Reisetagebuch Kapitel 8.2: Isfahan und Yazd

Sonntag, 08.10.2107 Kashan- Isfahan: 215km

Wir verlassen heute Kashan in Richtung der Stadt Isfahan. Auf dem Weg machen wir noch einen Stopp in dem historischen Dorf Abyaneh. Die Strecke dorthin ist richtig schön, sie führt vorbei an schroffen Felsen und grünen Tälern. Alleine dafür hat sich der Umweg schon gelohnt! Abyaneh erkundet Melli erstmal zu Fuß, denn die Durchfahrt ist für Fahrzeuge verboten. Das Dorf besteht aus roten Lehmhäusern und ist durchzogen von kleinen Bachläufen. Die Einheimischen meinen schließlich es wäre okay wenn wir mit dem Motorrad durchfahren. Kurz zweifeln wir noch ob das passt, aber wir wollen es versuchen und quetschen uns langsam durch die engen Gassen. Stellenweise ist es so schmal, dass wir nur mit Mühe und Not gerade so durchpassen! Da haben wir Glück gehabt, denn eine Wendemöglichkeit hätte es auch nicht gegeben. Als wir auf der anderen Seite aus dem Dorf wieder rauskommen sind wir happy.
Am frühen Nachmittag kommen wir in Isfahan an und suchen einen Park in dem wir campen können, leider ohne Erfolg. Die Hotels in der Stadt sind entweder ausgebucht oder super teuer, und so landen wir in einem Hostel. Immerhin haben wir ein Dreierzimmer für uns alleine, doch sowohl das Zimmer als auch das restliche Hostel sind leider ganz schön mies, wohl fühlen wir uns hier nicht.  Zum Glück haben wir für die nächsten Tage eine Einladung einer iranischen Familie über Couchsurfing bekommen und müssen nur eine Nacht hier verbringen!

Montag, 09.10.2017 Isfahan- Shahinshar: 35 km

Da unsere iranische Gastfamilie erst gegen Nachmittag Zeit hat und wir nicht länger im Hostel bleiben wollen, machen wir uns heute Morgen auf in die Innenstadt. Seit Kashan suchen wir eine persische Satteltasche, welche viele Iraner hinten auf ihrem Fahrrad oder dem „Motorrad“ für Gepäck nutzen.  Solch eine würde sich gut über Gregors Tank machen! Auf dem Bazar des Imam-Platzes werden wir fündig und müssen unseren „Teppich“ demnächst nur noch irgendwie an Gregor anpassen.  Die restliche Wartezeit über machen wir es uns in einem kleinen Café gemütlich.
Nun machen wir uns auf zu unserer Gastfamilie, die außerhalb von Isfahan in der Stadt Shahinshar wohnt. Es ist das erste Mal, dass wir uns auf das „Abenteuer Couchsurfing“ einlassen und auch das erste Mal, dass wir solch einen engen Kontakt zu einer iranischen Familie bekommen. Wir sind dementsprechend angespannt als der Hausherr uns hinein bittet. Umgekehrt sind auch wir für unsere Gastgeber die ersten Gäste und auch die ersten Deutschen die sie kennen lernen. Gregor darf in der Garage parken, die gleichzeitig auch Hausflur und Zugang zur Gästetoilette ist.
Wir nehmen gemeinsam mit unserem Gastgeber im großen Wohnzimmer auf der Couch Platz und kurz darauf trifft auch unsere Gastgeberin mit der Tochter ein. Die 6-jährige spricht laut ihren Eltern bereits englisch, traut sich aber nicht zu uns ins Wohnzimmer zu kommen. Selbst als Melli ihr Gummibärchen schenken will, weicht sie ängstlich zurück. Wir lassen ihr Zeit, bekommen Tee und Obst serviert und führen eine nette Unterhaltung. Irgendwann beginnt die Mutter zu kochen. Matze möchte gerne helfen und das Gericht lernen, doch die Küche ist für ihn als Mann tabu! Für uns ebenfalls ungewohnt: Zum Essen wechseln wir von der Couch auf den Boden. Auf einer ausgebreiteten Plastikdecke genießen wir dann leckeres Gourme Sabzi und feinen Reis mit Kartoffelboden. Dazu gibt es Salat, frische Kräuter, Chilis und zum Trinken Dugh (eine leicht salzige Buttermilch, bei uns als Ayran bekannt ist. Wird kalt getrunken, ist erfrischend und enthält viel Eiweiß. In unserem Fall streute man auch ein paar Blättchen getrocknete Nana Minze hinein.)

Später am Abend spielen Melli und die Tochter dann doch zusammen, während Matze bezüglich der BMW und Deutschland ausgefragt wird. Die beiden Iraner denken darüber nach aus auszuwandern und sind daher sehr an unserer Heimat und Europa interessiert. Im Kinderzimmer der Tochter bekommen wir zum Schlafen Decken und Matratzen zur Verfügung gestellt um spät nachts zu Bett zu gehen. Wir sind richtig erschöpf! Aus Angst etwas falsch zu machen sind wir den ganzen Tag über sehr angespannt. Auch die Unterhaltungen auf Englisch über Themen wie die deutsche Wirtschaft, Politik und Religion sind sehr anstrengend für uns! Daher sind wir froh zumindest zum Schlafen einen eigenen Raum zu haben.

Dienstag, 10.10. 2017 Shahinshar: 0 km
Als wir aufstehen ist die Tochter schon in der Schule und unsere Gastgeber warten mit dem Frühstück. Auch Gefrühstückt wird auf dem Boden, es gibt sehr leckeres Fladenbrot, iranischen Käse, Walnüsse und das süße „Halva“. Kaffee gibt es keinen, dafür wie immer Tee!
Unsere Couchsurfinghosts möchten uns Isfahan zeigen, und fahren uns mit ihrem Auto durch den dichten Verkehr in die Innenstadt. Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Isfahan ist der Naqsch-e-Dschahan Platz, einer der größten Plätze der Welt und erbaut im 16. Jahrhundert .
Wir bestaunen dort die Scheich-Lotfollah-Moschee, das Eingangstor zur Meidan-e-Eman-Mosche und besichtigen den Ali Qapu-Palast. Für den Eintritt zum Palast müssen wir als Ausländer allerdings den siebenfachen Preis zahlen! Aus dem obersten Stockwerk des Palastes erblicken wir blaue Kuppeln, emaillierte Türme und schlanke Minarette soweit das Auge reicht. Der riesige Naqsch-e-Dschahan-Platz ist mit seinen Moscheen, dem Königspalast und dem Bazar, ein beindruckendes und sehenswertes UNESCO-Weltkulturerbe und ein gutes Beispiel für die iranische Baukunst.
Auf dem Rückweg von unserer Sightseeingtour holen wir noch die Tochter von der Schule ab und nachmittags ruhen wir uns alle etwas aus. Am Abend bekommen wir noch Shahinshar, den Wohnort unsere Gastgeber gezeigt. Wir schlendern über den Nachtmarkt, auf dem es neben viel Krimskram auch viele Essenstände gibt, die z.B. leckere Falaffelbällchen und Sandwiches anbieten. Wir vergnügen uns zudem mit köstlichen, frisch gegrillten Maiskolben. Auch an diesem Abend sitzen wir noch sehr lange zusammen und reden. Wir erfahren unglaublich viel über das Leben und die Menschen im Iran. Ohne Couchsurfing hätten wir niemals solche intensiven Einblicke in die uns so fremde Kultur erhalten!

Mittwoch, 11.10.2017 Shahinshar-irgendwo südöstlich von Näin: 250 km
Für uns heißt es heute Abschied nehmen, denn wir wollen weiter, raus in die Natur. Nach dem Frühstück kommen die Eltern unserer Gastgeberin zu Besuch.
Wir bedanken uns herzlich für die Gastfreundschaft, es werden noch viele Fotos und Selfies von uns und dem Motorrad gemacht und danach verabschieden wir uns von unseren neuen iranischen Freunden.
Wir fahren über die Wüstenstraße zwischen Kashan und Yazd weiter in Richtung Osten. Nachdem wir die Stadt Naeen passiert haben, beginnt es langsam zu dämmern und wir suchen uns einen Platz zum Zelten. Den ganzen Tag fahren wir an super Campingmöglichkeiten vorbei, und jetzt wo wir eine suchen …findet sich wie immer nichts mehr! Entweder steht doch ein Häuschen in der Nähe oder das Gelände ist viel zu unwegsam. Irgendwann finden wir dann endlich gänzlich unbebautes und flaches Gelände, und fahren für einige Kilometer querfeldein durch die wüstenähnliche Landschaft.
Bis unser Zelt steht ist es schon dunkel, wir genießen die Stille und gehen müde schlafen.

Donnerstag, 12.10.2017 südöstliches von Näin- Yazd: 105 km

Da wir gestern auf der Suche nach einem Campingspot weiter gefahren sind als geplant, kommen wir heute schon früh in unserem nächsten Ziel, der Wüstenstadt Yazd an. Wir finden ein hübsches Guesthouse in den engen und verwinkelten Gassen, die uns etwas an Kashan erinnern. Das Beste an unserem Guesthouse ist die schattige Dachterrasse.
Yazd gefällt uns von Anfang an super, eine richtige Oase in der Wüste! In den Gässchen finden wir viele nette Cafes und Restaurants. Neben leckeren Säften und Shakes haben diese oft auch Dachterrassen mit einer tollen Aussicht über die Dächer der Stadt zu bieten.
Zum Abendessen gehen wir wie so oft in ein traditionelles Restaurant. Wir probieren Kamelfleisch, welches einen eher gewöhnungsbedürftigen Geschmack hat und köstliches Khoresht e Fesenjun.
Bevor wir schlafen gehen, genießen wir noch einmal den wunderschönen Ausblick über die beleuchteten Minarette, Moscheen und Windtürme. In Wüstenstädten dienen diese als natürliche Klimaanlage: Die Schlitze der Türme fangen den leisesten Windhauch ein. Im Inneren wird die Luft durch Schächte geleitet und beim Abkühlen sinkt sie dann in die darunter liegenden Räume.

Freitag- Samstag 13+14.10.2017 Yazd: 0 km
Da es uns in Yazd so gut gefällt, entscheiden wir uns länger hier zu bleiben und verbringen typische „Pausentage“ auf Langzeitreise: Wir schlafen aus, genießen ein gemütliches Frühstück, waschen unsere Wäsche, sichern und sortieren Bilder… Auch unsere Motorradkombis haben sich mittlerweile eine Wäsche verdient. Und die für Gregor neu angeschaffte Satteltasche muss noch ein wenig modifiziert werden, damit sie über den Tank passt.
Tagsüber ist es hier auch viel zu heiß, um draußen etwas zu unternehmen! Also bummeln wir abends ein wenig durch die engen Gassen der Altstadt und vorbei an der Freitagsmoschee, deren Portalbau vollständig mit Fliesenmosaik verziert ist. Durch die wunderschöne persische Architektur und die Aussicht über die Dächer der Wüstenstadt fühlen wir uns wie in einem orientalischem Märchen.

Wir schauen uns den Amir Chaqmaq Komplex an, eine Vier-Iwan-Moschee, von der nur noch die Fronten erhalten sind. Die sich davor befindlichen Wasserfontänen werden abends in wechselnden Farben beleuchtet. Viele Iraner tummeln sich hier, wir beobachten, lassen uns treiben und schlendern über den Bazar. Vor einem Hotel entdecken wir eine Honda Africa Twin! So lernen wir ein deutsches Paar kennen, das auf dem Weg nach Kirgisistan ist, und verbringen einen netten Abend zusammen.

Reisetagebuch Kapitel 8.1 Iran:

Samstag, 30.09.2017 Agarak-Tabriz:  270 km

Früh stehen wir auf und machen uns startklar für den Grenzübergang in den Iran. Während Melli gerade überlegt wie sich das obligatorische Kopftuch mit dem Helm tragen lässt, rollt ein Panzer nach dem Anderen vorüber. Hier in Agarak grenzen Armenien, Iran und Aserbaidschan aneinander und es gibt zudem noch russisches Militär!

Wir sind aufgeregt, nicht nur wegen dem Grenzübergang sondern auch weil wir gespannt auf den Iran sind. Persien, für uns der Inbegriff des Orients!

Auf der armenischen Seite müssen wir eine gefühlte Ewigkeit warten. Der Grenzbeamte im ersten Grenzhäuschen ist dermaßen begeistert von unseren deutschen Reisepässen, dass er sich jedes winzige Detail mehrmals mit der Lupe anschauen muss. Am nächsten Schlagbaum wird unser Pass ein zweites Mal kontrolliert und wir dürfen passieren. An der iranischen Grenze angelangt müssen wir erstmal absteigen und in der „Passenger Hall“  unsere Reisepässe stempeln lassen. Dies geschieht nicht ohne „Welcome to Iran“ vom Grenzbeamten! Im Anschluss dürfen wir hineinfahren bis zur nächsten Schranke. Dort wird zum ersten Mal unser Carnet de Passage verlangt und wir müssen wieder eine Weile warten, bis auch diese Formalität erledigt ist. Es folgt eine letzte Passkontrolle und wir haben es endlich geschafft! Direkt hinter der Grenze wechselt Matze US-Dollar in iranische Rial und wir sind Millionäre!

Die folgende Strecke ist wunderschön,  führt vorbei an Bergen und entlang eines ruhigen Flusses. Wir erreichen die Stadt Jolfa und brauchen dringend etwas zu essen und zu trinken. Doch im Iran ist heute „Tassoua“, ein wichtiger Feiertag und alles scheint geschlossen! Wir finden zum Glück einen kleinen Shop bei dem wir uns mit Getränken, Chips und köstlichen iranischen Walnussküchlein eindecken können. Ein Iraner spricht Matze an, wo wir herkommen, wo wir hinwollen und ob wir ihn und seine Familie zu ihrem Feiertagsausflug begleiten wollen. Melli würdigt er keines Blickes. Wir lehnen dankend ab. Gerade als wir losfahren wollen kommt seine verschleierte Frau auf Melli zu, deutet ihr an die Hände zu öffnen und gibt ihr so viele frische Erdnüsse wie sie nur tragen. Uns wird bewusst dass wir uns nun in einem Kulturkreis befinden, der schon sehr unterschiedlich zu allem uns bekannten ist.

Unser Tagesziel, die Stadt Tabriz erreichen wir am Nachmittag.  Da unser Navi nicht funktioniert, irren wir Stunden durch die riesige Stadt, um den uns empfohlenen Park zu finden.  Endlich angekommen werden wir von unseren iranischen Fahrradfreunden begrüßt.  Im Park, der mitten in der Stadt liegt, darf man umsonst kampieren und es gibt herrlich weichen grünen Rasen, Toiletten und Duschen. Morgen sollen wegen einem weiteren Feiertag auch alle Geschäfte in der Stadt geschlossen sein, also gehen wir noch einkaufen. Große Supermärkte gibt es hier keine, dafür aber kleine Geschäfte wo wir alles Nötige finden können. Müde von dem anstrengenden Tag und den vielen neuen Eindrücken gehen wir früh schlafen.

 

Sonntag, 01.10.2017 Tabriz: 0 km

Heute ist der Nationalfeiertag  Aschura: Der zehnte Tag des Trauermonats Muharram ist im Hidschri-Kalender der Arschura Tag. Die Schiiten gedenken an den Enkel des Propheten, Imam Hussain, der als Märtyrer verehrt wird. Es gibt öffentliche Trauer- und Bußrituale die heute mit den Aschura-Prozessionen enden.

