Reisetagebuch 9.5: Krank in Pakistan

Montag, 06.11.2017, Passu- Gilgit: 150 km

Heute treten wir lieber wieder den Rückweg an in Richtung tiefere Regionen. Es wird hier oben immer kälter und die Hotels haben weder Heizung noch heißes Wasser.

Am Attabad See legen wir einen längeren Stopp ein. 
Der See entstand durch einen Erdrutsch am Hunza-Fluss bei dem ganze Dörfer überschwemmt wurden. Wir genießen den herbstlichen Karakorum Highway nochmal in vollen Zügen, bestaunen erneut das schöne Hunzatal und die kleinen urigen Bergdörfer entlang des Weges. 

Zurück in Gilgit schlagen wir wieder unser Zelt im Innenhof des PTDC Hotel auf und spazieren etwas durch die Stadt.


In einem Straßenrestaurant wird uns neben dem typischen Reis und Dal auch Rindfleisch aufgetischt.
Es schmeckt richtig gut!

Dienstag, 07.11.2017, Gilgit- Chilas: 133 km

Unser Zelt ist schnell abgebaut und verstaut, wir starten also früh.

Wie auch schon auf der Hinfahrt lacht die Sonne und wir genießen die Strecke. Wir halten an dem Rastplatz, an dem Melli auf dem Hinweg ihren Handschuh verloren hatte. Und tatsächlich finden wir ihn nach kurzem Suchen hier wieder!

Kurz darauf erreichen wir wieder einen Checkpoint in der Nähe eines Nanga Parbat Viewpoints, ab dem wir eskortiert werden. Da die Eskorte allerdings noch auf sich warten lässt, essen wir hier noch eine Kleinigkeit zu Mittag.
Leider versteckt sich heute der Nange Parbat mit seinen 8.125m hohem Gipfel komplett in den Wolken. Deswegen gibt’s nur ein Foto vom Schild:

Wir werden bis zum Shangrila Hotel in Chilas eskortiert. Matze handelt den gleichen Zimmerpreis wie beim letzten Mal aus und wir dürfen in Begleitung eines Polizisten zum nächstgelegenen Kiosk gehen. Die Auswahl dort ist allerdings ganz schön mager, es gibt immerhin ein paar Kekse und Softdrinks für uns. Den restlichen Abend beobachten wir vom Hotelgarten aus die Umgebung, gerne hätten wir das Dorf dieses Mal zu Fuß etwas erkundet.Dieser Aufenthalt im Shangrila Hotel ist nicht annähernd so schön wie der Erste, denn wir vermissen unsere österreichischen Freunde!

Mittwoch, 08.11.2017 Chilas-Besham: 204 km

Ursprünglich wollten wir die gleiche Strecke wieder zurückfahren die wir gekommen sind: Über den Babusar-Pass mit seinen knapp 4.200 m Höhe nach Balakot. Die Strecke war wenig bis gar nicht befahren, der Pass ein richtiges Highlight und die Täler und Dörfer auf der Strecke idyllisch und grün. Doch von anderen Overlandern erfahren wir per Facebook, dass der Babusar-Pass am 04. November wegen Schneefall geschlossen wurde. So haben wir heute keine reine Fahrzeit von ca. 4 Stunden bis ins PTDC in Balakot vor uns, sondern eine doppelt so lange von 8 Stunden bis ins PTDC in Besham. Die Strecke nach Besham gehört allerdings noch zum Karakorum Highway und führt uns zu Beginn oberhalb grüner Täler durch schöne Landschaften.

Allerdings wird die Sicht immer schlechter, einige Streckenabschnitte befinden sich im Sprengungsgebiet und sind in einem miesen Zustand.
Wir essen in einem Restaurant am Straßenrand zu Mittag, uns wird frisch gebackenes Fladenbrot und Leber aufgetischt. Beides sehr lecker!Wie so oft in derartigen Restaurants in Pakistan, stehen auf den Tischen große Wasserbehälter und Trinkbecher, aus denen die Gäste trinken können. Normalerweise meiden wir solches Wasser und Becher. Matze will sich aber ,, abhärten“ und trinkt ab und an ein paar kleine Schlucke, so auch heute.
Wie so oft ziehen wir und das Motorrad die Aufmerksamkeit der Pakistanis auf uns.Als wir in Besham beim PTDC Hotel ankommen ist es schon spät, es war ein langer und anstrengender Fahrtag. Wir dürfen für umgerechnet 7 € im Garten zelten und nehmen das Angebot gerne an.

