Sonntag, 10.09.2017 Vor Konya im Wald- Kappadokien:  350 km

Die heutige Strecke ist irgendwie öde! Wir mogeln uns an der riesigen Stadt Konya vorbei, fahren dabei allerdings durch riesige Industriegebiete mit Maschinenbau- und Metallbetrieben. Die sich anschließende Straße bietet unseren Augen wenig Abwechslung und geht größtenteils geradeaus. Doch irgendwann taucht vor uns ein Ural Gespann mit Schweitzer Kennzeichen auf! Wir sind begeistert, winken und machen an der nächsten Gelegenheit halt um auf die Beiden zu warten. Tatsächlich machen sie ebenfalls dort halt und so lernen wir Oli und Corinne kennen. Das Paar ist auf dem Weg nach Afrika, wo es kreuz und quer durchs Land fahren möchte. (the slow riders) Wir haben uns viel zu erzählen und sogar das gleiche Tagesziel, weshalb wir hoffen uns abends wieder zu sehen. Einfach super unterwegs zufällig solche Bekanntschaften zu machen! Unsere Stimmung ändert sich schlagartig: Die öde Strecke wird zur Nebensache, das Kennenlernen von den beiden „Slowrider“, ihrer Ural und ihrer Route wird zum spannenden Thema für unsere Kommunikation unterwegs (dank den Bluetooth headsets die wir von Hantz und Partner zur Verfügung gestellt bekommen haben). Es kommt noch besser: bei unserer nächsten Rast, als wir gerade aufbrechen wollen, rollt das Gespann ebenfalls an die gleiche Tankstelle, und davon gibt es hier in der Türkei unheimlich viele. So verlängern wir diese Pause um ein weiteres Schwätzchen! Die Beiden empfehlen uns den Kaya Campingplatz, dort angekommen treffen wir weitere Gleichgesinnte: Uwe und Sabine aus Deutschland reisen ebenfalls zu zweit mit einer BMW F 800 GS, auch für sie geht es Richtung Afrika (follow the blue sky). Als wir uns gerade im Pool des Campingplatzes erfrischen trudeln Oli und Corinne ebenfalls ein, obwohl wir erst viel später mit ihnen gerechnet hatten. So langsam ist das Gespann also gar nicht 😉 Wir schlagen unser Zelt auf und können direkt von hier das Märchenland Kappadokiens bewundern: Seltsam geformte Felsen, Feenkamine und die Stadt Göreme mit ihren Felsen- und Höhlenhäusern liegen in Sichtweite. Wir haben keine Essensvorräte mehr und müssten jetzt erstmal noch Einkaufen fahren. Doch zu unserem Glück lädt uns Sabine zum gemeinsamen Essen mit Allen ein. Immerhin können wir türkische Wurst beisteuern. So genießen wir heute Abend eine köstliche Reispfanne, begleitet von kappadokischem Rotwein und garniert mit Reiseerlebnissen unserer neuen Freunde!

 

Montag, 11.09.2017 Kappadokien: 0 km

Kurz vor Sonnenaufgang werden wir wach, es klingt als würden feuerspeiende Drachen unser Zelt angreifen! Das Geräusch kommt allerdings nicht von Fabelwesen, sondern vom Befeuern der Heißluftballons, die ganz in der Nähe unseres Zeltplatzes starten, um Touristen über die unwirkliche Landschaft Kappadokiens zu fahren. Es hält uns nicht im Zelt, auch wenn es noch nicht mal 6 Uhr ist, das müssen wir uns anschauen. Nach und nach starten immer mehr Ballons, wir zählen über 70 Stück die langsam steigen und abwechselnd glühen. Manche fliegen sogar ganz dicht an den Felsen entlang. Was für ein tolles Spektakel! Wir legen uns allerdings anschließend wieder ein Weilchen aufs Ohr 😉 Gegen Mittag fahren wir in das nahgelegene Dorf Ürgup, wo es eine unterirdische Höhlenstadt, Felsenhotels, Restaurants und Souvenirläden gibt. Wir essen hier eine Kleinigkeit zu Mittag, genehmigen uns als Nachtisch köstliche Baklava mit Dondurma (türkisches Eis) und begeben uns auf die Suche nach einem Metzger. Heute Abend möchten wir gemeinsam mit unseren Overlander- Freunden grillen und kümmern uns um Fleisch und Kohle. Das Fleisch in den Supermärkten wird unseren Ansprüchen nicht gerecht, aber wir fragen uns durch bis wir einen Metzger finden.  Eigentlich erkennen wir die Wörter für Lamm, Huhn usw. auf den Speisekarten der Restaurants, aber natürlich kommen sie uns just in dem Moment nicht in den Sinn. Auf der Theke steht eine Kuhfigur und auch ein Lämmchen, und so können wir ohne „Määäh“ und „Muuuh“ von uns zu geben, erklären was wir wollen bzw. der Metzger uns erklären was er im Angebot hat. Von welchem Teilstück genau die Rede ist zeigt er uns dann zusätzlich auch noch an seinem Körper und so machen wir uns mit genügend Rindersteaks in den Koffern zurück zum Campingplatz.

