Sonntag, 27.08.2017 Orasac- Sveti Stefan: 136 km

Bei diesigem Wetter und schlechter Sicht geht es heute an der Küste entlang weiter nach Montenegro, ein Land über das wir nicht allzu viel wissen bisher. Es gibt keine Autobahn in Montenegro und wir befürchten, dass wir nicht so schnell vorankommen werden. Bevor wir aufbrechen vergewissern wir uns, dass wir unsere Pässe und die grüne Karte greifbar haben, denn Montenegro ist kein Mitglied der EU. Etwas aufgeregt sind wir schon, denn noch nie haben wir bisher über Land die EU verlassen! Schon als wir in die Nähe der Grenze kommen sehen wir am Straßenrand unheimlich viel Müll. Das Wetter wird noch trüber, es riecht verbrannt und kurz darauf entdecken wir auch Rauch in den Bergen: ein kleiner Brand wütet in den Hügeln. Ein Feuerwehrauto ist bereits zur Stelle, wir gehen davon aus, dass es sich daher staut und fahren mit dem Moped ohne Probleme an den wartenden Autos vorbei. Ein italienisches Pärchen in Jeans und T-Shirt auf einer BMW 1200 GS folgt unserem Beispiel. Dann merken wir allerdings dass der Stau gar nicht durch das Feuerwehrauto verursacht wurde, sondern durch die Grenze. Ups, wir haben uns also unabsichtlich vorgedrängelt. Lange stehen wir wartend in der Hitze, trotz Vordrängeln kostet uns das ganze Prozedere an der Grenze über eine Stunde. Immerhin bekommen wir einen Stempel in unsere neuen Reisepässe. Und wir treffen einen spanischen Motorradreisenden wieder, der sich ebenfalls vorgedrängelt hat. Wir kennen ihn von einer Tankstelle in Kroatien, er ist auf einer alten Suzuki unterwegs in die Türkei! Ähnlich wie in Kroatien kommen uns auch in Montenegro viele Motorradfahrer entgegen. Wir fahren an Igalo vorbei, ein Strandort mit großen Hochhäusern, Plattenbauten und Stränden zugepackt mit Sonnenschirmen, welch krasser Gegensatz zur unverbauten, hübschen kroatischen Adriaküste. Außer viel Müll am Straßenrand sehen wir auch eine Bauruine mit „zu verkaufen“ Schild nach der Anderen. Die Küste von Montenegro ist bisher weniger unser Ding und so fahren wir in Richtung Kotor. Die Stadt liegt an einer riesigen Bucht, die umrandet ist von steil abfallenden Bergen, ähnlich wie ein Fjord. Es gibt sogar zwei Inseln in der Bucht. Wir fahren die ganze Bucht von Kotor entlang und genießen das Panorama. Leider haben wir aufgrund des trüben Wetters kaum Sicht auf die Berge. Die nächste Stadt an der Küste, Budva gefällt uns wenig. Der Stadtverkehr zerrt an unseren Nerven, die Hochhäuser und Hotelbauten sind wenig ansehnlich. Also fahren wir immer weiter Richtung Süden, bis wir zwischen Milocer und Drobnici eine Campinggelegenheit oberhalb einer kleinen, hübschen Bucht mit glasklarem Wasser finden. Hier hat man auch einen wundervollen Ausblick auf die vor Budva gelegene Insel.Außerdem gibt es ein romantisches Strandrestaurant, das nur die Einheimischen zu kennen scheinen. Wir gönnen uns zuerst ein erfrischendes Bad im Meer und im Anschluss ein delikates Abendessen im Strandrestaurant: Als Vorspeise genießen wir lokale Oliven, Käse und Schinken und als Hauptgang frischen, gegrillten Oktopus. Und während die Sonne über dem Meer versinkt, stoßen wir mit leckerem, kroatischem Weißwein auf unsere erste Reisewoche an.

 

