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Reisetagebuch Kapitel 5.2 Türkei: Gehirn zum Abendbrot

Sonntag, 10.09.2017 Vor Konya im Wald- Kappadokien:  350 km

Die heutige Strecke ist irgendwie öde! Wir mogeln uns an der riesigen Stadt Konya vorbei, fahren dabei allerdings durch riesige Industriegebiete mit Maschinenbau- und Metallbetrieben. Die sich anschließende Straße bietet unseren Augen wenig Abwechslung und geht größtenteils geradeaus. Doch irgendwann taucht vor uns ein Ural Gespann mit Schweitzer Kennzeichen auf! Wir sind begeistert, winken und machen an der nächsten Gelegenheit halt um auf die Beiden zu warten. Tatsächlich machen sie ebenfalls dort halt und so lernen wir Oli und Corinne kennen. Das Paar ist auf dem Weg nach Afrika, wo es kreuz und quer durchs Land fahren möchte. (the slow riders) Wir haben uns viel zu erzählen und sogar das gleiche Tagesziel, weshalb wir hoffen uns abends wieder zu sehen. Einfach super unterwegs zufällig solche Bekanntschaften zu machen! Unsere Stimmung ändert sich schlagartig: Die öde Strecke wird zur Nebensache, das Kennenlernen von den beiden „Slowrider“, ihrer Ural und ihrer Route wird zum spannenden Thema für unsere Kommunikation unterwegs (dank den Bluetooth headsets die wir von Hantz und Partner zur Verfügung gestellt bekommen haben). Es kommt noch besser: bei unserer nächsten Rast, als wir gerade aufbrechen wollen, rollt das Gespann ebenfalls an die gleiche Tankstelle, und davon gibt es hier in der Türkei unheimlich viele. So verlängern wir diese Pause um ein weiteres Schwätzchen! Die Beiden empfehlen uns den Kaya Campingplatz, dort angekommen treffen wir weitere Gleichgesinnte: Uwe und Sabine aus Deutschland reisen ebenfalls zu zweit mit einer BMW F 800 GS, auch für sie geht es Richtung Afrika (follow the blue sky). Als wir uns gerade im Pool des Campingplatzes erfrischen trudeln Oli und Corinne ebenfalls ein, obwohl wir erst viel später mit ihnen gerechnet hatten. So langsam ist das Gespann also gar nicht 😉 Wir schlagen unser Zelt auf und können direkt von hier das Märchenland Kappadokiens bewundern: Seltsam geformte Felsen, Feenkamine und die Stadt Göreme mit ihren Felsen- und Höhlenhäusern liegen in Sichtweite. Wir haben keine Essensvorräte mehr und müssten jetzt erstmal noch Einkaufen fahren. Doch zu unserem Glück lädt uns Sabine zum gemeinsamen Essen mit Allen ein. Immerhin können wir türkische Wurst beisteuern. So genießen wir heute Abend eine köstliche Reispfanne, begleitet von kappadokischem Rotwein und garniert mit Reiseerlebnissen unserer neuen Freunde!

 

Montag, 11.09.2017 Kappadokien: 0 km

Kurz vor Sonnenaufgang werden wir wach, es klingt als würden feuerspeiende Drachen unser Zelt angreifen! Das Geräusch kommt allerdings nicht von Fabelwesen, sondern vom Befeuern der Heißluftballons, die ganz in der Nähe unseres Zeltplatzes starten, um Touristen über die unwirkliche Landschaft Kappadokiens zu fahren. Es hält uns nicht im Zelt, auch wenn es noch nicht mal 6 Uhr ist, das müssen wir uns anschauen. Nach und nach starten immer mehr Ballons, wir zählen über 70 Stück die langsam steigen und abwechselnd glühen. Manche fliegen sogar ganz dicht an den Felsen entlang. Was für ein tolles Spektakel! Wir legen uns allerdings anschließend wieder ein Weilchen aufs Ohr 😉 Gegen Mittag fahren wir in das nahgelegene Dorf Ürgup, wo es eine unterirdische Höhlenstadt, Felsenhotels, Restaurants und Souvenirläden gibt. Wir essen hier eine Kleinigkeit zu Mittag, genehmigen uns als Nachtisch köstliche Baklava mit Dondurma (türkisches Eis) und begeben uns auf die Suche nach einem Metzger. Heute Abend möchten wir gemeinsam mit unseren Overlander- Freunden grillen und kümmern uns um Fleisch und Kohle. Das Fleisch in den Supermärkten wird unseren Ansprüchen nicht gerecht, aber wir fragen uns durch bis wir einen Metzger finden.  Eigentlich erkennen wir die Wörter für Lamm, Huhn usw. auf den Speisekarten der Restaurants, aber natürlich kommen sie uns just in dem Moment nicht in den Sinn. Auf der Theke steht eine Kuhfigur und auch ein Lämmchen, und so können wir ohne „Määäh“ und „Muuuh“ von uns zu geben, erklären was wir wollen bzw. der Metzger uns erklären was er im Angebot hat. Von welchem Teilstück genau die Rede ist zeigt er uns dann zusätzlich auch noch an seinem Körper und so machen wir uns mit genügend Rindersteaks in den Koffern zurück zum Campingplatz.

Viel vorgenommen haben wir uns ansonsten nicht für heute. Matze kränkelt ein wenig und erholt sich in der Hängematte, Melli nutzt das Wifi des Campingplatzes. Nachmittags machen wir uns dann aber auf zu einem der Wanderwege, den wir in kurzer Distanz zum Zeltplatz erreichen. Durch seltsam geformte Felsen führt uns ein steiler Pfad hinunter ins Rose Valley, hinein in die Märchenwelt Kappadokiens. Wir spazierend staunend durch Felsentunnel, genießen die Ruhe und Einsamkeit und entdecken viele Höhlen die in den Tuffstein gehauen wurden, selbst in den höchsten Bereichen. Hier gibt es wirklich unglaublich viel zu erkunden und zu erwandern! Abends heizt Uwe dann der Kohle ordentlich ein, Grillmeister Matze kümmert sich ums Fleisch, Sabine zaubert uns leckeren Tzatziki und Salat, Corinne und Oli spendieren abermals eine Flasche Rotwein und so verbringen wir erneut einen unvergesslichen Abend. Oli und Corinne erzählen uns von ihren bisherigen Expeditionen durch Afrika, Uwe und Sabine von ihren Erlebnissen mit der Istanbuler Polizei. Wir philosophieren über das Reisen an sich, über den Sinn und den Zweck, haben ähnliche Ansichten, teilen dieselben „Probleme“ die solch eine Langzeitreise mit sich bringt… und könnten ewig so weitermachen. Der heutige Platzwart des Campingplatzes, Osman gesellt sich zu uns, wir kredenzen ihm Schweizer Tee, er lehnt eine zweite Tasse allerdings dankend ab und kocht uns lieber die türkische Variante 😉 Mithilfe des Google Translaters „unterhalten“ wir uns ein wenig mit ihm und erfahren so ein paar Details aus seinem Leben. Irgendwann, zu späterer Stunde, kriechen wir müde aber glücklich in unsere Schlafsäcke.

 

Dienstag, 12.09.2017 Kappadokien- Sivas: 270 km

Auch an diesem Morgen lassen wir uns das Heißluftballonspektakel nicht entgehen, und schlafen danach noch aus.  Nun heißt es für uns zusammen packen und Abschied von unseren neuen Freunden nehmen! Sowohl Sabine und Uwe als auch Oli und Corinne reisen deutlich langsamer als wir, aber wer weiß, vielleicht kreuzen sich unsere Wege im Iran noch einmal!

Auf unserer Fahrt nach Sivas in Zentralanatolien kommen wir in unsere zweite türkische Polizeikontrolle. Beim ersten Mal musste Matze nur seinen Führerschein vorzeigen. Doch heute haben wir noch mehr Glück, gerade als uns der Beamte rauswinkt, ruft ihn ein anderer zum Mittagessen und wir können ohne kontrolliert zu werden weiter fahren! Ansonsten passieren wir heute noch den einzigen Militärcheckpoint auf unserer gesamten Türkei-Route, doch auch hier können wir ohne Kontrolle durch. Wir sehen hier in der Türkei täglich auf den Straßen Verkehrspolizeikontrollen, doch viel öfter sehen wir Attrappen von Polizeiautos am Straßenrand, bei denen wir jedes Mal zweimal hinschauen müssen, ob es nicht doch ein echter Wagen ist!

