Samstag, 23.09.2017 Tiflis- Aserbaidschan 210 km

Endlich ist Gregor startklar! Wir verabschieden uns von Dima, unserem Mechaniker bei Bikeland und drehen noch eine Abschiedsrunde durch Tiflis. Danach geht es Richtung Süden, unser nächstes Ziel ist Armenien. Hinter Sadakhlo passieren wir ohne Probleme die georgische Grenze, auf armenischer Seite wird’s allerdings zum ersten Mal etwas komplizierter. Hier müssen wir Gregor parken und ins Zollgebäude gehen. Dort erhalten wir unsere Einreisestempel und auch ein spezielles Einreisedokument fürs Motorrad.  Vorbei die Zeiten in denen wir ohne viel Papierkram und ohne abzusteigen über die Grenze fahren können! Und kaum verlassen wir den Grenzposten, rennen uns zwei Jungs vors Motorrad und brüllen uns an: „Hello Mister, insurance, insurance  please come with me!“ Matze nickt einem der Beiden zu, und so sprintet dieser neben uns her und deute uns an zu einer Ansammlung von Häuschen zu fahren. Hier gibt es die grenztypischen Sachen wie Wechselstuben, Simkarten und eben Versicherungen.  Für 10 Tage sollen wir zuerst 30€  zahlen, dann nur noch 20 €. Wir lehnen danken ab, denn Versicherungspolicen mit verhandelbaren Preisen und die ganze Situation ist uns nicht geheuer.   Wir sind uns auch nicht sicher ob wir die Grenzpolice abschließen müssen oder ob sie freiwillig ist und so fahren wir weiter.

Armenien begeistert uns auf Anhieb, wir passieren wunderschöne Landschaften und ausschließlich kleine Dörfer, alles ist sehr ländlich, ruhig und friedlich! Am späten Nachmittag beginnen wir Ausschau nach einer Campingmöglichkeit zu halten, verlassen die Hauptstraße und landen bei verlassenen Ruinen in verbrannter Umgebung. Zu unserer Linken entdecken wir Stacheldraht und schon kommen uns zwei Soldaten mit Hunden entgegen! Wir sollen bitte umkehren. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und suchen schnell das Weite. Als wir dann endlich eine gute Campingmöglichkeit gefunden haben wird es schon dunkel. Zu Beginn unserer Reise hätte uns solch eine Situation weitaus mehr gestresst, mittlerweile können wir damit schon lockerer umgehen! Nachts im Zelt entdecken wir dann bei der Routenplanung für den folgenden Tag: Wir zelten gerade in Aserbaidschan 😉  In der Ferne hören wir ein Heulen, für uns klingt  es nach Wölfen oder Schakalen, welch seltsames gute Nacht Lied!

 

Sonntag, 24.09.2017 Aserbaidschan- Goght: 208 km

Bereits früh am Morgen bauen wir unser Zelt ab, futtern ein paar Kekse und fahren weiter. Der Weg führt uns vorbei am Sewansee, der größte See des Kaukasus und mit einer Höhe von 1.900 m einer der größten Hochgebirgsseen der Welt. Die dort geplante Mittagspause lassen wir allerdings ausfallen, es ist uns einfach zu kalt.  Das armenische Hochland bietet uns immer wieder fantastische Ausblicke, immerhin eine kleine Entschädigung für die schlechten Straßen! Nachmittags erreichen wir unser Ziel, das Bed&Breakfast 3Gs, welches von einem niederländischen Paar betrieben wird. Neben Stellplätzen für Fahrzeuge gibt es hier auch einen Zeltplatz, einen Pool mit Ausblick auf den Khosrov-Nationalpark , eine hübsche Gemeinschaftsküche, luxuriöse Waschräume und einen gemütlichen Chillout-Bereich. Auf dem Parkplatz steht bereits eine BMW R1150 GS, woraus wir schließen das wir hier auf Freunde treffen 😉 Die beiden Letten, Rolands und Kitija  kennen wir bereits von ihrer Facebook-Seite Motoaround . Wir freuen uns sehr über das persönliche Treffen und verstehen uns prima! Zum Abendessen fahren wir gemeinsam ins nahe gelegene Geghard, das Essen haut uns nicht vom Hocker, aber die Aussicht ist wunderschön!