Montag, 28.08.2017 Sveti Stefan- Shebenik Jabllanice National Park: 260 km

In einem montenegrinischen Supermarkt versorgen wir uns mit Proviant und fahren vorbei an den Städten Bar und Ulcinj zur albanischen Grenze. Auch hier können wir uns ein Stück weit vordrängeln und nach einer halben Stunde die Grenze passieren. Danach erleben wir den bisher größten Kontrast auf unserer Reise: Die Straßen sind viel schlechter als vorher und gesäumt von Müll. Es steht eine Kuh direkt an der Straße – dabei sind wir doch noch gar nicht in Indien. Wir fahren durch arme Dörfer, vorbei an Maisfeldern, Kühen und Pferdekutschen. Danach geht’s stundenlang eine Art Schnellstraße entlang nach Tirana. Diese Schnellstraße ist wirklich furchtbar: Müll, Tankstellen, und leerstehende Häuser wechseln sich ab mit Bauruinen, Hotels, Möbelkaufhäusern und verlassenen Tankstellen. Unser Eindruck von Tirana ist auch nicht der Beste, das Navi kommt aufgrund einer riesigen Baustelle nicht klar und wir sind froh als wir diese Stadt dann endlich hinter uns lassen können. Da uns das was wir bisher von Albanien gesehen haben wenig gefällt, entschließen wir uns dazu in die Berge und Richtung Nationalparks zu fahren. Laut Google Maps gibt es einen am Wasser gelegenen Campingplatz im Shebenik-Jabllanice Nationalpark, den wir uns als Tagesziel setzen. Je weiter wir ins Landesinnere kommen, umso schöner wird die Natur und umso weniger wird auch der Müll und der Verkehr. Auch wenn die Straßen eher schlechter sind, macht uns das Fahren nun wieder mehr Spaß. Die Landschaft ist unheimlich grün und wir sehen viele Berge, kleine Farmen und freundliche Menschen. Hier in Albanien kommen uns schon weniger Motorradfahrer entgegen als in Kroatien und Montenegro. Dafür scheinen die Albaner auf deutsche Autos zu stehen, wir sehen einen Mercedes nach dem Anderen. Außerdem beobachten wir hier die waghalsigsten Überholmanöver, passend dazu unzählige Gedenkstätten von Verkehrsopfern am Wegesrand. Nachmittags erreichen wir den hübsch in den Bergen gelegenen Ort Librazhd und eigentlich sind es nun nur noch 20 km bis zu unserem Ziel. Das Navi zeigt allerdings noch eine Stunde Fahrtzeit an. Über eine schmale, verhältnismäßig gut asphaltierte Straße geht es immer höher in die Berge. Nach jeder Kurve bietet sich uns ein atemberaubendes Bergpanorama, auf einem Nationalparkschild steht das Zeichen für Campingplatz und wir sind guter Dinge, noch! Denn plötzlich endet die geteerte Straße und es geht nur noch über eine unbefestigte Schotterpiste weiter. Vom Prinzip her sind offroad Strecken kein Problem für unsere Maschine, aber auf der Piste sind auch viele große Steine. Zudem sind wir voll beladen und so noch nie solch eine Strecke gefahren. Bis zum Ziel sind es noch über 6 km, steil berghoch in engen Serpentinen! Zum Wildcampen fehlt uns eigentlich das Trinkwasser und die Aussicht auf eine Dusche auf dem Campingplatz lässt uns weiter fahren! In Schrittgeschwindigkeit, an Gregor geklammert und den Blick auf die Piste fixiert, kämpfen wir uns den Berg hoch. Nach über einer Dreiviertelstunde kommen wir schweißgebadet am vermeintlichem Ziel an. Allerdings ist weit und breit kein Campingplatz in Sicht! Was nun? Die Sonne steht schon tief, Zurückfahren ist heute definitiv keine Option mehr für uns. In der Ferne scheint ein kleiner Hof zu sein, vielleicht können wir dort Wasser bekommen? Wir finden uns damit ab, heute hier in den albanischen Bergen zu campen, die Aussicht ist wunderschön! Melli geht zu dem Hof und fragt nach dem Campingplatz, der albanische Bauer spricht kaum englisch, aber er gibt zu verstehen dass es hier keinen Campingplatz gibt. Wir ruhen uns erstmal etwas aus und in der Zwischenzeit kommt der Bauer zu uns. Matze reicht ihm die Hand und stellt sich vor. Wir erklären ihm das wir heute nicht mehr weiterfahren können und hier zelten werden, daraufhin lädt er uns ein auf seinem Gelände in der Nähe seines Hofes zu zelten. Dort gäbe es auch Wasser und wir sollten später auf einen „Drink“ vorbeizukommen. Super! Wir schlagen unser Zelt auf, machen uns frisch und gehen vorbei an Hunden, Hühnern und Schafen in Richtung Häuschen. Dieses ist nicht Mals annähernd fertig gebaut! Unser Gastgeber Dorian fordert uns auf hineinzutreten. Sein Vater ist gerade am Mauern, die Mutter in der „Küche“. Wir nehmen im offenen Wohnzimmer am Tisch Platz und bekommen gegrillte Maiskolben. Wir verständigen uns auf Englisch und mit Händen und Füßen. Dorian stellt uns auch seine Eltern vor und bringt uns auf einem Tablett Schnaps und Bier. Wir lernen unser erstes albanisches Wort: Gezuar- Prost! Im Anschluss bringt er noch selbstgemachten Käse, Tomaten vom eigenen Feld, frisch gebackenes Maisbrot und Bohnensuppe. Mit so einem Abendessen hätten wir heute gar nicht gerechnet! Alles was wir dazu beisteuern können ist montenegrinischer Schinken aus dem Supermarkt, der bei unseren Gastgebern allerdings auf wenige Begeisterung stößt. Die Hunde und Katzen freuten sich umso mehr! 😉 Wir erfahren das der leckere Schnaps selbstgebrannt ist und möchten wissen aus was. Dorian kann unsere Frage auf Englisch nicht beantworten und verschwindet. Während wir zusammen mit dem Vater und der Katze, welche großzügig mit Schinken versorgt wird, sitzen  kommt er mit einem Pflaumenzweig in der Hand zurück 😉 Trotz der Verständigungsprobleme verbringen wir einen herrlichen Abend bei Dorian und sind überwältigt von der albanischen Gast- und Tierfreundlichkeit.