Wir übernachten heute auf einer Farm in der Nähe von Sivas, der Besitzer Ugur ist eine Reisebekanntschaft der Bodensee-overlander, von denen wir die Empfehlung haben. Leider ist Ugur selber nicht auf der Farm, doch wir dürfen trotzdem dort übernachten und genießen neben Bett und warmer Dusche die friedvolle Farm.

 

Mittwoch, 13.09.2017 Sivas: 0 km

Zum Frühstück bekommen wir von den Jungs auf der Farm köstliches Fladenbrot gebracht. Den Tag verbringen wir mit Schreiben von Artikeln, Sortieren von Bildern und wir erkunden die Farm. Abends begleitet uns einer der Farmjungs zu einem Suppenrestaurant. Die Speisekarte ist für uns wenig aufschlussreich und so bestellen wir das Gleiche wie unsere Begleiter. Dummerweise bekommen wir dadurch mal wieder Lammhirnsuppe serviert 😉 Schmeckt gar nicht mal so schlecht, aber wird trotzdem nicht zu unserer Lieblingsspeise! Wir beenden den Abend mit einem gemütlichen Lagerfeuer vor „unserem Farmhaus“ und gehen früh ins Bett, denn morgen geht’s weiter!

 

Donnerstag, 14.09.2017 Sivas- Of: 436 km

Wir planen für die Fahrt von Sivas bis nach Trabzon am Schwarzen Meer zwei Tage ein. Doch heute kommt alles anders! Auf unserem Weg in Richtung Nordosten fahren wir durch Zentral- und Ostanatolien. Es geht entlang endloser Weiten und durch die Berge. Nach einem der vielen Tunnel erreichen wir 2.000 Höhenmeter, ganz schön frisch! Wir rasten an einem Restaurant zum Abendessen und entscheiden uns dazu doch noch etwas weiter zu fahren bis ans Schwarze Meer. An der Schwarzmeerküste angekommen sehen wir eine komplett andere Landschaft: grüne Berge mit Teeplantagen an den Hängen, dazwischen stehen immer wieder Moscheen und die Straße führt direkt am Meer vorbei. Es beginnt dunkel zu werden, hier direkt hinter der großen Stadt Trabzon finden wir allerdings keine Campingspots, auch möchten wir die Hauptverbindungsstraße in Richtung georgischer Grenze nicht verlassen, und so suchen wir uns auf der Strecke ein Hotel. Wir finden das Caykent Suites Hotel in Of, wo wir für 37 € die Nacht ein schickes Zimmer inklusive Frühstück bekommen. Auf unserem Balkon mit Blick aufs Schwarze Meer hören wir zum letzten Mal auf unserer Reise den Adhan des Muezzin.

Reisetagebuch Kapitel 5.1 Türkei: Büchsenschießen mit Schrot

Sonntag, 03.09.2017 Alexandroupolis – Kumkale Köyü/Çanakkale: 232 km

Schnell packen wir heute Morgen zusammen und starten, denn wir wollen so früh wie möglich an der Grenze sein. Nach wenigen Kilometern sind wir da und auf der griechischen Seite geht es relativ zügig voran. Danach fahren wir vorbei an türkischem Militär bis zum ersten Grenzposten der Türkei. Prompt landet der erste Schlagbaum auf unserer Gepäckrolle, immerhin nicht auf Mellis Kopf 😉 Das kann ja heiter werden! Doch der Grenzbeamte entschuldigt sich und möchte wissen ob unser Motorrad das erste Mal in die Türkei einreist, da dies der Fall ist werden Grüne Karte und Fahrzeugpapiere erfasst. Wir freuen uns weil alles so schnell geht, doch zu früh gefreut, es folgt Schlange stehen vor einem weiterem Grenzübergang. Hier durchsucht ein süßer Golden Retriever das Gepäck der Autos, wir vermuten aber dass dieser eher Wurst erschnüffelt als Drogen! Die Einfuhr von Fleischerzeugnissen ist hier laut den Anzeigetafeln strengstens verboten. Endlich kommen auch wir an die Reihe und nachdem nun auch unsere Pässe verlangt werden, denken wir jetzt hätten wir die Einreiseprozedur überstanden. Wir pausieren hinter dem Zoll, denn dort stehen ebenfalls 2 Motorradreisende. Phil und seine Sozia sind Australier. Ihr Motorrad haben sie nach England verschifft um nun heim nach Australien zu fahren. Es stellt sich heraus das wir uns bereits aus der „Overlanding Asia“ Facebook-Gruppe. Wir möchten in Kontakt bleiben und werden uns sicherlich unterwegs wieder sehen! Überraschenderweise folgt auch noch ein dritter Grenzübergang, wieder müssen wir sämtliche Unterlagen vorzeigen und nun haben wir es auch wirklich geschafft, wir sind in der Türkei! An einer Tankstelle halten wir und ruhen uns auf der einzigen Sitzgelegenheit im Schatten aus, als sich eine türkische Familie zu uns an den Tisch gesellt. In unserm Heimatland eher ungewöhnlich sich zu Fremden an einen Tisch zu setzen, aber wir können es ihnen in der Hitze hier nicht verübeln, freuen uns über die Gesellschaft lächeln ihnen freundlich zu. Der Vater packt eine Tüte voller Backwaren aus und reicht wie selbstverständlich auch uns jeweils eine der Köstlichkeiten. Uns bleibt nichts anderes übrig als zuzugreifen und uns zu bedanken! Welsch herzlicher, erster Kontakt mit den einheimischen der Türkei!

Von Asien trennt uns jetzt nur noch die Fährfahrt durch die Meerenge der Dardanellen. In Eceabat besorgen wir uns türkische Lira und trinken einen türkischen Kaffee, bevor es dann für uns das erste Mal mit Gregor auf eine Fähre geht. Etwas nervös ergattern wir kurz vor der Abfahrt noch unser Ticket, fahren angespannt auf die Fähre, doch alles läuft problemlos ab! Die Fahrt dauert nur ca. 15 Minuten und im Anschluss befinden wir uns in der quirligen Stadt Çanakkale. Diese verlassen wir schnell und landen am frühen Nachmittag in einem kleinen Bauerndorf, indem die Hühner über die Straße laufen und alles sehr beschaulich wirkt. Hinter dem Dorf finden wir sogar einen kleinen Strand mit Restaurant. Dort relaxen wir ein Weilchen bei Eis und kühlen Drinks. Ein Einheimischer kommt vorbei und bringt uns eine „speciality from the mountains“: viele kleine, köstliche Beeren und dazu noch genau drei Kartoffelchips!? 😉 Ob wir hungrig ausgesehen haben? Vielleicht nicht, sonst hätten wir bestimmt mehr Chips bekommen!

Abends finden wir in einem Olivenhain ein Plätzchen zum Zelten, doch zum Lager aufschlagen ist es noch etwas früh. In der Dämmerung kocht uns Matze Abendessen und plötzlich werden wir von hunderten kleinen Stechmücken attackiert. Total genervt von den Viechern und den fiesen Stichen bauen wir unser Zelt auf. Wir essen heute dann auch lieber im Zelt! Nachts haben wir ein ungutes Gefühl, es fahren viele Autos oder Traktoren an unserem vermeintlich guten Zeltplatz vorbei. Und neben den Gesängen des Muezzin hören wir immer wieder Glocken von Ziegenherden und Rufe des Hirten. Zum Glück bleiben wir aber von nächtlichem Besuch verschont!

 

Montag, 04.09.2017 Kumkale Köyü/Çanakkale – Pamukkale: 485 km

Auf unserer heutigen Fahrt geht es kilometerweise an Melonenfeldern vorbei, und entlang der Straße steht ein mit Melonen überladener Verkaufsstand nach dem Anderen. Gerne hätten wir uns eine geholt, aber die Teile sind viel zu riesig für uns und Gregor! In dem Ort Burhaniye/Balıkesir fahren wir durch die Seitenstraßen, denn wir möchten nicht immer nur an Raststätten halten und außerdem auch eine Pausengelegenheit mit Internet finden. Wir finden ein hübsches Aparthotel (Asil Apart Otel) und nehmen dort Platz. Der Besitzer des Hotels spricht Deutsch und seine Frau ist ganz aus dem Häuschen nachdem er ihr übersetzt, dass wir mit dem Motorrad aus Deutschland hierhergekommen sind und normalerweise in unserem Zelt übernachten. Wir werden auf unsere Getränke eingeladen und bekommen noch Kekse serviert 😉

Unser Weg führt uns immer weiter Richtung Süden. Wir fahren durch ein Gebiet, in dem soweit das Auge reicht Tafeltrauben angebaut werden. Gerade ist Erntezeit der Hauptsorte! Am Nachmittag können wir bereits von weitem unser Ziel in den Bergen erkennen:  Die weißen Kalksinterterrassen von Pamukkale. Diese sind über Jahrtausende durch kalkhaltige Thermalquellen entstanden und stehen auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes. Morgen möchten wir sie besichtigen, also fahren wir auf einen Campingplatz (Tepe Camping), 6 km oberhalb der Terrassen in den Bergen gelegen. Wir schlagen unser Zelt direkt am Rand des Platzes auf und genießen am Abend eine wunderschöne Aussicht auf das Tal.