Wir ruhen uns heute erstmal mal ausgiebig aus. Melli erstellt eine Excel-Tabelle über unsere bisherigen Ausgaben und Matze checkt u.a. Öl und Luftdruck an Gregor. Abends laufen wir etwas durch die Stadt und erleben ein wenig die Feierlichkeiten.

Montag, 02.10.2017 Tabriz

Die Geschäfte sind heute wieder geöffnet, und wir stürzen uns ins Getümmel der iranischen Großstadt um eine Simkarte und Öl für Gregor zu kaufen. Die Simkarte  ist schnell besorgt, doch das Öl stellt sich als kompliziertere Sache heraus. Nach einer Weile scheinen wir im „Baumarktviertel“ der Stadt angekommen zu sein. Denn auf eine Straße mit lauter Sanitärgeschäften folgt eine Straße mit ausschließlich Lampenshops, dann eine weitere mit Werkzeugläden und endlich finden wir das Viertel mit unzähligen KfZ-Zubehör Geschäften. Wir fragen uns durch, ein Iraner der nur Farsi spricht bietet seine Hilfe an und führt uns durch das Viertel. Laden für Laden klappert er mit uns gemeinsam ab, bis wir schließlich in einer Straße landen die nur aus Motoröl-Shops zu bestehen scheint. Wir suchen 10w50 das es hier aber einfach nirgends zu geben scheint und kaufen am Ende 20w50. Auf dem Rückweg genießen wir noch frischen Granatapfelsaft und Orangen- Karottensaft,  beides köstlich und herrlich erfrischend. Wir kommen auch an einer Bäckerei vorbei und kaufen frisches Fladenbrot. Da wir warmem Brot nicht wiederstehen können probieren wir direkt und Matze beißt auf einen Stein? Wir schauen uns daraufhin die Bäckerei genauer an: Das Fladenbrot wird in einem Holzfeuerofen gebacken, der mit kleinen Steinchen ausgelegt ist. Diese geben dem Brot ein löchriges Muster und sie werden nach dem Kauf auf einem Gitter abgerieben.

 

Dienstag, 03.10.2017 Tabriz-irgendwo in der Nähe von Makh: 275 km

Wir verlassen heute unseren grünen Stadtpark in Tabriz und fahren weiter in Richtung Südosten. Sowohl in der Stadt als auch auf der gesamten Strecke wird über uns gehupt, uns gewunken und uns „Welcome to Iran“ zugerufen! Unterwegs machen wir noch einen kurzen Abstecher in die kleine Felsenstadt Kandovan.

An einem Rastplatz sind wir schnell umringt von Iranern die mit uns reden möchten, und wir bekommen Äpfel, Nektarinen und frische Walnüsse geschenkt. Die Landschaft hier im nördlichen Iran ist wirklich schön und die Straßen sind super.  An einer Art Rasthof möchten wir etwas essen, die Karte ist allerdings komplett auf Farsi. Wir bestellen einfach zweimal irgendwas und bekommen… gegrillte Hähnchenspieße (Chicken Kebab) mit Reis serviert; schmeckt lecker! Uns fröstelt es ganz schön auf der Fahrt, und bei einer weiteren Pause sehen wir bereits dunkle Wolken aufziehen. Es wird kalt hier im nördlichen Iran. 

Während wir mit 100 km/h über die Autobahn brettern,  fahren zwei Iraner im Auto permanent neben uns her und bieten uns Tee aus ihrer Thermoskanne an 😉 In der Dämmerung machen wir abseits der Straße einen Feldweg ausfindig, der zu einigen Bäumen und einem kleinen Bächlein führt, hier schlagen wir unser Zelt für die Nacht auf. Der idyllische Ort entpuppt sich in der Nacht als Schauplatz eines Horrorszenarios für Camper: Es donnert ohrenbetäubend laut, ein Gewitter ist direkt über uns, bei jedem Blitz ist es taghell im Zelt und es schüttet wie aus Eimern.  Wir erleben das Gegenteil einer erholsamen Nacht!

 

Mittwoch, 04.10.2017 In der Nähe von Makh- Zandschan: 150 km

Als wäre die Gewitternacht nicht schon schlimm genug gewesen, fängt es morgens nachdem wir das Zelt abgebaut haben auch noch an zu Hageln! Im Vorfeld dachten wir beim Iran an Wüsten und Dattelpalmen, weniger an Kälte und Hagelstürme! Unter unserer Plane harren wir aus bis es etwas besser wird und dann wollen wir uns schnell aufmachen, weiter in Richtung  Süden.

Matze fährt erstmal ohne Melli los, denn das Gelände scheint uns nach dem Regen nicht mehr so gut befahrbar. Er kommt nicht weit und kippt um! Sein Fuß steckt unterm Koffer fest und wir müssen erstmal die beiden Koffer und das ganze restliche Gepäck abbauen um ihn rauszubekommen, und Gregor wieder aufstellen zu können. Doch auf dem Weg runter vom Acker in Richtung Feldweg ohne Gepäck, der nächste Umfaller! Das Ganze auch noch am Hang und wir kriegen die Maschine nur mit Mühe und Not überhaupt wieder hoch. Und jetzt steckt Gregor richtig fest. Bei jedem Versuch weiter zu fahren gräbt er sich nur noch tiefer in den Acker, Melli drückt und schiebt von Hinten, wir sind komplett mit Erde verdreckt und kommen kein Stück weg. Wir versuchen in allen erdenklichen Varianten vorwärts zu kommen….irgendwann blockiert das Vorderrad komplett. Es ist eiskalt, nass und wir frieren. Wir legen Gregor wieder hin und versuchen ihn irgendwie auf den Feldweg zu ziehen, der etwas oberhalb gelegen ist. Blöde Idee, wir kriegen ihn nicht mal in die Nähe des Weges. Nicht verwunderlich, Gregor wiegt ja auch über 240 kg. In solch einer Situation zerreißen sogar Nerven wie Drahtseil und wir sind einfach nur fix und fertig und wissen nicht mehr weiter! Melli erkennt den Grund für das blockierte Vorderrad: Der Fender ist komplett zugestopft  mit Erde und Schlamm, also schraubt Matze ihn teilweise ab, damit wir mit Schraubenzieher und Co. irgendwie den Dreck rauspuhlen können. Danach hat Matze eine Idee: Wir legen unsere Baumarktplane vor den Vorderreifen und Matze schafft es drauf zu fahren, Melli legt die Picknickdecke vor den Vorderreifen und es klappt, die Plane rutscht nicht durch und Matze kann bis auf die Picknickdecke fahren. Mit dieser Taktik schaffen wir uns Stückchen für Stückchen voran. Nach über einer halben Stunde erreichen wir endlich den nur 20 Meter entfernten Feldweg! Mit den Nerven total am Ende und frierend müssen wir nun auch noch unser ganzes Gepäck vom Zeltplatz zum Motorrad schleppen. Im Nachhinein bereuen wir es keine Fotos von der Aktion zu haben. Aber in diesem Moment der puren Verzweiflung, Gregor im Acker steckend, schlammbedeckt im Regen stehend und ausnahmsweise nicht gerade ein harmonisches Paar abgebend, dachten wir nicht daran die Kamera zu zücken.

In der Hoffnung auf einen ähnlichen guten Zeltplatz wie in Tabriz, machen wir uns nix wie weg von dem „Scheißacker“, dem „Scheißwetter“, der „Scheißstimmung“ und der „Scheißkälte“; ab in die nächste größere Stadt Zandschan. Nach ca. 100 km erreichen wir endlich den ersehnten Sonnenschein und tanken erstmal Wärme, Energie und Benzin an einer Raststätte.

Laut Navi gibt es einen Park mit Campingmöglichkeit, und da bereits Iraner dort zu campen scheinen, schlagen auch wir unser Zelt auf. Es kommen unzählige Jugendlich mit ihren kleinen Motorrädern vorbei und wir machen wie schon so oft im Iran hunderte Selfies mit ihnen. Motorräder über 200 ccm sind hier verboten und dadurch ist Gregor immer ein richtiges Highlight für die Iraner, es gibt oft einen richtigen Rummel um uns, daran haben wir uns schon gewöhnt.  Doch dieses Mal sind die Jugendlich unglaublich interessiert, auch an allen Bauteilen, an dem Kardanantrieb und sie fassen auch alles an, das kennen wir bisher so nicht. Ganz geheuer ist uns die Situation auch nicht. Gegen Abend werden die Toiletten abgesperrt und die Iraner bauen ihr Zelt wieder ab? Wir sind allerdings viel zu müde um heute noch weiter zu ziehen, bauen unsere Koffer und die Gepäckrolle von Gregor ab, nehmen sie mit unser Zelt und legen uns schlafen. Kurz darauf bekommen wir Besuch am Zelt: Ein iranischer Polizist auf einem kleinen Motorrad.  Mithilfe eines miesen Übersetzungsprogramm auf seinem Handy (Google Services sind genauso wie Facebook im Iran gesperrt) erklärt er uns, dass er besorgt ist um unsere Sicherheit und vor allem die Sicherheit unseres Motorrades. Er geht davon aus, dass Jugendliche sobald wir schlafen alles abschrauben würden was sie können. Wir sind eigentlich viel zu müde, und fahren normalerweis auch nicht im Dunkeln. Auch haben wir nicht so große Bedenken…  Aber der Polizist lässt einfach nicht locker und da wir heute sowieso eher ein ungutes Gefühl haben, bauen wir alles wieder ab und packen in Rekordzeit  zusammen. Wir sollen in der Nähe eines Hotels zelten, welches wir auch relativ problemlos finden. Allerdings irren wir eine Weile hin und her bis wir einen möglichen Zeltplatz finden.  In einem Freizeitpark mit Riesenrad und See schlagen wir unser Zelt auf einer Wiese im Eingangsbereich auf, in Sichtweite eines Wachmanns. Per Hand und Fuß erklären wir ihm dass er ein Auge aufs Motorrad haben soll, bauen zum zweiten Mal für heute unser Zelt auf und können endlich beruhigt schlafen.

 

Donnerstag, 05.10.2017 Zandschan-Zwischen Zandschan und Kaschan: 400 km

Wir entscheiden uns gegen einen Besuch in der iranischen Hauptstadt Teheran. Die Luftverschmutzung soll hoch sein, und wir empfinden große Städte als stressig mit unserer Maschine. Generell ist der Verkehr in iranischen Großstädten sehr nervenaufreibend für uns und nicht immer ganz ungefährlich. Als nächstes Ziel peilen wir daher die kleinere Stadt Kaschan, südlich von Teheran an. Auf unserem Weg dorthin kommen wir in Soltanyeh vorbei, bekannt für das Öldscheitü-Mausoleum. Dieses wurde im Jahr 1312 fertiggestellt und besitzt eine riesige Rundkuppel die mit türkisenen Kacheln verkleidet ist.

Bis nach Kaschan ist es uns heute zu weit. Über eine Offroad-Piste, einige Kilometer abseits des Highways, finden wir am späten Nachmittag einen super Platz zum Zelten. Wir genießen die schöne, wüstenähnliche Natur und die Ruhe.

 

Freitag, 06.10.2017 Zwischen Zandschan und Kaschan – Kaschan: 80 km

Nach einer angenehmen Fahrt erreichen wir Kashan am Nachmittag. Wir befinden uns hier am Rande der zentraliranischen Wüste und endlich wieder in warmen Gefilden. Wie sich nun herausstellt befindet sich das im Voraus rausgesuchte Hotel mitten in dem engen Gassengewirr der Altstadt. Die Häuser bestehen aus Lehm und wir fühlen uns wie in einem orientalischem Märchen.

Wir wagen uns mit dem Motorrad hinein und werden belohnt: Das „Sana Historical House“ ist ein traditionelles Gebäude mit ruhigem Innenhof, Feigenbaum und hübschem Zimmer. Gregor dürfen wir in einer Garage in der Nähe parken. Die Nacht kostet uns hier 35 €, für iranische Hotels nicht teuer!

Abends gehen wir in das Abbasie Tea House & Traditional Restaurant  und kosten Dizi und Khoresht-e Bademjan.  Beides schmeckt uns sehr gut! Auf dem Rückweg schlendern wir ein wenig durch die verwinkelten Gässchen und sehen uns die hübsche und ruhige Aqa-Bozorg-Moschee an.

Für uns war es eine gute Entscheidung nach Kashan zu fahren, uns gefällt die gemütliche kleine Altstadt sehr und wir fühlen uns hier wohler als im großen Tabriz.

 

 

Samstag, 07.10.2017 Kashan: 0 km

Der Tag beginnt mit einem Frühstück aus Fladenbrot, Gemüse, hartgekochtem Ei, köstlichen Datteln und Tee, welches uns im traditionellen Innenhof serviert wird. Im Anschluss erkunden wir den Bazar von Kashan. Es gibt hier neben viel Ramsch auch einige Schätze zu entdecken und der Besuch lohnt sich vor allem wegen der wunderschönen Architektur der Markthallen. Zufällig entdecken wir ein  Teehaus, das sich in einem ehemaligen Badehaus versteckt und genießen hier einen Tee.

Wir besichtigen außerdem das Sultan-Amir-Ahmad-Badehaus,  ein historisches Badehaus (Hamam) aus dem 16. Jahrhundert t. Im Inneren ist es mit Fliesenarbeiten, Stuck, Ziegelwerk und Malereien verziert. Das begehbare Dach besteht aus vielen Kuppeln mit Konvexlinsen die der Lichtversorgung im Inneren dienen.

Da uns die Atmosphäre des Bazars sehr gefällt, suchen wir ihn am Abend noch einmal auf. Matze entdeckt eine winzige Treppe die in ein kleines, höhlenartiges  Café hinunter führt. Dort probieren wir die köstlichste Limonade mit traditioneller Garnitur:

Es gibt nur zwei Gerichte auf der Karte, von Farsi ins Englische übersetzt als  „Omelette“ und „Eggplant“. Ohne zu wissen was uns erwartet, bestellen wir einfach mal beides und werden nicht enttäuscht. Vielmehr sind wir begeistert von der Einfachheit des Essens, das in Kombination mit unglaublich gutem Geschmack daher kommt!

Reisetagebuch Kapitel 7: Armenien – 2 GS bei 3 Gs

Samstag, 23.09.2017 Tiflis- Aserbaidschan 210 km

Endlich ist Gregor startklar! Wir verabschieden uns von Dima, unserem Mechaniker bei Bikeland und drehen noch eine Abschiedsrunde durch Tiflis. Danach geht es Richtung Süden, unser nächstes Ziel ist Armenien. Hinter Sadakhlo passieren wir ohne Probleme die georgische Grenze, auf armenischer Seite wird’s allerdings zum ersten Mal etwas komplizierter. Hier müssen wir Gregor parken und ins Zollgebäude gehen. Dort erhalten wir unsere Einreisestempel und auch ein spezielles Einreisedokument fürs Motorrad.  Vorbei die Zeiten in denen wir ohne viel Papierkram und ohne abzusteigen über die Grenze fahren können! Und kaum verlassen wir den Grenzposten, rennen uns zwei Jungs vors Motorrad und brüllen uns an: „Hello Mister, insurance, insurance  please come with me!“ Matze nickt einem der Beiden zu, und so sprintet dieser neben uns her und deute uns an zu einer Ansammlung von Häuschen zu fahren. Hier gibt es die grenztypischen Sachen wie Wechselstuben, Simkarten und eben Versicherungen.  Für 10 Tage sollen wir zuerst 30€  zahlen, dann nur noch 20 €. Wir lehnen danken ab, denn Versicherungspolicen mit verhandelbaren Preisen und die ganze Situation ist uns nicht geheuer.   Wir sind uns auch nicht sicher ob wir die Grenzpolice abschließen müssen oder ob sie freiwillig ist und so fahren wir weiter.

