Reisetagebuch 9.3: Freiheit in Lahore

Donnerstag, 26.10.2017, Sukkur- Rahim Yar Khan: 196 km

Kurz nach dem Aufstehen geht Melli an die Rezeption um bloß etwas Tee zu ordern. Sie ist weder richtig wach, noch annähernd bereit zum Aufbruch. Doch es warten dort bereits zwei Polizisten auf uns, die zum Losfahren drängen! Zuviel für Melli, der zehrende Stress der letzten Tage entlädt sich in diesem Moment in einem waschechten Nervenzusammenbruch. Es schießen Tränen in ihre Augen und sie beginnt heftig zu schluchzen. Rezeptionist und Polizisten blicken ratlos drein, ein Pakistani der ebenfalls in der Lobby steht will helfen. Im Gegensatz zu den Polizisten spricht er englisch. Er geht davon aus, dass Melli Angst hat und erklärt ihr, dass die Polizisten nur hier sind um sie zu beschützen. Auf keinen Fall soll sie den Schutz ablehnen, es wäre viel zu gefährlich! Die Polizisten sind richtig wütend, sie hätten keine Zeit und wir müssten jetzt sofort los. Ununterbrochen schimpfen sie auf pakistanisch daher und machen dadurch alles nur noch schlimmer für Melli. Soweit es geht, versucht sie das eigentliche Problem zu erklären: Am gestrigen Tag wurden wir nur gehetzt und mussten bis spät in die Nacht fahren. Bei den Eskortenwechseln mussten wir bei Temperaturen von über 35 Grad in der prallen Sonne warten. Wir hatten kaum etwas zu Trinken, es gab nichts zu Essen und keine einzige Möglichkeit mal auf die Toilette zu gehen. Der Pakistani beginnt zu verstehen, übersetzt all dies den Polizisten, schreibt seinen Namen und seine Telefonnummer auf einen Zettel und dazu den Namen der beiden Polizisten. Wann immer wir anhalten wollen, sollen wir es doch einfach den Polizisten mittteilen. Bei jedem Eskortenwechsel sollen wir uns die Namen der Polizisten notieren, auch die ihrer Vorgesetzten. Was das wohl bringen soll? Egal, er schafft es zumindest Melli etwas zu beruhigen. Der Rezeptionist fragt unterdessen ob wir denn frühstücken wollen, Melli soll sich etwas von der Karte aussuchen. Sie bestellt Toast und macht den Polizisten klar, dass wir auch erst mal packen müssen. Kurz darauf bekommen wir ein riesiges Frühstück mit allem Drum und Dran aufs Zimmer serviert. Das Beste daran: Es geht aufs Haus! Vielleicht sollte Melli öfters an Hotelrezeptionen ausrasten?;-) Wir frühstücken einigermaßen in Ruhe, machen uns fertig und beginnen unter den wachsamen Augen der Polizisten zu packen. Bald darauf sind wir startklar und fahren hinter den Polizisten her, die uns zu zweit auf einem kleinen Motorrad eskortieren. Über eine riesige Brücke geht es hier für uns zum ersten Mal über den mächtigen Indus. Die Stadt Sukkur wirkt bei Tageslicht chaotisch und in etwa so wie man sich Indien vorstellt. Die Straße ist eine staubige Buckelpiste und voll mit Mopeds, Eselkarren, Menschen, Radfahrern, Kindern, Bettlern, Kühen und Müll.Am Straßenrand spazieren ganze Herden von Wasserbüffeln entlang. Plötzlich halten wir an: das Moped der Polizisten hat einen Loch im Reifen und wird bei einem kleinem Shop am Straßenrand repariert. In der Wüste Belutschistans sahen wir keine Frauen und kaum Kinder, nur Männer in typischen pakistanischen Tuniken und Pluderhosen. Hier sehen wir zum ersten Mal auch Kinder und vereinzelt ein paar Frauen in bunten Gewändern. Melli lächelt mit ein paar pakistanischen Kindern um die Wette und hat endlich die Chance unterwegs mal ein paar Fotos zu machen.Auf der gegenüberliegenden Seite entdecken wir einen Kiosk und möchten Wasser kaufen, dazu wird Matze von einem der Polizisten begleitet. Nachdem wir das Wasser ausgetrunken haben hilft einer der Polizisten uns beim Entsorgen des Mülls: er wirft die leere Plastikflasche einfach auf den Boden. Wir können nur mit dem Kopf schütteln! Die Reparatur des Reifens kostet die Polizisten umgerechnet übrigens 25 Cent, sie bekommen 50 % Rabatt als Beamte!

Hinter der Stadt steht der erste Eskortenwechsel des heutigen Tages an und Mellis Nervenzusammenbruch zeigt Wirkung: Wir müssen nicht in der prallen Sonne warten, sondern in einem Polizeigebäude, man schaltet uns den Ventilator ein und zeigt uns wo die Toilette ist! Wir müssen allerdings auch wieder lange auf das nächste Fahrzeug warten und werden nervös. Die Stadt Multan zu der wir eskortiert werden sollen, liegt 452 km entfernt. Gestern haben wir aufgrund der Polizeieskorte für 398 km von Quetta nach Sukkur über 10 Stunden gebraucht! Für uns steht fest, dass wir solch einen Tag nicht wieder durchstehen können!

Manchmal schleichen die Eskorten mit 30 bis 50 Sachen über den Highway hinter den Trucks her,  einfach nur Nerv tötend für uns. Ohne die Polizei kämen wir viel schneller voran. Denn auch wenn der Highway stets vollgestopft mit Trucks und anderen  Fahrzeugen ist, wir kämen dran vorbei! Alle Versuche diese Polizisten zum schneller Fahren zu animieren scheitern leider! Andere Eskorten brausen dagegen mit ohrenbetäubender Sirene und so schnell wie es nur geht durch die Städte. So kommen wir relativ gut durchs das Wirrwarr von Trucks, Mopeds, Fußgängern und Tieren. Doch oft kommt es hierbei für uns dann auch zu brenzligen Situationen. Dadurch dass die Eskortfahrzeuge sehr hoch sind, bleibt die Sicht nach vorne versperrt. So ist ein vorausschauendes Fahren schlecht machbar. Daher kommt es öfter zu starken Bremsvorgängen die häufig nur sehr knapp vor dem Polizeifahrzeug enden.

Unser Sprit geht zur Neige und wir weisen die Polizisten beim nächsten Eskortenwechsel daraufhin, interessiert sie anscheinend überhaupt nicht! Sie düsen an jeder Tankstelle vorbei. Nachdem auch die darauf folgende Eskorte unseren Hinweis ignoriert, machen wir einfach an der nächsten Tankstelle halt und tanken. Da wir hinter der Eskorte fahren bekommt diese es nicht mit… An der Tankstelle sind alle super nett und freundlich zu uns. Doch die Polizei macht kehrt und kommt wütend zurück, verscheucht jeden in unserer Nähe und hetzt uns schnell weiter.