 

 

Dienstag, 05.09.2017 Pamukkale: 0 km

Heute besichtigen wir die Terrassen von Pamukkale und die dazugehörige historische Stätte Hierapolis. Der Eintritt kostet pro Person 35 Lira und man kann einen Teil der mit mineralischem Thermalwasser gefüllten Becken betreten, allerdings nur barfuß. Zuerst befürchten wir auf dem nassen Fels zu rutschen, aber man hat hier unglaublich guten Gripp. Wir finden ein Becken fast für uns alleine, baden im Heilwasser und schmieren uns sogar mit dem Mineralschlamm ein, Naturwellness pur 😉 Vielleicht hilft die Schlammpackung ja auch gegen den Sonnenbrand den Melli hier in Pamukkale bekommen hat! Bevor wir zurück auf den Campingplatz fahren, decken wir uns im Dorf noch mit Brot, türkischer Wurst, Käse und Kartoffeln ein. Was wir für Käse hielten entpuppt sich allerdings als eine Art Quark, aus dem Matze mit Knobi, Olivenöl und Gewürzen einen leckeren Dip zu unserem Brot zaubert. Die Wurst stellt sich als Glücksgriff heraus, sie schmeckt unglaublich gut! Nachmittags arbeiten wir am Laptop, ruhen uns aus und genießen die großartige Aussicht von unserem Camp aus. Zum Abendessen kochen wir die frischen Kartoffeln. Gemeinsam mit dem Rest Dip, der Wurst, der tollen Aussicht und einem türkischem Bier ein richtiger Festschmaus!

Mittwoch, 06.09.2017 Pamukkale- Faralya: 277 km

Wir fahren in Richtung Mittelmeerküste, zum Einen haben wir wieder Lust auf Meer und zum Anderen möchten wir nach Antalya. Matze ist etwas bekümmert um Gregors Kupplung und in Antalya gibt es eine BMW Werkstatt. Doch bevor es nach Antalya geht, fahren wir an die lykische Küste. Auf dem Weg dorthin finden wir eine Traum-Motorradstrecke: bester Asphalt, kaum Verkehr und eine herrliche Berglandschaft. Auch die lykische Küste ist ein Traum, die Küste ist gesäumt von herrlich grünen, mit Pinienwäldern bedeckten Bergen, oft geht es von diesen aus steil runter bis ans türkisblaue Wasser. Als wir an dem von uns im Voraus ausgesuchten Campingplatz ankommen, steht für uns beide aber schnell fest: Nix wie weiter! Die Bucht ist zwar wunderschön, aber auch super überfüllt und auf dem Campingplatz herrscht Trubel, es ist laut und uns auch viel zu groß. Wir fahren weiter in Richtung Fethiye. Den berühmten und beliebten Strand bei Ölüdeniz betrachten wir unterwegs von der hochgelegenen Küstenstraße aus. Dieser wunderschöne Strand ist kilometerlang, es gibt eine Art Landzunge und eine Lagune, das Wasser ist türkisfarben und geht weiter draußen in kräftiges Blau über. Dummerweise gibt es hier auch ein Hotel nach dem Anderen. Die Straße über die wir weiterfahren schlängelt sich malerisch durch die grünen Pinienwälder immer oberhalb des Meeres entlang. Wir versuchen zwei weitere, bereits rausgesuchte Campingplätze zu finden, was leider nicht so einfach ist. Der Eine ist nicht ausgeschildert, laut Navi sollen wir für den anderen die Steilküste über einen sandigen Pfad runterfahren, mit der schweren Maschine trauen wir uns das nicht zu! Ein türkischer Motorradfahrer auf einer 125 ccm Enduro versucht sein Glück, wir warten, er kommt zurück und schüttelt den Kopf! Wir sind etwas planlos, am Ende mit den Nerven, Melli geht’s richtig schlecht. Vielleicht ist es ein Sonnenstich, heute ist es extrem heiß und wir sind viel in der Sonne. Wir fahren hin und her, es gibt keinen Supermarkt in der Nähe und wir sehen auch keine Möglichkeit hier in der Gegend zu Zelten. Verzweifelt fragen wir bei einem teuren Resort, ob wir vielleicht dort zelten dürfen für eine Nacht oder ob sie uns weiterhelfen können. Der Angestellte telefoniert mit dem Besitzer und dieser empfiehlt uns zur Faralya Botanica zu fahren, dort kämen wir ohne Probleme mit der Maschine hin! Die Faralya Botanica stellt sich als kleiner, versteckter Garten Eden mit Meerblick an der Felsküste heraus! Es gibt hier, umgeben von Obstbäumen und Trauben, Steinhäuschen zum Mieten, und eingerichtete Zelte auf einer Plattform. Melli versucht noch mit dem Besitzer Nuri zu verhandeln, doch es bleibt bei 35 € pro Nacht im fertigem Zelt inklusive Frühstück. In unserm eigenen Zelt müssten wir das Gleiche zahlen. Wir wollen und können nicht mehr weiter suchen, Melli hat wirklich einen Sonnenstich und so bleiben wir trotz des für uns teuren Preises! Matze muss Melli samt Klamotten zur Abkühlung unter die Dusche stellen, welche übrigens draußen umgeben von Bambus angelegt ist, super schön! Es gibt hier zudem überall frisches Quellwasser zum Trinken, und so kann Melli viel trinken, sich direkt ins fertige Zelt legen und schlafen!

 

Donnerstag, 07.09.2017 Faralya Botanica: 0 km

Der heutige Tag beginnt mit einem liebevoll, aus frischen Zutaten angerichtetem Frühstücksbuffet: Es gibt allerlei Köstlichkeiten aus der Region, Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten, Rührei und Nuri macht uns sogar French Toast. Wir beschließen trotz des Preises noch einen weiteren Tag in der Faralya Botanica zu bleiben, damit wir uns ausgiebig erholen können und dieses schöne Fleckchen noch richtig erkunden und genießen können. Die große Holzplattform mit Sicht aufs Meer ist perfekt für Yoga. Hier gibt es neben der schönen Bambusdusche zum Beispiel Hühner, viele Hängematten, kuschelige Sitzgelegenheiten und die Möglichkeit für 10 € von Nuri ein Abendessen mit lokalen Spezialitäten gekocht zu bekommen. Es wachsen die von uns so geliebten Feigenbäume, Limetten, Avocados, Kaktusfeigen, Haselnüsse und überall Unmengen von köstlich süßen Trauben- wir dürfen von Allem naschen 😉 Melli ist mittlerweile Profi im überall Feigenbäume entdecken und ernten geworden! Ein versteckter, verschlungener Pfad führt uns durch den Wald und über Felsen bis zum Aktas Beach, der eher eine kleine, romantische Bucht ist, wo wir den halben Tag verbringen und uns gut erholen. Auf dem Rückweg entdecken wir eine Schildkröte! Endlich können wir mal eine in Ruhe betrachten, das geht bei den Exemplaren die über die Straße schleichen leider nie. Diese hier ist zum Glück nicht sehr scheu und springt nicht direkt ins Geäst. Zum Sonnenuntergang nutzt Melli die Holzplattform dann auch wirklich zum Yoga. Bei Kerzenschein gönnen wir uns im Anschluss das Abendmenu von Nuri: Nach einer orientalischen Kürbissuppe bekommen wir Salat, geröstete Paprika, Meze und frischen gegrillten Fisch und Hähnchen mit Rosmarinkartoffeln serviert. Köstlich!