Donnerstag, 09.11.2017 Besham-Taxila: 248 km             

Schon vor der Dämmerung wacht Matze auf und muss zur Toilette. Es ist kein normaler Toilettenbesuch… Wieder zurück im Zelt trinkt er erstmal eine große Menge Wasser. Vielleichtt ist es ja nur eine kleine Magenverstimmung. Dock kurze Zeit später muss er und das Wasser wieder raus… Mittlerweile ist es hell und Melli fängt an zusammen zu packen. Nach einem typischen pakistanischen Frühstück mit scharfem Masala Omelette, Paratha und Chai brechen wir auf. Auch heute haben wir einen langen Weg von über 6 Stunden vor uns. Matze geht es mittelmäßig. Vor der Stadt Mansehra erhalten wir mal wieder eine Eskorte. Diese besteht aus zwei bewaffneten Polizisten vom „Antiterrorsquat“ auf einem kleinen Moped. Während wir gerade brav unserer Eskorte durch den dichten Verkehr folgen, rutschen wir plötzlich in einer steilen Kurve einfach weg! Wir drehen uns noch auf dem Motorrad sitzend um unsere eigene Achse und rutschen eine gefühlte Ewigkeit über den Asphalt. Sofort sind Pakistanis zur Stelle die sich um uns kümmern und uns helfen das Motorrad wieder aufzustellen. Matze geht es soweit gut. Melli ist auf ihren linken Ellenbogen aufgeschlagen, doch die Protektoren in Ihrer Jacke haben das Schlimmste abgefangen. Gregor scheint soweit auch in Ordnung zu sein!  Der linke Koffer ist verschrammt und vor allem der linke Sturzbügel hat was abbekommen. An dieser Stelle mal wieder ein großes Dankeschön an unseren Partner Wunderlich GmbH für die zur Verfügung gestellten

Sturzbügel und Ventildeckel- & Zylinderprotektoren

Auf der Straße war eine Ölspur, wir konnten absolut nichts tun in diesem Moment! Zum Glück ist uns und dem Motorrad aber nichts Schlimmeres passiert.

Nach wenigen weiteren Kilometern gibt die Eskorte uns wieder frei. Wir legen direkt eine Pause an einer Tankstelle ein, gönnen uns Ruhe, Snacks und kühle Getränke.

Doch Matze fühlt sich mies, er hat plötzlich Magenschmerzen und immer noch Durchfall. Unser Tagesziel Taxila ist weitere drei Stunden entfernt. Wir müssen uns noch durch viele Städte, durch Stau in Abbottabad und durch den generellen höllischen Mix aus Trucks, Autos, Mopeds und Tieren kämpfen, der hier herrscht und immer mehr wird. In Taxila angekommen ist Matze am Ende seiner Kräfte. Mangels Alternativen, checken wir im PTDC Motel ein, das hier wirklich schlecht ist. Denn es ist teuer, hat kein Internet, kein heißes Wasser, die Fenster im dreckigen Zimmer sind kaputt und rund um die Uhr dröhnt der Straßenlärm in unsere Ohren. Melli isst im Restaurant etwas Gemüse mit Reis zu Abend und bringt Matze den Rest. Doch er behält nichts bei sich. In der Nacht geht es ihm unheimlich schlecht. Wir sind uns sicher, dass er von dem Wasser im Straßenrestaurant einen schlimmen Infekt bekommen hat. Er hat heftigen Durchfall, zudem noch starke Gliederschmerzen. In unserer Reiseapotheke haben wir Kohletabletten und Durchfalltabletten, doch nichts scheint ihm diese Nacht zu helfen.

