Freitag, 15.09.2017 Of- Tsikhisdziri: 171 km

Erst gegen Mittag verlassen wir unser schickes Hotelzimmer und fahren entlang der Schwarzmeerküste in Richtung Georgien. Hinter der Stadt Hopa stauen sich bereits kilometerweise die LKW bis zur georgischen Grenzen. Wie immer sind wir am Grenzübergang etwas aufgeregt doch es verläuft alles problemlos. Wir lernen hier einen jungen Ungaren kennen, der mit einer Art Liegerrad durch den Balkan über die Türkei bis nach Georgien reist! Durch den Austausch von Reisegeschichten können wir uns so die Wartezeit versüßen. Auf der georgischen Seite angekommen wechseln wir unsere letzte türkische Lira in georgische Lari und machen uns auf in Richtung Norden. Unsere erste Begegnung mit einem Einheimischen (nach den Grenzbeamten) haben wir wie so oft mit einem Tankwart. Dieser plappert uns fröhlich in seiner Landessprache zu, wir verstehen leider kein Wort aber lachen freundlich zurück. Auch mit der lokalen Tierwelt kommen wir von nun an ständig in Kontakt: Kühe am Straßenrand, Kühe die auf der Straße stehen, sie überqueren oder sogar auf der Autobahnmitte weiden. Unsere weitere Route führt uns entlang der Küstenstraße, vorbei an der Hafenstadt Batumi. Wir sehen von weitem die futuristische Skyline an der Standpromenade, doch lassen die große Stadt lieber links liegen und fahren durch die Randbezirke. Unsere Augen sind an den Anblick der heruntergekommen, sowjetischen Mehrfamilienhochhäuser nicht gewohnt, man sieht hier deutlich die Zeichen des Zerfalls der Sowjetunion vor rund 16 Jahren. Zwischen den riesigen Wohnblocks sind volle Wäscheleinen gespannt, die Menschen sitzen am Straßenrand und wirken sehr fröhlich und freundlich auf uns. Alles ist neu für uns, die georgische Schrift, der Verkehr und die gesamte Umgebung, es prasseln zu viele unterschiedliche Reize auf uns ein, wir fühlen uns überfordert! Nachdem wir das Einzugsgebiet von Batumi verlassen haben, fällt uns auf wie unglaublich grün die Umgebung hier an der georgischen Schwarzmeerküste ist, es wachsen Palmen und Bananenstauden.

Am Nachmittag finden wir eine Campingmöglichkeit bei einem Restaurant direkt am Meer. Hier treffen wir auf einen Russen, der ebenfalls auf seiner GS angereist ist 😉 Nach dem Versuch einer Konversation mit uns, die letztendlich an der Sprachbarriere  scheitert, torkelt er in sein Zelt.

Zum Abendessen probieren wir „Soko Kecze“, in einem Tontöpfchen gegarte und mit georgischem Sulguni-Käse überbackene Pilze. Und „Madame Bovary“, Kalbsrücken mit Kartoffeln, ebenfalls in einem Tontöpfchen gegart, mit Tomaten und Schmand verfeinert und mit Sulguni überbacken. Beides schmeckt uns richtig gut und während die Sonne im Schwarzen Meer versinkt endet unser erster Tag in Georgien.

Samstag, 16.09.2017 Tsikhisdziri- Mestia: 244 km

Heute geht’s ins Kaukasusgebirge! Wir fahren bis zur Stadt Poti und verlassen dann die Schwarzmeerküste in Richtung Norden. Durch kleine Dörfer, in denen Kühe, Hühner und auch Schweine an den Straßen rumlaufen, fahren wir über teilweise sehr holprigen Straßen. In der Stadt Sugdidi müssen wir tanken. Dummerweise meint der Tankwart er müsste Gregor und Matze nach dem Volltanken zusätzlich noch mit 2 Litern Benzin abduschen! Total relaxt meint er wir sollen uns doch mit etwas Wasser abspülen, während Matze in einer riesigen Benzinpfütze steht. Unsere Essensvorräte inklusive frischem Fladenbrot sind hinüber, immerhin hat der Tankwart die 2 Liter von unserer Rechnung abgezogen. Aber von nun an haben wir Benzingeruch in den Nasen. Wir fahren weiter entlang des Flusses Enguri, der im großen Kaukasus entspringt. Unser Ziel ist der Ort Mestia, gelegen in der Region Oberswanetien, die vor allem für ihre historischen Bergdörfer bekannt ist. Je höher wir kommen, umso schöner wird die Landschaft.