 

Freitag, 08.09.2017 Faralya- Antalya: 220 km

Schweren Herzens verlassen wir den kleinen Garten Eden und die schöne lykische Küste. Antalya heißt unser heutiges Ziel. Leider finden wir so kurzfristig dort keinen Couchsurfing Host, aber ein kleines Hotel für 15 € die Nacht. Das Zimmer ist einigermaßen sauber, hat drei Einzelbetten und das Bad ist auf dem Flur, aber Gregor kann direkt an der 24 Stunden bewachten Rezeption parken! Und wir können ihn sogar von unserm Zimmer aus sehen, super! Wir sind müde von der Anfahrt, schlendern daher nur etwas durch das Viertel und gehen bei einem Imbiss essen: Es gibt nur vier Gerichte zur Auswahl, der Wirt spricht kein Englisch und unser Türkisch reicht nicht aus um seine Erklärungen zu verstehen. Also bestellen wir einfach die ersten drei Gerichte auf der Karte und lassen uns überraschen. Uns wird zuerst eine Suppe serviert, Matze kostet und grinst: „ Die esse ich wohl schon mal alleine!“ Es sind Innereien drin, auch Lammhirn. Melli kostet tapfer und isst auch einen großen Teil davon mit. Als nächstes bekommen wir Kebab, das wird hier allerdings nicht so serviert wie in Deutschland. Hier in der Türkei ist Kebab gegrilltes Fleisch, meistens Lamm, auf „Pide“ (Fladenbrot) serviert und dazu etwas gegrillte Paprika, Tomaten und gegarten halben Zwiebeln. Das dritte Gericht entpuppt sich als Salat aus weißen Bohnen, verfeinert mit Ei und angemacht mit Tahin, super interessanter Geschmack! Zusätzlich bekommen wir noch einen Salat aus Tomaten, Gurken und rohen Zwiebeln. Nachdem wir alles brav verputzt haben bringt uns der Wirt auch noch das vierte und somit letzte Gericht auf der Speisekarte, das wir gar nicht bestellt hatten. Aber er erklärt uns es sei die Spezialität des Hauses und es geht zusammen mit türkischem Tee dazu für uns aufs Haus: Helva, eine warme, mit Zimt bestreute Süßspeise, die schmeckt wie der köstlichste Zimtwaffelteig! Von den türkischen süßen Versuchungen bekommen wir nicht genug, auf dem Rückweg ins Hotel kommen wir noch an einem Geschäft vorbei wo Unmengen von „Turkish Delight“ und Nüsse verkauft werden und wir holen uns einige Leckereien und Datteln.

Samstag, 09.09.2017 Antalya – 80 km vor Konya im Wald: 232 km

Nachdem wir uns beim Bäcker um die Ecke mit frischen türkischen Backwaren eingedeckt haben steht unser Besuch bei BMW Antalya an. Schnell ist Jemand gefunden der englisch spricht. Wir möchten wissen was ein Ölwechsel kostet und bitten darum dass die Kupplung mal gecheckt wird. Matze gibt dem Mitarbeiter den Schlüssel und in klimatisierten Räumen bei Wasser und türkischen Tee warten wir ab. Nach einer Weile die erste schlechte Nachricht: Der passende Ölfilter ist nicht vorrätig, Lieferzeit ca. 2 Tage aus Istanbul. Naja, den Ölwechsel können wir auch woanders noch machen. Und die Kupplung? Wir müssen weiter warten. Erstmal ist jetzt Mittagspause angesagt. Danach erfahren wir, dass der Kupplungssatz ebenfalls nicht lieferbar ist und auch aus Istanbul bestellt werden muss. Aber der Mechaniker hat die Kupplung noch nicht durchgecheckt. In der Zwischenzeit schauen wir schon mal online nach Hotel Alternativen und Couchsurfing Hosts… Dann kommt der Mechaniker zusammen mit dem englisch sprechenden Mitarbeiter, und dieser übersetzt dass soweit mit der Kupplung alles in Ordnung zu sein scheint und dass er gerne gemeinsam mit Matze eine Probefahrt machen will. Nach der Probefahrt erhalten wir folgende Diagnose: Mit der Kupplung sei soweit noch alles in Ordnung und sie wird mit Sicherheit noch 5.000 km ohne Probleme halten! Puh, jetzt sind wir erleichtert. Eine neue Kupplung bei BMW Antalya würde uns übrigens schlappe 1.700 € kosten. Wir recherchieren derzeit ob wir uns einen günstigen Kupplungssatz aus Deutschland irgendwohin schicken lassen können oder ob wir unterwegs vielleicht einen finden können. Aber für heute ist das Problem erstmal vom Tisch und wir verlassen nach über 3 Stunden ohne etwas zahlen zu müssen die BMW Filiale. Unser nächstes Ziel ist das berühmte Kappadokien, aber bis dorthin sind es noch über 500 km. Zu viel für heute, denn es ist mittlerweile schon nach 14 Uhr. Die Strecke führt uns durch die Berge, vorbei an unzähligen Straßenständen an denen Honig verkauft wird. In einem kleinen Dorf in den Bergen machen wir nachmittags halt und bestellen „Balik“ (Fisch) und „Köfte“ (gegrillte Hackbällchen). Auch dazu bekommen wir wieder Pide und einen Salat aus Tomaten, Gurken und Zwiebeln serviert. Wir decken uns noch mit Wasser und Brot ein und suchen uns im Verlauf der Strecke vor der Stadt Konya einen Platz zum campen. In einem bewaldeten und felsigen Gebiet finden wir eine Seitenstraße von der eine kleine Schotterpiste abgeht. Nach kurzer Zeit sind wir außer Sicht- und Hörweite der Straße und finden ein hübsches Plätzchen für unser Nachtlager. Dieses Mal hören wir auch keinen Muezzin und nur aus weiter Ferne vereinzelt ein paar Ziegenglocken läuten. Ansonsten ist es mucks Mäuschen still, doch in abends fallen Schüssen- Wie unheimlich! Später erfahren wir allerdings, dass hier viel mit Schrot!? auf Büchsen geschossen wird, also wohl halb so wild!

Reisetagebuch Kapitel 4: Chillen auf Chalkidiki

An dem kleinen Grenzübergang zwischen Leskovik und Konitsa erhoffen wir uns kurze Wartezeiten. Eigentlich ist hier auch absolut nichts los, doch vor uns ist eine 6-köpfige Gruppe slowakischer Motorradfahrer. Sie wollen bloß in Griechenland Essen gehen und dann wieder zurück nach Albanien fahren, verrückt 😉 Bis der freundliche griechische Grenzbeamte die „Außerlandesesser“ und uns abgefertigt hat, vergeht dann doch fast insgesamt eine ganze Stunde. Das Land der Hellenen empfängt uns mit strahlend blauem Himmel, herrlichen grünen Berglandschaften und guten Straßen. Doch plötzlich besteht Kollisionsgefahr:  Ein sich vermeintlich bewegender Stein stellt sich als Schildkröte heraus, die mit Maximalgeschwindigkeit die Straße überquert! Zum Glück können wir noch gerade rechtzeitig ausweichen ;).  Wir fahren entlang des Pindus National Park und machen Rast an einem Café in den Bergen. Dort genießt Melli ihren ersten Frappe, ihre liebste griechische Kaffespezialität. Auch setzen wir unseren guten Vorsatz in die Tat um und lernen gleich hier die ersten griechischen Vokabeln, zumindest Hallo,  Guten Tag, Danke und Bitte sitzen schon mal. Am Nachmittag erreichen wir unser Tagesziel, den Campingplatz Vrachos Kastraki. Dieser liegt direkt unterhalb der eigentümlich geformten Konglomeratfelsen, auf denen sich die Meteora-Klöster befinden. Die griechisch-orthodoxen Meteora-Klöster gehören zum Welterbe der Unesco. Doch wir sind heute zu müde sie noch zu besichtigen, das machen wir lieber morgen!

 

Donnerstag, 31.08.2017 Meteora- Kalamitsi: 393 km

Wie angekündigt stehen heute die Meteora-Klöster auf unserem Programm, das ist Sightseeing nach unserem Geschmack: Mit Gregor können wir durch das große, in den Bergen gelegene Areal der Klöster fahren und wir machen den ein oder anderen Fotostopp. Am frühen Vormittag hält sich der Touristenansturm noch in Grenzen, nimmt dann aber doch zu. Da positionieren wir mühsam die Kamera, parken extra Gregor um, bringen uns in Position, betätigen den Selbstauslöser und flatsch, läuft uns eine beleibte Touristin Mitten ins lange vorbereitete Bild 😉  Für uns das Signal jetzt besser weiter zu fahren! Doch wie der Zufall es will treffen wir kurz vorm Losfahren noch einen spanischen Motorradreisenden in unserem Alter, der mit seiner Transalp durch den Balkan bis nach Griechenland gereist ist. Wir unterhalten uns noch ein Weilchen und machen bevor es weitergeht noch ein Foto:

Unser Tagesziel ist weit entfernt, wir wollen auf die Halbinsel Chalkidiki, genauer gesagt auf den „Mittelfinger“ der Halbinsel namens Sithonia. Die Fahrt dorthin führt uns vorbei an endlosen Olivenplantagen und vorbei an der riesigen Stadt Thessaloniki. An einer Raststätte verkauft ein Obsthändler Nektarinen in 2 kg Kisten, leider natürlich viel zu viel für uns. Melli erklärt dem Verkäufer das sie gerne eine einzige hätte, doch anstelle ihr den Preis zu nennen schenkt ihr der Verkäufer diese! Entlang der gesamten Ostküste der Halbinsel Sithonia bieten sich uns wieder traumhafte Küstenpanoramen, abwechselnd mit herrlich duftenden Pinienwäldern. Ganz an der Spitze des Mittelfingers liegt der Kalamitsi Beach wo wir einen kleinen, schattigen Campingplatz finden. Das Wasser am Strand ist glasklar und das kalte Nass bietet uns nach der langen Fahrt eine angenehme Erfrischung. Unser Abendessen genießen wir heute direkt am Strand. Mit den Füßen im Sand und dem ein oder anderem Gläschen Retsina lassen wir uns gebackenen Feta, hausgemachten Auberginensalat und gegrillte Sardinen schmecken.

