Sonntag, 08.10.2107 Kashan- Isfahan: 215km

Wir verlassen heute Kashan in Richtung der Stadt Isfahan. Auf dem Weg machen wir noch einen Stopp in dem historischen Dorf Abyaneh. Die Strecke dorthin ist richtig schön, sie führt vorbei an schroffen Felsen und grünen Tälern. Alleine dafür hat sich der Umweg schon gelohnt! Abyaneh erkundet Melli erstmal zu Fuß, denn die Durchfahrt ist für Fahrzeuge verboten. Das Dorf besteht aus roten Lehmhäusern und ist durchzogen von kleinen Bachläufen. Die Einheimischen meinen schließlich es wäre okay wenn wir mit dem Motorrad durchfahren. Kurz zweifeln wir noch ob das passt, aber wir wollen es versuchen und quetschen uns langsam durch die engen Gassen. Stellenweise ist es so schmal, dass wir nur mit Mühe und Not gerade so durchpassen! Da haben wir Glück gehabt, denn eine Wendemöglichkeit hätte es auch nicht gegeben. Als wir auf der anderen Seite aus dem Dorf wieder rauskommen sind wir happy.
Am frühen Nachmittag kommen wir in Isfahan an und suchen einen Park in dem wir campen können, leider ohne Erfolg. Die Hotels in der Stadt sind entweder ausgebucht oder super teuer, und so landen wir in einem Hostel. Immerhin haben wir ein Dreierzimmer für uns alleine, doch sowohl das Zimmer als auch das restliche Hostel sind leider ganz schön mies, wohl fühlen wir uns hier nicht.  Zum Glück haben wir für die nächsten Tage eine Einladung einer iranischen Familie über Couchsurfing bekommen und müssen nur eine Nacht hier verbringen!

Montag, 09.10.2017 Isfahan- Shahinshar: 35 km

Da unsere iranische Gastfamilie erst gegen Nachmittag Zeit hat und wir nicht länger im Hostel bleiben wollen, machen wir uns heute Morgen auf in die Innenstadt. Seit Kashan suchen wir eine persische Satteltasche, welche viele Iraner hinten auf ihrem Fahrrad oder dem „Motorrad“ für Gepäck nutzen.  Solch eine würde sich gut über Gregors Tank machen! Auf dem Bazar des Imam-Platzes werden wir fündig und müssen unseren „Teppich“ demnächst nur noch irgendwie an Gregor anpassen.  Die restliche Wartezeit über machen wir es uns in einem kleinen Café gemütlich.
Nun machen wir uns auf zu unserer Gastfamilie, die außerhalb von Isfahan in der Stadt Shahinshar wohnt. Es ist das erste Mal, dass wir uns auf das „Abenteuer Couchsurfing“ einlassen und auch das erste Mal, dass wir solch einen engen Kontakt zu einer iranischen Familie bekommen. Wir sind dementsprechend angespannt als der Hausherr uns hinein bittet. Umgekehrt sind auch wir für unsere Gastgeber die ersten Gäste und auch die ersten Deutschen die sie kennen lernen. Gregor darf in der Garage parken, die gleichzeitig auch Hausflur und Zugang zur Gästetoilette ist.
Wir nehmen gemeinsam mit unserem Gastgeber im großen Wohnzimmer auf der Couch Platz und kurz darauf trifft auch unsere Gastgeberin mit der Tochter ein. Die 6-jährige spricht laut ihren Eltern bereits englisch, traut sich aber nicht zu uns ins Wohnzimmer zu kommen. Selbst als Melli ihr Gummibärchen schenken will, weicht sie ängstlich zurück. Wir lassen ihr Zeit, bekommen Tee und Obst serviert und führen eine nette Unterhaltung. Irgendwann beginnt die Mutter zu kochen. Matze möchte gerne helfen und das Gericht lernen, doch die Küche ist für ihn als Mann tabu! Für uns ebenfalls ungewohnt: Zum Essen wechseln wir von der Couch auf den Boden. Auf einer ausgebreiteten Plastikdecke genießen wir dann leckeres Gourme Sabzi und feinen Reis mit Kartoffelboden. Dazu gibt es Salat, frische Kräuter, Chilis und zum Trinken Dugh (eine leicht salzige Buttermilch, bei uns als Ayran bekannt ist. Wird kalt getrunken, ist erfrischend und enthält viel Eiweiß. In unserem Fall streute man auch ein paar Blättchen getrocknete Nana Minze hinein.)