Armenien begeistert uns auf Anhieb, wir passieren wunderschöne Landschaften und ausschließlich kleine Dörfer, alles ist sehr ländlich, ruhig und friedlich! Am späten Nachmittag beginnen wir Ausschau nach einer Campingmöglichkeit zu halten, verlassen die Hauptstraße und landen bei verlassenen Ruinen in verbrannter Umgebung. Zu unserer Linken entdecken wir Stacheldraht und schon kommen uns zwei Soldaten mit Hunden entgegen! Wir sollen bitte umkehren. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und suchen schnell das Weite. Als wir dann endlich eine gute Campingmöglichkeit gefunden haben wird es schon dunkel. Zu Beginn unserer Reise hätte uns solch eine Situation weitaus mehr gestresst, mittlerweile können wir damit schon lockerer umgehen! Nachts im Zelt entdecken wir dann bei der Routenplanung für den folgenden Tag: Wir zelten gerade in Aserbaidschan 😉  In der Ferne hören wir ein Heulen, für uns klingt  es nach Wölfen oder Schakalen, welch seltsames gute Nacht Lied!

 

Sonntag, 24.09.2017 Aserbaidschan- Goght: 208 km

Bereits früh am Morgen bauen wir unser Zelt ab, futtern ein paar Kekse und fahren weiter. Der Weg führt uns vorbei am Sewansee, der größte See des Kaukasus und mit einer Höhe von 1.900 m einer der größten Hochgebirgsseen der Welt. Die dort geplante Mittagspause lassen wir allerdings ausfallen, es ist uns einfach zu kalt.  Das armenische Hochland bietet uns immer wieder fantastische Ausblicke, immerhin eine kleine Entschädigung für die schlechten Straßen! Nachmittags erreichen wir unser Ziel, das Bed&Breakfast 3Gs, welches von einem niederländischen Paar betrieben wird. Neben Stellplätzen für Fahrzeuge gibt es hier auch einen Zeltplatz, einen Pool mit Ausblick auf den Khosrov-Nationalpark , eine hübsche Gemeinschaftsküche, luxuriöse Waschräume und einen gemütlichen Chillout-Bereich. Auf dem Parkplatz steht bereits eine BMW R1150 GS, woraus wir schließen das wir hier auf Freunde treffen 😉 Die beiden Letten, Rolands und Kitija  kennen wir bereits von ihrer Facebook-Seite Motoaround . Wir freuen uns sehr über das persönliche Treffen und verstehen uns prima! Zum Abendessen fahren wir gemeinsam ins nahe gelegene Geghard, das Essen haut uns nicht vom Hocker, aber die Aussicht ist wunderschön!

 

Montag, 25.09.2017 – Mittwoch, 27.09.2017 Goght, Camping 3Gs: 20 km

Hier in Sandras und Martys Overlander-Paradies verbringen wir noch einige Tage um uns auszuruhen und zu erholen.Jeden Morgen kaufen wir in der Nähe frische Eier zum Frühstück. Wir waschen Wäsche, schreiben Berichte, sortieren Bilder, schlafen aus und relaxen am Pool! Zusammen mit Rolands und Kitija besichtigen wir den nahe gelegenen Tempel von Garni.


Leider hat man nicht immer Glück wenn fremde ein Bild machen…

Wir schauen uns ausserdem die  „Simphony of the Stones“ an, dies sind beeindruckende Basaltfelsen, deren Besuch sich im Gegensatz zum Tempel, unserer Meinung nach mehr lohnt.

Abends kocht Matze in der Gemeinschaftsküche immer köstliche Gerichte, die wir mit den anderen Gästen zusammen genießen. Ein besonderes Highlight: Geheiratete. Wir unterhalten uns über das Reisen und erfahren von Sandra und ihrem Mann Marty auch viel über das Leben hier in Armenien.  Dazu genießen wir auch das ein oder andere Gläschen armenischen Wein.

 

Wie wir mittlerweile wissen, droht uns eine Geldstrafe seitens der Polizei, wenn sie uns ohne Versicherung erwischt.  Und so fährt uns Sandra, die Besitzerin des Bed & Breakfast 3 Gs mit ihrem Jeep in die 30 km entfernte Stadt Jerewan, die Hauptstadt Armeniens.  Dort möchten wir die Versicherung, sowie eine Simkarte fürs Handy und US-Dollar für den Iran besorgen. Diese bekommen wir allerdings weder am Bankautomaten noch auf der Bank: In einem großen Supermarkt ist eine Geldwechselstube mit offener Tür und einer Menge Cash, wo wir unsere armenische Drahm problemlos eintauschen können. Ohne Sandras Hilfe wären wir sicherlich stundenlang durch Jerewan geirrt, und alles hätte viel länger gedauert! Im Gegensatz zu uns spricht sie armenisch und kennt sich gut aus in der Stadt.

Unser Tipp: Direkt an der Grenze wird uns die 10 Tages-Versicherung für 30€ (zwei Fahrer) und 20€ (ein Fahrer) angeboten. In einem offiziellem Versicherungsbüro in Jerewan zahlen wir nur 3,50€! Auf unserem Weg von der Grenze bis nach Jerewan passieren wir unter Herzklopfen viele Polizeikontrollen, werden aber zum Glück nie rausgewunken.

 

 

Donnerstag, 28.09.2017 Goght- irgendwo hinter Vorotan Pass: 215 km

Die Nächte hier in Goght werden zunehmend kälter!  Wir befinden uns auf ca. 1.650m Höhe und es geht gegen Ende der Saison, also ziehen wir heute weiter! Wieder geht es Richtung Süden, denn unser nächstes Ziel ist der Iran! Bei schönem Wetter cruisen wir gemütlich durch wunderschöne, hügelige Landschaft, bis es immer höher in die Berge geht. In den vor uns liegenden Bergkämmen sehen wir riesige Wolkenfelder, die wie ein weißer Schleier langsam aber stetig voran ziehen und alles auf ihrem Weg „verschlucken“.  Dort müssen wir nun durch! In dem Moment als wir hineinfahren sehen wir kaum noch die Hand vor unseren Augen, es ist nass und bitterkalt.  Plötzlich tauchen wie aus dem Nichts zu unseren beiden Seiten riesige, gespenstige Betonstelen auf. Melli läuft ein kalter Schauer über den Rücken, sie wartet nur darauf  dass plötzlich die Nazgûl oder der Schneekönig persönlich samt seiner Armee der Toten dazwischen erscheinen. Die Betonstelen stammen aus der Sowjetzeit und markieren den höchsten Punkt des Vorotan-Passes auf 2.344m. Durch ein Schild erfahren wir, dass wir uns gerade auf der armenischen Seidenstraße befinden, doch für das obligatorische Erinnerungsfoto ist die Sicht einfach zu schlecht! Frierend und hoffend, dass wir es heute wieder aus dieser Suppe raus schaffen fahren wir weiter. Nach ungefähr 40 km schaffen wir es zwar nicht raus aus dem Nebel, jedoch finden wir in der Nähe von Sissian eine Campingmöglichkeit  die zumindest unterhalb der dichten Nebelschwaden liegt.  So sind wir zumindest nicht mehr der alles durchdringenden Nässe ausgesetzt, frieren nachts aber dennoch ein wenig.

 

Freitag, 29.09.2017 irgendwo hinter Vorotan Pass- Agarak: 180 km

Nach der kalten Nacht brechen wir früh morgens auf. Wir befinden uns immer noch im alles verschluckenden Nebel, sehen kaum weiter als ein paar Meter, zudem ist es sehr dunkel, kalt und nass. Immer wieder müssen wir stoppen da direkt vor uns auf der Straße plötzlich große Kuhherden spazieren, die von reitenden Hirten begleitet werden. Unser Weg führt uns vorbei an dem Kloster Tatew, welches eines der schönsten Sehenswürdigkeiten Armeniens sein soll. Vor allem seine Lage und die Landschaft drum herum sollen beeindruckend sein.  Doch aufgrund des dichten Nebels bleibt uns der Ausblick darauf verwehrt. Die asphaltierte Straße endet und wir können nur erahnen wie es hier aussehen könnte, während wir uns in steilen und engen Serpentinen über eine Offroad-Piste höher in die Berge kämpfen.  Über 40 km geht es bei dichtem Nebel durch Berge, Wälder und kleine armenische Dörfer. Manchmal gibt es kurze Abschnitte mit schlechtem Asphalt,  und mehrmals windet sich die Piste in engen Kehren über matschige Passagen in die Höhe. Auf einer Schotterstrecke verlieren wir sogar unser Windschild, finden es aber zum Glück wieder! Völlig durchgefroren erreichen wir am frühen Nachmittag die Stadt Kapan. Im schicken Restaurant “Elegant“ wärmen wir uns bei Cappuccino, Suppe und Steak auf und kommen wieder zu Kräften. Wir entscheiden uns dazu noch 80 km weiter zu fahren bis nach Agarak, direkt an der iranischen Grenze.  Denn dort können wir im Hostel Samuel günstig im privaten Doppelzimmer mit eigener Dusche übernachten, genau das was wir jetzt brauchen! Auf dem Weg dorthin sehen wir in der Ferne die ersten iranischen Berge, und diese liegen zu unserer Freude in der Sonne. Wir treffen auf einen deutschen Fahrradreisenden und kurzer Zeit später halten auch zwei iranische Fahrradreisende, die uns mit leckeren Pflaumen versorgen. Mit einem strahlenden Lächeln zeigen sie in Richtung der sonnigen, iranischen Berge und wir hören bereits hier in Armenien das erste Mal ein herzliches: „Welcome to Iran!“

Im Hostel angekommen lädt uns der Betreiber Samuel auf einen Tee ein.  Zu unserer Überraschung endet die Einladung auf einen Tee jedoch mit einem großen Abendessen im Kreise seiner ganzen Familie.  Die beiden Kinder lernen englisch in der Schule und mit Samuel unterhalten wir uns viel über Armenien und sein neu gebautes Hostel. Wir werden vom Opa mit frisch geernteten Granatäpfeln und von der Oma mit eingelegten Feigen verwöhnt. Dieser Abend ist wirklich der perfekte Abschluss für unsere Reise durch Armenien. Gerne würden wir dieses schöne Land irgendwann erneut bereisen!

Reisetagebuch Kapitel 6: Georgien- Caucasus im Kaukasus

Freitag, 15.09.2017 Of- Tsikhisdziri: 171 km

Erst gegen Mittag verlassen wir unser schickes Hotelzimmer und fahren entlang der Schwarzmeerküste in Richtung Georgien. Hinter der Stadt Hopa stauen sich bereits kilometerweise die LKW bis zur georgischen Grenzen. Wie immer sind wir am Grenzübergang etwas aufgeregt doch es verläuft alles problemlos. Wir lernen hier einen jungen Ungaren kennen, der mit einer Art Liegerrad durch den Balkan über die Türkei bis nach Georgien reist! Durch den Austausch von Reisegeschichten können wir uns so die Wartezeit versüßen. Auf der georgischen Seite angekommen wechseln wir unsere letzte türkische Lira in georgische Lari und machen uns auf in Richtung Norden. Unsere erste Begegnung mit einem Einheimischen (nach den Grenzbeamten) haben wir wie so oft mit einem Tankwart. Dieser plappert uns fröhlich in seiner Landessprache zu, wir verstehen leider kein Wort aber lachen freundlich zurück. Auch mit der lokalen Tierwelt kommen wir von nun an ständig in Kontakt: Kühe am Straßenrand, Kühe die auf der Straße stehen, sie überqueren oder sogar auf der Autobahnmitte weiden. Unsere weitere Route führt uns entlang der Küstenstraße, vorbei an der Hafenstadt Batumi. Wir sehen von weitem die futuristische Skyline an der Standpromenade, doch lassen die große Stadt lieber links liegen und fahren durch die Randbezirke. Unsere Augen sind an den Anblick der heruntergekommen, sowjetischen Mehrfamilienhochhäuser nicht gewohnt, man sieht hier deutlich die Zeichen des Zerfalls der Sowjetunion vor rund 16 Jahren. Zwischen den riesigen Wohnblocks sind volle Wäscheleinen gespannt, die Menschen sitzen am Straßenrand und wirken sehr fröhlich und freundlich auf uns. Alles ist neu für uns, die georgische Schrift, der Verkehr und die gesamte Umgebung, es prasseln zu viele unterschiedliche Reize auf uns ein, wir fühlen uns überfordert! Nachdem wir das Einzugsgebiet von Batumi verlassen haben, fällt uns auf wie unglaublich grün die Umgebung hier an der georgischen Schwarzmeerküste ist, es wachsen Palmen und Bananenstauden.

Am Nachmittag finden wir eine Campingmöglichkeit bei einem Restaurant direkt am Meer. Hier treffen wir auf einen Russen, der ebenfalls auf seiner GS angereist ist 😉 Nach dem Versuch einer Konversation mit uns, die letztendlich an der Sprachbarriere  scheitert, torkelt er in sein Zelt.

Zum Abendessen probieren wir „Soko Kecze“, in einem Tontöpfchen gegarte und mit georgischem Sulguni-Käse überbackene Pilze. Und „Madame Bovary“, Kalbsrücken mit Kartoffeln, ebenfalls in einem Tontöpfchen gegart, mit Tomaten und Schmand verfeinert und mit Sulguni überbacken. Beides schmeckt uns richtig gut und während die Sonne im Schwarzen Meer versinkt endet unser erster Tag in Georgien.

Samstag, 16.09.2017 Tsikhisdziri- Mestia: 244 km

Heute geht’s ins Kaukasusgebirge! Wir fahren bis zur Stadt Poti und verlassen dann die Schwarzmeerküste in Richtung Norden. Durch kleine Dörfer, in denen Kühe, Hühner und auch Schweine an den Straßen rumlaufen, fahren wir über teilweise sehr holprigen Straßen. In der Stadt Sugdidi müssen wir tanken. Dummerweise meint der Tankwart er müsste Gregor und Matze nach dem Volltanken zusätzlich noch mit 2 Litern Benzin abduschen! Total relaxt meint er wir sollen uns doch mit etwas Wasser abspülen, während Matze in einer riesigen Benzinpfütze steht. Unsere Essensvorräte inklusive frischem Fladenbrot sind hinüber, immerhin hat der Tankwart die 2 Liter von unserer Rechnung abgezogen. Aber von nun an haben wir Benzingeruch in den Nasen. Wir fahren weiter entlang des Flusses Enguri, der im großen Kaukasus entspringt. Unser Ziel ist der Ort Mestia, gelegen in der Region Oberswanetien, die vor allem für ihre historischen Bergdörfer bekannt ist. Je höher wir kommen, umso schöner wird die Landschaft.

Wir halten bei einem lokalen Bienenzüchter der mit seinen Bienenboxen entlang des Flusses steht, probieren sämtliche Sorten seines Honigs und kaufen den Leckersten (Lavendel). Es geht vorbei an mehreren kleinen Wasserfällen und am frühen Nachmittag sehen wir bereits die ersten schneebedeckten Gipfel des Kaukasusgebirges. Angekommen in Mestia gönnen wir uns für die erste Nacht hier oben ein Zimmer in einem hübschen Guesthouse.