 

Freitag, 01.09. 2017 Kalamitsi: 0 km

Chilltime auf Chalkidiki! Wir bleiben noch einen Tag in Kalamitsi, relaxen am Strand und auf unserem Campingplatz, waschen Wäsche, schreiben Artikel und sortieren Bilder.  Matze versorgt dabei Melli mit Frappe 😉 Mehr gibt es über diesen Tag einfach nicht zu berichten. Zwischendurch brauchen wir solche Tage. Das Reisen an sich ist wunderschön, aber manchmal auch anstrengend. Und wir müssen auch mal Zeit finden um das Erlebte zu verarbeiten.

 

Samstag, 02.09. 2017 Kalamitsi- Alexandroupolis: 375 km

Gut erholt gehen wir heute unsere letzte und lange Etappe in Griechenland an. Zunächst fahren wir entlang der gesamten Ostküste von Sithonia und genießen noch einmal das Panorama der schönen Halbinsel, im Endeffekt haben wir sie nun einmal komplett umfahren. Mittags rasten wir an einem verlassenen Feldweg. Auf einer kleinen Brücke finden wir ein Fleckchen Schatten und legen uns kurz mal lang. Anscheinend sehen wir ganz schön fertig aus, denn es halten zwei freundliche Griechen im Auto an und fragen ob bei uns alles okay sei. Sie sind ganz erstaunt darüber, dass wir aus Deutschland sind und schenken uns einen ganzen Sack voll frisch geernteter Tomaten. Wir müssen erstmal einige verputzen, da wir gar nicht alle unter bekommen 😉 Danach geht es über die Autobahn in die Grenzstadt Alexandroupolis, wo wir auf einem Campingplatz direkt am Strand gelegen übernachten. Unsere Vorräte sind aufgebraucht, aber in den Regalen des Minimarkts vom Campingplatz herrscht gähnende Leere. Also machen wir uns zu Fuß auf die Suche nach einem anderen Supermarkt damit wir nicht mit leerem Bauch in unsere Schlafsäcke kriechen müssen. Allerdings dröhnt uns die halbe Nacht lauter Heavy Metal vom „Alexandroupolis Open Air“ in die Ohren. Wären wir besser mal hingegangen und hätten mitgefeiert! Unsere Zeit in Griechenland ging viel zu schnell vorbei, doch es zieht uns weiter in die Ferne!

Reisetagebach Kapitel 3 „450 Kilo Offroad durch die Berge!“

 

Sonntag, 27.08.2017 Orasac- Sveti Stefan: 136 km

Bei diesigem Wetter und schlechter Sicht geht es heute an der Küste entlang weiter nach Montenegro, ein Land über das wir nicht allzu viel wissen bisher. Es gibt keine Autobahn in Montenegro und wir befürchten, dass wir nicht so schnell vorankommen werden. Bevor wir aufbrechen vergewissern wir uns, dass wir unsere Pässe und die grüne Karte greifbar haben, denn Montenegro ist kein Mitglied der EU. Etwas aufgeregt sind wir schon, denn noch nie haben wir bisher über Land die EU verlassen! Schon als wir in die Nähe der Grenze kommen sehen wir am Straßenrand unheimlich viel Müll. Das Wetter wird noch trüber, es riecht verbrannt und kurz darauf entdecken wir auch Rauch in den Bergen: ein kleiner Brand wütet in den Hügeln. Ein Feuerwehrauto ist bereits zur Stelle, wir gehen davon aus, dass es sich daher staut und fahren mit dem Moped ohne Probleme an den wartenden Autos vorbei. Ein italienisches Pärchen in Jeans und T-Shirt auf einer BMW 1200 GS folgt unserem Beispiel. Dann merken wir allerdings dass der Stau gar nicht durch das Feuerwehrauto verursacht wurde, sondern durch die Grenze. Ups, wir haben uns also unabsichtlich vorgedrängelt. Lange stehen wir wartend in der Hitze, trotz Vordrängeln kostet uns das ganze Prozedere an der Grenze über eine Stunde. Immerhin bekommen wir einen Stempel in unsere neuen Reisepässe. Und wir treffen einen spanischen Motorradreisenden wieder, der sich ebenfalls vorgedrängelt hat. Wir kennen ihn von einer Tankstelle in Kroatien, er ist auf einer alten Suzuki unterwegs in die Türkei! Ähnlich wie in Kroatien kommen uns auch in Montenegro viele Motorradfahrer entgegen. Wir fahren an Igalo vorbei, ein Strandort mit großen Hochhäusern, Plattenbauten und Stränden zugepackt mit Sonnenschirmen, welch krasser Gegensatz zur unverbauten, hübschen kroatischen Adriaküste. Außer viel Müll am Straßenrand sehen wir auch eine Bauruine mit „zu verkaufen“ Schild nach der Anderen. Die Küste von Montenegro ist bisher weniger unser Ding und so fahren wir in Richtung Kotor. Die Stadt liegt an einer riesigen Bucht, die umrandet ist von steil abfallenden Bergen, ähnlich wie ein Fjord. Es gibt sogar zwei Inseln in der Bucht. Wir fahren die ganze Bucht von Kotor entlang und genießen das Panorama. Leider haben wir aufgrund des trüben Wetters kaum Sicht auf die Berge. Die nächste Stadt an der Küste, Budva gefällt uns wenig. Der Stadtverkehr zerrt an unseren Nerven, die Hochhäuser und Hotelbauten sind wenig ansehnlich. Also fahren wir immer weiter Richtung Süden, bis wir zwischen Milocer und Drobnici eine Campinggelegenheit oberhalb einer kleinen, hübschen Bucht mit glasklarem Wasser finden. Hier hat man auch einen wundervollen Ausblick auf die vor Budva gelegene Insel.Außerdem gibt es ein romantisches Strandrestaurant, das nur die Einheimischen zu kennen scheinen. Wir gönnen uns zuerst ein erfrischendes Bad im Meer und im Anschluss ein delikates Abendessen im Strandrestaurant: Als Vorspeise genießen wir lokale Oliven, Käse und Schinken und als Hauptgang frischen, gegrillten Oktopus. Und während die Sonne über dem Meer versinkt, stoßen wir mit leckerem, kroatischem Weißwein auf unsere erste Reisewoche an.

 