Heute hält dann auch eine der Eskorten zum Lunch an. Nur dummerweise an einem verlassenen Burgerladen, der alles andere als einladen ausschaut.  Also fahren wir lieber weiter. Da wir nicht möchten, dass sich das Drama von gestern wiederholt, versuchen wir von nun an die Polizisten dazu zu bringen uns zu einem Hotel zu eskortieren.  Die meisten Eskorten entgegnen uns bloß „Multan“, Dienst nach Vorschrift.  Aber Matze schafft es dann schließlich einem Polizisten klar zu machen, dass er heute nicht bis Multan fährt. Zu weit, zu anstrengend und dadurch auch zu gefährlich und außerdem keine Lust! Die Kommunikation mit den Eskorten hat sich mittlerweile nur noch aufs Nötigste beschränkt und ist zu dem nicht mehr auf Höflichkeit gestimmt. Wir nennen ihnen den Namen eines Hotels, welches wir online rausgesucht haben und die Polizisten beginnen zu telefonieren. Vielleicht mit dem Hotel? Sie sagen uns den Namen eines anderen Hotels von dem wir bereits wissen, dass es das Teuerste in der Umgebung ist. Wir sagen ihnen dass wir dort nicht übernachten werden und in das andere Hotel wollen. Sie scheinen es zu verstehen und wir fahren weiter. Wir werden der nächsten Eskorte übergeben. Sicherheitshalber sagen wir ihnen wieder den Namen des Hotels in dem wir übernachten wollen. Und wieder fragt uns der Polizist nach dem anderen Hotel!? Ratlos versuchen wir der neuen Eskorte das Problem mit dem Preis zu erklären. Zu guter Letzt bringen sie uns dann zu dem ultraschicken Hotel… Es wäre sicher und wir sollen doch bitte hier übernachten. Der Zimmerpreis von 80 USD die Nacht lässt uns jedoch auf dem Absatz der Motorradschuhe kehrtmachen. Jetzt geht die Streiterei mit den Polizisten los, sie verstehen nicht warum wir nicht hier bleiben wollen. Wir erklären, dass wir ein Hotel für 20 Dollar die Nacht rausgesucht haben und auch partout nicht mehr ausgeben werden! Laut Eskorte wäre dies das einzige sichere Hotel. Sie wissen anscheinend nicht mehr weiter mit uns und eskortieren uns nun zur Polizeistation. Dort müssen wir Gregor parken und absteigen. Man bringt uns zum ansässigen Polizeichef, dieser kontrolliert unsere Pässe, schaut argwöhnisch drein und telefoniert. Wir vermuten bereits, dass wir die Nacht hier verbringen dürfen. Doch nach einer Weile sollen wir wieder aufsatteln und werden zu einem Hotel gegenüber der Polizeistation gebracht. Dieses schaut nicht nach Luxusbunker aus! Alle Wertsachen sollen wir vom Motorrad entfernen, aber ansonsten wäre der Parkplatz sicher. Die Übernachtung soll 5.000 Rupie (45 USD) kosten, wir handeln es immerhin noch auf 4.000 Rupie (36 USD) runter. Das Zimmer ist sauber und geräumig, es gibt WiFi und heißes Wasser!Während Matze mit seiner Mama skyped, klopft ein älterer Pakistani an die Tür und drängt sich rein. Er spricht kaum englisch, trägt keine Uniform aber gibt uns zu verstehen dass er Polizist sei.  So ganz verstehen wir nicht was dieser Besuch soll. Er will Fotos von Matze und Melli, dann nur von Melli, dann Selfies mit Melli machen und unsere Handynummern (Geheimdienstfuzzy?). Matze kann sich etwas aus der Affäre ziehen, telefoniert einfach lauter und wendet sich etwas von ihm ab. Als er dann endlich weg ist,  sind wir froh, können mal etwas relaxen und in Ruhe nachhause telefonieren. Rausgehen dürfen wir nicht, aber wir können Essen und Getränke von einem Restaurant nebenan bestellen. Wir entscheiden uns für typisches pakistanisches Essen: DalGemüsecurry und dazu Naan-Brot!Es klopft und der „Fuzzy“ steht wieder an der Türschwelle. Er will mit uns raus gehen, uns die Gegend zeigen und mit uns etwas Essen gehen. Aus verschiedensten Gründen lehnen wir mehr oder weniger höflich ab.

In der Hoffnung nun endlich Ruhe zu finden und morgen ohne Eskorte fahren zu können gehen wir schlafen.

Es klopft, nicht mehr!

 

Freitag, 27.10.2017, Rahim Yar Khan-Multan: 289 km

Der heutige Tag verläuft ähnlich wie der Gestrige! Die Eskorten schleichen mit uns über den pakistanischen Highway, der Verkehr in den Städten raubt uns den letzten Nerv. Bei einem der Eskortenwechsel dann eine komische Frage von den Polizisten: „Wie schnell könnt ihr fahren?“ Wir sind verwundert, doch hoffen nun vielleicht schneller voran zu kommen: „So schnell ihr wollt!“ Sie scheinen nicht überzeugt zu sein und fragen noch mehrere Male wie schnell das Motorrad denn fahren könnte. Wir versichern ihnen, dass 180 km/h für uns in Ordnung gehen und warten gespannt was nun passiert. (Anmerkung: Mit Gepäck fahren wir für gewöhnlich höchstens 120 km/h!)

Nach einer Weile kommt eine Limousine an, sie hat anstelle eines Kennzeichens ein Waage Symbol. Demnach wird hier wohl jemand aus dem pakistanischen Justizapparat kutschiert. Man gibt uns zu verstehen, dass wir hinter der Limousine fahren sollen und schon geht’s los. Die Polizei fährt voran, nein, sie fährt nicht voran, sie braust mit einem Affenzahn und heulenden Sirenen durch den dichten Verkehr. Wir erleben die gefährlichsten Überholmanöver seit Beginn unserer Reise. Wir rauschen an Trucks, anderen Autos, Tieren und alles was sich sonst noch so auf den Straßen tummelt in Sekundenschnelle vorbei. Es ist wie in einem Actionfilm! Nur der Spaßfaktor bleibt bei der ganzen Aktion komplett auf der Strecke, denn wir rasen von einer haarsträubenden gefährlichen Situation in die Nächste!  Matze schafft es dran zu bleiben und nach ungefähr 30 km hat der Spuk zum Glück ein Ende. Wir gelangen in den Zuständigkeitsbereich eines anderen Polizeirevieres und Wechseln daher die Eskorte. Die Limousine setzt ihr Rennen ohne Motorrad im Nacken fort.

Wir hoffen heute endlich von den Polizeieskorten frei zu kommen,  doch auch in Multan angekommen werden wir mal wieder zu einem schicken Hotel eskortiert und von den Polizisten stolz durch die schöne Lobby an die Rezeption begleitet. Das günstigste Zimmer soll 6.000 Rupiah kosten. Wieder einmal weit über unserem Budget und wir sind es so leid! Daher greifen wir auf unsere erfolgreiche Taktik von gestern zurück und sagen, dass wir Maximal 3.000 Rupiah zahlen werden (Heute versuchen wir unser Glück also mit einem noch niedrigeren Preis). Die Polizisten verstehen unser Anliegen zuerst nicht, sie sprechen so gut wie kein Englisch. Wir erklären sowohl ihnen als auch dem Rezeptionist, dass wir nicht mehr als 3.000 Rupiah zahlen werden. Nun beginnen Polizei und Rezeption eine heftige Diskussion. Ein Polizist wird richtig wütend und äfft Melli nach. Matze fragt ihn dann ob er ein Problem hätte.  Er verneint… Sie diskutieren untereinander, mit dem Rezeptionisten, sie telefonieren…es fällt immer wieder das Wort „Embassy“. Wir fragen den Rezeptionisten ob wir bitte mal das WiFi Passwort kriegen könnten? Nein, kein W-Lan hier. Und nein, es gäbe auch kein günstigeres Zimmer. Uns egal, dann sollen die Polizisten uns doch bitte in ein Hotel mit angemessenen Zimmerpreisen bringen. Nein, das würde nicht gehen, dieses hier ist das Einzige das Ausländer aufnehmen kann! Wir könnten nur in diesem Hotel schlafen, da wir nur ein „NOC“ zum Reisen haben, und keins für Hotels. Nun wird ihre Argumentation also auch noch ziemlich lächerlich. Uns auch egal, wir haben ein Zelt, dann sollen sie uns halt irgendwo günstig zelten lassen, von uns aus gerne in der Polizeistation. Darauf wollen sie sich nicht einlassen. Sie sind total genervt und wir haben das Gefühl sie würden uns am Liebsten einfach alleine lassen, nur dummerweise scheinen sie das partout nicht zu dürfen. Wir haben mittlerweile auf den Sesseln in der Lobby Platz genommen, Polizei und Rezeption streiten nach über einer Stunde noch immer, es wird wieder telefoniert. In der Zwischenzeit ist wieder einer vom Geheimdienst vorbeigekommen um die gewohnten Fragen zu stellen. Alles wie gehabt. Matze fragt dann ob es möglich ist raus zu gehen und auf eigene Faust durch Multan zu laufen. Er schaut auf die Uhr und sagt, dass es nach 18:00 Uhr nicht möglich ist. Matze fragt ob es davor möglich gewesen wäre und er sagt ganz trocken: „Nein.“ Beide fangen an zu lachen und geben sich die Hand.

Einer der Polizisten meint dann irgendwann wir können jetzt einchecken. Wir sind kurz vorm Ausrasten, hat er es denn immer noch nicht verstanden? Doch der Rezeptionist reicht uns den Schlüssel: „Roomrate 3.000 Rupees Mister“. Geht doch…