 

Sonntag, 17.09.2017 Mestia:  ca. 30 km

Vom Guesthouse wechseln wir heute auf einen Campingplatz in der Nähe, wo wir auf ein deutsches Paar treffen. Petra und Dieter haben mit ihrem Wohnmobil schon viele Länder bereist, wir verstehen uns prima und tauschen Reiseerlebnisse aus. Auf einer kleinen Ausfahrt ohne Gepäck erkunden wir am Nachmittag die Umgebung. Hierbei geht’s für uns das erste Mal durchs Wasser! Zuerst sind wir etwas verunsichert, steigen ab… schauen uns erst mal alles in Ruhe an… Hilft ja aber alles nix, wenn wir weiter wollen müssen wir es versuchen! Mit nassen Stiefeln und einem Grinsen im Gesicht kommen wir auf der anderen Seite an. Am liebsten würde Matze gleich nochmal durch 😉 Wir finden sogar noch eine weitere Wasserdurchfahrt abseits der Straße und kommen so bei dem heutigen Ausflug voll auf unsere Kosten! Zurück in Mestia gehen wir essen und probieren „Chashushuli“, georgischen Rindereintopf mit Tomaten und Kräutern, „Qababi“ und gegrilltes Schweinefleisch.  

Da dies das erste Land ist in dem wir Schweine in der Natur sehen, trauen wir uns auch das Fleisch zu essen. Der Geschmack ist nicht ansatzweise zu vergleichen mit dem , welches uns in Deutschland angeboten wird! Es schmeckt nach dem was es ist! Auch lassen wir uns einige Gläschen des jungen georgischen Weißweins schmecken. Vom Geschmack her geht er leicht in die Richtung Federweiser, aber in lecker! In der Nacht sinkt das Thermometer hier runter bis auf 7 Grad. Zum Glück halten uns unsere Daunenschlafsäcke schön warm.

 

Montag, 18.09.2017 Mestia-Ushguli-Mestia: 90 km

Offroad-Time! Ohne Gepäck wagen wir uns heute noch höher in die Berge, in das Dorf Ushguli auf 2.200 m, welches eines der höchsten, dauerhaft bewohnten Dörfer in Europa ist. Die ersten 15 km sind noch asphaltiert, doch danach bricht die Straße abrupt ab. Es folgt 4 km Baustelle, und wir müssen auf von LKW festgefahrenen Grund ausweichen.  Über Steine und Geröll erreichen wir ein kleines Dorf, hier besteht die Piste fast nur noch aus Schlamm. Wir schaffen es zum Glück heil durch und gönnen uns eine Rast an einem Flusslauf, wo wir Freundschaft mit einigen Kühen schließen.

Der Weg führt uns immer weiter hinauf in die wunderschöne Berglandschaft. Diese können wir allerdings nur teilweise genießen, denn die Piste ist gespickt mit riesigen Schlammlöchern. Einige davon ziehen sich über 10 bis 20 Meter hinweg, berghoch und oftmals durch Kurven! Mehrmals sehen wir uns schon im Schlamm liegen, doch unser treuer Gregor richtet sich immer in letzter Sekunde wieder auf! Auf den letzten Kilometern geht es noch einmal über Stock und Stein steil hinauf. Nach über zwei Stunden „Fahrt“ erreichen wir dann endlich Ushguli, Matze ist fix und fertig.

Mit Gedanken an den Rückweg im Kopf fällt es ihm schwer das Panorama zu genießen. Von hier aus haben wir einen wundervollen Blick auf den Berg Schara, der mit 5.200 m der höchste Berg Georgiens im Kaukasus ist.

Apropos Kaukasus:  Unser Zelt namens Caucasus haben wir heute mit im Gepäck und platzieren es vor dem Gipfel des Scharas. Wir haben es von der Firma Coleman zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank an dieser Stelle!

Gerade als wir das Zelt fertig abgebaut und verstaut haben, rast ein Polizei Auto auf den Hügel. Hier dachte wohl jemand, dass wir hier übernachten wollen 😉

Wir treten den Rückweg an und werden von 2 Jungs stilecht auf Pferden verabschiedet. Auch hier wird uns alles abverlangt, wir kämpfen uns wieder durch die Schlammlöcher und denken jedes Mal das Schlimmste hinter uns zu haben.  Doch weit gefehlt, es folgen immer wieder noch schlimmere Abschnitte an die wir uns gar nicht mehr erinnern können. Im Baustellenabschnitt ist die festgefahrene Straße mittlerweile durch Geröll überschüttet worden, hier kommen wir nur mit Mühe und Not durch. Zurück auf der asphaltierten Straße wartet Melli nur darauf, dass Matze den Teer küsst 😉  Heute sind wir besonders stolz, stolz auf unser Motorrad und überrascht darüber was Gregor alles abkann! Das Vertrauensverhältnis zwischen Matze und Gregor ist wieder einmal gewachsen. Unser kleiner Dreckspatz nach der Tour: 

Jetzt aber schnell ab unter die Dusche!

Für umgerechnet 2 € wird Gregor wieder Saubergespühlt.

Zur Belohnung gönnen wir uns wieder georgische Köstlichkeiten mit kühlem Bier und erfrischender Limonade.  Es gibt zum Beispiel „Nigsiani Badrijani“ und eine Käseplatte mit georgischem Bergkäse sowie geräuchertem und ungeräuchertem Sulguni.

 

Dienstag, 19.09.2017 Mestia- irgendwo im Wald bei Kutaissi 217 km

Per Email hat Melli seit Längerem Kontakt zu der Motorradwerkstatt Bikeland in Tiflis, in der Hoffnung dass wir dort vielleicht unsere Kupplung erneuern können. Angeblich ist das passende Teil auf Lager. Wir ersuchen Rat bei Michi und Arno, unsere Ansprechpartner bei Wunderlich. Diese leiten die Eckdaten direkt an einen ihrer Spezialisten Thomas weiter. Er antwortet uns prompt und nach der Überprüfung der Fahrgestellnummer gibt er uns das OK! Vielen Dank an dieser Stelle für die schnelle und kompetente Hilfe! Voller Zuversicht machen wir uns daher heute auf den Weg in Richtung der georgischen Hauptstadt. Von Mestia geht es die schöne Strecke durch die Berge und entlang des Enguri Flusses bis nach Kutaissi. Doch bis nach Tiflis schaffen wir es nicht an einem Tag, und so schlagen wir am späten Nachmittag unser Zelt auf einer Wiese neben einen kleinen Bachlauf auf. Wir sind uns nicht sicher, ob unser Zeltplatz wirklich abgeschieden genug von den kleinen Dörfern in der Nähe ist und haben dadurch einen unruhgien Schlaf.

Mittwoch, 20.09.2017 irgendwo im Wald bei Kutaissi – Tiflis: 230 km

In der Frühe werden wir durch Schüsse geweckt. Wird in der Nähe gejagt? Werden auf diese Weise in den Dörfer ungebetene, tierische Gäste vertrieben? Oder schießen sie hier auch wieder auf Dosen? Wir wissen es nicht und packen lieber schnell zusammen. Doch durch die Nähe zum Bachlauf sind Zelt und Motorrad total nass geworden und auch wir haben Besuch: auf und unter unserem Zelt sitzen kleine Frösche! Vorbei am Bordschomi Nationalpark und der Stadt Goris fahren wir durch die grünen Landschaften Georgiens bis wir am späten Nachmittag Tiflis erreichen. Wir können die Werkstatt nicht auf Anhieb finden, doch zu unserem Glück taucht vor uns ein Motorradfahrer auf, der weiß wo wir hinwollen und geleitet uns zur Werkstatt. Im Hof stehen die unterschiedlichsten Motorräder rum, in mehreren Garagen wird geschraubt und wir fühlen uns hier gleich wohl. Der Besitzer, Dima hat eine BMW 1100 RT, die er über alles liebt und die (bis auf wenige Unterschiede), baugleich zu unserer Maschine ist. Er hat die benötigten Teile da und macht uns ein gutes Angebot für Kupplung und Öl- und Filterwechsel, in 2 Tagen soll Gregor fertig sein. Sebastian, der mit seiner Freundin von Singapur unterwegs nach Deutschland ist, steht ebenfalls gerade mit seiner defekten Triumph Tiger bei Bikeland. Wir folgen den Beiden bereits länger auf Facebook (Makaka on the run Link) und freuen uns über das zufällige Treffen! In der Nähe des Bikeshops suchen wir uns ein kleines Appartement mit Küchenzeile und schleppen sämtliche Sachen, die wir nicht in der Werkstatt lassen wollen, zu Fuß dorthin. Schon beginnen wir Gregor zu vermissen 😉 Nach einer heißen Dusche und Abendessen mit frischem georgischem Gemüse fallen wir müde ins weiche Bett.

 

Donnerstag, 21.09.2017 Tiflis: 0 km

Da Gregor ja in der Werkstatt ist, machen wir uns mit Bus und Metro auf in die etwa 8 km entfernte Innenstadt. Jede Busfahrt kostet 0,50 georgische Lari, die wir brav am Automaten im Bus einwerfen. Allerdings reicht es anscheinend auch erst dann zu bezahlen wenn der Kontrolleur einsteigt. Wenn er nach dem Fahrschein fragt einfach die 17 cent geben. Vielleicht kann das jemand mal in Deutschland ausprobieren? 😉 Gerade nach einer Stunde Anfahrt angekommen, erhalten wir eine Nachricht aus der Werkstatt: „Kupplung passt nicht,  bitte vorbeikommen“. Also fahren wir direkt wieder 30 Minuten zurück und erfahren was genau los ist: Die Kupplungsscheibe ist eigentlich für eine 1150 GS und passt von der Aufnahmeschraube her nicht an unser Moped. Der Witz ist, das das komplette Teil Baugleich ist. Nach der Frage warum BMW dies tut, bekommen wir die Gegenfrage warum BMW alle paar Jahre den Kardanantrieb von einer Seite auf die andere wechselt… Die Jungs wissen allerdings einen Ausweg: Der Kupplungsbelag wird an unsere alte Kupplungsscheibe montiert und so haben wir wieder einen neuen Belag auf unserer alten Kupplungsscheibe! Allerdings dauert es dann doch einen weiteren Tag und ein weiteres Problem wird gefunden: Der Kupplungszug muss auch noch gemacht werden, da sich bereits vier Stahlseile getrennt haben. Am Abend sind wir mit unseren neuen Freunden Sebastian und Yuliya von Makaka on the Run, in der Innenstadt verabredet. Da wir heute schon über zwei Stunden in Bussen gesessen haben, bestellen wir uns dieses Mal ein Taxi. Im Restaurant genießen wir Kebab, Salate und eine georgische Spezialität, Adjaruli Khachapuri. Ein köstliches mit Käse, Butter und Ei gefülltes Brot, wobei das Ei meisten oben drauf zu sehen ist. Nach dem Essen geht’s weiter in eine Rooftop Bar mit herrlicher Aussicht auf die beleuchtete Trinity Kathedrale und das Narikala Fort. Neben georgische Weißwein probieren wir auch den traditionellen georgischen Tresterbrand namens Chacha. Wir ziehen weiter durch die belebte Altstadt von Tiflis, viele Bars und Kneipen haben heute Livebands, es herrscht überall eine ausgelassene Stimmung, die Menschen trinken und feiern und wir sind mittendrin! Unsere letzte Station ist ein Irish Pub, dort verbringen wir bei Karaoke und Bier einen lustigen Abend mit unseren neuen Freunden, bevor wir uns gegen 3 Uhr müde auf den Heimweg machen.

Freitag, 22.09.2017 Tiflis: 0km

Heute kommt mal wieder alles anders als geplant. Wir schlafen zunächst aus, und wollen uns danach endlich mal Tiflis bei Tageslicht anschauen. Vorher gehen wir an der Werkstatt vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Dort treffen wir auf Mike, einen Motorradreisenden aus Kolumbien, der schon seit 3 Jahren unterwegs ist und noch weitere 3 Jahre vor sich hat!

Melli, Matze, Dima, Mike!

Wir haben uns unendlich viel zu erzählen und im Nu vergehen Stunden! Die Begegnung mit Mike gibt uns so viel mehr als eine Sightseeing Tour durch die Stadt. Er hat wirklich unsere Herzen berührt und wir sind froh den Tag mit ihm verbracht zu haben! Es sind solche Menschen, die unsere Reise interessant und einzigartig machen.

Am Abend schlendern wir dann zumindest noch ein wenig durchs romantisch beleuchtete Tiflis, vorbei an kleinen Läden wo es die georgische Spezialität Tschurtschela gibt. Dazu zieht man Walnüsse oder Haselnüsse auf eine Schnur und überzieht sie mit angedicktem Traubensaft. Wir spazieren durch kleine Gassen hoch bis zur Narikala Festung und zur Statue Kartlis Deda, die die Stadt Tiflis symbolisiert und im Volksmund „Mutter Georgiens“ genannt wird. In ihrer linken Hand hält diese eine Schale Wein für die Freunde und ein Schwert gegen die Feinde in der rechten.

Reisetagebuch Kapitel 5.2 Türkei: Gehirn zum Abendbrot

Sonntag, 10.09.2017 Vor Konya im Wald- Kappadokien:  350 km

Die heutige Strecke ist irgendwie öde! Wir mogeln uns an der riesigen Stadt Konya vorbei, fahren dabei allerdings durch riesige Industriegebiete mit Maschinenbau- und Metallbetrieben. Die sich anschließende Straße bietet unseren Augen wenig Abwechslung und geht größtenteils geradeaus. Doch irgendwann taucht vor uns ein Ural Gespann mit Schweitzer Kennzeichen auf! Wir sind begeistert, winken und machen an der nächsten Gelegenheit halt um auf die Beiden zu warten. Tatsächlich machen sie ebenfalls dort halt und so lernen wir Oli und Corinne kennen. Das Paar ist auf dem Weg nach Afrika, wo es kreuz und quer durchs Land fahren möchte. (the slow riders) Wir haben uns viel zu erzählen und sogar das gleiche Tagesziel, weshalb wir hoffen uns abends wieder zu sehen. Einfach super unterwegs zufällig solche Bekanntschaften zu machen! Unsere Stimmung ändert sich schlagartig: Die öde Strecke wird zur Nebensache, das Kennenlernen von den beiden „Slowrider“, ihrer Ural und ihrer Route wird zum spannenden Thema für unsere Kommunikation unterwegs (dank den Bluetooth headsets die wir von Hantz und Partner zur Verfügung gestellt bekommen haben). Es kommt noch besser: bei unserer nächsten Rast, als wir gerade aufbrechen wollen, rollt das Gespann ebenfalls an die gleiche Tankstelle, und davon gibt es hier in der Türkei unheimlich viele. So verlängern wir diese Pause um ein weiteres Schwätzchen! Die Beiden empfehlen uns den Kaya Campingplatz, dort angekommen treffen wir weitere Gleichgesinnte: Uwe und Sabine aus Deutschland reisen ebenfalls zu zweit mit einer BMW F 800 GS, auch für sie geht es Richtung Afrika (follow the blue sky). Als wir uns gerade im Pool des Campingplatzes erfrischen trudeln Oli und Corinne ebenfalls ein, obwohl wir erst viel später mit ihnen gerechnet hatten. So langsam ist das Gespann also gar nicht 😉 Wir schlagen unser Zelt auf und können direkt von hier das Märchenland Kappadokiens bewundern: Seltsam geformte Felsen, Feenkamine und die Stadt Göreme mit ihren Felsen- und Höhlenhäusern liegen in Sichtweite. Wir haben keine Essensvorräte mehr und müssten jetzt erstmal noch Einkaufen fahren. Doch zu unserem Glück lädt uns Sabine zum gemeinsamen Essen mit Allen ein. Immerhin können wir türkische Wurst beisteuern. So genießen wir heute Abend eine köstliche Reispfanne, begleitet von kappadokischem Rotwein und garniert mit Reiseerlebnissen unserer neuen Freunde!