Montag, 28.08.2017 Sveti Stefan- Shebenik Jabllanice National Park: 260 km

In einem montenegrinischen Supermarkt versorgen wir uns mit Proviant und fahren vorbei an den Städten Bar und Ulcinj zur albanischen Grenze. Auch hier können wir uns ein Stück weit vordrängeln und nach einer halben Stunde die Grenze passieren. Danach erleben wir den bisher größten Kontrast auf unserer Reise: Die Straßen sind viel schlechter als vorher und gesäumt von Müll. Es steht eine Kuh direkt an der Straße – dabei sind wir doch noch gar nicht in Indien. Wir fahren durch arme Dörfer, vorbei an Maisfeldern, Kühen und Pferdekutschen. Danach geht’s stundenlang eine Art Schnellstraße entlang nach Tirana. Diese Schnellstraße ist wirklich furchtbar: Müll, Tankstellen, und leerstehende Häuser wechseln sich ab mit Bauruinen, Hotels, Möbelkaufhäusern und verlassenen Tankstellen. Unser Eindruck von Tirana ist auch nicht der Beste, das Navi kommt aufgrund einer riesigen Baustelle nicht klar und wir sind froh als wir diese Stadt dann endlich hinter uns lassen können. Da uns das was wir bisher von Albanien gesehen haben wenig gefällt, entschließen wir uns dazu in die Berge und Richtung Nationalparks zu fahren. Laut Google Maps gibt es einen am Wasser gelegenen Campingplatz im Shebenik-Jabllanice Nationalpark, den wir uns als Tagesziel setzen. Je weiter wir ins Landesinnere kommen, umso schöner wird die Natur und umso weniger wird auch der Müll und der Verkehr. Auch wenn die Straßen eher schlechter sind, macht uns das Fahren nun wieder mehr Spaß. Die Landschaft ist unheimlich grün und wir sehen viele Berge, kleine Farmen und freundliche Menschen. Hier in Albanien kommen uns schon weniger Motorradfahrer entgegen als in Kroatien und Montenegro. Dafür scheinen die Albaner auf deutsche Autos zu stehen, wir sehen einen Mercedes nach dem Anderen. Außerdem beobachten wir hier die waghalsigsten Überholmanöver, passend dazu unzählige Gedenkstätten von Verkehrsopfern am Wegesrand. Nachmittags erreichen wir den hübsch in den Bergen gelegenen Ort Librazhd und eigentlich sind es nun nur noch 20 km bis zu unserem Ziel. Das Navi zeigt allerdings noch eine Stunde Fahrtzeit an. Über eine schmale, verhältnismäßig gut asphaltierte Straße geht es immer höher in die Berge. Nach jeder Kurve bietet sich uns ein atemberaubendes Bergpanorama, auf einem Nationalparkschild steht das Zeichen für Campingplatz und wir sind guter Dinge, noch! Denn plötzlich endet die geteerte Straße und es geht nur noch über eine unbefestigte Schotterpiste weiter. Vom Prinzip her sind offroad Strecken kein Problem für unsere Maschine, aber auf der Piste sind auch viele große Steine. Zudem sind wir voll beladen und so noch nie solch eine Strecke gefahren. Bis zum Ziel sind es noch über 6 km, steil berghoch in engen Serpentinen! Zum Wildcampen fehlt uns eigentlich das Trinkwasser und die Aussicht auf eine Dusche auf dem Campingplatz lässt uns weiter fahren! In Schrittgeschwindigkeit, an Gregor geklammert und den Blick auf die Piste fixiert, kämpfen wir uns den Berg hoch. Nach über einer Dreiviertelstunde kommen wir schweißgebadet am vermeintlichem Ziel an. Allerdings ist weit und breit kein Campingplatz in Sicht! Was nun? Die Sonne steht schon tief, Zurückfahren ist heute definitiv keine Option mehr für uns. In der Ferne scheint ein kleiner Hof zu sein, vielleicht können wir dort Wasser bekommen? Wir finden uns damit ab, heute hier in den albanischen Bergen zu campen, die Aussicht ist wunderschön! Melli geht zu dem Hof und fragt nach dem Campingplatz, der albanische Bauer spricht kaum englisch, aber er gibt zu verstehen dass es hier keinen Campingplatz gibt. Wir ruhen uns erstmal etwas aus und in der Zwischenzeit kommt der Bauer zu uns. Matze reicht ihm die Hand und stellt sich vor. Wir erklären ihm das wir heute nicht mehr weiterfahren können und hier zelten werden, daraufhin lädt er uns ein auf seinem Gelände in der Nähe seines Hofes zu zelten. Dort gäbe es auch Wasser und wir sollten später auf einen „Drink“ vorbeizukommen. Super! Wir schlagen unser Zelt auf, machen uns frisch und gehen vorbei an Hunden, Hühnern und Schafen in Richtung Häuschen. Dieses ist nicht Mals annähernd fertig gebaut! Unser Gastgeber Dorian fordert uns auf hineinzutreten. Sein Vater ist gerade am Mauern, die Mutter in der „Küche“. Wir nehmen im offenen Wohnzimmer am Tisch Platz und bekommen gegrillte Maiskolben. Wir verständigen uns auf Englisch und mit Händen und Füßen. Dorian stellt uns auch seine Eltern vor und bringt uns auf einem Tablett Schnaps und Bier. Wir lernen unser erstes albanisches Wort: Gezuar- Prost! Im Anschluss bringt er noch selbstgemachten Käse, Tomaten vom eigenen Feld, frisch gebackenes Maisbrot und Bohnensuppe. Mit so einem Abendessen hätten wir heute gar nicht gerechnet! Alles was wir dazu beisteuern können ist montenegrinischer Schinken aus dem Supermarkt, der bei unseren Gastgebern allerdings auf wenige Begeisterung stößt. Die Hunde und Katzen freuten sich umso mehr! 😉 Wir erfahren das der leckere Schnaps selbstgebrannt ist und möchten wissen aus was. Dorian kann unsere Frage auf Englisch nicht beantworten und verschwindet. Während wir zusammen mit dem Vater und der Katze, welche großzügig mit Schinken versorgt wird, sitzen  kommt er mit einem Pflaumenzweig in der Hand zurück 😉 Trotz der Verständigungsprobleme verbringen wir einen herrlichen Abend bei Dorian und sind überwältigt von der albanischen Gast- und Tierfreundlichkeit.

 

 

 Dienstag, 29.08.2017 Shebenik Jabllanice National Park- Farma Sotira: 190 km

Morgens versorgt uns Dorian mit selbstgemachtem Joghurt und leckerem Mokka.  Raki bietet er uns auch wieder an, wir lehnen dankend ab. Stolz zeigt er uns danach den ganzen Hof, das dazugehörige Land mit Maisfeld und Weideflächen, den Gemüsegarten und alle Tiere: Hunde, Katzen, Schafe, Pferde, Hühner, Enten, Truthähne und Kühe. Die Familie bietet uns an länger zu verweilen, doch wir müssen weiter ziehen. Zum Abschluss machen wir noch Fotos zusammen und versprechen sie Dorian zukommen zu lassen. Die Mutter drückt und küsst Melli herzlich. Als Proviant bekommen wir noch Tomaten mit auf den Weg. Es war eine super schöne Erfahrung für uns bei einer einheimischen Familie so herzlich aufgenommen und versorgt zu werden und mehr über das Leben im ländlichen Albanien zu erfahren.

Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse hier in Albanien setzen wir uns als Tagesziel eine Farm mit Restaurant und Camping in unter 200 km Entfernung, angegebene Fahrtzeit dafür: 4,5 Stunden. Aber zunächst müssen wir erstmal die lange, steinige und steile Schotterpiste wieder runterkommen. Gesagt getan, ohne irgendwelche Zwischenfälle meistern Matze und Gregor die Abfahrt! Wir sind mächtig stolz. Durch die herrliche albanische Berglandschaft geht es nun in Richtung Griechenland. Die Straße ist zunächst relativ gut zu fahren und führt uns vorbei am riesigen Ohrid See. Nach der am See gelegenen Stadt Pogradec wird die Straße allerdings wieder schlechter. Uns kommt ein junges albanisches Paar im BMW entgegen, sie winken euphorisch und strecken beide Daumen hoch. Wir können nur mutmaßen, vielleicht sind sie auch Motorradfahrer? Aber es passiert uns hier oft, dass uns freundlich zugewinkt wird, vor allem in den Dörfern. In einem Tal machen wir Rast, der Himmel zieht sich zu, es beginnt von allen Seiten zu grummeln, ein Gewitter scheint im Anmarsch zu sein. Während wir über einen Bergpass mit herrlichem Panorama fahren fallen auch die ersten Regentropfen. Aber wir kommen nur langsam voran. Der Asphalt ist streckenweise furchtbar schlecht, gespickt mit riesigen Schlaglöchern und hört manchmal auch einfach auf! Dann geht es ein Stück weit off road weiter, bis früher oder später wieder asphaltierte Straße folgt. Als wir an unserem Übernachtungsziel, der Farma Sotira ankommen, donnert und regnet es heftig . Wir entscheiden uns dazu, in einer der uns angebotenen Holzhütten zu nächtigen. Sie kostet uns inklusive Frühstück 15 € (der Zeltplatz ohne Frühstück kostet 10 €). So können wir uns den Zelt Auf- und Abbau im Nassen sparen 😉 Die Farma Sotira liegt umgeben von Wald im Süden Albaniens.  Es gibt hier Kühe, Pferde und Schafe, auch allerlei Geflügel, eine Fischzucht und eigenen Wein. Diesen lassen wir uns nach einer ausgiebigen warmen Dusche zum Abendessen schmecken. Wir genießen dazu wieder frisch selbstgebacktes Maisbrot, hausgemachten Käse und Tzatziki, gegrilltes Lamm und gegrillten Fisch aus der eigenen Zucht. Abends halten uns noch eine Zeitlang die Enten wach, die an dem kleinen Bachlauf an unserer Holzhütte schnattern.