Viel vorgenommen haben wir uns ansonsten nicht für heute. Matze kränkelt ein wenig und erholt sich in der Hängematte, Melli nutzt das Wifi des Campingplatzes. Nachmittags machen wir uns dann aber auf zu einem der Wanderwege, den wir in kurzer Distanz zum Zeltplatz erreichen. Durch seltsam geformte Felsen führt uns ein steiler Pfad hinunter ins Rose Valley, hinein in die Märchenwelt Kappadokiens. Wir spazierend staunend durch Felsentunnel, genießen die Ruhe und Einsamkeit und entdecken viele Höhlen die in den Tuffstein gehauen wurden, selbst in den höchsten Bereichen. Hier gibt es wirklich unglaublich viel zu erkunden und zu erwandern! Abends heizt Uwe dann der Kohle ordentlich ein, Grillmeister Matze kümmert sich ums Fleisch, Sabine zaubert uns leckeren Tzatziki und Salat, Corinne und Oli spendieren abermals eine Flasche Rotwein und so verbringen wir erneut einen unvergesslichen Abend. Oli und Corinne erzählen uns von ihren bisherigen Expeditionen durch Afrika, Uwe und Sabine von ihren Erlebnissen mit der Istanbuler Polizei. Wir philosophieren über das Reisen an sich, über den Sinn und den Zweck, haben ähnliche Ansichten, teilen dieselben „Probleme“ die solch eine Langzeitreise mit sich bringt… und könnten ewig so weitermachen. Der heutige Platzwart des Campingplatzes, Osman gesellt sich zu uns, wir kredenzen ihm Schweizer Tee, er lehnt eine zweite Tasse allerdings dankend ab und kocht uns lieber die türkische Variante 😉 Mithilfe des Google Translaters „unterhalten“ wir uns ein wenig mit ihm und erfahren so ein paar Details aus seinem Leben. Irgendwann, zu späterer Stunde, kriechen wir müde aber glücklich in unsere Schlafsäcke.

 

Dienstag, 12.09.2017 Kappadokien- Sivas: 270 km

Auch an diesem Morgen lassen wir uns das Heißluftballonspektakel nicht entgehen, und schlafen danach noch aus.  Nun heißt es für uns zusammen packen und Abschied von unseren neuen Freunden nehmen! Sowohl Sabine und Uwe als auch Oli und Corinne reisen deutlich langsamer als wir, aber wer weiß, vielleicht kreuzen sich unsere Wege im Iran noch einmal!

Auf unserer Fahrt nach Sivas in Zentralanatolien kommen wir in unsere zweite türkische Polizeikontrolle. Beim ersten Mal musste Matze nur seinen Führerschein vorzeigen. Doch heute haben wir noch mehr Glück, gerade als uns der Beamte rauswinkt, ruft ihn ein anderer zum Mittagessen und wir können ohne kontrolliert zu werden weiter fahren! Ansonsten passieren wir heute noch den einzigen Militärcheckpoint auf unserer gesamten Türkei-Route, doch auch hier können wir ohne Kontrolle durch. Wir sehen hier in der Türkei täglich auf den Straßen Verkehrspolizeikontrollen, doch viel öfter sehen wir Attrappen von Polizeiautos am Straßenrand, bei denen wir jedes Mal zweimal hinschauen müssen, ob es nicht doch ein echter Wagen ist!

Wir übernachten heute auf einer Farm in der Nähe von Sivas, der Besitzer Ugur ist eine Reisebekanntschaft der Bodensee-overlander, von denen wir die Empfehlung haben. Leider ist Ugur selber nicht auf der Farm, doch wir dürfen trotzdem dort übernachten und genießen neben Bett und warmer Dusche die friedvolle Farm.

 

Mittwoch, 13.09.2017 Sivas: 0 km

Zum Frühstück bekommen wir von den Jungs auf der Farm köstliches Fladenbrot gebracht. Den Tag verbringen wir mit Schreiben von Artikeln, Sortieren von Bildern und wir erkunden die Farm. Abends begleitet uns einer der Farmjungs zu einem Suppenrestaurant. Die Speisekarte ist für uns wenig aufschlussreich und so bestellen wir das Gleiche wie unsere Begleiter. Dummerweise bekommen wir dadurch mal wieder Lammhirnsuppe serviert 😉 Schmeckt gar nicht mal so schlecht, aber wird trotzdem nicht zu unserer Lieblingsspeise! Wir beenden den Abend mit einem gemütlichen Lagerfeuer vor „unserem Farmhaus“ und gehen früh ins Bett, denn morgen geht’s weiter!

 

Donnerstag, 14.09.2017 Sivas- Of: 436 km

Wir planen für die Fahrt von Sivas bis nach Trabzon am Schwarzen Meer zwei Tage ein. Doch heute kommt alles anders! Auf unserem Weg in Richtung Nordosten fahren wir durch Zentral- und Ostanatolien. Es geht entlang endloser Weiten und durch die Berge. Nach einem der vielen Tunnel erreichen wir 2.000 Höhenmeter, ganz schön frisch! Wir rasten an einem Restaurant zum Abendessen und entscheiden uns dazu doch noch etwas weiter zu fahren bis ans Schwarze Meer. An der Schwarzmeerküste angekommen sehen wir eine komplett andere Landschaft: grüne Berge mit Teeplantagen an den Hängen, dazwischen stehen immer wieder Moscheen und die Straße führt direkt am Meer vorbei. Es beginnt dunkel zu werden, hier direkt hinter der großen Stadt Trabzon finden wir allerdings keine Campingspots, auch möchten wir die Hauptverbindungsstraße in Richtung georgischer Grenze nicht verlassen, und so suchen wir uns auf der Strecke ein Hotel. Wir finden das Caykent Suites Hotel in Of, wo wir für 37 € die Nacht ein schickes Zimmer inklusive Frühstück bekommen. Auf unserem Balkon mit Blick aufs Schwarze Meer hören wir zum letzten Mal auf unserer Reise den Adhan des Muezzin.