 

Montag, 11.09.2017 Kappadokien: 0 km

Kurz vor Sonnenaufgang werden wir wach, es klingt als würden feuerspeiende Drachen unser Zelt angreifen! Das Geräusch kommt allerdings nicht von Fabelwesen, sondern vom Befeuern der Heißluftballons, die ganz in der Nähe unseres Zeltplatzes starten, um Touristen über die unwirkliche Landschaft Kappadokiens zu fahren. Es hält uns nicht im Zelt, auch wenn es noch nicht mal 6 Uhr ist, das müssen wir uns anschauen. Nach und nach starten immer mehr Ballons, wir zählen über 70 Stück die langsam steigen und abwechselnd glühen. Manche fliegen sogar ganz dicht an den Felsen entlang. Was für ein tolles Spektakel! Wir legen uns allerdings anschließend wieder ein Weilchen aufs Ohr 😉 Gegen Mittag fahren wir in das nahgelegene Dorf Ürgup, wo es eine unterirdische Höhlenstadt, Felsenhotels, Restaurants und Souvenirläden gibt. Wir essen hier eine Kleinigkeit zu Mittag, genehmigen uns als Nachtisch köstliche Baklava mit Dondurma (türkisches Eis) und begeben uns auf die Suche nach einem Metzger. Heute Abend möchten wir gemeinsam mit unseren Overlander- Freunden grillen und kümmern uns um Fleisch und Kohle. Das Fleisch in den Supermärkten wird unseren Ansprüchen nicht gerecht, aber wir fragen uns durch bis wir einen Metzger finden.  Eigentlich erkennen wir die Wörter für Lamm, Huhn usw. auf den Speisekarten der Restaurants, aber natürlich kommen sie uns just in dem Moment nicht in den Sinn. Auf der Theke steht eine Kuhfigur und auch ein Lämmchen, und so können wir ohne „Määäh“ und „Muuuh“ von uns zu geben, erklären was wir wollen bzw. der Metzger uns erklären was er im Angebot hat. Von welchem Teilstück genau die Rede ist zeigt er uns dann zusätzlich auch noch an seinem Körper und so machen wir uns mit genügend Rindersteaks in den Koffern zurück zum Campingplatz.

Viel vorgenommen haben wir uns ansonsten nicht für heute. Matze kränkelt ein wenig und erholt sich in der Hängematte, Melli nutzt das Wifi des Campingplatzes. Nachmittags machen wir uns dann aber auf zu einem der Wanderwege, den wir in kurzer Distanz zum Zeltplatz erreichen. Durch seltsam geformte Felsen führt uns ein steiler Pfad hinunter ins Rose Valley, hinein in die Märchenwelt Kappadokiens. Wir spazierend staunend durch Felsentunnel, genießen die Ruhe und Einsamkeit und entdecken viele Höhlen die in den Tuffstein gehauen wurden, selbst in den höchsten Bereichen. Hier gibt es wirklich unglaublich viel zu erkunden und zu erwandern! Abends heizt Uwe dann der Kohle ordentlich ein, Grillmeister Matze kümmert sich ums Fleisch, Sabine zaubert uns leckeren Tzatziki und Salat, Corinne und Oli spendieren abermals eine Flasche Rotwein und so verbringen wir erneut einen unvergesslichen Abend. Oli und Corinne erzählen uns von ihren bisherigen Expeditionen durch Afrika, Uwe und Sabine von ihren Erlebnissen mit der Istanbuler Polizei. Wir philosophieren über das Reisen an sich, über den Sinn und den Zweck, haben ähnliche Ansichten, teilen dieselben „Probleme“ die solch eine Langzeitreise mit sich bringt… und könnten ewig so weitermachen. Der heutige Platzwart des Campingplatzes, Osman gesellt sich zu uns, wir kredenzen ihm Schweizer Tee, er lehnt eine zweite Tasse allerdings dankend ab und kocht uns lieber die türkische Variante 😉 Mithilfe des Google Translaters „unterhalten“ wir uns ein wenig mit ihm und erfahren so ein paar Details aus seinem Leben. Irgendwann, zu späterer Stunde, kriechen wir müde aber glücklich in unsere Schlafsäcke.

 

Dienstag, 12.09.2017 Kappadokien- Sivas: 270 km

Auch an diesem Morgen lassen wir uns das Heißluftballonspektakel nicht entgehen, und schlafen danach noch aus.  Nun heißt es für uns zusammen packen und Abschied von unseren neuen Freunden nehmen! Sowohl Sabine und Uwe als auch Oli und Corinne reisen deutlich langsamer als wir, aber wer weiß, vielleicht kreuzen sich unsere Wege im Iran noch einmal!

Auf unserer Fahrt nach Sivas in Zentralanatolien kommen wir in unsere zweite türkische Polizeikontrolle. Beim ersten Mal musste Matze nur seinen Führerschein vorzeigen. Doch heute haben wir noch mehr Glück, gerade als uns der Beamte rauswinkt, ruft ihn ein anderer zum Mittagessen und wir können ohne kontrolliert zu werden weiter fahren! Ansonsten passieren wir heute noch den einzigen Militärcheckpoint auf unserer gesamten Türkei-Route, doch auch hier können wir ohne Kontrolle durch. Wir sehen hier in der Türkei täglich auf den Straßen Verkehrspolizeikontrollen, doch viel öfter sehen wir Attrappen von Polizeiautos am Straßenrand, bei denen wir jedes Mal zweimal hinschauen müssen, ob es nicht doch ein echter Wagen ist!

Wir übernachten heute auf einer Farm in der Nähe von Sivas, der Besitzer Ugur ist eine Reisebekanntschaft der Bodensee-overlander, von denen wir die Empfehlung haben. Leider ist Ugur selber nicht auf der Farm, doch wir dürfen trotzdem dort übernachten und genießen neben Bett und warmer Dusche die friedvolle Farm.

 

Mittwoch, 13.09.2017 Sivas: 0 km

Zum Frühstück bekommen wir von den Jungs auf der Farm köstliches Fladenbrot gebracht. Den Tag verbringen wir mit Schreiben von Artikeln, Sortieren von Bildern und wir erkunden die Farm. Abends begleitet uns einer der Farmjungs zu einem Suppenrestaurant. Die Speisekarte ist für uns wenig aufschlussreich und so bestellen wir das Gleiche wie unsere Begleiter. Dummerweise bekommen wir dadurch mal wieder Lammhirnsuppe serviert 😉 Schmeckt gar nicht mal so schlecht, aber wird trotzdem nicht zu unserer Lieblingsspeise! Wir beenden den Abend mit einem gemütlichen Lagerfeuer vor „unserem Farmhaus“ und gehen früh ins Bett, denn morgen geht’s weiter!

 

Donnerstag, 14.09.2017 Sivas- Of: 436 km

Wir planen für die Fahrt von Sivas bis nach Trabzon am Schwarzen Meer zwei Tage ein. Doch heute kommt alles anders! Auf unserem Weg in Richtung Nordosten fahren wir durch Zentral- und Ostanatolien. Es geht entlang endloser Weiten und durch die Berge. Nach einem der vielen Tunnel erreichen wir 2.000 Höhenmeter, ganz schön frisch! Wir rasten an einem Restaurant zum Abendessen und entscheiden uns dazu doch noch etwas weiter zu fahren bis ans Schwarze Meer. An der Schwarzmeerküste angekommen sehen wir eine komplett andere Landschaft: grüne Berge mit Teeplantagen an den Hängen, dazwischen stehen immer wieder Moscheen und die Straße führt direkt am Meer vorbei. Es beginnt dunkel zu werden, hier direkt hinter der großen Stadt Trabzon finden wir allerdings keine Campingspots, auch möchten wir die Hauptverbindungsstraße in Richtung georgischer Grenze nicht verlassen, und so suchen wir uns auf der Strecke ein Hotel. Wir finden das Caykent Suites Hotel in Of, wo wir für 37 € die Nacht ein schickes Zimmer inklusive Frühstück bekommen. Auf unserem Balkon mit Blick aufs Schwarze Meer hören wir zum letzten Mal auf unserer Reise den Adhan des Muezzin.

Reisetagebuch Kapitel 5.1 Türkei: Büchsenschießen mit Schrot

Sonntag, 03.09.2017 Alexandroupolis – Kumkale Köyü/Çanakkale: 232 km

Schnell packen wir heute Morgen zusammen und starten, denn wir wollen so früh wie möglich an der Grenze sein. Nach wenigen Kilometern sind wir da und auf der griechischen Seite geht es relativ zügig voran. Danach fahren wir vorbei an türkischem Militär bis zum ersten Grenzposten der Türkei. Prompt landet der erste Schlagbaum auf unserer Gepäckrolle, immerhin nicht auf Mellis Kopf 😉 Das kann ja heiter werden! Doch der Grenzbeamte entschuldigt sich und möchte wissen ob unser Motorrad das erste Mal in die Türkei einreist, da dies der Fall ist werden Grüne Karte und Fahrzeugpapiere erfasst. Wir freuen uns weil alles so schnell geht, doch zu früh gefreut, es folgt Schlange stehen vor einem weiterem Grenzübergang. Hier durchsucht ein süßer Golden Retriever das Gepäck der Autos, wir vermuten aber dass dieser eher Wurst erschnüffelt als Drogen! Die Einfuhr von Fleischerzeugnissen ist hier laut den Anzeigetafeln strengstens verboten. Endlich kommen auch wir an die Reihe und nachdem nun auch unsere Pässe verlangt werden, denken wir jetzt hätten wir die Einreiseprozedur überstanden. Wir pausieren hinter dem Zoll, denn dort stehen ebenfalls 2 Motorradreisende. Phil und seine Sozia sind Australier. Ihr Motorrad haben sie nach England verschifft um nun heim nach Australien zu fahren. Es stellt sich heraus das wir uns bereits aus der „Overlanding Asia“ Facebook-Gruppe. Wir möchten in Kontakt bleiben und werden uns sicherlich unterwegs wieder sehen! Überraschenderweise folgt auch noch ein dritter Grenzübergang, wieder müssen wir sämtliche Unterlagen vorzeigen und nun haben wir es auch wirklich geschafft, wir sind in der Türkei! An einer Tankstelle halten wir und ruhen uns auf der einzigen Sitzgelegenheit im Schatten aus, als sich eine türkische Familie zu uns an den Tisch gesellt. In unserm Heimatland eher ungewöhnlich sich zu Fremden an einen Tisch zu setzen, aber wir können es ihnen in der Hitze hier nicht verübeln, freuen uns über die Gesellschaft lächeln ihnen freundlich zu. Der Vater packt eine Tüte voller Backwaren aus und reicht wie selbstverständlich auch uns jeweils eine der Köstlichkeiten. Uns bleibt nichts anderes übrig als zuzugreifen und uns zu bedanken! Welsch herzlicher, erster Kontakt mit den einheimischen der Türkei!

Von Asien trennt uns jetzt nur noch die Fährfahrt durch die Meerenge der Dardanellen. In Eceabat besorgen wir uns türkische Lira und trinken einen türkischen Kaffee, bevor es dann für uns das erste Mal mit Gregor auf eine Fähre geht. Etwas nervös ergattern wir kurz vor der Abfahrt noch unser Ticket, fahren angespannt auf die Fähre, doch alles läuft problemlos ab! Die Fahrt dauert nur ca. 15 Minuten und im Anschluss befinden wir uns in der quirligen Stadt Çanakkale. Diese verlassen wir schnell und landen am frühen Nachmittag in einem kleinen Bauerndorf, indem die Hühner über die Straße laufen und alles sehr beschaulich wirkt. Hinter dem Dorf finden wir sogar einen kleinen Strand mit Restaurant. Dort relaxen wir ein Weilchen bei Eis und kühlen Drinks. Ein Einheimischer kommt vorbei und bringt uns eine „speciality from the mountains“: viele kleine, köstliche Beeren und dazu noch genau drei Kartoffelchips!? 😉 Ob wir hungrig ausgesehen haben? Vielleicht nicht, sonst hätten wir bestimmt mehr Chips bekommen!

Abends finden wir in einem Olivenhain ein Plätzchen zum Zelten, doch zum Lager aufschlagen ist es noch etwas früh. In der Dämmerung kocht uns Matze Abendessen und plötzlich werden wir von hunderten kleinen Stechmücken attackiert. Total genervt von den Viechern und den fiesen Stichen bauen wir unser Zelt auf. Wir essen heute dann auch lieber im Zelt! Nachts haben wir ein ungutes Gefühl, es fahren viele Autos oder Traktoren an unserem vermeintlich guten Zeltplatz vorbei. Und neben den Gesängen des Muezzin hören wir immer wieder Glocken von Ziegenherden und Rufe des Hirten. Zum Glück bleiben wir aber von nächtlichem Besuch verschont!

 

Montag, 04.09.2017 Kumkale Köyü/Çanakkale – Pamukkale: 485 km

Auf unserer heutigen Fahrt geht es kilometerweise an Melonenfeldern vorbei, und entlang der Straße steht ein mit Melonen überladener Verkaufsstand nach dem Anderen. Gerne hätten wir uns eine geholt, aber die Teile sind viel zu riesig für uns und Gregor! In dem Ort Burhaniye/Balıkesir fahren wir durch die Seitenstraßen, denn wir möchten nicht immer nur an Raststätten halten und außerdem auch eine Pausengelegenheit mit Internet finden. Wir finden ein hübsches Aparthotel (Asil Apart Otel) und nehmen dort Platz. Der Besitzer des Hotels spricht Deutsch und seine Frau ist ganz aus dem Häuschen nachdem er ihr übersetzt, dass wir mit dem Motorrad aus Deutschland hierhergekommen sind und normalerweise in unserem Zelt übernachten. Wir werden auf unsere Getränke eingeladen und bekommen noch Kekse serviert 😉

Unser Weg führt uns immer weiter Richtung Süden. Wir fahren durch ein Gebiet, in dem soweit das Auge reicht Tafeltrauben angebaut werden. Gerade ist Erntezeit der Hauptsorte! Am Nachmittag können wir bereits von weitem unser Ziel in den Bergen erkennen:  Die weißen Kalksinterterrassen von Pamukkale. Diese sind über Jahrtausende durch kalkhaltige Thermalquellen entstanden und stehen auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes. Morgen möchten wir sie besichtigen, also fahren wir auf einen Campingplatz (Tepe Camping), 6 km oberhalb der Terrassen in den Bergen gelegen. Wir schlagen unser Zelt direkt am Rand des Platzes auf und genießen am Abend eine wunderschöne Aussicht auf das Tal.

 

 

Dienstag, 05.09.2017 Pamukkale: 0 km

Heute besichtigen wir die Terrassen von Pamukkale und die dazugehörige historische Stätte Hierapolis. Der Eintritt kostet pro Person 35 Lira und man kann einen Teil der mit mineralischem Thermalwasser gefüllten Becken betreten, allerdings nur barfuß. Zuerst befürchten wir auf dem nassen Fels zu rutschen, aber man hat hier unglaublich guten Gripp. Wir finden ein Becken fast für uns alleine, baden im Heilwasser und schmieren uns sogar mit dem Mineralschlamm ein, Naturwellness pur 😉 Vielleicht hilft die Schlammpackung ja auch gegen den Sonnenbrand den Melli hier in Pamukkale bekommen hat! Bevor wir zurück auf den Campingplatz fahren, decken wir uns im Dorf noch mit Brot, türkischer Wurst, Käse und Kartoffeln ein. Was wir für Käse hielten entpuppt sich allerdings als eine Art Quark, aus dem Matze mit Knobi, Olivenöl und Gewürzen einen leckeren Dip zu unserem Brot zaubert. Die Wurst stellt sich als Glücksgriff heraus, sie schmeckt unglaublich gut! Nachmittags arbeiten wir am Laptop, ruhen uns aus und genießen die großartige Aussicht von unserem Camp aus. Zum Abendessen kochen wir die frischen Kartoffeln. Gemeinsam mit dem Rest Dip, der Wurst, der tollen Aussicht und einem türkischem Bier ein richtiger Festschmaus!