Wir halten bei einem lokalen Bienenzüchter der mit seinen Bienenboxen entlang des Flusses steht, probieren sämtliche Sorten seines Honigs und kaufen den Leckersten (Lavendel). Es geht vorbei an mehreren kleinen Wasserfällen und am frühen Nachmittag sehen wir bereits die ersten schneebedeckten Gipfel des Kaukasusgebirges. Angekommen in Mestia gönnen wir uns für die erste Nacht hier oben ein Zimmer in einem hübschen Guesthouse.

 

Sonntag, 17.09.2017 Mestia:  ca. 30 km

Vom Guesthouse wechseln wir heute auf einen Campingplatz in der Nähe, wo wir auf ein deutsches Paar treffen. Petra und Dieter haben mit ihrem Wohnmobil schon viele Länder bereist, wir verstehen uns prima und tauschen Reiseerlebnisse aus. Auf einer kleinen Ausfahrt ohne Gepäck erkunden wir am Nachmittag die Umgebung. Hierbei geht’s für uns das erste Mal durchs Wasser! Zuerst sind wir etwas verunsichert, steigen ab… schauen uns erst mal alles in Ruhe an… Hilft ja aber alles nix, wenn wir weiter wollen müssen wir es versuchen! Mit nassen Stiefeln und einem Grinsen im Gesicht kommen wir auf der anderen Seite an. Am liebsten würde Matze gleich nochmal durch 😉 Wir finden sogar noch eine weitere Wasserdurchfahrt abseits der Straße und kommen so bei dem heutigen Ausflug voll auf unsere Kosten! Zurück in Mestia gehen wir essen und probieren „Chashushuli“, georgischen Rindereintopf mit Tomaten und Kräutern, „Qababi“ und gegrilltes Schweinefleisch.  

Da dies das erste Land ist in dem wir Schweine in der Natur sehen, trauen wir uns auch das Fleisch zu essen. Der Geschmack ist nicht ansatzweise zu vergleichen mit dem , welches uns in Deutschland angeboten wird! Es schmeckt nach dem was es ist! Auch lassen wir uns einige Gläschen des jungen georgischen Weißweins schmecken. Vom Geschmack her geht er leicht in die Richtung Federweiser, aber in lecker! In der Nacht sinkt das Thermometer hier runter bis auf 7 Grad. Zum Glück halten uns unsere Daunenschlafsäcke schön warm.

 

Montag, 18.09.2017 Mestia-Ushguli-Mestia: 90 km

Offroad-Time! Ohne Gepäck wagen wir uns heute noch höher in die Berge, in das Dorf Ushguli auf 2.200 m, welches eines der höchsten, dauerhaft bewohnten Dörfer in Europa ist. Die ersten 15 km sind noch asphaltiert, doch danach bricht die Straße abrupt ab. Es folgt 4 km Baustelle, und wir müssen auf von LKW festgefahrenen Grund ausweichen.  Über Steine und Geröll erreichen wir ein kleines Dorf, hier besteht die Piste fast nur noch aus Schlamm. Wir schaffen es zum Glück heil durch und gönnen uns eine Rast an einem Flusslauf, wo wir Freundschaft mit einigen Kühen schließen.

Der Weg führt uns immer weiter hinauf in die wunderschöne Berglandschaft. Diese können wir allerdings nur teilweise genießen, denn die Piste ist gespickt mit riesigen Schlammlöchern. Einige davon ziehen sich über 10 bis 20 Meter hinweg, berghoch und oftmals durch Kurven! Mehrmals sehen wir uns schon im Schlamm liegen, doch unser treuer Gregor richtet sich immer in letzter Sekunde wieder auf! Auf den letzten Kilometern geht es noch einmal über Stock und Stein steil hinauf. Nach über zwei Stunden „Fahrt“ erreichen wir dann endlich Ushguli, Matze ist fix und fertig.

Mit Gedanken an den Rückweg im Kopf fällt es ihm schwer das Panorama zu genießen. Von hier aus haben wir einen wundervollen Blick auf den Berg Schara, der mit 5.200 m der höchste Berg Georgiens im Kaukasus ist.

Apropos Kaukasus:  Unser Zelt namens Caucasus haben wir heute mit im Gepäck und platzieren es vor dem Gipfel des Scharas. Wir haben es von der Firma Coleman zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank an dieser Stelle!