Mittwoch, 30.08.2107, Farma Sotira- Meteora: 190 km

Zum Frühstück bekommen wir frisches Brot, selbstgemachte Butter und Käse, Marmelade und leckere Spiegeleier von den Enten vom Hof!  Danach fahren wir weiter über holprige und mit Schlaglöchern versehrte Pisten Richtung Griechenland. Einige Kilometer vor der Grenze wird die Straße wieder besser. Neuer Asphalt, bis auf ein paar Ziegen, die die Straße überqueren, gibt es keinen weiteren Verkehr. Schöne Kurven und grüne Berge… wir genießen zum Abschuss unsere Albanien-Etappe noch einmal Motorradfahrspaß pur! Nach unseren Abenteuern in Albanien haben wir das Gefühl für sämtliche Straßenverhältnis gewappnet zu sein 😉 Sowohl in Montenegro als auch in Albanien kommt man mit englisch nicht so weit und wir nehmen uns fest vor in den kommenden Ländern zumindest immer ein paar der wichtigsten Wörter zu lernen!

 

Reisetagebuch Kapitel 2: „Es riecht nach Sonnencreme im Helm!“

Donnerstag, 24.08.2017 Sibinj Krmpotski- Drage: 141 km

Mittlerweile geht das Packen schon schneller! Heute fahren wir den ganzen Tag immer an der kroatischen Adria entlang. In engen Kurven geht es vorbei an unzähligen, kleinen, idyllischen Buchten mit glasklarem, türkisfarbenem Wasser. Die Strecke macht einfach Spaß. Es kommen uns immer wieder Motorradfahrer entgegen, kein Wunder bei diesen schönen Küstenstraßen. Wir sehen auch  nur wenige große Hotels, stattdessen gibt es an der kroatischen Küste unzählige Campingplätze und viele deutsche Wohnmobile und Camper.

In der Nähe des Nationalparks Paklenica folgen wir Google Maps (mit dem wir navigieren) durch ein kleines Dorf, immer entlang einer „gelben Route“, die normalerweise eine Hauptstraße sein sollte. Doch plötzlich geht es steil eine Seitenstraße hoch, wir überlegen noch ob wir besser umdrehen sollen, oder Melli mal zu Fuß schauen gehen soll. Entscheiden uns doch fürs Weiterfahren um dann festzustellen, dass die Straße oben am Berg einfach endet und nur noch ein holpriger Weg mit großen Steinen weiter in die Berge führt. Wir halten und… kippen um. Dank den stabilen Koffern, Sturzbügel und Zylinderprotektoren von Wunderlich ist weder uns noch Gregor etwas passiert!

Wir fahren bis zu dem kleinen Ort Drage, der zwischen Zadar und Sibenik liegt. Dort finden wir für unter 17 € das Kamp Paradiso und hier ist der Name Programm! Der Inhaber weist uns einen schattigen Platz in einem Olivenhain zu, wir können unsere Hängematte aufhängen und sogar von einem Feigenbaum naschen. Als wir dann unsere Pässe zum einchecken vorzeigen wollen, winkt der Besitzer ab: “No names, no ID“ und schenkt uns stattdessen kroatischen Rotwein in Plastikbechern ein 😉

 

Freitag, 25.08.2017 Drage, Kamp Paradiso: 0 km

Wir entscheiden uns dazu einen Tag im Kamp Paradiso zu bleiben. Vor unserem Start hatten wir unheimlich viel Stress, waren angespannt und die ersten 1.000 km haben wir ja auch schon hinter uns gebracht. Also schwimmen wir einmal quer durch die Bucht, entspannen am Meer und in unserm schönen Olivenhain, Melli sortiert die ersten Bilder und Matze probiert das erste Mal in Ruhe unseren neuen Benzinkocher aus:

Abends zaubert er uns köstliche Pasta mit frischem kroatischem Gemüse!

 

 

Zum krönenden Abschluss des Tages genießen wir einen herrlichen Sonnenuntergang oberhalb unseres Camps.

 

Samstag, 26.08.2107 Drage – Orasac: 301 km

Nach unserem Ruhetag sind wir froh, dass es wieder weiter geht, als Tagesziel setzen wir uns einen kleinen Ort vor Dubrovnik. Auf dem Weg dorthin fahren wir durch kroatische Dörfer und durch die Berge, vorbei an fruchtbaren Tälern in denen Obst- und Gemüse angebaut wird, welches direkt an der Straße auch verkauft wird. Ein Stück fahren wir auch über die Autobahn, damit wir schneller vorankommen. Die Autobahnanzeigetafeln zeigen 35° C an, ganz schön heiß! Hier an der südlichen Küste Kroatiens verändert sich auch die Vegetation, es wachsen nicht nur Büsche und kleine Olivenbäume sondern auch Pinien, Zypressen und vereinzelt auch Palmen. Alles wirkt sehr mediterran, die kleinen Dörfer und Häfen entlang der Küste sind unheimlich hübsch anzusehen. Der Weg führt uns heute auch raus aus der EU: Ein kleines Stück geht es durch Bosnien Herzegowina. An der Grenze werden wir durchgewunken, so bleibt uns ein nerviger Grenzstau und längere Passkontrollen erspart. Man sieht deutlich dass wir durch ein ärmeres Land fahren, wir sehen viel Müll und unschöne Plattenbauten bestimmen das Landschaftsbild. Aber schon nach kurzer Zeit sind wir wieder zurück in Kroatien. Am frühen Nachmittag kommen wir beim Campingplatz Pod Maslinom in Orasac an.  Hier ist schon Nebensaison und so können wir diesen hübschen Campingplatz und die schönen Sanitäranlagen für nur 15 € die Nacht nutzen. Zum Meer geht ein steiler Weg hinab, endlich unten angekommen werden wir mit einer kleinen Bucht und einem Platz ganz für uns zwischen den Felsen belohnt! Die Erfrischung tut uns sehr gut!

 

Mit dem Motorrad fahren wir am Abend in das 17 km entfernte Dubrovnik. Im Gegensatz zu den ganzen Autofahrern finden wir ohne Probleme einen Parkplatz. Wir schlendern ein wenig durch die Stadt.

 

 

 

 

Die hübsche Altstadt ist umgeben von einer begehbaren Stadtmauer und liegt direkt am Meer.

Trotz der vielen Touristen hat das Städtchen einen unvergleichbaren Charme und wir genießen dort einen schönen Abend. Zurück auf unserem Campingplatz lassen wir den Tag mit einem Bierchen, Brot und kroatischer Wurst gemütlich ausklingen. Morgen verlassen wir das schöne Kroatien.

Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt und es war für uns das perfekte erste Reiseland: Gute Straßen, eine Traumroute entlang der Adria, tolles Wetter und europäischer Standard in Sachen Infrastruktur. So konnten wir uns ohne Probleme an das Leben „on the road“ gewöhnen, uns nach jedem Fahrtag im Meer erfrischen und einfach genießen.

 

 

Reisetagebuch: Kapitel 1

Sonntag, 20.08.2017 Hüttersdorf-Hurst: 250 km

„Es ist so weit, heute geht’s endlich los!“ Bevor die ganze Familie zur Verabschiedung angerückt war, hatten wir noch schnell das voll beladene Motorrad aus der Garage geschoben, nicht das uns noch ein Unglück passiert und es umfällt vor versammelter Mannschaft ;).

Unsere Familien standen zur Verabschiedung bereit, und es wurde die eine oder andere Träne verdrückt. Als wir dann losfuhren war es gegen 12 Uhr Mittag. Mit gemischten Gefühlen ließen wir Elternhaus und Heimatdorf hinter uns, um Aufzubrechen in die große weite Welt! Da wir einfach nur schnell ankommen wollten, sind wir über die Autobahn gefahren und gegen 17 Uhr bei unserem Tagesziel im Westerwald bei Mellis Uroma Paula und Tante Marianne angekommen. Dort wurden wir zum Abendessen mit Wienern und Nudelsalat versorgt und bei Kölsch und Sekt ließen wir den Tag gemütlich ausklingen.

 

Montag, 21.08.2017, Hurst-Sinzig-Nürnberg-München: 617 km

Nach einem Frühstück mit frisch gekochten Eiern mit Mellis Uroma und Großtante ging es schnell los nach Sinzig, zur Verabschiedung bei unserem Hauptsponsor Wunderlich.