Mittwoch, 06.09.2017 Pamukkale- Faralya: 277 km

Wir fahren in Richtung Mittelmeerküste, zum Einen haben wir wieder Lust auf Meer und zum Anderen möchten wir nach Antalya. Matze ist etwas bekümmert um Gregors Kupplung und in Antalya gibt es eine BMW Werkstatt. Doch bevor es nach Antalya geht, fahren wir an die lykische Küste. Auf dem Weg dorthin finden wir eine Traum-Motorradstrecke: bester Asphalt, kaum Verkehr und eine herrliche Berglandschaft. Auch die lykische Küste ist ein Traum, die Küste ist gesäumt von herrlich grünen, mit Pinienwäldern bedeckten Bergen, oft geht es von diesen aus steil runter bis ans türkisblaue Wasser. Als wir an dem von uns im Voraus ausgesuchten Campingplatz ankommen, steht für uns beide aber schnell fest: Nix wie weiter! Die Bucht ist zwar wunderschön, aber auch super überfüllt und auf dem Campingplatz herrscht Trubel, es ist laut und uns auch viel zu groß. Wir fahren weiter in Richtung Fethiye. Den berühmten und beliebten Strand bei Ölüdeniz betrachten wir unterwegs von der hochgelegenen Küstenstraße aus. Dieser wunderschöne Strand ist kilometerlang, es gibt eine Art Landzunge und eine Lagune, das Wasser ist türkisfarben und geht weiter draußen in kräftiges Blau über. Dummerweise gibt es hier auch ein Hotel nach dem Anderen. Die Straße über die wir weiterfahren schlängelt sich malerisch durch die grünen Pinienwälder immer oberhalb des Meeres entlang. Wir versuchen zwei weitere, bereits rausgesuchte Campingplätze zu finden, was leider nicht so einfach ist. Der Eine ist nicht ausgeschildert, laut Navi sollen wir für den anderen die Steilküste über einen sandigen Pfad runterfahren, mit der schweren Maschine trauen wir uns das nicht zu! Ein türkischer Motorradfahrer auf einer 125 ccm Enduro versucht sein Glück, wir warten, er kommt zurück und schüttelt den Kopf! Wir sind etwas planlos, am Ende mit den Nerven, Melli geht’s richtig schlecht. Vielleicht ist es ein Sonnenstich, heute ist es extrem heiß und wir sind viel in der Sonne. Wir fahren hin und her, es gibt keinen Supermarkt in der Nähe und wir sehen auch keine Möglichkeit hier in der Gegend zu Zelten. Verzweifelt fragen wir bei einem teuren Resort, ob wir vielleicht dort zelten dürfen für eine Nacht oder ob sie uns weiterhelfen können. Der Angestellte telefoniert mit dem Besitzer und dieser empfiehlt uns zur Faralya Botanica zu fahren, dort kämen wir ohne Probleme mit der Maschine hin! Die Faralya Botanica stellt sich als kleiner, versteckter Garten Eden mit Meerblick an der Felsküste heraus! Es gibt hier, umgeben von Obstbäumen und Trauben, Steinhäuschen zum Mieten, und eingerichtete Zelte auf einer Plattform. Melli versucht noch mit dem Besitzer Nuri zu verhandeln, doch es bleibt bei 35 € pro Nacht im fertigem Zelt inklusive Frühstück. In unserm eigenen Zelt müssten wir das Gleiche zahlen. Wir wollen und können nicht mehr weiter suchen, Melli hat wirklich einen Sonnenstich und so bleiben wir trotz des für uns teuren Preises! Matze muss Melli samt Klamotten zur Abkühlung unter die Dusche stellen, welche übrigens draußen umgeben von Bambus angelegt ist, super schön! Es gibt hier zudem überall frisches Quellwasser zum Trinken, und so kann Melli viel trinken, sich direkt ins fertige Zelt legen und schlafen!

 

Donnerstag, 07.09.2017 Faralya Botanica: 0 km

Der heutige Tag beginnt mit einem liebevoll, aus frischen Zutaten angerichtetem Frühstücksbuffet: Es gibt allerlei Köstlichkeiten aus der Region, Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten, Rührei und Nuri macht uns sogar French Toast. Wir beschließen trotz des Preises noch einen weiteren Tag in der Faralya Botanica zu bleiben, damit wir uns ausgiebig erholen können und dieses schöne Fleckchen noch richtig erkunden und genießen können. Die große Holzplattform mit Sicht aufs Meer ist perfekt für Yoga. Hier gibt es neben der schönen Bambusdusche zum Beispiel Hühner, viele Hängematten, kuschelige Sitzgelegenheiten und die Möglichkeit für 10 € von Nuri ein Abendessen mit lokalen Spezialitäten gekocht zu bekommen. Es wachsen die von uns so geliebten Feigenbäume, Limetten, Avocados, Kaktusfeigen, Haselnüsse und überall Unmengen von köstlich süßen Trauben- wir dürfen von Allem naschen 😉 Melli ist mittlerweile Profi im überall Feigenbäume entdecken und ernten geworden! Ein versteckter, verschlungener Pfad führt uns durch den Wald und über Felsen bis zum Aktas Beach, der eher eine kleine, romantische Bucht ist, wo wir den halben Tag verbringen und uns gut erholen. Auf dem Rückweg entdecken wir eine Schildkröte! Endlich können wir mal eine in Ruhe betrachten, das geht bei den Exemplaren die über die Straße schleichen leider nie. Diese hier ist zum Glück nicht sehr scheu und springt nicht direkt ins Geäst. Zum Sonnenuntergang nutzt Melli die Holzplattform dann auch wirklich zum Yoga. Bei Kerzenschein gönnen wir uns im Anschluss das Abendmenu von Nuri: Nach einer orientalischen Kürbissuppe bekommen wir Salat, geröstete Paprika, Meze und frischen gegrillten Fisch und Hähnchen mit Rosmarinkartoffeln serviert. Köstlich!

 

Freitag, 08.09.2017 Faralya- Antalya: 220 km

Schweren Herzens verlassen wir den kleinen Garten Eden und die schöne lykische Küste. Antalya heißt unser heutiges Ziel. Leider finden wir so kurzfristig dort keinen Couchsurfing Host, aber ein kleines Hotel für 15 € die Nacht. Das Zimmer ist einigermaßen sauber, hat drei Einzelbetten und das Bad ist auf dem Flur, aber Gregor kann direkt an der 24 Stunden bewachten Rezeption parken! Und wir können ihn sogar von unserm Zimmer aus sehen, super! Wir sind müde von der Anfahrt, schlendern daher nur etwas durch das Viertel und gehen bei einem Imbiss essen: Es gibt nur vier Gerichte zur Auswahl, der Wirt spricht kein Englisch und unser Türkisch reicht nicht aus um seine Erklärungen zu verstehen. Also bestellen wir einfach die ersten drei Gerichte auf der Karte und lassen uns überraschen. Uns wird zuerst eine Suppe serviert, Matze kostet und grinst: „ Die esse ich wohl schon mal alleine!“ Es sind Innereien drin, auch Lammhirn. Melli kostet tapfer und isst auch einen großen Teil davon mit. Als nächstes bekommen wir Kebab, das wird hier allerdings nicht so serviert wie in Deutschland. Hier in der Türkei ist Kebab gegrilltes Fleisch, meistens Lamm, auf „Pide“ (Fladenbrot) serviert und dazu etwas gegrillte Paprika, Tomaten und gegarten halben Zwiebeln. Das dritte Gericht entpuppt sich als Salat aus weißen Bohnen, verfeinert mit Ei und angemacht mit Tahin, super interessanter Geschmack! Zusätzlich bekommen wir noch einen Salat aus Tomaten, Gurken und rohen Zwiebeln. Nachdem wir alles brav verputzt haben bringt uns der Wirt auch noch das vierte und somit letzte Gericht auf der Speisekarte, das wir gar nicht bestellt hatten. Aber er erklärt uns es sei die Spezialität des Hauses und es geht zusammen mit türkischem Tee dazu für uns aufs Haus: Helva, eine warme, mit Zimt bestreute Süßspeise, die schmeckt wie der köstlichste Zimtwaffelteig! Von den türkischen süßen Versuchungen bekommen wir nicht genug, auf dem Rückweg ins Hotel kommen wir noch an einem Geschäft vorbei wo Unmengen von „Turkish Delight“ und Nüsse verkauft werden und wir holen uns einige Leckereien und Datteln.

Samstag, 09.09.2017 Antalya – 80 km vor Konya im Wald: 232 km

Nachdem wir uns beim Bäcker um die Ecke mit frischen türkischen Backwaren eingedeckt haben steht unser Besuch bei BMW Antalya an. Schnell ist Jemand gefunden der englisch spricht. Wir möchten wissen was ein Ölwechsel kostet und bitten darum dass die Kupplung mal gecheckt wird. Matze gibt dem Mitarbeiter den Schlüssel und in klimatisierten Räumen bei Wasser und türkischen Tee warten wir ab. Nach einer Weile die erste schlechte Nachricht: Der passende Ölfilter ist nicht vorrätig, Lieferzeit ca. 2 Tage aus Istanbul. Naja, den Ölwechsel können wir auch woanders noch machen. Und die Kupplung? Wir müssen weiter warten. Erstmal ist jetzt Mittagspause angesagt. Danach erfahren wir, dass der Kupplungssatz ebenfalls nicht lieferbar ist und auch aus Istanbul bestellt werden muss. Aber der Mechaniker hat die Kupplung noch nicht durchgecheckt. In der Zwischenzeit schauen wir schon mal online nach Hotel Alternativen und Couchsurfing Hosts… Dann kommt der Mechaniker zusammen mit dem englisch sprechenden Mitarbeiter, und dieser übersetzt dass soweit mit der Kupplung alles in Ordnung zu sein scheint und dass er gerne gemeinsam mit Matze eine Probefahrt machen will. Nach der Probefahrt erhalten wir folgende Diagnose: Mit der Kupplung sei soweit noch alles in Ordnung und sie wird mit Sicherheit noch 5.000 km ohne Probleme halten! Puh, jetzt sind wir erleichtert. Eine neue Kupplung bei BMW Antalya würde uns übrigens schlappe 1.700 € kosten. Wir recherchieren derzeit ob wir uns einen günstigen Kupplungssatz aus Deutschland irgendwohin schicken lassen können oder ob wir unterwegs vielleicht einen finden können. Aber für heute ist das Problem erstmal vom Tisch und wir verlassen nach über 3 Stunden ohne etwas zahlen zu müssen die BMW Filiale. Unser nächstes Ziel ist das berühmte Kappadokien, aber bis dorthin sind es noch über 500 km. Zu viel für heute, denn es ist mittlerweile schon nach 14 Uhr. Die Strecke führt uns durch die Berge, vorbei an unzähligen Straßenständen an denen Honig verkauft wird. In einem kleinen Dorf in den Bergen machen wir nachmittags halt und bestellen „Balik“ (Fisch) und „Köfte“ (gegrillte Hackbällchen). Auch dazu bekommen wir wieder Pide und einen Salat aus Tomaten, Gurken und Zwiebeln serviert. Wir decken uns noch mit Wasser und Brot ein und suchen uns im Verlauf der Strecke vor der Stadt Konya einen Platz zum campen. In einem bewaldeten und felsigen Gebiet finden wir eine Seitenstraße von der eine kleine Schotterpiste abgeht. Nach kurzer Zeit sind wir außer Sicht- und Hörweite der Straße und finden ein hübsches Plätzchen für unser Nachtlager. Dieses Mal hören wir auch keinen Muezzin und nur aus weiter Ferne vereinzelt ein paar Ziegenglocken läuten. Ansonsten ist es mucks Mäuschen still, doch in abends fallen Schüssen- Wie unheimlich! Später erfahren wir allerdings, dass hier viel mit Schrot!? auf Büchsen geschossen wird, also wohl halb so wild!

Reisetagebuch Kapitel 4: Chillen auf Chalkidiki

An dem kleinen Grenzübergang zwischen Leskovik und Konitsa erhoffen wir uns kurze Wartezeiten. Eigentlich ist hier auch absolut nichts los, doch vor uns ist eine 6-köpfige Gruppe slowakischer Motorradfahrer. Sie wollen bloß in Griechenland Essen gehen und dann wieder zurück nach Albanien fahren, verrückt 😉 Bis der freundliche griechische Grenzbeamte die „Außerlandesesser“ und uns abgefertigt hat, vergeht dann doch fast insgesamt eine ganze Stunde. Das Land der Hellenen empfängt uns mit strahlend blauem Himmel, herrlichen grünen Berglandschaften und guten Straßen. Doch plötzlich besteht Kollisionsgefahr:  Ein sich vermeintlich bewegender Stein stellt sich als Schildkröte heraus, die mit Maximalgeschwindigkeit die Straße überquert! Zum Glück können wir noch gerade rechtzeitig ausweichen ;).  Wir fahren entlang des Pindus National Park und machen Rast an einem Café in den Bergen. Dort genießt Melli ihren ersten Frappe, ihre liebste griechische Kaffespezialität. Auch setzen wir unseren guten Vorsatz in die Tat um und lernen gleich hier die ersten griechischen Vokabeln, zumindest Hallo,  Guten Tag, Danke und Bitte sitzen schon mal. Am Nachmittag erreichen wir unser Tagesziel, den Campingplatz Vrachos Kastraki. Dieser liegt direkt unterhalb der eigentümlich geformten Konglomeratfelsen, auf denen sich die Meteora-Klöster befinden. Die griechisch-orthodoxen Meteora-Klöster gehören zum Welterbe der Unesco. Doch wir sind heute zu müde sie noch zu besichtigen, das machen wir lieber morgen!

 

Donnerstag, 31.08.2017 Meteora- Kalamitsi: 393 km

Wie angekündigt stehen heute die Meteora-Klöster auf unserem Programm, das ist Sightseeing nach unserem Geschmack: Mit Gregor können wir durch das große, in den Bergen gelegene Areal der Klöster fahren und wir machen den ein oder anderen Fotostopp. Am frühen Vormittag hält sich der Touristenansturm noch in Grenzen, nimmt dann aber doch zu. Da positionieren wir mühsam die Kamera, parken extra Gregor um, bringen uns in Position, betätigen den Selbstauslöser und flatsch, läuft uns eine beleibte Touristin Mitten ins lange vorbereitete Bild 😉  Für uns das Signal jetzt besser weiter zu fahren! Doch wie der Zufall es will treffen wir kurz vorm Losfahren noch einen spanischen Motorradreisenden in unserem Alter, der mit seiner Transalp durch den Balkan bis nach Griechenland gereist ist. Wir unterhalten uns noch ein Weilchen und machen bevor es weitergeht noch ein Foto:

Unser Tagesziel ist weit entfernt, wir wollen auf die Halbinsel Chalkidiki, genauer gesagt auf den „Mittelfinger“ der Halbinsel namens Sithonia. Die Fahrt dorthin führt uns vorbei an endlosen Olivenplantagen und vorbei an der riesigen Stadt Thessaloniki. An einer Raststätte verkauft ein Obsthändler Nektarinen in 2 kg Kisten, leider natürlich viel zu viel für uns. Melli erklärt dem Verkäufer das sie gerne eine einzige hätte, doch anstelle ihr den Preis zu nennen schenkt ihr der Verkäufer diese! Entlang der gesamten Ostküste der Halbinsel Sithonia bieten sich uns wieder traumhafte Küstenpanoramen, abwechselnd mit herrlich duftenden Pinienwäldern. Ganz an der Spitze des Mittelfingers liegt der Kalamitsi Beach wo wir einen kleinen, schattigen Campingplatz finden. Das Wasser am Strand ist glasklar und das kalte Nass bietet uns nach der langen Fahrt eine angenehme Erfrischung. Unser Abendessen genießen wir heute direkt am Strand. Mit den Füßen im Sand und dem ein oder anderem Gläschen Retsina lassen wir uns gebackenen Feta, hausgemachten Auberginensalat und gegrillte Sardinen schmecken.