 

Montag, 25.09.2017 – Mittwoch, 27.09.2017 Goght, Camping 3Gs: 20 km

Hier in Sandras und Martys Overlander-Paradies verbringen wir noch einige Tage um uns auszuruhen und zu erholen.Jeden Morgen kaufen wir in der Nähe frische Eier zum Frühstück. Wir waschen Wäsche, schreiben Berichte, sortieren Bilder, schlafen aus und relaxen am Pool! Zusammen mit Rolands und Kitija besichtigen wir den nahe gelegenen Tempel von Garni.


Leider hat man nicht immer Glück wenn fremde ein Bild machen…

Wir schauen uns ausserdem die  „Simphony of the Stones“ an, dies sind beeindruckende Basaltfelsen, deren Besuch sich im Gegensatz zum Tempel, unserer Meinung nach mehr lohnt.

Abends kocht Matze in der Gemeinschaftsküche immer köstliche Gerichte, die wir mit den anderen Gästen zusammen genießen. Ein besonderes Highlight: Geheiratete. Wir unterhalten uns über das Reisen und erfahren von Sandra und ihrem Mann Marty auch viel über das Leben hier in Armenien.  Dazu genießen wir auch das ein oder andere Gläschen armenischen Wein.

 

Wie wir mittlerweile wissen, droht uns eine Geldstrafe seitens der Polizei, wenn sie uns ohne Versicherung erwischt.  Und so fährt uns Sandra, die Besitzerin des Bed & Breakfast 3 Gs mit ihrem Jeep in die 30 km entfernte Stadt Jerewan, die Hauptstadt Armeniens.  Dort möchten wir die Versicherung, sowie eine Simkarte fürs Handy und US-Dollar für den Iran besorgen. Diese bekommen wir allerdings weder am Bankautomaten noch auf der Bank: In einem großen Supermarkt ist eine Geldwechselstube mit offener Tür und einer Menge Cash, wo wir unsere armenische Drahm problemlos eintauschen können. Ohne Sandras Hilfe wären wir sicherlich stundenlang durch Jerewan geirrt, und alles hätte viel länger gedauert! Im Gegensatz zu uns spricht sie armenisch und kennt sich gut aus in der Stadt.

Unser Tipp: Direkt an der Grenze wird uns die 10 Tages-Versicherung für 30€ (zwei Fahrer) und 20€ (ein Fahrer) angeboten. In einem offiziellem Versicherungsbüro in Jerewan zahlen wir nur 3,50€! Auf unserem Weg von der Grenze bis nach Jerewan passieren wir unter Herzklopfen viele Polizeikontrollen, werden aber zum Glück nie rausgewunken.

 

 

Donnerstag, 28.09.2017 Goght- irgendwo hinter Vorotan Pass: 215 km

Die Nächte hier in Goght werden zunehmend kälter!  Wir befinden uns auf ca. 1.650m Höhe und es geht gegen Ende der Saison, also ziehen wir heute weiter! Wieder geht es Richtung Süden, denn unser nächstes Ziel ist der Iran! Bei schönem Wetter cruisen wir gemütlich durch wunderschöne, hügelige Landschaft, bis es immer höher in die Berge geht. In den vor uns liegenden Bergkämmen sehen wir riesige Wolkenfelder, die wie ein weißer Schleier langsam aber stetig voran ziehen und alles auf ihrem Weg „verschlucken“.  Dort müssen wir nun durch! In dem Moment als wir hineinfahren sehen wir kaum noch die Hand vor unseren Augen, es ist nass und bitterkalt.  Plötzlich tauchen wie aus dem Nichts zu unseren beiden Seiten riesige, gespenstige Betonstelen auf. Melli läuft ein kalter Schauer über den Rücken, sie wartet nur darauf  dass plötzlich die Nazgûl oder der Schneekönig persönlich samt seiner Armee der Toten dazwischen erscheinen. Die Betonstelen stammen aus der Sowjetzeit und markieren den höchsten Punkt des Vorotan-Passes auf 2.344m. Durch ein Schild erfahren wir, dass wir uns gerade auf der armenischen Seidenstraße befinden, doch für das obligatorische Erinnerungsfoto ist die Sicht einfach zu schlecht! Frierend und hoffend, dass wir es heute wieder aus dieser Suppe raus schaffen fahren wir weiter. Nach ungefähr 40 km schaffen wir es zwar nicht raus aus dem Nebel, jedoch finden wir in der Nähe von Sissian eine Campingmöglichkeit  die zumindest unterhalb der dichten Nebelschwaden liegt.  So sind wir zumindest nicht mehr der alles durchdringenden Nässe ausgesetzt, frieren nachts aber dennoch ein wenig.