Gregor stellen wir auf dem nahegelegen Hotelparkplatz ab, beim Gepäck holen weicht uns der Sicherheitsmann des Hotels bewaffnet mit einer Schrotflinte nicht von der Seite.  Man bringt uns zu unserem Zimmer, welches tatsächlich im sogenannten „Ausländer-Flügel“ liegt. Wie auch bei den anderen Hotels ist dieses Zimmer seinen ursprünglichen Preis nicht Wert. Nach einer Dusche wollen wir versuchen raus zum Abendessen zu gehen, doch wie erwartet: man lässt uns nicht. Wir essen daher im hoteleigenen Restaurant eine große Portion „Vegetable Biryani“ und Dal bevor wir schlafen gehen. Kaum hingelegt klingelt das Telefon auf unserem Nachttisch, es ist die Rezeption die wissen will wann wir morgen früh fahren werden. Wir entgegen 10 Uhr und versuchen zu schlafen. Nachdem wir schon längst eingeschlafen sind klingelt das Telefon erneut! Es wäre wieder Polizei für uns in der Lobby und wir sollen sofort kommen, na super! Wir ziehen uns wieder an, Melli sucht was mit langen Armen und ein Tuch für ihr Haar. Verschlafen schlendern wir zur Rezeption und hoffen schnell wieder zurück ins Bett zu kommen. Doch es begrüßen uns wiedermal zwei junge Herren des Inter-Services-„Intelligence“ (Militärnachrichtendienst des Streitkräfte Pakistans). Mit diesem durften wir bereits in Dalbandin Bekanntschaft schließen, daher sind wir auf das Schlimmste gefasst. Einer der Agenten beginnt mit den typischen Standardfragen á la Visumsantrag nach Namen, Geburtsdatum, Familienstand, Anschrift, Beruf, Telefonnummern und will alles auch fein säuberlich notieren. Sein Kollege  scheint total genervt von dem Quatsch zu sein, unterbricht ihn und kommt lieber gleich zur Sache. Wo wir hinwollen, was für eine Art Reise wir unternehmen, wie wir unsere Reise finanzieren, welche Route wir hier in Pakistan fahren wollen…. Wir antworten eher langsam und mit Bedacht, werden dadurch direkt dumm angemacht und herablassend behandelt. Ob wir sie denn nicht verstehen würden, ob wir denn kein Englisch sprechen könnten. Wir entgegnen ihnen, dass wir bereits geschlafen haben, noch nicht wieder richtig wach und müde sind. Sie werden wieder ein wenig freundlicher. Wir beantworten alles und stellen im Anschluss auch selbst viele Fragen. So viele Dinge ergeben einfach keinen Sinn für uns und wir würden so gerne verstehen was das alles soll! Manche Overlander dürfen sobald sie die Provinz Beluchistan verlassen haben alleine fahren, andere hier ab Multan, andere erst ab der Grenzstadt Lahore. Wir wollen wissen wann die Eskorten für uns enden werden. Denn wir spielen schon länger mit dem Gedanken auf den berühmten Karakorum Highway im Norden Pakistans zu verzichten, wenn das mit den Eskorten so weitergeht. Wir fragen, ob denn die Chance besteht irgendwann ohne Eskorten fahren zu können. Die Agenten antworten gleichzeitig und ohne zu zögern blitzschnell: Der eine mit einem Ja, der andere im selben Moment mit einem Nein! Wir müssen lachen, auch wenn uns eigentlich nicht zum Lachen zu Mute ist. Das ganze wird lächerlich und es macht keinen Sinn mehr. Der ungeduldige Agent scheint ebenfalls die Schnauze voll zu haben, während sein Kollege weiter auf uns einredet. Wir haben bereits viele Beamte gefragt, warum wir denn eskortiert werden. Jedes Mal lautete die Antwort: „Security Reason.“ Diese Frage stellen wir dann den Geheimdienstfuzzies auch noch. Der überkorrekte Agent entgegnet uns: „Because you are men and woman“, während der Ungeduldige ihn anweist die Klappe zu halten. Was sollen wir jetzt von all dem halten? Höflich verabschieden wir uns von den Geheimdienstagenten und sind froh nun endlich schlafen gehen zu können!

Unser ursprünglicher Plan war es den Karakorum Highway im Norden Pakistan zu bereisen. Dieser führt bis zur chinesischen Grenze und soll wunderschön sein. Aber wir haben so langsam keinen Bock mehr! Wenn wir wirklich bis nach Lahore eskortiert werden, überlegen wir ernsthaft von dort direkt nach Indien weiter zu fahren.

 

Samstag, 28.10.2017, Multan-Lahore: 370 km

Wir stehen früh auf, räumen schnell unsere Sachen aus dem Hotelzimmer zusammen und gehen in Begleitung des Sicherheitsmannes raus um das Motorrad fertig zu packen. Noch ist keine Polizei in Sicht. Da wir ausnahmsweise unsere Reisepässe schon wieder in der Tasche haben müssen wir nicht mehr an die Rezeption und auf die Polizei warten. Wir wollen schnell los fahren, in der Hoffnung ohne Eskorte weiter zu können, doch dann taucht sie in Windeseile auf. Also verlassen wir auch Multan hinter einem Eskortfahrzeug und das gleiche Spiel wie jeden Tag beginnt von Neuen. Nach manchmal längeren und manchmal kürzeren Strecken müssen wir an Checkpoints anhalten da die Eskorten wechseln. Mal geht das ruckzuck, mal dauert es elend lange. Dann halten wir Schwätzchen mit den Polizisten und posieren brav wenn sie Fotos oder Selfies mit uns wollen. Wir werden mit heulenden Sirenen durch die chaotischen Städte gehetzt und wenn wir mal wieder über den Highway schleichen versuchen wir mit Gesten die Polizistin zum schneller fahren zu animieren. Einmal klappt das und die Eskorte deutet uns an sie zu überholen und Gas zu geben. Das lässt sich Matze nicht zweimal sagen und wird düsen davon. Endlich kommen wir mal voran, können die lahmen Trucks überholen und haben unser geliebtes Freiheitsgefühl zurück. Doch zu früh gefreut, irgendwann will uns am Straßenrand wieder eine Polizeieskorte abfangen! Allerdings steht diese auf der anderen Seite des 3-spurigen Highways und dadurch können wir leider nicht richtig anhalten und fahren ohne zu zögern zügig weiter. Beim nächsten Mal stehen sie auf der richtigen Seite und fangen uns dann doch ab. Dieses Spiel geht noch eine Weile so weiter doch irgendwann schaffen wir es wirklich der Eskorte zu entkommen und wir werden auch nicht mehr abgefangen. Nachdem wir erstmal viele Kilometer „Sicherheitsabstand“ zwischen uns und der letzten Eskorten rausgefahren haben, gönnen wir uns die erste Pause in Pakistan am Straßenrand ohne Polizei.

Bis zu unserem heutigen Tagesziel Lahore sind es noch einige Stunden Fahrt. Die Zeit vergeht wie im Flug, denn wir können in unserem Tempo fahren und pausieren wann und wo wir wollen.

Bisher hatten die Polizisten immer jeden der uns zu nahe kam verscheucht. Jetzt genießen wir einen Tee an einem kleinen Straßenstand und werden sehr freundlich behandelt. Bei unserer nächsten Pause an einer Tankstellte bekommen wir von den Einheimischen Stühle gebracht, man lädt uns zum Tee ein. Alle sind sehr höflich zu uns, reichen auch immer Melli die Hand. Einige sprechen gutes Englisch und viele Pakistanis wirken fast schüchtern uns gegenüber. Bevor sie ein Foto oder Selfies machen, fragen sie stets höflich ob dies denn in Ordnung wäre.

Am Nachmittag erreichen wir Lahore, die Stadt versinkt im Smog, wirkt auf uns wie ein riesiger Moloch und der Verkehr ist abartig. Manche Straßen sind nicht asphaltiert, Tuktuks, Autos und Mopeds fahren kreuz- und quer durcheinander wie es ihnen gerade passt. Das Navi führt uns durch einige Seitenstraßen durch die wir uns zu Fuß eher nicht durchtrauen würden. In einer davon gibt es ausschließlich Fleischwaren, links und rechts hängen sämtliche Tierkörperteile und Innereien entlang der Straße aufgereiht. Unser angepeiltes Hotel können wir nicht finden, die Adresse scheint wohl falsch markiert zu sein. Hotelpreise sind online meist nicht angegeben, also machen wir uns auf spontane Hotelsuche. Wichtig ist uns ein sicherer Parkplatz und nach einigem Suchen finden wir ein riesiges Hotel mit Schranke und Sicherheitspersonal. Melli geht in die Lobby nach dem Preis fragen und fühlt sich in ihrer dreckigen Motorradkombi hier total deplatziert, denn wir sind in einem 5 Sterne Haus gelandet in dem selbst das günstigste Zimmer 140 € kostet. (Da gerade die Deutsche Bank hier tagt sind außerdem alle günstigen Zimmer ausgebucht und nur noch Executive Zimmer ab 260 € verfügbar.) Alle Hotels in dieser sicheren Gegend scheinen außerhalb unseres Overlander-Budget zu liegen und wir müssen weiter durch Lahore fahren, was gerade sehr an unseren Nerven zerrt. Im dritten Anlauf werden wir dann mit dem Panoramic View Hotel fündig. Es liegt in einer Seitenstraße der Mall Road, auf der es viele „Geschäfte“ gibt und abends reges Treiben herrscht. Für umgerechnet 36 € bekommen wir hier ein ordentliches Zimmer. Gregor dürfen wir in einer schmalen und düsteren Seitengasse direkt neben dem Hotel parken.Wir freunden uns gleich mal mit dem Sicherheitsmann des Hotels an, er versichert uns ein Auge auf Gregor zu haben. Der Housekeeper unseres Stockwerkes ist super nett, wir seien seine „Specialguests“. Er begleitet uns sogar zu einem Geldautomaten, bietet uns an ihn per Whatsapp zu kontaktieren wenn wir etwas brauchen und er wäre außerdem Masseur, falls Matze eine Fußmassage bräuchte?? Ähm, nein danke. Wir fragen stattdessen ob er uns denn ein Restaurant empfehlen könnte und landen so zum Abendessen im Salt`n Pepper. Dieses liegt einen kurzen Fußmarsch entfernt auf der Mall Road, auf der wir uns sicher fühlen und übertrifft unsere Erwartungen. Unser Kellner ist super nett, das Essen verdammt lecker. Das Salt´n Pepper ist eine Restaurantkette die auch Filialen in Islamabad, Karachi und sogar London hat. Das Ambiente wirkt für unsere Verhältnisse mittelmäßig, die Preise günstig. Um uns herum sitzen viele pakistanische Familien  die eher wohlhabend wirken. Auch hier gibt es bewaffnetes Sicherheitspersonal vor der Tür! Wir essen eine Kombination aus typischen pakistanischen Gerichten: pikantes Boneless Chicken Handy, Vegetabel Biryani, Raita und Kachumar Salat. Dazu gibt es leckeres Knoblauch-Nanbrot. Ein schönes Gefühl das Hotel verlassen zu dürfen, und ein noch schöneres Gefühl in ein Restaurant essen gehen zu können!