Später am Abend spielen Melli und die Tochter dann doch zusammen, während Matze bezüglich der BMW und Deutschland ausgefragt wird. Die beiden Iraner denken darüber nach aus auszuwandern und sind daher sehr an unserer Heimat und Europa interessiert. Im Kinderzimmer der Tochter bekommen wir zum Schlafen Decken und Matratzen zur Verfügung gestellt um spät nachts zu Bett zu gehen. Wir sind richtig erschöpf! Aus Angst etwas falsch zu machen sind wir den ganzen Tag über sehr angespannt. Auch die Unterhaltungen auf Englisch über Themen wie die deutsche Wirtschaft, Politik und Religion sind sehr anstrengend für uns! Daher sind wir froh zumindest zum Schlafen einen eigenen Raum zu haben.

Dienstag, 10.10. 2017 Shahinshar: 0 km
Als wir aufstehen ist die Tochter schon in der Schule und unsere Gastgeber warten mit dem Frühstück. Auch Gefrühstückt wird auf dem Boden, es gibt sehr leckeres Fladenbrot, iranischen Käse, Walnüsse und das süße „Halva“. Kaffee gibt es keinen, dafür wie immer Tee!
Unsere Couchsurfinghosts möchten uns Isfahan zeigen, und fahren uns mit ihrem Auto durch den dichten Verkehr in die Innenstadt. Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Isfahan ist der Naqsch-e-Dschahan Platz, einer der größten Plätze der Welt und erbaut im 16. Jahrhundert .
Wir bestaunen dort die Scheich-Lotfollah-Moschee, das Eingangstor zur Meidan-e-Eman-Mosche und besichtigen den Ali Qapu-Palast. Für den Eintritt zum Palast müssen wir als Ausländer allerdings den siebenfachen Preis zahlen! Aus dem obersten Stockwerk des Palastes erblicken wir blaue Kuppeln, emaillierte Türme und schlanke Minarette soweit das Auge reicht. Der riesige Naqsch-e-Dschahan-Platz ist mit seinen Moscheen, dem Königspalast und dem Bazar, ein beindruckendes und sehenswertes UNESCO-Weltkulturerbe und ein gutes Beispiel für die iranische Baukunst.
Auf dem Rückweg von unserer Sightseeingtour holen wir noch die Tochter von der Schule ab und nachmittags ruhen wir uns alle etwas aus. Am Abend bekommen wir noch Shahinshar, den Wohnort unsere Gastgeber gezeigt. Wir schlendern über den Nachtmarkt, auf dem es neben viel Krimskram auch viele Essenstände gibt, die z.B. leckere Falaffelbällchen und Sandwiches anbieten. Wir vergnügen uns zudem mit köstlichen, frisch gegrillten Maiskolben. Auch an diesem Abend sitzen wir noch sehr lange zusammen und reden. Wir erfahren unglaublich viel über das Leben und die Menschen im Iran. Ohne Couchsurfing hätten wir niemals solche intensiven Einblicke in die uns so fremde Kultur erhalten!