 

Freitag, 01.09. 2017 Kalamitsi: 0 km

Chilltime auf Chalkidiki! Wir bleiben noch einen Tag in Kalamitsi, relaxen am Strand und auf unserem Campingplatz, waschen Wäsche, schreiben Artikel und sortieren Bilder.  Matze versorgt dabei Melli mit Frappe 😉 Mehr gibt es über diesen Tag einfach nicht zu berichten. Zwischendurch brauchen wir solche Tage. Das Reisen an sich ist wunderschön, aber manchmal auch anstrengend. Und wir müssen auch mal Zeit finden um das Erlebte zu verarbeiten.

 

Samstag, 02.09. 2017 Kalamitsi- Alexandroupolis: 375 km

Gut erholt gehen wir heute unsere letzte und lange Etappe in Griechenland an. Zunächst fahren wir entlang der gesamten Ostküste von Sithonia und genießen noch einmal das Panorama der schönen Halbinsel, im Endeffekt haben wir sie nun einmal komplett umfahren. Mittags rasten wir an einem verlassenen Feldweg. Auf einer kleinen Brücke finden wir ein Fleckchen Schatten und legen uns kurz mal lang. Anscheinend sehen wir ganz schön fertig aus, denn es halten zwei freundliche Griechen im Auto an und fragen ob bei uns alles okay sei. Sie sind ganz erstaunt darüber, dass wir aus Deutschland sind und schenken uns einen ganzen Sack voll frisch geernteter Tomaten. Wir müssen erstmal einige verputzen, da wir gar nicht alle unter bekommen 😉 Danach geht es über die Autobahn in die Grenzstadt Alexandroupolis, wo wir auf einem Campingplatz direkt am Strand gelegen übernachten. Unsere Vorräte sind aufgebraucht, aber in den Regalen des Minimarkts vom Campingplatz herrscht gähnende Leere. Also machen wir uns zu Fuß auf die Suche nach einem anderen Supermarkt damit wir nicht mit leerem Bauch in unsere Schlafsäcke kriechen müssen. Allerdings dröhnt uns die halbe Nacht lauter Heavy Metal vom „Alexandroupolis Open Air“ in die Ohren. Wären wir besser mal hingegangen und hätten mitgefeiert! Unsere Zeit in Griechenland ging viel zu schnell vorbei, doch es zieht uns weiter in die Ferne!

Reisetagebach Kapitel 3 „450 Kilo Offroad durch die Berge!“

 

Sonntag, 27.08.2017 Orasac- Sveti Stefan: 136 km

Bei diesigem Wetter und schlechter Sicht geht es heute an der Küste entlang weiter nach Montenegro, ein Land über das wir nicht allzu viel wissen bisher. Es gibt keine Autobahn in Montenegro und wir befürchten, dass wir nicht so schnell vorankommen werden. Bevor wir aufbrechen vergewissern wir uns, dass wir unsere Pässe und die grüne Karte greifbar haben, denn Montenegro ist kein Mitglied der EU. Etwas aufgeregt sind wir schon, denn noch nie haben wir bisher über Land die EU verlassen! Schon als wir in die Nähe der Grenze kommen sehen wir am Straßenrand unheimlich viel Müll. Das Wetter wird noch trüber, es riecht verbrannt und kurz darauf entdecken wir auch Rauch in den Bergen: ein kleiner Brand wütet in den Hügeln. Ein Feuerwehrauto ist bereits zur Stelle, wir gehen davon aus, dass es sich daher staut und fahren mit dem Moped ohne Probleme an den wartenden Autos vorbei. Ein italienisches Pärchen in Jeans und T-Shirt auf einer BMW 1200 GS folgt unserem Beispiel. Dann merken wir allerdings dass der Stau gar nicht durch das Feuerwehrauto verursacht wurde, sondern durch die Grenze. Ups, wir haben uns also unabsichtlich vorgedrängelt. Lange stehen wir wartend in der Hitze, trotz Vordrängeln kostet uns das ganze Prozedere an der Grenze über eine Stunde. Immerhin bekommen wir einen Stempel in unsere neuen Reisepässe. Und wir treffen einen spanischen Motorradreisenden wieder, der sich ebenfalls vorgedrängelt hat. Wir kennen ihn von einer Tankstelle in Kroatien, er ist auf einer alten Suzuki unterwegs in die Türkei! Ähnlich wie in Kroatien kommen uns auch in Montenegro viele Motorradfahrer entgegen. Wir fahren an Igalo vorbei, ein Strandort mit großen Hochhäusern, Plattenbauten und Stränden zugepackt mit Sonnenschirmen, welch krasser Gegensatz zur unverbauten, hübschen kroatischen Adriaküste. Außer viel Müll am Straßenrand sehen wir auch eine Bauruine mit „zu verkaufen“ Schild nach der Anderen. Die Küste von Montenegro ist bisher weniger unser Ding und so fahren wir in Richtung Kotor. Die Stadt liegt an einer riesigen Bucht, die umrandet ist von steil abfallenden Bergen, ähnlich wie ein Fjord. Es gibt sogar zwei Inseln in der Bucht. Wir fahren die ganze Bucht von Kotor entlang und genießen das Panorama. Leider haben wir aufgrund des trüben Wetters kaum Sicht auf die Berge. Die nächste Stadt an der Küste, Budva gefällt uns wenig. Der Stadtverkehr zerrt an unseren Nerven, die Hochhäuser und Hotelbauten sind wenig ansehnlich. Also fahren wir immer weiter Richtung Süden, bis wir zwischen Milocer und Drobnici eine Campinggelegenheit oberhalb einer kleinen, hübschen Bucht mit glasklarem Wasser finden. Hier hat man auch einen wundervollen Ausblick auf die vor Budva gelegene Insel.Außerdem gibt es ein romantisches Strandrestaurant, das nur die Einheimischen zu kennen scheinen. Wir gönnen uns zuerst ein erfrischendes Bad im Meer und im Anschluss ein delikates Abendessen im Strandrestaurant: Als Vorspeise genießen wir lokale Oliven, Käse und Schinken und als Hauptgang frischen, gegrillten Oktopus. Und während die Sonne über dem Meer versinkt, stoßen wir mit leckerem, kroatischem Weißwein auf unsere erste Reisewoche an.

 

Montag, 28.08.2017 Sveti Stefan- Shebenik Jabllanice National Park: 260 km

In einem montenegrinischen Supermarkt versorgen wir uns mit Proviant und fahren vorbei an den Städten Bar und Ulcinj zur albanischen Grenze. Auch hier können wir uns ein Stück weit vordrängeln und nach einer halben Stunde die Grenze passieren. Danach erleben wir den bisher größten Kontrast auf unserer Reise: Die Straßen sind viel schlechter als vorher und gesäumt von Müll. Es steht eine Kuh direkt an der Straße – dabei sind wir doch noch gar nicht in Indien. Wir fahren durch arme Dörfer, vorbei an Maisfeldern, Kühen und Pferdekutschen. Danach geht’s stundenlang eine Art Schnellstraße entlang nach Tirana. Diese Schnellstraße ist wirklich furchtbar: Müll, Tankstellen, und leerstehende Häuser wechseln sich ab mit Bauruinen, Hotels, Möbelkaufhäusern und verlassenen Tankstellen. Unser Eindruck von Tirana ist auch nicht der Beste, das Navi kommt aufgrund einer riesigen Baustelle nicht klar und wir sind froh als wir diese Stadt dann endlich hinter uns lassen können. Da uns das was wir bisher von Albanien gesehen haben wenig gefällt, entschließen wir uns dazu in die Berge und Richtung Nationalparks zu fahren. Laut Google Maps gibt es einen am Wasser gelegenen Campingplatz im Shebenik-Jabllanice Nationalpark, den wir uns als Tagesziel setzen. Je weiter wir ins Landesinnere kommen, umso schöner wird die Natur und umso weniger wird auch der Müll und der Verkehr. Auch wenn die Straßen eher schlechter sind, macht uns das Fahren nun wieder mehr Spaß. Die Landschaft ist unheimlich grün und wir sehen viele Berge, kleine Farmen und freundliche Menschen. Hier in Albanien kommen uns schon weniger Motorradfahrer entgegen als in Kroatien und Montenegro. Dafür scheinen die Albaner auf deutsche Autos zu stehen, wir sehen einen Mercedes nach dem Anderen. Außerdem beobachten wir hier die waghalsigsten Überholmanöver, passend dazu unzählige Gedenkstätten von Verkehrsopfern am Wegesrand. Nachmittags erreichen wir den hübsch in den Bergen gelegenen Ort Librazhd und eigentlich sind es nun nur noch 20 km bis zu unserem Ziel. Das Navi zeigt allerdings noch eine Stunde Fahrtzeit an. Über eine schmale, verhältnismäßig gut asphaltierte Straße geht es immer höher in die Berge. Nach jeder Kurve bietet sich uns ein atemberaubendes Bergpanorama, auf einem Nationalparkschild steht das Zeichen für Campingplatz und wir sind guter Dinge, noch! Denn plötzlich endet die geteerte Straße und es geht nur noch über eine unbefestigte Schotterpiste weiter. Vom Prinzip her sind offroad Strecken kein Problem für unsere Maschine, aber auf der Piste sind auch viele große Steine. Zudem sind wir voll beladen und so noch nie solch eine Strecke gefahren. Bis zum Ziel sind es noch über 6 km, steil berghoch in engen Serpentinen! Zum Wildcampen fehlt uns eigentlich das Trinkwasser und die Aussicht auf eine Dusche auf dem Campingplatz lässt uns weiter fahren! In Schrittgeschwindigkeit, an Gregor geklammert und den Blick auf die Piste fixiert, kämpfen wir uns den Berg hoch. Nach über einer Dreiviertelstunde kommen wir schweißgebadet am vermeintlichem Ziel an. Allerdings ist weit und breit kein Campingplatz in Sicht! Was nun? Die Sonne steht schon tief, Zurückfahren ist heute definitiv keine Option mehr für uns. In der Ferne scheint ein kleiner Hof zu sein, vielleicht können wir dort Wasser bekommen? Wir finden uns damit ab, heute hier in den albanischen Bergen zu campen, die Aussicht ist wunderschön! Melli geht zu dem Hof und fragt nach dem Campingplatz, der albanische Bauer spricht kaum englisch, aber er gibt zu verstehen dass es hier keinen Campingplatz gibt. Wir ruhen uns erstmal etwas aus und in der Zwischenzeit kommt der Bauer zu uns. Matze reicht ihm die Hand und stellt sich vor. Wir erklären ihm das wir heute nicht mehr weiterfahren können und hier zelten werden, daraufhin lädt er uns ein auf seinem Gelände in der Nähe seines Hofes zu zelten. Dort gäbe es auch Wasser und wir sollten später auf einen „Drink“ vorbeizukommen. Super! Wir schlagen unser Zelt auf, machen uns frisch und gehen vorbei an Hunden, Hühnern und Schafen in Richtung Häuschen. Dieses ist nicht Mals annähernd fertig gebaut! Unser Gastgeber Dorian fordert uns auf hineinzutreten. Sein Vater ist gerade am Mauern, die Mutter in der „Küche“. Wir nehmen im offenen Wohnzimmer am Tisch Platz und bekommen gegrillte Maiskolben. Wir verständigen uns auf Englisch und mit Händen und Füßen. Dorian stellt uns auch seine Eltern vor und bringt uns auf einem Tablett Schnaps und Bier. Wir lernen unser erstes albanisches Wort: Gezuar- Prost! Im Anschluss bringt er noch selbstgemachten Käse, Tomaten vom eigenen Feld, frisch gebackenes Maisbrot und Bohnensuppe. Mit so einem Abendessen hätten wir heute gar nicht gerechnet! Alles was wir dazu beisteuern können ist montenegrinischer Schinken aus dem Supermarkt, der bei unseren Gastgebern allerdings auf wenige Begeisterung stößt. Die Hunde und Katzen freuten sich umso mehr! 😉 Wir erfahren das der leckere Schnaps selbstgebrannt ist und möchten wissen aus was. Dorian kann unsere Frage auf Englisch nicht beantworten und verschwindet. Während wir zusammen mit dem Vater und der Katze, welche großzügig mit Schinken versorgt wird, sitzen  kommt er mit einem Pflaumenzweig in der Hand zurück 😉 Trotz der Verständigungsprobleme verbringen wir einen herrlichen Abend bei Dorian und sind überwältigt von der albanischen Gast- und Tierfreundlichkeit.

 

 

 Dienstag, 29.08.2017 Shebenik Jabllanice National Park- Farma Sotira: 190 km

Morgens versorgt uns Dorian mit selbstgemachtem Joghurt und leckerem Mokka.  Raki bietet er uns auch wieder an, wir lehnen dankend ab. Stolz zeigt er uns danach den ganzen Hof, das dazugehörige Land mit Maisfeld und Weideflächen, den Gemüsegarten und alle Tiere: Hunde, Katzen, Schafe, Pferde, Hühner, Enten, Truthähne und Kühe. Die Familie bietet uns an länger zu verweilen, doch wir müssen weiter ziehen. Zum Abschluss machen wir noch Fotos zusammen und versprechen sie Dorian zukommen zu lassen. Die Mutter drückt und küsst Melli herzlich. Als Proviant bekommen wir noch Tomaten mit auf den Weg. Es war eine super schöne Erfahrung für uns bei einer einheimischen Familie so herzlich aufgenommen und versorgt zu werden und mehr über das Leben im ländlichen Albanien zu erfahren.

Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse hier in Albanien setzen wir uns als Tagesziel eine Farm mit Restaurant und Camping in unter 200 km Entfernung, angegebene Fahrtzeit dafür: 4,5 Stunden. Aber zunächst müssen wir erstmal die lange, steinige und steile Schotterpiste wieder runterkommen. Gesagt getan, ohne irgendwelche Zwischenfälle meistern Matze und Gregor die Abfahrt! Wir sind mächtig stolz. Durch die herrliche albanische Berglandschaft geht es nun in Richtung Griechenland. Die Straße ist zunächst relativ gut zu fahren und führt uns vorbei am riesigen Ohrid See. Nach der am See gelegenen Stadt Pogradec wird die Straße allerdings wieder schlechter. Uns kommt ein junges albanisches Paar im BMW entgegen, sie winken euphorisch und strecken beide Daumen hoch. Wir können nur mutmaßen, vielleicht sind sie auch Motorradfahrer? Aber es passiert uns hier oft, dass uns freundlich zugewinkt wird, vor allem in den Dörfern. In einem Tal machen wir Rast, der Himmel zieht sich zu, es beginnt von allen Seiten zu grummeln, ein Gewitter scheint im Anmarsch zu sein. Während wir über einen Bergpass mit herrlichem Panorama fahren fallen auch die ersten Regentropfen. Aber wir kommen nur langsam voran. Der Asphalt ist streckenweise furchtbar schlecht, gespickt mit riesigen Schlaglöchern und hört manchmal auch einfach auf! Dann geht es ein Stück weit off road weiter, bis früher oder später wieder asphaltierte Straße folgt. Als wir an unserem Übernachtungsziel, der Farma Sotira ankommen, donnert und regnet es heftig . Wir entscheiden uns dazu, in einer der uns angebotenen Holzhütten zu nächtigen. Sie kostet uns inklusive Frühstück 15 € (der Zeltplatz ohne Frühstück kostet 10 €). So können wir uns den Zelt Auf- und Abbau im Nassen sparen 😉 Die Farma Sotira liegt umgeben von Wald im Süden Albaniens.  Es gibt hier Kühe, Pferde und Schafe, auch allerlei Geflügel, eine Fischzucht und eigenen Wein. Diesen lassen wir uns nach einer ausgiebigen warmen Dusche zum Abendessen schmecken. Wir genießen dazu wieder frisch selbstgebacktes Maisbrot, hausgemachten Käse und Tzatziki, gegrilltes Lamm und gegrillten Fisch aus der eigenen Zucht. Abends halten uns noch eine Zeitlang die Enten wach, die an dem kleinen Bachlauf an unserer Holzhütte schnattern.