Nach dem ganzen Stress mit den Eskorten durch Südpakistan die letzten Tage können wir morgen nicht weiterfahren. Wir brauchen dringend eine Pause und überlegen uns in aller Ruhe die weitere Route! Auch wenn Lahore ein Drecksloch sein mag, wir haben hier immerhin ein anständiges Zimmer und dürfen uns endlich frei bewegen!

 

Sonntag, 29.10.2017, Lahore: 0 km

Wir schlafen heute erstmal aus und gehen dann zum Frühstückbuffet. Es gibt Toast mit Ananasmarmelade, ein scharfes Kartoffelgericht, Reis und Pfannkuchen. Als Getränk wird der für  Pakistan typische Chai serviert, leider viel zu süß! Kaffee gibt es schon seit dem Iran nicht mehr. Es gibt höchstens ekligen Instant-Nescafédreck, wir vermissen wirklich richtig guten Kaffee sehr.

Gegenüber von unserem Hotel befindet sich ein kleiner Teestand, hier wird der Chai noch traditionell zubereitet.Er schmeckt uns viel besser als im Hotel und der Preis von 25 Cent lässt sich auch verschmerzen. Da wir uns endlich frei bewegen können steht uns der Sinn nach ein wenig Sightseeing. Um uns den stressigen Verkehr zu ersparen, lassen wir uns mit einem Tuktuk durch die Stadt fahren. In der Nähe der Badschahi Mosche werden wir abgesetzt und suchen deren Eingang. Dabei kommen wir an der Food Street vorbei, die im Rotlichtbezirk neben der alten Stadtmauer eingerichtet wurde. Leider sind die Restaurants in den jahrhundertealten, restaurierten Häusern aber gerade geschlossen.  Wir schlendern weiter durch ein paar ruhige Straßen und wundern uns was hier alles so auf der Straße liegt?Irgendwann finden wir dann auch den Eingang zur Moschee, bevor wir reindürfen müssen wir noch unsere Schuhe abgeben und Melli ihre Haare bedecken.Die Moschee ist wirklich sehr schön, doch es dauert nicht lange und schon sind wir die Hauptattraktion! Während Matze aus dem Hintergrund das Treiben vor der Moschee beobachtet, schaut sich Melli ein wenig alleine um. Direkt ist sie von Pakistanis umringt, die Fotos und vor allem Selfies mit ihr machen wollen. Alle Fragen immer zuerst ganz höflich ob es denn in Ordnung sei. Wo wir herkommen wollen sie wissen, wie wir Pakistan finden, wo wir schon überall waren und noch hinwollen…Es werden immer mehr und es ist kein Ende in Sicht. Irgendwann wird es Melli dann zu viel und sie macht sich aus dem Staub. Auch Matze muss für Selfies mit den Mädels posieren. Jetzt wissen wir wie sich Hollywood-Stars fühlen 😉 In einem Seitengang machen wir noch ein paar Fotos, da kommt ein Pakistani auf uns zu: „Meine Frau möchte Sie gerne kennenlernen, ist dies okay für Sie“? „Klar, warum nicht!“ Wir reichen ihm und seiner voll verschleierten Frau die Hand. Sie redet nicht mit uns, wir wissen nicht ob sie das nicht darf oder sich nicht traut, so sprechen wir ein wenig mit ihrem Mann über ihr süßes Baby. Durch den angrenzenden Park, den wir leider aufgrund des Smogs nicht richtig genießen können, geht es zum Ausgang.Die Wachmänner am Ausgang möchten dann natürlich auch noch ein gemeinsames Bild!

Zurück am Hotel spazieren wir noch ein wenig durch die umliegenden Straßen. Die Gegend ist nicht ganz so schlimm und es gibt viele Geschäfte und Essenstände. 

Wir testen dann auch pakistanisches Street Food: Köstliches, scharfes Omelette mit leckerem Naanbrot (Preis 1 €).

Den Rest des Tages ruhen wir uns im Hotel aus und am Abend gehen wir wieder ins Salt`n Pepper essen.

Auch wenn Lahore eine sehr dreckige und chaotische Stadt ist, uns hat es hier irgendwie doch gefallen! Nun, da wir wieder „frei“ sind, haben wir uns dazu entschieden den viel gelobten Karakorum Highway in Nordpakistan zu bereisen. Schließlich werden wir wohl nie wieder mit dem eigenen Motorrad nach Pakistan fahren!  Jetzt heißt es 1000 km rauf und danach wieder runter, sofern es nicht bereits zu kalt für uns dort oben ist!

Reisetagebuch Kapitel 9.2: Blütenstern

Montag, 23.10.2017 Dalbandin-Quetta: 340 km

Auch heute klingelt früh unser Wecker und wir sind froh das schäbige Hotelzimmer verlassen zu können. Als wir das Motorrad packen bekommen wir unverhofft vom Hotelier Omelette und Tee serviert. Dieses ist entgegen aller Erwartungen geschmacklich eines der besten Omelettes das wir je gegessen haben. Ob es nur an der Erwartungshaltung liegt oder ob es wirklich so gut ist können wir nicht sagen. Kurz darauf setzen wir unsere Fahrt durch Belutschistan hinter einem Eskortfahrzeug der Levies fort. In Dalbandin teilen wir uns die Straße mit Eselskarren und Ziegen.

Leider haben wir uns die letzten zwei Tage nicht wirklich getraut Bilder zu machen. Gerade an Grenzübergängen oder an militärischen Einrichtungen sind Kameras verboten.  Heute filmen wir unterwegs einfach ab und zu mit unserer Sony-Actioncam und niemand beschwert sich.

Um uns herum herrscht die pure Armut, Menschen sitzen in verdreckten Kleidern vor ihren Hütten und Häusern. Händler verkaufen Lebensmittel und allerlei andere Dinge entlang der Straße, es ist ein seltsames Gefühl hier durchzufahren.

Wir sehen keine einzige Frau in diesem Ort und auch nicht in den folgenden Siedlungen…( „Pakistan is a free country“)

Die heutige Strecke führt uns über gute und schlechte Straßen, mitten durchs Nirgendwo,  vorbei an endlosen Wüsten, Sanddünen und sogar Kamelen.

Wieder stoppen wir an unzähligen Checkpoints, wieder wechseln mehrfach die Eskortfahrzeuge. Heute läuft allerdings alles etwas schneller, denn manche Eskorten reichen in fliegendem Wechsel ein Papier ins nächste Auto auf dem alle der gefragten Daten von uns draufstehen und schon können wir weiter fahren. Dennoch müssen wir ab und zu auf das nächste Eskortfahrzeug warten und auch wieder unzählige Male sämtliche unserer Daten in dicke Bücher eintragen! Normale Tankstellen gibt es hier keine, allerdings hin und wieder Zapfsäulen mit Handbetrieb an Fässern. An einer solchen wollen unsere Levies allerdings nicht anhalten, so bekommen wir Benzin aus einem Plastikkanister am Straßenrand verkauft. Am Nachmittag fahren wir zunehmend durch kleinere Siedlungen und die Landschaft besteht nicht mehr gänzlich aus Wüste. Vor den Lehmhäusern stehen oft Brunnenanlagen und es wird vereinzelt auch Getreide oder Gemüse angebaut.

Autos begegnen uns immer noch selten.Manchmal allerdings Traktoren, Eselskarren oder Fahrräder. Die Region Belutschistan ist reich an Bodenschätzen, die Bevölkerung  gehört allerdings zu den ärmsten Pakistans. Eine Infrastruktur ist kaum vorhanden, genauso wenig wie Stromzufuhr und sauberes Trinkwasser. 88 % der Belutschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Mit der Zeit wird die Strecke immer bergiger und abwechslungsreicher, wir scheinen die Wüstenregion zu verlassen.