Mittwoch, 11.10.2017 Shahinshar-irgendwo südöstlich von Näin: 250 km
Für uns heißt es heute Abschied nehmen, denn wir wollen weiter, raus in die Natur. Nach dem Frühstück kommen die Eltern unserer Gastgeberin zu Besuch.
Wir bedanken uns herzlich für die Gastfreundschaft, es werden noch viele Fotos und Selfies von uns und dem Motorrad gemacht und danach verabschieden wir uns von unseren neuen iranischen Freunden.
Wir fahren über die Wüstenstraße zwischen Kashan und Yazd weiter in Richtung Osten. Nachdem wir die Stadt Naeen passiert haben, beginnt es langsam zu dämmern und wir suchen uns einen Platz zum Zelten. Den ganzen Tag fahren wir an super Campingmöglichkeiten vorbei, und jetzt wo wir eine suchen …findet sich wie immer nichts mehr! Entweder steht doch ein Häuschen in der Nähe oder das Gelände ist viel zu unwegsam. Irgendwann finden wir dann endlich gänzlich unbebautes und flaches Gelände, und fahren für einige Kilometer querfeldein durch die wüstenähnliche Landschaft.
Bis unser Zelt steht ist es schon dunkel, wir genießen die Stille und gehen müde schlafen.

Donnerstag, 12.10.2017 südöstliches von Näin- Yazd: 105 km

Da wir gestern auf der Suche nach einem Campingspot weiter gefahren sind als geplant, kommen wir heute schon früh in unserem nächsten Ziel, der Wüstenstadt Yazd an. Wir finden ein hübsches Guesthouse in den engen und verwinkelten Gassen, die uns etwas an Kashan erinnern. Das Beste an unserem Guesthouse ist die schattige Dachterrasse.
Yazd gefällt uns von Anfang an super, eine richtige Oase in der Wüste! In den Gässchen finden wir viele nette Cafes und Restaurants. Neben leckeren Säften und Shakes haben diese oft auch Dachterrassen mit einer tollen Aussicht über die Dächer der Stadt zu bieten.
Zum Abendessen gehen wir wie so oft in ein traditionelles Restaurant. Wir probieren Kamelfleisch, welches einen eher gewöhnungsbedürftigen Geschmack hat und köstliches Khoresht e Fesenjun.
Bevor wir schlafen gehen, genießen wir noch einmal den wunderschönen Ausblick über die beleuchteten Minarette, Moscheen und Windtürme. In Wüstenstädten dienen diese als natürliche Klimaanlage: Die Schlitze der Türme fangen den leisesten Windhauch ein. Im Inneren wird die Luft durch Schächte geleitet und beim Abkühlen sinkt sie dann in die darunter liegenden Räume.

Freitag- Samstag 13+14.10.2017 Yazd: 0 km
Da es uns in Yazd so gut gefällt, entscheiden wir uns länger hier zu bleiben und verbringen typische „Pausentage“ auf Langzeitreise: Wir schlafen aus, genießen ein gemütliches Frühstück, waschen unsere Wäsche, sichern und sortieren Bilder… Auch unsere Motorradkombis haben sich mittlerweile eine Wäsche verdient. Und die für Gregor neu angeschaffte Satteltasche muss noch ein wenig modifiziert werden, damit sie über den Tank passt.
Tagsüber ist es hier auch viel zu heiß, um draußen etwas zu unternehmen! Also bummeln wir abends ein wenig durch die engen Gassen der Altstadt und vorbei an der Freitagsmoschee, deren Portalbau vollständig mit Fliesenmosaik verziert ist. Durch die wunderschöne persische Architektur und die Aussicht über die Dächer der Wüstenstadt fühlen wir uns wie in einem orientalischem Märchen.

Wir schauen uns den Amir Chaqmaq Komplex an, eine Vier-Iwan-Moschee, von der nur noch die Fronten erhalten sind. Die sich davor befindlichen Wasserfontänen werden abends in wechselnden Farben beleuchtet. Viele Iraner tummeln sich hier, wir beobachten, lassen uns treiben und schlendern über den Bazar. Vor einem Hotel entdecken wir eine Honda Africa Twin! So lernen wir ein deutsches Paar kennen, das auf dem Weg nach Kirgisistan ist, und verbringen einen netten Abend zusammen.