Dort hatten wir noch ein kleines Interview Link mit dem „Generalanzeiger Bonn“ und ein Fotoshooting.  Jetzt konnten wir offiziell unsere Reise starten! Super Gefühl, nachdem wir den Hof von Wunderlich verlassen hatten mussten wir innerlich jubeln. Über die Autobahn ging es Richtung Nürnberg, wo wir uns mit Matzes Tante Ute und Onkel Klaus in einem Traditionswirtshaus mitten im Wald zum Essen trafen. Es gab Matjes, Schinkennudeln und Kaiserschmarrn, lecker! Von Nürnberg ging es Richtung München zu unserer Freundin Carina, wo wir gegen 19 Uhr ankamen. Gregor parkten wir auf dem Bürgersteig und schleppten alle Sachen in die 1-Zimmer Wohnung. Wir gönnten uns ein asiatisches Abendessen mit Wein und verbrachten einen schönen letzten Abend zusammen. Nach der langen Etappe von 617 km hatten wir sogar einen leichten Sonnenbrand im Gesicht! Am Ende des Tages fielen wir todmüde in den Schlaf.

 

Dienstag, 22.08.17 München- Podljubelj: 379 km

Nach einem „Abschiedsselfie“ mit Carina ging es gegen 11 Uhr los über die Autobahn in Richtung Österreich. Bald waren schon die ersten Berge in Sicht. An einer deutschen Raststätte hielten wir an um eine Vignette zu kaufen, dort gab es eine Baustelle und an einem Abhang  mit Schotter ist es passiert: Gregor ist uns über den Seitenständer umgefallen, wir konnten ihn aber ohne Probleme wieder hochstemmen. Kurz darauf ging es dann das erste Mal über eine Landesgrenze und wir waren in Österreich. Hier konnten wir während der Fahrt das Bergpanorama genießen.  Etwas nervig war allerdings das wir den ganzen Tag nur Autobahn gefahren sind und in den Tunneln war es unglaublich laut.

Auf einer Raststätte in den Bergen machten wir eine längere Pause. Unser Plan war ursprünglich bis an die Slowenische Grenze zu fahren und auf der Österreichischen Seite zu campen. Im heutigen Tagesziel Rosenbach angekommen, fanden wir jedoch auf die Schnelle keine Campingmöglichkeit zum Wildcampen, daher versorgten uns in einem Supermarkt mit Wasser und Brot und fuhren weiter. Über den Loiblpass ging es hoch in die Berge. Enge Kehren, vorbei an einem Wasserfall und romantischen Flussläufen, bisher die schönste Strecke unserer Reise. Oben angekommen ging es dann durch einen Tunnel und „schwups“ waren wir schon in Slowenien! In dem Karawanken Gebirge ergab sich auch keine Campingmöglichkeit, also fuhren wir Richtung Tal und fanden dann zufällig das „Kamp Podljubelj“, eine Art Zeltplatz für Wanderer, malerisch in den Slowenischen Bergen gelegen. Die Anfahrt dort hin führte über einen kleinen Schotterweg, den Matze und Gregor ohne Probleme meisterten. Für günstige 16 € konnten wir hier zelten, kochen und duschen. Wir kochten uns Nudeln und gönnten uns ein slowenisches Bier. Abends wurde es richtig frisch. Aber wir waren froh endlich in unserem Zelt schlafen zu können und es schon heute bis nach Slowenien geschafft zu haben, denn wir wollen so schnell wie möglich ans Meer!

 

 

Mittwoch, 23.08.2017 Podljubelj- Sibinji Krmpotski: 215 km

Nach einer kalten aber erholsamen Nacht in den slowenischen Bergen ließen wir am Morgen erstmal unser klammes Zelt in der Sonne trocknen, frühstückten und packten. Nach ganzen 3 Stunden waren wir endlich startklar. Beim Rangieren des voll beladenen Gregors fiel er uns dann zum zweiten Mal um und auch dieses Mal passierte nichts. Schnell war er wieder aufgerichtet und weiter ging die Reise. Vorbei an Slowenischen Dörfern fuhren wir Richtung Kroatien. Kurz vor der Grenze in Rupa warb am Straßenrand eine Wechselstube nach der Anderen mit den besten Wechselkursen, denn in Kroatien gibt es keinen Euro sondern die Landeswährung Kuna. Wir waren uns unsicher ob wir schon hier Geld wechseln sollen, entschieden uns aber dagegen und fuhren weiter. Dann kam auch schon der Grenzübergang nach Kroatien und nach ungefähr 10 km sahen wir zum ersten Mal das Meer! Schönes Gefühl! Im Vergleich zu Deutschland, Österreich und Slowenien ist hier in Kroatien super Sommerwetter. In Rijeka, einer größeren kroatischen Stadt machten wir dann kurz an einem Geldautomaten halt um uns mit der Landeswährung zu versorgen. Ursprünglich wollten wir direkt ins Meer springen sobald wir es erreicht haben, aber leider ergab sich zunächst keine Gelegenheit, wo wir direkt am Wasser das Motorrad abstellen konnten. Also fuhren wir erstmal weiter, immer entlang der Küste.

An einer Bucht in Bakarac machten wir dann Mittagspause und gönnten uns dalmatischen Schinken, Käse und Oktopussalat in einem Restaurant. Als wir dann zahlen wollten fragte uns der Kellner: „In Euro oder Kuna“- so viel zum Thema Wechselstube ;). In Bakarac konnten wir sogar ganz dicht mit Gregor ans Wasser fahren und dadurch endlich unser erstes Bad im Meer genießen! Ein rumänischer Motorradreisender nutze dort ebenfalls die Gelegenheit zu einem Bad im Meer. Wir kamen mit ihm ins Gespräch, er hatte bereits über 5.000 km hinter sich gebracht. Wir staunten, erzählten aber nichts von unserem Reiseziel, irgendwie hatte es sich nicht ergeben.

Hier in der Umgebung der Kvarner Bucht fanden wir keinen geeigneten Platz zum Wildcampen. Die Umgebung besteht aus bergigem, eher unzugänglichem Gelände, Felsen, Büschen und kleinen Buchten, die meist nur zu Fuß zu erreichen sind. Also entschieden wir uns für einen günstigen Campingplatz direkt am Meer, dem Autocamp Sibinji. Noch vor dem Zeltaufbau ging es zur Erfrischung ins Wasser. Zum Abendessen gab es Ciabatta, Taboulé und Hummus mit Blick aufs Meer bei einem herrlichen Sonnenuntergang. So langsam fühlt es sich an wie Urlaub!

„Der Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange auf ihn freut.“ (Arthur Schnitzler)

Es wird ernst, wir fahren von Mellis Elternhaus aus los! Unsere Familie steht zum Winken bereit und es fließen einige Tränen! Die ersten 250 km fahren wir bei schönem Wetter gemütlich in Richtung Sinzig zu unserem Hauptsponsor Wunderlich! Dazu mehr in unserem nächsten Bericht.

So richtig realisiert dass unser Abenteuer jetzt startet haben wir noch nicht! Mal sehen ob sich das ändert wenn wir Deutschland verlassen!

Bye bye Saarbrücken!

Wir haben heute unsere Wohnung aufgelöst und bis auf wenige Möbel fast alles verkauft! Ein befreiendes Gefühl! Bis zum Start der Reise werden wir in Mellis Elternhaus unterkommen.

Fotoshooting für Homepage

Heute hatten wir einen freien Tag genutzt um unserem Motorrad eine Wäsche zu gönnen und ein paar Fotos zu schießen.

 

AbenteuerWeltKöln

Zurück von einem  spannenden  Wochenende!

 

Wir sind zurück aus Köln, wo wir die Reise- und Ausrüstungsmesse „Abenteuer Welt“ besuchten.

Am Freitag ging es bei schönstem Wetter durch das Mosel Tal und die Eifel nach Köln.

Unser Zelt schlugen wir neben vielen gleichgesinnten Abenteurern auf dem Campgrounder Abenteuer Welt auf.

Der Hauptgrund für unseren Besuch:  4 vom 15 Live-Reportagen auf der Messe wurden von leidenschaftlichen  Motorradfahrern gehalten.

Unser Highlight war der Vortrag „360 Degrees of Freedom“  von den Motorradweltreisenden Bea und Helle. Wir lernten das sympathische Paar auch persönlich kennen und erhielten viele wertvolle Tipps von Ihnen.

Es war einfach ein super Wochenende, neben den spannenden Vorträgen  begeisterten uns vor allem die vielen netten Gesprächen  mit Gleichgesinnten!

Und es ist gut möglich, dass wir die ein oder andere Bekanntschaft von der  „Abenteuer Welt Köln“ auf unserer Reise wieder treffen werden!

 

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