Der Verkehr nimmt zu, ab und an überholen wir mehrere stark bewaffnete Soldatentruppen. Einige Kilometer vor Quetta stoppen wir für länger an einem Militärposten. Während unsere Pässe kontrolliert werden und wir auf den Eskortenwechsel warten müssen, halten auch einige pakistanische Reisebusse. Die Passagiere sitzen nicht nur im Bus, sondern sogar auch auf dem Dach! Rein in die Stadt geht es für uns dann nicht mehr hinter den Levies, sondern ab jetzt übernimmt die Polizei. Der Verkehr in Quetta ist absolut chaotisch, und die Polizei will uns hier schnellstmöglich durchschleusen. Im fliegenden Wechsel ändern sich unterwegs die Eskortfahrzeuge, zunächst der übliche Pickup, dann ein komplett gepanzertes Fahrzeug und am Ende sind es nur zwei Polizisten auf einem Moped. Sowohl der Fahrer als auch der Sozius haben die AK47 umhängen und gekonnt schlängeln sie sich durch das Chaos. Wir können mit unserer breiten und schweren Maschine nur mit Mühe und Not folgen, quetschen uns vorbei an Tuktuks, Mopeds, allerlei Tieren und Trucks.

Ein kleines Motorrad fährt gegen einen unserer Koffer, aber nichts geht zu Bruch! Die Armut am Straßenrand erschlägt uns, die Straße selbst ist zwar asphaltiert aber daneben gibt es nur Staub und Dreck. Am Straßenrand werden auf Karren Gemüse und Fische verkauft. Metzger bieten frisch geschlachtete Tiere an, daneben Mülldeponien auf denen barfüßige Kinder spielen und Ziegen nach Essbarem suchen.

Als wir endlich im Bloom Star Hotel auf den Hof rollen ist es bereits Nachmittag. Die Zimmer sind mies und teuer (45 USD pro Nacht), aber eine wirkliche Alternative haben wir nicht. Das Hotel dürfen wir nicht verlassen, wir sind uns auch nicht sicher ob wir es denn überhaupt verlassen wollen! Die Sicherheitslage in Quetta ist äußerst prekär, die Statistiken über unzählige Bombenanschläge und Attentate verdeutlichen uns dies. Letzte Woche gab es einen Bombenanschlag auf einen Polizeitruck bei dem 7 Polizisten ums Leben kamen.

Gegen 19 Uhr bekommen wir von einem Angestellten total überteuertes Abendessen serviert. Er fragt uns im Flüsterton ob wir denn ein Bier wollen. In Pakistan wäre Alkohol für Nicht-Muslime gestattet, Matze kann nach der anstrengenden Passage ein Bier vertragen und wir sagen zu. Für schlappe 10 USD bekommen wir so unterm Tresen zwei Dosen pakistanisches Bier verkauft.

Leider schmeckt es genauso wie das Abendessen nicht wirklich lecker.

An der Rezeption taucht ein Typ auf, welcher genauestens unsere Reisepässe sichtet. Wahrscheinlich wieder so ein „Geheimdienstfuzzy“…

Wir verdrängen lieber die Gedanken über alle Attentate und Anschläge hier in Quetta und gehen in unsere Schlafsäcke schlafen.

Dienstag, 24.10.2017, Quetta Hotel Bloom Star

Ohne ein sogenanntes „Non objection Certificate“ (NOC) dürfen wir nicht weiter reisen. Daher organisieren uns die Hotelmitarbeiter eine Polizeieskorte, die uns zur ausstellenden Behörde fahren. Doch wir dürfen erst los nachdem wieder der „Fuzzy“ auftaucht, den man glatt für ein Taliban Oberhaupt halten könnte. Auf der Ladefläche eines Polizeiautos werden wir neben zwei bewaffneten Polizisten durch die Stadt gefahren. Auch auf dem Fußweg bis zum Gebäude werden wir begleitet.

Im Home Department Office von Quetta geht es dann wirklich zu wie bei Asterix und Obelix auf der Suche nach dem Passierschein 38a: Wir starten in Büro A, wo wir allerlei Papierkram ausfüllen. Über einen langen Flur und einige Stockwerke höher geht es dann zu Büro B, wo wir eine Weile warten müssen, während unsere Daten von Hand in irgendwelche Bücher eingetragen werden. Wir müssen in einen anderen Teil des Gebäudes im Büro C Platz nehmen. Der Beamte dort prüft irgendwas und ruft per Telefon einen Kollegen an, der uns im Anschluss mit einigen Unterlagen quer über mehrere Flure zu Büro D bringt. Dort werden die Unterlagen geprüft, wieder Bücher ausgefüllt und ab geht es zurück zu Büro C. Es passiert nicht wirklich was, doch dann werden wir zum Büro F gebracht. Hier scheinen wir beim Hauptabteilungsleiter gelandet zu sein. Dieser hält ein Schwätzchen mit uns, unterschreibt einen Zettel, bietet uns Tee an und schickt uns zurück zu Büro B. Mal wieder müssen wir eine Zeitlang warten. Am Schluss geht es zurück ins Büro A wo wir dann endlich unser NOC bekommen. Es ist ab Morgen gültig und eine Kopie dieses Dokuments geht an alle Polizeichefs Belutschistans, damit sie wissen dass wir kommen um uns eskortieren zu können. Auf dem Rückweg bitten wir die Polizisten dann noch an einem ATM zu stoppen, damit wir pakistanische Rupees abheben können. Auch die pakistanischen Banken sind immer von bewaffneten Sicherheitsleuten bewacht. Zurück im Hotel bleibt uns nicht viel zu tun, wir relaxen etwas im Innenhof und lassen uns wieder von dem schlechten Essen bringen. Am Abend klettern wir für ein winziges Freiheitsgefühl aufs Hoteldach während die Sonne über Quetta untergeht.

In Pakistan sind wir zum ersten Mal wirklich in einer anderen, unbekannten und befremdlichen Welt angekommen. Unsere ersten Tage hier waren unglaublich stressig, anstrengend, chaotisch und teilweise beängstigend! Wir hoffen und gehen auch davon aus, dass wir bald ohne Eskorten fahren können. Uns wurde von Home Department und Hotel zugesichert, dass wir außerhalb der Provinz Belutschistan frei fahren dürfen. Allerdings haben wir von anderen Overlandern dazu unterschiedliche Aussagen gehört! Gespannt auf den morgigen Tag gehen wir früh zu Bett.

 

 

Mittwoch, 25.20.2017, Quetta- Sukkur: 398 km

Immerhin ist bei unserem überteuerten Hotelzimmer ein kleines Frühstück inkludiert und so starten wir nicht mit leerem Magen in den Tag. Unsere Eskorte ist auch schon da, allerdings dürfen wir erst los als der ominöse Typ von gestern erneut auftaucht und sein Okay gibt. Nachdem die Hotelangestellten noch ein paar Fotos von uns gemacht haben können wir los.

Hinter einem Polizeiauto brausen wir durch das dreckige, chaotische und gefährliche Quetta. Wieder  geht es zunächst durch den engen Verkehr der Innenstadt bis wir die Vororte erreichen. Es ist unglaublich heiß heute! Bei den Eskortenwechseln werden wir oft gnadenlos gehetzt um schnellstmöglich weiter zu fahren! Oder wir müssen ewig am Straßenrand in unseren Motorradklamotten schwitzend in der Hitze warten bis eine neue Eskorte aufkreuzt und wir endlich weiter dürfen. Total genervt fragen wir dann die Polizisten wann es endlich weiter geht, denn wir würden gerne ankommen, und zwar heute noch! Wir haben für uns beide gerade mal 1,5 Liter Wasser dabei und es gibt nicht ein einziges Mal eine Möglichkeit zur Pipipause. Manchmal schleichen die Eskortfahrzeuge unglaublich langsam daher, wir könnten so viel schneller vorankommen ohne sie! Angeblich sollen wir ja außerhalb der Provinz Belutschistan ohne Eskorte fahren können. Doch auch als wir nach über 6 Stunden die Provinz Sindh erreichen, haben wir immer noch ein Eskortfahrzeug vor uns. Die Landschaft und auch die Menschen die wir sehen ändern sich hier im Vergleich zum Wüstenstaat Belutschistan schnell. Wir fahren entlang grüner Baumwollplantagen, in denen bunt gekleidete Frauen und Mädchen sitzend Baumwolle pflücken.