Gerade als wir das Zelt fertig abgebaut und verstaut haben, rast ein Polizei Auto auf den Hügel. Hier dachte wohl jemand, dass wir hier übernachten wollen 😉

Wir treten den Rückweg an und werden von 2 Jungs stilecht auf Pferden verabschiedet. Auch hier wird uns alles abverlangt, wir kämpfen uns wieder durch die Schlammlöcher und denken jedes Mal das Schlimmste hinter uns zu haben.  Doch weit gefehlt, es folgen immer wieder noch schlimmere Abschnitte an die wir uns gar nicht mehr erinnern können. Im Baustellenabschnitt ist die festgefahrene Straße mittlerweile durch Geröll überschüttet worden, hier kommen wir nur mit Mühe und Not durch. Zurück auf der asphaltierten Straße wartet Melli nur darauf, dass Matze den Teer küsst 😉  Heute sind wir besonders stolz, stolz auf unser Motorrad und überrascht darüber was Gregor alles abkann! Das Vertrauensverhältnis zwischen Matze und Gregor ist wieder einmal gewachsen. Unser kleiner Dreckspatz nach der Tour: 

Jetzt aber schnell ab unter die Dusche!

Für umgerechnet 2 € wird Gregor wieder Saubergespühlt.

Zur Belohnung gönnen wir uns wieder georgische Köstlichkeiten mit kühlem Bier und erfrischender Limonade.  Es gibt zum Beispiel „Nigsiani Badrijani“ und eine Käseplatte mit georgischem Bergkäse sowie geräuchertem und ungeräuchertem Sulguni.

 

Dienstag, 19.09.2017 Mestia- irgendwo im Wald bei Kutaissi 217 km

Per Email hat Melli seit Längerem Kontakt zu der Motorradwerkstatt Bikeland in Tiflis, in der Hoffnung dass wir dort vielleicht unsere Kupplung erneuern können. Angeblich ist das passende Teil auf Lager. Wir ersuchen Rat bei Michi und Arno, unsere Ansprechpartner bei Wunderlich. Diese leiten die Eckdaten direkt an einen ihrer Spezialisten Thomas weiter. Er antwortet uns prompt und nach der Überprüfung der Fahrgestellnummer gibt er uns das OK! Vielen Dank an dieser Stelle für die schnelle und kompetente Hilfe! Voller Zuversicht machen wir uns daher heute auf den Weg in Richtung der georgischen Hauptstadt. Von Mestia geht es die schöne Strecke durch die Berge und entlang des Enguri Flusses bis nach Kutaissi. Doch bis nach Tiflis schaffen wir es nicht an einem Tag, und so schlagen wir am späten Nachmittag unser Zelt auf einer Wiese neben einen kleinen Bachlauf auf. Wir sind uns nicht sicher, ob unser Zeltplatz wirklich abgeschieden genug von den kleinen Dörfern in der Nähe ist und haben dadurch einen unruhgien Schlaf.

Mittwoch, 20.09.2017 irgendwo im Wald bei Kutaissi – Tiflis: 230 km

In der Frühe werden wir durch Schüsse geweckt. Wird in der Nähe gejagt? Werden auf diese Weise in den Dörfer ungebetene, tierische Gäste vertrieben? Oder schießen sie hier auch wieder auf Dosen? Wir wissen es nicht und packen lieber schnell zusammen. Doch durch die Nähe zum Bachlauf sind Zelt und Motorrad total nass geworden und auch wir haben Besuch: auf und unter unserem Zelt sitzen kleine Frösche! Vorbei am Bordschomi Nationalpark und der Stadt Goris fahren wir durch die grünen Landschaften Georgiens bis wir am späten Nachmittag Tiflis erreichen. Wir können die Werkstatt nicht auf Anhieb finden, doch zu unserem Glück taucht vor uns ein Motorradfahrer auf, der weiß wo wir hinwollen und geleitet uns zur Werkstatt. Im Hof stehen die unterschiedlichsten Motorräder rum, in mehreren Garagen wird geschraubt und wir fühlen uns hier gleich wohl. Der Besitzer, Dima hat eine BMW 1100 RT, die er über alles liebt und die (bis auf wenige Unterschiede), baugleich zu unserer Maschine ist. Er hat die benötigten Teile da und macht uns ein gutes Angebot für Kupplung und Öl- und Filterwechsel, in 2 Tagen soll Gregor fertig sein. Sebastian, der mit seiner Freundin von Singapur unterwegs nach Deutschland ist, steht ebenfalls gerade mit seiner defekten Triumph Tiger bei Bikeland. Wir folgen den Beiden bereits länger auf Facebook (Makaka on the run Link) und freuen uns über das zufällige Treffen! In der Nähe des Bikeshops suchen wir uns ein kleines Appartement mit Küchenzeile und schleppen sämtliche Sachen, die wir nicht in der Werkstatt lassen wollen, zu Fuß dorthin. Schon beginnen wir Gregor zu vermissen 😉 Nach einer heißen Dusche und Abendessen mit frischem georgischem Gemüse fallen wir müde ins weiche Bett.