Freitag 10.11.2017 – Samstag 11.11.2107, Taxila: 0 km

Matze geht es nicht besser. Wir versuchen es weiter mit unseren Medikamenten, überlegen aber schon in ein Krankenhaus zu gehen wenn es nicht endlich besser wird! Wie es wohl in einem pakistanischem Krankenhaus zu gehen wird? Und wird er aufgrund der Dehydrierung vielleicht dort bleiben müssen? Was können wir sonst groß tun im Moment? Im Hotelrestaurant bestellt Melli  wieder Reis. So etwas wie Salzstangen gibt es hier in den kleinen Läden nicht. Es gibt bloß Süßkram und Chips. Selbst die Teeauswahl beschränkt sich auf Schwarztee. So kann sie im kleinen Laden in der Nähe bis auf Trinkwasser nicht wirklich etwas für Matze finden. An einem Obststand findet sie zumindest noch Bananen, doch weder Bananen noch Reis kann Matze bei sich behalten. Ohne Internet fühlen wir uns abgeschnitten von der Außenwelt. Matze kann kaum das Bett verlassen, außer wenn er ins Badezimmer muss. Melli geht höchstens bis zur nächstmöglichen Einkaufsmöglichkeit, alleine hier als Frau rumzurennen ist alles Andere als angenehm. Wenn Matze nachts nicht schlafen kann hat er schlimme Schmerzen und er fantasiert sogar schon von heimischen Essen. Die Hotelangestellten sind uns auch keine große Hilfe und so liegen unsere Nerven blank.

Sonntag, 12.11.2017 Taxila- Lahore: 308 km

Matze fühlt sich ein wenig besser und wir wollen nix wie raus aus diesem Motel und auch aus Pakistan!

Am frühen Morgen fahren wir Richtung Süden, vorbei an der Hauptstadt Islamabad. Da wir mit dem Motorrad nicht über den Highway dürfen, müssen wir uns wieder durch das grausame Verkehrschaos der unzähligen Städte und Siedlungen quälen. Nach über drei Stunden haben wir genug davon und wollen uns eine Übernachtungsmöglichkeit suchen, Matze ist noch sehr schwach. Laut Google ist das nächste Hotel noch 10 km entfernt, doch am markierten Ort angekommen sehen wir bloß ein paar Schuppen? Das nächste Hotel entpuppt sich als Restaurant. Im nächsten findet eine Hochzeit statt und daher ist kein Zimmer verfügbar, ein weiteres hat keinen sicheren Parkplatz für Gregor. Viele Kilometer später kommen wir an ein Luxushotel mit utopischen Preisen, die nächste Herberge hat kein warmes Wasser, kein Internet aber super dreckige Zimmer. Am Ende des Tages landen wir in Lahore. Nach über 12 Stunden Fahrt, Matze fühlt sich wie in einem Rausch. Abgesehen von zwei Bananen hat er nur Wasser zu sich genommen. Bevor wir zum uns bereits bekannten Panoramic View Hotel fahren, machen wir noch einen Abstecher zu unserem geliebtem Salt`nPepper Restaurant! Matze hat Hunger und Lust auf Essen, ein gutes Zeichen. Er kann aber dann doch bloß etwas Reis essen. Nach dieser Tortur heute es geht ihm wieder schlechter. Todmüde und erschöpft, aber auch erleichtert darüber es bis nach Lahore geschafft zu haben, gehen wir zu Bett.
Von hier aus sind es nur noch wenige Kilometer bis zur indischen Grenze. Olli und Remo haben uns eine bei Overlandern beliebte Unterkunft in Amritsar empfohlen, dort zieht es uns schnellstmöglich hin.

 

 

1 Kommentar

  1. Blaes Gabriele

    August 4, 2018 at 7:38 pm

    Wieder mal ein „miterlebtes Abenteuer“. Herzlichen Dank, dass Ihr uns daran teilnehmen lasst. Es macht ganz demütig soviel von den „großen Welt“ zu erfahren. Eure Berichte sind einfach ein absoluter geographischer Hochgenuss. Kommt gesund wieder heim, Ihr Zwei. Ich denk an Euch. Herzlichst Eure Gabi

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