In Wasserlöchern kühlen sich Wasserbüffel ab, und der Verkehr nimmt zu. Neben den bunten pakistanischen Trucks und vereinzelt ein paar Mopeds teilen wir die Straße mit Eselskarren, Pferden, Ochsenkutschen, Autos und ab und an ein Kamel. Einmal zieht sogar eine Karawane an uns vorbei. Als es langsam beginnt zu dämmern und wir so langsam auch nicht mehr weiter können, versuchen wir auch das den folgenden Eskorten zu erklären. Sie nicken immer, und entgegen uns „Sukkur“. Dies ist eine noch über zwei Stunden entfernte Stadt! Bei jeder neuen Eskorte erklären wir dass wir nun endlich in ein Hotel wollen, doch es ist als reden wir gegen eine Wand. Jedes Mal werden wir bloß schnellstmöglich zum nächsten Checkpoint gebracht. Es ist mittlerweile schon dunkel, wir sind stinksauer und fix und fertig. Diese zwei Stunden sind die schlimmsten Stunden auf unserer bisherigen Reise und auch darüber hinaus. Mit den Kräften am Ende, Schmerzen am ganzen Körper und einem letzten Rest Konzentration quälen sich Matze, Melli und Gregor hinter der Eskorte durch die Dunkelheit. Kurz vor der Stadt dann die erlösende Frage des nächsten Polizisten: „Which Hotel?“ Hier in Pakistan gibt es keine Hotels bei den üblichen Portalen wie Booking.com oder Expedia zu finden. Über Google findet man vereinzelt mal eins, allerdings ohne Bewertungen und Preise. In der Navigationsapp „Mapsme“ die viele Overlander benutzen, wurden aber zu Glück auch einige Hotels mit Bewertung und Preis eingetragen. Im Voraus hatten wir uns bereits Hotels in der App markiert und so halten wir ihm eins davon unter die Nase. Bereits in Quetta und Dalbandin hatten wir keine Wahl, mussten in heruntergekommenen und gleichzeitig verdammt teuren Hotels schlafen. Der Polizist nickt, wir fahren durch sehr abgelegene Viertel der Stadt und sorgen uns schon ob wir eine gute Wahl getroffen haben. Doch das „Decent Lodge Guesthouse“ liegt dann in einer Seitenstraße der Hauptstraße, auf der es Geschäfte und Restaurants gibt. Und Gregor parken wir direkt vor der Rezeption. Die Polizisten begleiten uns hinein, weichen uns nicht von der Seite. Zuerst diskutieren sie ewig mit dem Rezeptionist, wir vermuten es geht darum ob wir hier bleiben können. Endlich können wir einchecken, der Hotelangestellte ist nicht gerade freundlich zu uns. Der versiffte Hotelflur und die offenen Türen zu Gemeinschaftsstehklos lassen und schlimmes erahnen. Doch unser Zimmer für umgerechnet 26 € die Nacht ist relativ sauber und hat ein eigenes Bad. Wir sind vollkommen ausgehungert, es gab für uns keine Möglichkeit unterwegs irgendetwas zu essen, also wollen wir raus. Doch die Polizisten sitzen noch vor der Rezeption und wollen uns nicht gehen lassen. Wir sind einfach nur noch fertig. Den ganzen Tag sind wir durch die Hitze gefahren, ohne viel zu trinken, ohne Pipipausen, ohne auch nur eine kurze Erholungspause, ohne zu Essen. Und dann auch noch durch die Dunkelheit und viel länger als wir eigentlich in der Lage waren zu fahren. Melli hat heftige Migräne und Anzeichen eines Hitzestiches. Nach endloser Diskussion mit Polizei und Rezeption dürfen wir dann doch in ein Fastfood-Restaurant auf der Hauptstraße gehen. Die Restaurants haben eigene Sicherheitsleute an den Türen, vielleicht dürfen wir deshalb hierher? Pizza und Burger sind dann auch eher die Kategorie der Hunger treibst rein! Wir können nicht viel essen und nehmen uns den Rest mit. Zurück im Hotel nervt uns wieder die Polizei, denn sie will unbedingt wissen wann wir morgen losfahren wollen. Wir haben keine Lust uns jetzt auf eine Uhrzeit für morgen festlegen zu müssen. Das Einzige was wir gerade wirklich wollen ist Schlafen!

Reisetagebuch Kapitel 9.1-Im Land der Ducktales

Samstag, 21.10.2017 Mirjaveh-Taftan: 14 km

Pünktlich um 7 Uhr kommt die iranische Militäreskorte uns auf das Hotelgelände abholen. Während der Fahrt sitzen mehrere bewaffneten Soldaten auf der Ladefläche des Pickups. Ein besonders Junger und Pummeliger spielt Luftgitarre mit seiner Kalaschnikow und trällert dazu ein Liedchen vor sich hin. Diese Eskorte bringt uns bis zum wenige Kilometer entferntem Militärcheckposten, an dem es gestern für uns nicht mehr weiter ging. Hier warten bereits Dutzende LKW und vollbeladene Transporter darauf die Grenze passieren zu dürfen. Bevor wir weiterfahren können, wandern unsere Reisepässe  noch durch die Hände mehrerer iranischer Soldaten. Mit einem flauen Gefühl im Magen erreichen wir den pakistanischen Grenzposten. Doch wir werden freundlich begrüßt, direkt bietet uns ein Pakistani seine Hilfe beim Ausfüllen der Papiere an und bringt uns ins richtige Büro.  Dort werden unsere Pässe kontrolliert, Fotos aufgenommen und nach einer Weile heißt es für Matze „Welcome to Pakistan“. Er verlässt das Gebäude und wechselt Geld, während Melli vom Grenzbeamten: „you are not allowed to enter Pakistan“ zu hören bekommt.  Was für ein Schock! Allerdings wollte er sich bloß einen Spaß erlauben und alle lachen sich kaputt.  Wir dürfen danach bei den pakistanischen Soldaten im Schatten sitzen und bekommen Wasser von ihnen. In große Bücher müssen wir sämtliche unserer Daten wie Passnummern usw. von Hand eintragen.  Als auch die Formalitäten für Gregor erledigt sind werden wir zur Grenzstation der Levies eskortiert. Die Levies sind eine paramilitäre Einheit, die jeden ausländischen Reisenden bei seiner Fahrt durch die Provinz Belutschistan eskortiert. Die Frage ist jetzt nur ob dies noch heute geschieht!

Als wir gestern Nachmittag zur Grenze kamen hatten wir darauf gehofft die Nacht bei den pakistanischen Levies verbringen zu können, um am Morgen rechtzeitig los zu kommen. Und heute Morgen waren wir um 7 Uhr an der iranischen Seite der Grenze, früher ist sie nicht geöffnet. Aufgrund der unterschiedlichen Zeitzonen ist dann in Pakistan bereits 8:30 Uhr! Wir erfahren dass bereits heute Morgen gegen 8 Uhr (pakistanischer Zeit) eine Eskorte gestartet ist und wir sollen abwarten. Ein freundlicher Levie will für uns abklären ob wir heute noch weiter können. In der Zwischenzeit kommen immer wieder pakistanische Beamte zu uns und machen Fotos von uns und unseren Pässen mit ihren Smartphones. Wir haben keine Ahnung was das soll! Melli fühlt sich hier mit Kopftuch wohler, doch wird vom Stationschef daraufhin gewiesen dass sie es abnehmen kann, denn „Pakistan is a free country“.

Gegen Mittag erfahren wir dann, dass wir erst morgen unsere Eskorte bekommen.  Alles Planen hat uns also wenig gebracht! Eine wichtige Lektion unserer Reise: Selten läuft alles wie geplant und wir haben gelernt uns mit den entsprechenden Situationen zu arrangieren. Was bleibt uns auch anderes übrig? Das schwer bewaffnete Paramilitär entscheidet wann es weitergeht, wir sind dankbar für ihren Schutz und wollen uns auch lieber nicht mit den Jungs anlegen 😉 Die Grenzstation der Levies dürfen wir aus Sicherheitsgründen nicht verlassen! Sie besteht aus einigen Büros  und weiteren schäbigen Räumen ohne richtiges Mobiliar, mehreren Gefängniszellen und hat einem Innenhof auf dem einige Fahrzeuge parken. Es gibt auch nur ein einziges „Stehklo“ mit einem Eimer zum Spülen.

Der Chef lässt uns in einem Büro ausruhen, denn mittags um diese Zeit geht er auch immer schlafen!

Wir verbringen den Tag mit Hörbuch hören und es kommen immer weitere Pakistanis für Fotos von uns und den Pässen, manche steckten sich auch lieber gleich eine Passkopie ein… Die Levies bringen uns sogar Essen vorbei: Mittags Fladenbrot und Dal (eine Art Linseneintopf) und abends bekommen wir sogar ein wenig Rindfleisch dazu! Es ist sehr simples aber gleichzeitig auch schmackhaftes Essen und wir sind dankbar für ihre Gastfreundschaft.

Am Abend ist der Innenhof plötzlich voll mit jungen Männern und platzt aus allen Nähten.  Vielleicht ist es eine ganze LKW-Ladung afghanischer Flüchtlinge? Melli ist die einzige Frau weit und breit und traut sich gar nicht raus! Einige Stunden später sind die Typen aber wieder verschwunden. Wir stellen den Wecker bevor wir schlafen gehen, denn morgen soll es früh losgehen.

Das flaue Gefühl im Magen bleibt…

 

 

Sonntag, 22.20.2017 Taftan-Dalbandin: 291 km                    

Der Wecker klingelt und ruckzuck sind wir startklar zum Aufbruch.  Für gewöhnlich braucht Melli morgens etwas länger, aber die bewaffnete Eskorte will sie lieber nicht warten lassen.  Die Levies bitten uns zum Frühstück in ihren Raum. Hier gibt es bloß einen winzigen Gasherd, ein paar Waffenkisten und einen alten Fernsehapparat. Wir nehmen neben den Pakistanis auf dem Boden Platz.