 

Donnerstag, 21.09.2017 Tiflis: 0 km

Da Gregor ja in der Werkstatt ist, machen wir uns mit Bus und Metro auf in die etwa 8 km entfernte Innenstadt. Jede Busfahrt kostet 0,50 georgische Lari, die wir brav am Automaten im Bus einwerfen. Allerdings reicht es anscheinend auch erst dann zu bezahlen wenn der Kontrolleur einsteigt. Wenn er nach dem Fahrschein fragt einfach die 17 cent geben. Vielleicht kann das jemand mal in Deutschland ausprobieren? 😉 Gerade nach einer Stunde Anfahrt angekommen, erhalten wir eine Nachricht aus der Werkstatt: „Kupplung passt nicht,  bitte vorbeikommen“. Also fahren wir direkt wieder 30 Minuten zurück und erfahren was genau los ist: Die Kupplungsscheibe ist eigentlich für eine 1150 GS und passt von der Aufnahmeschraube her nicht an unser Moped. Der Witz ist, das das komplette Teil Baugleich ist. Nach der Frage warum BMW dies tut, bekommen wir die Gegenfrage warum BMW alle paar Jahre den Kardanantrieb von einer Seite auf die andere wechselt… Die Jungs wissen allerdings einen Ausweg: Der Kupplungsbelag wird an unsere alte Kupplungsscheibe montiert und so haben wir wieder einen neuen Belag auf unserer alten Kupplungsscheibe! Allerdings dauert es dann doch einen weiteren Tag und ein weiteres Problem wird gefunden: Der Kupplungszug muss auch noch gemacht werden, da sich bereits vier Stahlseile getrennt haben. Am Abend sind wir mit unseren neuen Freunden Sebastian und Yuliya von Makaka on the Run, in der Innenstadt verabredet. Da wir heute schon über zwei Stunden in Bussen gesessen haben, bestellen wir uns dieses Mal ein Taxi. Im Restaurant genießen wir Kebab, Salate und eine georgische Spezialität, Adjaruli Khachapuri. Ein köstliches mit Käse, Butter und Ei gefülltes Brot, wobei das Ei meisten oben drauf zu sehen ist. Nach dem Essen geht’s weiter in eine Rooftop Bar mit herrlicher Aussicht auf die beleuchtete Trinity Kathedrale und das Narikala Fort. Neben georgische Weißwein probieren wir auch den traditionellen georgischen Tresterbrand namens Chacha. Wir ziehen weiter durch die belebte Altstadt von Tiflis, viele Bars und Kneipen haben heute Livebands, es herrscht überall eine ausgelassene Stimmung, die Menschen trinken und feiern und wir sind mittendrin! Unsere letzte Station ist ein Irish Pub, dort verbringen wir bei Karaoke und Bier einen lustigen Abend mit unseren neuen Freunden, bevor wir uns gegen 3 Uhr müde auf den Heimweg machen.

Freitag, 22.09.2017 Tiflis: 0km

Heute kommt mal wieder alles anders als geplant. Wir schlafen zunächst aus, und wollen uns danach endlich mal Tiflis bei Tageslicht anschauen. Vorher gehen wir an der Werkstatt vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Dort treffen wir auf Mike, einen Motorradreisenden aus Kolumbien, der schon seit 3 Jahren unterwegs ist und noch weitere 3 Jahre vor sich hat!

Melli, Matze, Dima, Mike!

Wir haben uns unendlich viel zu erzählen und im Nu vergehen Stunden! Die Begegnung mit Mike gibt uns so viel mehr als eine Sightseeing Tour durch die Stadt. Er hat wirklich unsere Herzen berührt und wir sind froh den Tag mit ihm verbracht zu haben! Es sind solche Menschen, die unsere Reise interessant und einzigartig machen.

Am Abend schlendern wir dann zumindest noch ein wenig durchs romantisch beleuchtete Tiflis, vorbei an kleinen Läden wo es die georgische Spezialität Tschurtschela gibt. Dazu zieht man Walnüsse oder Haselnüsse auf eine Schnur und überzieht sie mit angedicktem Traubensaft. Wir spazieren durch kleine Gassen hoch bis zur Narikala Festung und zur Statue Kartlis Deda, die die Stadt Tiflis symbolisiert und im Volksmund „Mutter Georgiens“ genannt wird. In ihrer linken Hand hält diese eine Schale Wein für die Freunde und ein Schwert gegen die Feinde in der rechten.