 

 

 Dienstag, 29.08.2017 Shebenik Jabllanice National Park- Farma Sotira: 190 km

Morgens versorgt uns Dorian mit selbstgemachtem Joghurt und leckerem Mokka.  Raki bietet er uns auch wieder an, wir lehnen dankend ab. Stolz zeigt er uns danach den ganzen Hof, das dazugehörige Land mit Maisfeld und Weideflächen, den Gemüsegarten und alle Tiere: Hunde, Katzen, Schafe, Pferde, Hühner, Enten, Truthähne und Kühe. Die Familie bietet uns an länger zu verweilen, doch wir müssen weiter ziehen. Zum Abschluss machen wir noch Fotos zusammen und versprechen sie Dorian zukommen zu lassen. Die Mutter drückt und küsst Melli herzlich. Als Proviant bekommen wir noch Tomaten mit auf den Weg. Es war eine super schöne Erfahrung für uns bei einer einheimischen Familie so herzlich aufgenommen und versorgt zu werden und mehr über das Leben im ländlichen Albanien zu erfahren.

Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse hier in Albanien setzen wir uns als Tagesziel eine Farm mit Restaurant und Camping in unter 200 km Entfernung, angegebene Fahrtzeit dafür: 4,5 Stunden. Aber zunächst müssen wir erstmal die lange, steinige und steile Schotterpiste wieder runterkommen. Gesagt getan, ohne irgendwelche Zwischenfälle meistern Matze und Gregor die Abfahrt! Wir sind mächtig stolz. Durch die herrliche albanische Berglandschaft geht es nun in Richtung Griechenland. Die Straße ist zunächst relativ gut zu fahren und führt uns vorbei am riesigen Ohrid See. Nach der am See gelegenen Stadt Pogradec wird die Straße allerdings wieder schlechter. Uns kommt ein junges albanisches Paar im BMW entgegen, sie winken euphorisch und strecken beide Daumen hoch. Wir können nur mutmaßen, vielleicht sind sie auch Motorradfahrer? Aber es passiert uns hier oft, dass uns freundlich zugewinkt wird, vor allem in den Dörfern. In einem Tal machen wir Rast, der Himmel zieht sich zu, es beginnt von allen Seiten zu grummeln, ein Gewitter scheint im Anmarsch zu sein. Während wir über einen Bergpass mit herrlichem Panorama fahren fallen auch die ersten Regentropfen. Aber wir kommen nur langsam voran. Der Asphalt ist streckenweise furchtbar schlecht, gespickt mit riesigen Schlaglöchern und hört manchmal auch einfach auf! Dann geht es ein Stück weit off road weiter, bis früher oder später wieder asphaltierte Straße folgt. Als wir an unserem Übernachtungsziel, der Farma Sotira ankommen, donnert und regnet es heftig . Wir entscheiden uns dazu, in einer der uns angebotenen Holzhütten zu nächtigen. Sie kostet uns inklusive Frühstück 15 € (der Zeltplatz ohne Frühstück kostet 10 €). So können wir uns den Zelt Auf- und Abbau im Nassen sparen 😉 Die Farma Sotira liegt umgeben von Wald im Süden Albaniens.  Es gibt hier Kühe, Pferde und Schafe, auch allerlei Geflügel, eine Fischzucht und eigenen Wein. Diesen lassen wir uns nach einer ausgiebigen warmen Dusche zum Abendessen schmecken. Wir genießen dazu wieder frisch selbstgebacktes Maisbrot, hausgemachten Käse und Tzatziki, gegrilltes Lamm und gegrillten Fisch aus der eigenen Zucht. Abends halten uns noch eine Zeitlang die Enten wach, die an dem kleinen Bachlauf an unserer Holzhütte schnattern.

Mittwoch, 30.08.2107, Farma Sotira- Meteora: 190 km

Zum Frühstück bekommen wir frisches Brot, selbstgemachte Butter und Käse, Marmelade und leckere Spiegeleier von den Enten vom Hof!  Danach fahren wir weiter über holprige und mit Schlaglöchern versehrte Pisten Richtung Griechenland. Einige Kilometer vor der Grenze wird die Straße wieder besser. Neuer Asphalt, bis auf ein paar Ziegen, die die Straße überqueren, gibt es keinen weiteren Verkehr. Schöne Kurven und grüne Berge… wir genießen zum Abschuss unsere Albanien-Etappe noch einmal Motorradfahrspaß pur! Nach unseren Abenteuern in Albanien haben wir das Gefühl für sämtliche Straßenverhältnis gewappnet zu sein 😉 Sowohl in Montenegro als auch in Albanien kommt man mit englisch nicht so weit und wir nehmen uns fest vor in den kommenden Ländern zumindest immer ein paar der wichtigsten Wörter zu lernen!