Es gibt Fladenbrot und Chai. Wir steuern noch etwas vom süßen, iranischen Halva bei. Der Chai schmeckt köstlich, er wird vom Dienstältestem aus Tee, Milch, Reis und Allerlei Gewürzen auf der Gasflamme zubereitet.  Nach dem Frühstück schauen alle in die Glotze, es wird durchgezappt und auf dem Bildschirm erscheint Bear Grylls. Alle freuen sich und scheinen ihn sehr zu mögen. Doch dann gibt es einen Szenenwechsel, Bear Grylls schüttelt einem Afroamerikaner die Hand. Als dieser von den Levies als Obama identifiziert wird schalten sie direkt um. Eine Sendung über Affen sagt ihnen dann doch mehr zu 😉 Für uns eine komische Situation, die Levies unterhalten sich nicht wirklich mit uns. Als wir untereinander reden vermeiden wir es Wörter wie Taliban oder Operation Enduring Freedom in den Mund zu nehmen. Für Taliban benutzen wir daher das Deckwort „Ducktales“. Schließlich hat sich unsere Bundeswehr jahrelang an dem amerikanischen Krieg „gegen den Terror“ beteiligt.  Schätzungen zu Folge wurden dadurch mehr als 176.000 Zivilisten in Afghanistan, Irak und hier in Pakistan getötet.

Die Medien haben uns in den Kopf gepflanzt dass jeder der aussieht wie ein Pakistani (Afghane etc.) ein Terrorist sein muss. Wir sind erst seit einem Tag im Land, aber wurden hier herzlichst aufgenommen. Menschen die weitaus ärmer sind als wir haben ihre Mahlzeiten mit uns geteilt! Und nun werden sie uns auf unserer Reise begleiten um uns zu beschützen.

Doch der alte Pickup der Levies will nicht anspringen. Matze hilft mit beim Anschieben. Nach zwei Fehlversuchen sagt er dem Fahrer er solle statt den ersten den zweiten Gang benutzen und schon springt er an. Kurz darauf verlassen wir die Grenzstation hinter dem alten Wagen. Unsere Eskorte besteht in diesem Moment aus Fahrer und Beifahrer, der mit einer Kalaschnikow bewaffnet ist. Die Straße durch Taftan ist in einem relativ guten Zustand, aber abseits der Straße gibt es nur Dreck, Sand und Armut. Bisher fanden wir alle Grenzstädte nicht sehr ansehnlich, aber Taftan ist ein besonders mieses Exemplar. Das Einzig schöne sind die bunten und liebevoll verzierten pakistanischen Trucks, die hier zu Hunderten rumstehen bzw. fahren.

Ungewohnt für uns: Das erste Mal Linksverkehr!

Nachdem wir Taftan hinter uns gelassen haben, geht es immer weiter über die N40, die einzige Straße. Sie führt von der iranischen Grenze bis zur Stadt Quetta. Um uns herum gibt es nur karge Wüstenlandschaft. Zu unserer Linken liegt die afghanische Grenze und am Straßenrand gibt es höchstens mal ein paar Lehmhäuschen, ganz selten kommt uns mal ein Auto entgegen. Wir müssen ständig an Checkpoints anhalten, unser Pässe vorzeigen und folgende Daten in Büchern eintragen: Name, Passnummer, Visanummer, Kennzeichen, Datum, Uhrzeit, Name des Vaters, woher wir kommen und wohin wir wollen. Sobald der letzte Buchstabe eingetragen ist heißt es „Go! Go! Go!“ und wir werden weitergehetzt. Immerhin bekommen wir an manchen Checkpoints  Wasserbecher angeboten. Das Wasser kommt aus großen Behältern und wir überlegen ob wir es trinken sollen. In dieser Situation wäre eine Durchfallerkrankung wohl das „Worst Case Szenario“, aber es ist brütend heiß und wir trinken zumindest ein wenig.  Ab und an wechseln auch die Eskortfahrzeuge und die Levies.  Auf manchen Streckenabschnitten gibt es nur Fahrer mit bewaffnetem Beifahrer, aber oft sitzen auch zusätzliche zwei bis drei Levies mit AK47 im Anschlag auf der Ladefläche. Nach 126 km und vielen Checkpoints erreichen wir eine erste Siedlung, Nok Kundi, welche nur aus Militärgebäuden zu bestehen scheint. Hier müssen wir sogar innerhalb von 800 Metern zweimal stoppen um alle unsere Daten in Büchern einzutragen! An einem folgendem Checkpoint mitten im Nirgendwo müssen wir einen längeren Stopp einlegen, denn es steht gerade kein Fahrzeug zur Verfügung. In einem winzigen Steinhäuschen direkt an der Straße nehmen wir mit den Levies auf dem Boden Platz, so sind wir wenigstens vor der Sonne geschützt. Wir werden zum Chai eingeladen und unterhalten uns so gut wie es geht mit dem Paramilitär. Stets werden wir nach dem Namen unseres Heimatlandes gefragt, ob wir verheiratet sind und Kinder haben.  Mit einem uralten Satellitentelefon wird mit unserem nächsten Eskortfahrzeug Kontakt aufgenommen. Melli nutzt die Chance und fragt nach einer Toilette, der Levie zeigt auf einen winzigen Hügel in der Wüste auf der gegenüberliegenden Straßenseite 😉

Gegen 15 Uhr erreichen wir den kleinen Ort Yakmach, wo wir anderthalb  Stunden warten müssen. Die Wartezeit verbringen wir mit den Pistazien aus dem Iran, knabbern und unterhalten uns mit den Levies. Einer berichtet uns stolz von seinen zwei Ehefrauen und 4 Kindern (2 Jungen und 2 Mädchen)! Nach weiteren 56 km erreichen wir dann die Kleinstadt Dalbandin und stoppen an einem der vielen heruntergekommenen Gebäude. Hier sollen wir endlich unser Nachtquartier beziehen, nachdem wir nun über 9 Stunden unterwegs sind. Über eine mit Müll zugeschüttete Treppe gelangen wir zu den Zimmern. Wir dürfen zwischen dem Standardzimmer  und der „VIP-Variante“ wählen. Das VIP-Zimmer ist bloß größer, aber genauso versifft und heruntergekommen.  Ein Polizist begleitet uns zu einem Kiosk direkt neben dem Hotel, wo wir uns mit ein paar Snacks eindecken damit wir wenigstens etwas zum Abendessen haben. Der „Hotelier“ betreibt anscheinend auch ein Restaurant, aber wir lehnen dankend ab.

Dummerweise sind in dem Brot auch noch Ameisen!

Damit wir nicht auf den versifften Matratzen schlafen müssen legen wir unsere Isomatte unter und benutzen unsere Schlafsäcke. Strom gibt es gerade keinen, somit auch kein Licht im fensterlosen Bad, zum Glück haben wir eine Lampe.

