gibt hier neben viel Ramsch auch einige Schätze zu entdecken und der Besuch lohnt sich vor allem wegen der wunderschönen Architektur der Markthallen.
Zufällig entdecken wir ein Teehaus, das sich in einem ehemaligen Badehaus versteckt und genießen hier einen Tee.




Am späten Nachmittag beginnen wir Ausschau nach einer Campingmöglichkeit zu halten, verlassen die Hauptstraße und landen bei verlassenen Ruinen in verbrannter Umgebung. Zu unserer Linken entdecken wir Stacheldraht und schon kommen uns zwei Soldaten mit Hunden entgegen! Wir sollen bitte umkehren. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und suchen schnell das Weite. Als wir dann endlich eine gute Campingmöglichkeit gefunden haben wird es schon dunkel. Zu Beginn unserer Reise hätte uns solch eine Situation weitaus mehr gestresst, mittlerweile können wir damit schon lockerer umgehen! Nachts im Zelt entdecken wir dann bei der Routenplanung für den folgenden Tag: Wir zelten gerade in Aserbaidschan 😉 In der Ferne hören wir ein Heulen, für uns klingt es nach Wölfen oder Schakalen, welch seltsames gute Nacht Lied!
Der Weg führt uns vorbei am Sewansee, der größte See des Kaukasus und mit einer Höhe von 1.900 m einer der größten Hochgebirgsseen der Welt.
Die dort geplante Mittagspause lassen wir allerdings ausfallen, es ist uns einfach zu kalt. Das armenische Hochland bietet uns immer wieder fantastische Ausblicke, immerhin eine kleine Entschädigung für die schlechten Straßen! Nachmittags erreichen wir unser Ziel, das Bed&Breakfast 3Gs, welches von einem niederländischen Paar betrieben wird. Neben Stellplätzen für Fahrzeuge gibt es hier auch einen Zeltplatz, einen Pool mit Ausblick auf den Khosrov-Nationalpark , eine hübsche Gemeinschaftsküche, luxuriöse Waschräume und einen gemütlichen Chillout-Bereich.
Auf dem Parkplatz steht bereits eine BMW R1150 GS, woraus wir schließen das wir hier auf Freunde treffen 😉 Die beiden Letten, Rolands und Kitija kennen wir bereits von ihrer Facebook-Seite Motoaround . Wir freuen uns sehr über das persönliche Treffen und verstehen uns prima! Zum Abendessen fahren wir gemeinsam ins nahe gelegene Geghard, das Essen haut uns nicht vom Hocker, aber die Aussicht ist wunderschön!
Wir waschen Wäsche, schreiben Berichte, sortieren Bilder, schlafen aus und relaxen am Pool!
Zusammen mit Rolands und Kitija besichtigen wir den nahe gelegenen Tempel von Garni.

Wir unterhalten uns über das Reisen und erfahren von Sandra und ihrem Mann Marty auch viel über das Leben hier in Armenien. Dazu genießen wir auch das ein oder andere Gläschen armenischen Wein.
Dort müssen wir nun durch! In dem Moment als wir hineinfahren sehen wir kaum noch die Hand vor unseren Augen, es ist nass und bitterkalt. Plötzlich tauchen wie aus dem Nichts zu unseren beiden Seiten riesige, gespenstige Betonstelen auf. Melli läuft ein kalter Schauer über den Rücken, sie wartet nur darauf dass plötzlich die Nazgûl oder der Schneekönig persönlich samt seiner Armee der Toten dazwischen erscheinen. Die Betonstelen stammen aus der Sowjetzeit und markieren den höchsten Punkt des Vorotan-Passes auf 2.344m. Durch ein Schild erfahren wir, dass wir uns gerade auf der armenischen Seidenstraße befinden, doch für das obligatorische Erinnerungsfoto ist die Sicht einfach zu schlecht! Frierend und hoffend, dass wir es heute wieder aus dieser Suppe raus schaffen fahren wir weiter. Nach ungefähr 40 km schaffen wir es zwar nicht raus aus dem Nebel, jedoch finden wir in der Nähe von Sissian eine Campingmöglichkeit die zumindest unterhalb der dichten Nebelschwaden liegt. So sind wir zumindest nicht mehr der alles durchdringenden Nässe ausgesetzt, frieren nachts aber dennoch ein wenig.
Wir entscheiden uns dazu noch 80 km weiter zu fahren bis nach Agarak, direkt an der iranischen Grenze. Denn dort können wir im Hostel Samuel günstig im privaten Doppelzimmer mit eigener Dusche übernachten, genau das was wir jetzt brauchen! Auf dem Weg dorthin sehen wir in der Ferne die ersten iranischen Berge, und diese liegen zu unserer Freude in der Sonne. Wir treffen auf einen deutschen Fahrradreisenden und kurzer Zeit später halten auch zwei iranische Fahrradreisende, die uns mit leckeren Pflaumen versorgen.
Mit einem strahlenden Lächeln zeigen sie in Richtung der sonnigen, iranischen Berge und wir hören bereits hier in Armenien das erste Mal ein herzliches: „Welcome to Iran!“