Mittwoch, 30.08.2107, Farma Sotira- Meteora: 190 km

Zum Frühstück bekommen wir frisches Brot, selbstgemachte Butter und Käse, Marmelade und leckere Spiegeleier von den Enten vom Hof!  Danach fahren wir weiter über holprige und mit Schlaglöchern versehrte Pisten Richtung Griechenland. Einige Kilometer vor der Grenze wird die Straße wieder besser. Neuer Asphalt, bis auf ein paar Ziegen, die die Straße überqueren, gibt es keinen weiteren Verkehr. Schöne Kurven und grüne Berge… wir genießen zum Abschuss unsere Albanien-Etappe noch einmal Motorradfahrspaß pur! Nach unseren Abenteuern in Albanien haben wir das Gefühl für sämtliche Straßenverhältnis gewappnet zu sein 😉 Sowohl in Montenegro als auch in Albanien kommt man mit englisch nicht so weit und wir nehmen uns fest vor in den kommenden Ländern zumindest immer ein paar der wichtigsten Wörter zu lernen!

 

Reisetagebuch Kapitel 2: „Es riecht nach Sonnencreme im Helm!“

Donnerstag, 24.08.2017 Sibinj Krmpotski- Drage: 141 km

Mittlerweile geht das Packen schon schneller! Heute fahren wir den ganzen Tag immer an der kroatischen Adria entlang. In engen Kurven geht es vorbei an unzähligen, kleinen, idyllischen Buchten mit glasklarem, türkisfarbenem Wasser. Die Strecke macht einfach Spaß. Es kommen uns immer wieder Motorradfahrer entgegen, kein Wunder bei diesen schönen Küstenstraßen. Wir sehen auch  nur wenige große Hotels, stattdessen gibt es an der kroatischen Küste unzählige Campingplätze und viele deutsche Wohnmobile und Camper.

In der Nähe des Nationalparks Paklenica folgen wir Google Maps (mit dem wir navigieren) durch ein kleines Dorf, immer entlang einer „gelben Route“, die normalerweise eine Hauptstraße sein sollte. Doch plötzlich geht es steil eine Seitenstraße hoch, wir überlegen noch ob wir besser umdrehen sollen, oder Melli mal zu Fuß schauen gehen soll. Entscheiden uns doch fürs Weiterfahren um dann festzustellen, dass die Straße oben am Berg einfach endet und nur noch ein holpriger Weg mit großen Steinen weiter in die Berge führt. Wir halten und… kippen um. Dank den stabilen Koffern, Sturzbügel und Zylinderprotektoren von Wunderlich ist weder uns noch Gregor etwas passiert!

Wir fahren bis zu dem kleinen Ort Drage, der zwischen Zadar und Sibenik liegt. Dort finden wir für unter 17 € das Kamp Paradiso und hier ist der Name Programm! Der Inhaber weist uns einen schattigen Platz in einem Olivenhain zu, wir können unsere Hängematte aufhängen und sogar von einem Feigenbaum naschen. Als wir dann unsere Pässe zum einchecken vorzeigen wollen, winkt der Besitzer ab: “No names, no ID“ und schenkt uns stattdessen kroatischen Rotwein in Plastikbechern ein 😉

 

Freitag, 25.08.2017 Drage, Kamp Paradiso: 0 km

Wir entscheiden uns dazu einen Tag im Kamp Paradiso zu bleiben. Vor unserem Start hatten wir unheimlich viel Stress, waren angespannt und die ersten 1.000 km haben wir ja auch schon hinter uns gebracht. Also schwimmen wir einmal quer durch die Bucht, entspannen am Meer und in unserm schönen Olivenhain, Melli sortiert die ersten Bilder und Matze probiert das erste Mal in Ruhe unseren neuen Benzinkocher aus:

Abends zaubert er uns köstliche Pasta mit frischem kroatischem Gemüse!

 

 

Zum krönenden Abschluss des Tages genießen wir einen herrlichen Sonnenuntergang oberhalb unseres Camps.

 

Samstag, 26.08.2107 Drage – Orasac: 301 km

Nach unserem Ruhetag sind wir froh, dass es wieder weiter geht, als Tagesziel setzen wir uns einen kleinen Ort vor Dubrovnik. Auf dem Weg dorthin fahren wir durch kroatische Dörfer und durch die Berge, vorbei an fruchtbaren Tälern in denen Obst- und Gemüse angebaut wird, welches direkt an der Straße auch verkauft wird. Ein Stück fahren wir auch über die Autobahn, damit wir schneller vorankommen. Die Autobahnanzeigetafeln zeigen 35° C an, ganz schön heiß! Hier an der südlichen Küste Kroatiens verändert sich auch die Vegetation, es wachsen nicht nur Büsche und kleine Olivenbäume sondern auch Pinien, Zypressen und vereinzelt auch Palmen. Alles wirkt sehr mediterran, die kleinen Dörfer und Häfen entlang der Küste sind unheimlich hübsch anzusehen. Der Weg führt uns heute auch raus aus der EU: Ein kleines Stück geht es durch Bosnien Herzegowina. An der Grenze werden wir durchgewunken, so bleibt uns ein nerviger Grenzstau und längere Passkontrollen erspart. Man sieht deutlich dass wir durch ein ärmeres Land fahren, wir sehen viel Müll und unschöne Plattenbauten bestimmen das Landschaftsbild. Aber schon nach kurzer Zeit sind wir wieder zurück in Kroatien. Am frühen Nachmittag kommen wir beim Campingplatz Pod Maslinom in Orasac an.  Hier ist schon Nebensaison und so können wir diesen hübschen Campingplatz und die schönen Sanitäranlagen für nur 15 € die Nacht nutzen. Zum Meer geht ein steiler Weg hinab, endlich unten angekommen werden wir mit einer kleinen Bucht und einem Platz ganz für uns zwischen den Felsen belohnt! Die Erfrischung tut uns sehr gut!

 

Mit dem Motorrad fahren wir am Abend in das 17 km entfernte Dubrovnik. Im Gegensatz zu den ganzen Autofahrern finden wir ohne Probleme einen Parkplatz. Wir schlendern ein wenig durch die Stadt.

 

 

 

 

Die hübsche Altstadt ist umgeben von einer begehbaren Stadtmauer und liegt direkt am Meer.

Trotz der vielen Touristen hat das Städtchen einen unvergleichbaren Charme und wir genießen dort einen schönen Abend. Zurück auf unserem Campingplatz lassen wir den Tag mit einem Bierchen, Brot und kroatischer Wurst gemütlich ausklingen. Morgen verlassen wir das schöne Kroatien.

Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt und es war für uns das perfekte erste Reiseland: Gute Straßen, eine Traumroute entlang der Adria, tolles Wetter und europäischer Standard in Sachen Infrastruktur. So konnten wir uns ohne Probleme an das Leben „on the road“ gewöhnen, uns nach jedem Fahrtag im Meer erfrischen und einfach genießen.

 

 

Reisetagebuch: Kapitel 1

Sonntag, 20.08.2017 Hüttersdorf-Hurst: 250 km

„Es ist so weit, heute geht’s endlich los!“ Bevor die ganze Familie zur Verabschiedung angerückt war, hatten wir noch schnell das voll beladene Motorrad aus der Garage geschoben, nicht das uns noch ein Unglück passiert und es umfällt vor versammelter Mannschaft ;).

Unsere Familien standen zur Verabschiedung bereit, und es wurde die eine oder andere Träne verdrückt. Als wir dann losfuhren war es gegen 12 Uhr Mittag. Mit gemischten Gefühlen ließen wir Elternhaus und Heimatdorf hinter uns, um Aufzubrechen in die große weite Welt! Da wir einfach nur schnell ankommen wollten, sind wir über die Autobahn gefahren und gegen 17 Uhr bei unserem Tagesziel im Westerwald bei Mellis Uroma Paula und Tante Marianne angekommen. Dort wurden wir zum Abendessen mit Wienern und Nudelsalat versorgt und bei Kölsch und Sekt ließen wir den Tag gemütlich ausklingen.

 

Montag, 21.08.2017, Hurst-Sinzig-Nürnberg-München: 617 km

Nach einem Frühstück mit frisch gekochten Eiern mit Mellis Uroma und Großtante ging es schnell los nach Sinzig, zur Verabschiedung bei unserem Hauptsponsor Wunderlich.

Dort hatten wir noch ein kleines Interview Link mit dem „Generalanzeiger Bonn“ und ein Fotoshooting.  Jetzt konnten wir offiziell unsere Reise starten! Super Gefühl, nachdem wir den Hof von Wunderlich verlassen hatten mussten wir innerlich jubeln. Über die Autobahn ging es Richtung Nürnberg, wo wir uns mit Matzes Tante Ute und Onkel Klaus in einem Traditionswirtshaus mitten im Wald zum Essen trafen. Es gab Matjes, Schinkennudeln und Kaiserschmarrn, lecker! Von Nürnberg ging es Richtung München zu unserer Freundin Carina, wo wir gegen 19 Uhr ankamen. Gregor parkten wir auf dem Bürgersteig und schleppten alle Sachen in die 1-Zimmer Wohnung. Wir gönnten uns ein asiatisches Abendessen mit Wein und verbrachten einen schönen letzten Abend zusammen. Nach der langen Etappe von 617 km hatten wir sogar einen leichten Sonnenbrand im Gesicht! Am Ende des Tages fielen wir todmüde in den Schlaf.

 

Dienstag, 22.08.17 München- Podljubelj: 379 km

Nach einem „Abschiedsselfie“ mit Carina ging es gegen 11 Uhr los über die Autobahn in Richtung Österreich. Bald waren schon die ersten Berge in Sicht. An einer deutschen Raststätte hielten wir an um eine Vignette zu kaufen, dort gab es eine Baustelle und an einem Abhang  mit Schotter ist es passiert: Gregor ist uns über den Seitenständer umgefallen, wir konnten ihn aber ohne Probleme wieder hochstemmen. Kurz darauf ging es dann das erste Mal über eine Landesgrenze und wir waren in Österreich. Hier konnten wir während der Fahrt das Bergpanorama genießen.  Etwas nervig war allerdings das wir den ganzen Tag nur Autobahn gefahren sind und in den Tunneln war es unglaublich laut.

Auf einer Raststätte in den Bergen machten wir eine längere Pause. Unser Plan war ursprünglich bis an die Slowenische Grenze zu fahren und auf der Österreichischen Seite zu campen. Im heutigen Tagesziel Rosenbach angekommen, fanden wir jedoch auf die Schnelle keine Campingmöglichkeit zum Wildcampen, daher versorgten uns in einem Supermarkt mit Wasser und Brot und fuhren weiter. Über den Loiblpass ging es hoch in die Berge. Enge Kehren, vorbei an einem Wasserfall und romantischen Flussläufen, bisher die schönste Strecke unserer Reise. Oben angekommen ging es dann durch einen Tunnel und „schwups“ waren wir schon in Slowenien! In dem Karawanken Gebirge ergab sich auch keine Campingmöglichkeit, also fuhren wir Richtung Tal und fanden dann zufällig das „Kamp Podljubelj“, eine Art Zeltplatz für Wanderer, malerisch in den Slowenischen Bergen gelegen. Die Anfahrt dort hin führte über einen kleinen Schotterweg, den Matze und Gregor ohne Probleme meisterten. Für günstige 16 € konnten wir hier zelten, kochen und duschen. Wir kochten uns Nudeln und gönnten uns ein slowenisches Bier. Abends wurde es richtig frisch. Aber wir waren froh endlich in unserem Zelt schlafen zu können und es schon heute bis nach Slowenien geschafft zu haben, denn wir wollen so schnell wie möglich ans Meer!

 

 

Mittwoch, 23.08.2017 Podljubelj- Sibinji Krmpotski: 215 km

Nach einer kalten aber erholsamen Nacht in den slowenischen Bergen ließen wir am Morgen erstmal unser klammes Zelt in der Sonne trocknen, frühstückten und packten. Nach ganzen 3 Stunden waren wir endlich startklar. Beim Rangieren des voll beladenen Gregors fiel er uns dann zum zweiten Mal um und auch dieses Mal passierte nichts. Schnell war er wieder aufgerichtet und weiter ging die Reise. Vorbei an Slowenischen Dörfern fuhren wir Richtung Kroatien. Kurz vor der Grenze in Rupa warb am Straßenrand eine Wechselstube nach der Anderen mit den besten Wechselkursen, denn in Kroatien gibt es keinen Euro sondern die Landeswährung Kuna. Wir waren uns unsicher ob wir schon hier Geld wechseln sollen, entschieden uns aber dagegen und fuhren weiter. Dann kam auch schon der Grenzübergang nach Kroatien und nach ungefähr 10 km sahen wir zum ersten Mal das Meer! Schönes Gefühl! Im Vergleich zu Deutschland, Österreich und Slowenien ist hier in Kroatien super Sommerwetter. In Rijeka, einer größeren kroatischen Stadt machten wir dann kurz an einem Geldautomaten halt um uns mit der Landeswährung zu versorgen. Ursprünglich wollten wir direkt ins Meer springen sobald wir es erreicht haben, aber leider ergab sich zunächst keine Gelegenheit, wo wir direkt am Wasser das Motorrad abstellen konnten. Also fuhren wir erstmal weiter, immer entlang der Küste.

An einer Bucht in Bakarac machten wir dann Mittagspause und gönnten uns dalmatischen Schinken, Käse und Oktopussalat in einem Restaurant. Als wir dann zahlen wollten fragte uns der Kellner: „In Euro oder Kuna“- so viel zum Thema Wechselstube ;). In Bakarac konnten wir sogar ganz dicht mit Gregor ans Wasser fahren und dadurch endlich unser erstes Bad im Meer genießen! Ein rumänischer Motorradreisender nutze dort ebenfalls die Gelegenheit zu einem Bad im Meer. Wir kamen mit ihm ins Gespräch, er hatte bereits über 5.000 km hinter sich gebracht. Wir staunten, erzählten aber nichts von unserem Reiseziel, irgendwie hatte es sich nicht ergeben.

Hier in der Umgebung der Kvarner Bucht fanden wir keinen geeigneten Platz zum Wildcampen. Die Umgebung besteht aus bergigem, eher unzugänglichem Gelände, Felsen, Büschen und kleinen Buchten, die meist nur zu Fuß zu erreichen sind. Also entschieden wir uns für einen günstigen Campingplatz direkt am Meer, dem Autocamp Sibinji. Noch vor dem Zeltaufbau ging es zur Erfrischung ins Wasser. Zum Abendessen gab es Ciabatta, Taboulé und Hummus mit Blick aufs Meer bei einem herrlichen Sonnenuntergang. So langsam fühlt es sich an wie Urlaub!

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