 

Freitag, 29.09.2017 irgendwo hinter Vorotan Pass- Agarak: 180 km

Nach der kalten Nacht brechen wir früh morgens auf. Wir befinden uns immer noch im alles verschluckenden Nebel, sehen kaum weiter als ein paar Meter, zudem ist es sehr dunkel, kalt und nass. Immer wieder müssen wir stoppen da direkt vor uns auf der Straße plötzlich große Kuhherden spazieren, die von reitenden Hirten begleitet werden. Unser Weg führt uns vorbei an dem Kloster Tatew, welches eines der schönsten Sehenswürdigkeiten Armeniens sein soll. Vor allem seine Lage und die Landschaft drum herum sollen beeindruckend sein.  Doch aufgrund des dichten Nebels bleibt uns der Ausblick darauf verwehrt. Die asphaltierte Straße endet und wir können nur erahnen wie es hier aussehen könnte, während wir uns in steilen und engen Serpentinen über eine Offroad-Piste höher in die Berge kämpfen.  Über 40 km geht es bei dichtem Nebel durch Berge, Wälder und kleine armenische Dörfer. Manchmal gibt es kurze Abschnitte mit schlechtem Asphalt,  und mehrmals windet sich die Piste in engen Kehren über matschige Passagen in die Höhe. Auf einer Schotterstrecke verlieren wir sogar unser Windschild, finden es aber zum Glück wieder! Völlig durchgefroren erreichen wir am frühen Nachmittag die Stadt Kapan. Im schicken Restaurant “Elegant“ wärmen wir uns bei Cappuccino, Suppe und Steak auf und kommen wieder zu Kräften. Wir entscheiden uns dazu noch 80 km weiter zu fahren bis nach Agarak, direkt an der iranischen Grenze.  Denn dort können wir im Hostel Samuel günstig im privaten Doppelzimmer mit eigener Dusche übernachten, genau das was wir jetzt brauchen! Auf dem Weg dorthin sehen wir in der Ferne die ersten iranischen Berge, und diese liegen zu unserer Freude in der Sonne. Wir treffen auf einen deutschen Fahrradreisenden und kurzer Zeit später halten auch zwei iranische Fahrradreisende, die uns mit leckeren Pflaumen versorgen. Mit einem strahlenden Lächeln zeigen sie in Richtung der sonnigen, iranischen Berge und wir hören bereits hier in Armenien das erste Mal ein herzliches: „Welcome to Iran!“

Im Hostel angekommen lädt uns der Betreiber Samuel auf einen Tee ein.  Zu unserer Überraschung endet die Einladung auf einen Tee jedoch mit einem großen Abendessen im Kreise seiner ganzen Familie.  Die beiden Kinder lernen englisch in der Schule und mit Samuel unterhalten wir uns viel über Armenien und sein neu gebautes Hostel. Wir werden vom Opa mit frisch geernteten Granatäpfeln und von der Oma mit eingelegten Feigen verwöhnt. Dieser Abend ist wirklich der perfekte Abschluss für unsere Reise durch Armenien. Gerne würden wir dieses schöne Land irgendwann erneut bereisen!