Melli ist gerade im Badezimmer als es an der Tür klopft. Ein Kerl in schäbigen Klamotten zeigt Matze auf seinem Smartphone Fotos von unseren Pässen, stellt sich als Polizist vor und spaziert ins Zimmer. Auf dem Bett sitzend stellt er Matze in feinstem Englisch allerlei Fragen über unsere Reisepläne und unseren Beziehungsstatus. Da Matze noch nicht genau die Route für Pakistan im Kopf hat sucht er in Mellis Smartphone nach den markierten Punkten im Navi. Während dessen meint der „Polizeibeamte“ dauernd dass Matze ihm das Smartphone geben solle, er wisse schon wie es funktioniert und wäre Ingenieur und solche Sachen. Matze versucht ihm zu verstehen zu geben, dass wenn er selbst nicht weiß wo die Route zu finden ist, wie er sie dann finden kann!?!?  Als Matze im Handy die geplante Route durch Pakistan gefunden hat gibt er das Handy dem gegenüber sitzenden „Beamten“. Während er am Nachschauen ist brabbelt er noch weitere Fragen vor sich hin und wirkt eher abwesend. Matze kommt es mehr und mehr seltsam vor. Als ihm dann noch einfällt das unsere Pässe unten an der Rezeption liegen, und ja eigentlich jeder ein Foto hätte machen können um sich als Polizist auszugeben, wird er misstrauisch. Er steht auf um zu schauen was der Typ tatsächlich macht und erwischt ihn beim Durchschauen von Mellis Bildern. Dieser schließt direkt das Programm und gibt Matze das Handy zurück so als wäre er fertig und nichts gewesen. Er will dann auch unbedingt Melli sehen. Matze setzt sich wieder gegenüber, legt das Handy neben sich und entsichert unauffällig das Pfefferspray, was die ganze Zeit neben ihm nicht sichtbar für den Kerl auf dem Boden steht. Er bittet ihn das Zimmer zu verlassen, da er nicht weiß ob Melli angezogen ist oder was auch immer. Doch dieser Witzbold dreht sich einfach um, hält sich nur die Hand vor die Augen und meint dass das schon ginge…. Erneut bittet Matze ihn nur kurz aus dem Zimmer zu gehen und der vermeintliche Polizist dreht sich wieder um und versichert dass es kein Problem sei… Nun wird Matze ernst und sein Adrenalinpegel steigt. Er bittet jetzt nicht mehr sondern fordert wenn er nicht das Zimmer verlässt kann er Melli auch nicht sehen. Das findet dieser kuriose Mensch gar nicht gut springt auf, sagt: „That´s not good“ und geht dann auf den Flur. Kaum ist Melli bekleidet aus dem Bad platzt der Kerl schon rein. Die Fragerei geht wieder von vorne los. Er will nun auch wissen was wir in Indien wollen, wie lange wir dort bleiben wollen, wie unsere dortige Route aussieht. Diese Fragen können wir nur schlecht beantworten,  da wir dies noch nicht geplant haben. Er erwähnt dann die Hauptstadt Neu-Dehli, ja da müssen wir wohl hin um das nächste Visum zu beantragen. Melli erklärt dass sie gerne das Taj Mahal sehen würde. Ob wir nicht wissen dass Indien der Feind Pakistans sei? Ja wissen wir, aber ist ja nicht unser Problem! Wir kommen uns  vor wie bei einem Verhör des Nachrichtendienstes. Er wechselt das Thema, will nun wissen wie wir unsere Reise finanzieren, wieviel Geld wir generell besitzen und ob wir alles Geld was wir benötigen mit uns führen. Wir behaupten dass wir monatlich eine kleine Summe auf unsere Kreditkarte gebucht bekommen.  Matze will nun den Ausweis sehen der uns versichern kann das er tatsächlich Polizist ist.  Seinen Ausweis hätte er unten und die Situation wird immer unangenehmer für uns! Matze ist nicht mehr bereit weitere dämliche und sich immer wiederholende Fragen zu beantworten und unterbricht ihn ständig. Wir wollen erst weiter reden wenn er sich ausweisen kann! Er bemerkt unsere Actioncam im Raum, dreht sie weg. Matze versichert ihm dass sie aus ist und legt sie zur Seite. Da Matze immer aufgebrachter und auch frecher wird versucht dieser Mensch die Situation zu entschärfen. Er versichert uns seinen Ausweis nach dem Gespräch zu holen und uns direkt zu zeigen. Er verstehe, dass wir uns versichern möchten dass er ein Beamter ist, und wir sollen uns etwas beruhigen. Nach weiteren, gezielten Fragen erklären wir ihm, dass wir von anderen Motorradfahrern den Karakorum Highway im Norden des Landes empfohlen bekommen haben, und daher gerne diese Gegend bereisen möchten.  Irgendwann scheint er alle Informationen die er braucht zu haben und verabschiedet sich höflich. Matze zieht sich die Schuhe an und will ihn nach unten begleiten um den erwähnten Ausweis sichten zu können. Doch das geht nicht, wir dürfen das Hotel nicht verlassen und so warten wir bis er wieder kommt um uns seinen Ausweis zu zeigen. Matze bekommt ganz kurz einen Militärausweis unter die Nase gehalten…. Jetzt wird uns einiges klar. Der pakistanische Geheimdienst „Inter-Services Intelligence“ (kurz ISI) ist dem Militär unterstellt! Wer die Anfangszene von Inglourious Basterds kennt, weiß wie sich Matze heute gefühlt hat!

Völlig erschöpft und gleichzeitig auch völlig aufgewühlt sitzen wir in unserem versifftem Zimmer. Auch die Tatsache, dass für uns ein Polizist die ganze Nacht vor dem Hotel wacht beruhigt uns wenig! Schließlich sieht dadurch ja JEDER (z.B. auch die Ducktales), dass gerade Touristen in der Stadt sind! Doch ehrlich gesagt gehen wir davon aus, dass diese eh schon längst über uns Bescheid wissen.

Reisetagebuch Kapitel 8.3: Sonne, Sand und Sterne

Sonntag, 15.10.2017 Yazd- Shenoshaden Desert Camp: 120 km

Auf unserer heutigen Fahrt von Yazd bis in nach Bafg geht es durch karge Landschaft. Die Sonne brennt und es ist so gut wie unmöglich ein schattiges Plätzchen zum Rasten zu finden. Gegen Mittag gibt es einen Grund zum Stoppen und Jubeln, denn wir haben gerade die 10.000 km Marke geknackt! Unfassbar wie viele Kilometer wir bereits hinter uns haben und wie weit wir mittlerweile von zuhause entfernt sind. Wir fahren an unzähligen „Achtung Kamel“ Schildern vorbei, sehen allerdings kein einziges. Hinter Bafq entdecken wir außerdem ein Schild mit der Aufschrift „Desert Camp“. Das klingt interessant für uns und wir versuchen unser Glück. Das Camp können wir gerade so erreichen, dann wird die Piste zu sandig für uns. Von hier aus sehen wir auch schon die ersten Sanddünen. Im Camp spricht niemand englisch und wir erklären mit Händen und Füßen dass wir hier schlafen wollen. Gregor dürfen wir im Inneren parken und in einem Lehmhaus bekommenwir Matratzen auf den Boden gelegt.

Einen Preis kann uns niemand sagen, aber wir gehen davon aus, dass es nicht sehr teuer sein wird. Nachdem die Sonne gesunken und die Hitze etwas abgeschwächt ist, starten wir Barfuß unsere Erkundungstour durch die Dünen. Stellenweise ist es ganz schön anstrengend die Sanddünen zu erklimmen, aber es macht uns gleichzeitig auch unheimlichen Spaß! Der Sand unter unseren Füßen ist weich und warm, und auf jeder bestiegenen Düne bieten sich uns neue herrliche Ausblicke über die Wüste. Auch der Sonnenuntergang ist wunderschön.

Zurück im Camp bekommen wir Feuertee.

Es gibt hier weder Duschen noch ein Restaurant. So haben wir nichts mehr weiter zu tun als Abendessen zu kochen und den unglaublichen Sternenhimmel zu genießen. Wir sehen die Milchstraße und sogar einige Sternschnuppen, wunderschön!

Montag, 16.10.2017 Shenoshaden Desert Camp- In der Nähe von Kerman: 270 km

Am Morgen kommt der Manager des Camps vorbei, er will 50 US-Dollar von uns haben. Wir lachen und sind nicht gewillt diese zu zahlen, schließlich haben wir bloß auf dem Boden geschlafen, weder heißes Wasser noch Dusche gehabt, und auch unser Essen selber kochen müssen. Schlussendlich ist er dann mit den von uns vorgeschlagenen 15 Dollar einverstanden und wir fahren weiter. Im angrenzenden Nationalpark befahren wir eine Offroad-Piste und staunen über die schöne Natur die uns hier umgibt! Bisher sind wir hier im Iran immer über sehr gute Highways und Hauptstraßen gefahren.  Aber heute fahren wir über kleinere Nebenstraßen in Richtung Kerman. Irgendwann endet der Asphalt und wird zu einer ca. 80 km langen Schotterpiste!

Wir stoppen in einem kleinen Dorf um ein paar Sachen einzukaufen. Als der Ladenbesitzer versteht, dass wir den ganzen Weg von Deutschland bis in den Iran gefahren sind, schenkt er uns einen großen Sack voll frischer Pistazien. Es dauert keine 5 Minuten, und schon hat sich ein großer Menschenauflauf um uns und das Motorrad gebildet. Alle wollen Fotos und Selfies mit uns machen und immer mehr Dorfbewohner kommen auf ihren kleinen Motorrädern an. Als dann auch noch ein Bus anhält, suchen wir schnell das Weite.

Am Nachmittag sind wir zurück auf dem Highway und finden keinen geeigneten Zeltplatz. Wir fahren bis hinter die Stadt Kerman und werden als die Sonne bereits untergeht endlich fündig. Schnell schlagen wir unser Zelt zwischen den Büschen auf, mittlerweile sind wir geübt im Aufbau und es steht innerhalb weniger Minuten!

Dienstag, 17.10.2017 In der Nähe von Kerman – In der Nähe von Bam: 300 km

Heute Morgen frühstücken wir gemütlich Obst und kochen Kaffee bevor wir mit Packen beginnen. Auch wenn wir mittlerweile im Zelt Aufbauen schnell sind, morgens brauchen wir relativ lange bis alles fertig ist.  Es dauert seine Zeit bis alles in den Koffern und Taschen verstaut und das Motorrad beladen ist.

Bevor wir über den Highway in Richtung Zahedan düsen, schauen wir uns noch die Festung von Rayen an. Im Gegensatz zu der bekannteren Zitadelle von Bam wurde diese nicht durch Erdbeben zerstört. Vor rund 1600 Jahren wurde die Zitadelle größtenteils aus Lehm erbaut und war der militärische Vorposten der antiken Handelsmetropole.

In der Gegend rund um die Stadt Bam fahren wir kilometerweit an Dattelplantagen vorbei. Hier werden die Datteln angebaut, die wir so oft und gerne naschen!

Doch in einer solchen Plantage lässt es sich schlecht Zelten, daher suchen wir heute wieder lange nach einer Campingmöglichkeit. Durch die unwirkliche Landschaft am Wüstenrand fahren wir querfeldein bis hinter einen Hügel, und schlagen in der Dämmerung dort unser Zelt auf.

Als wir schlafen gehen wollen, hält uns allerdings ein Hund wach. Zuerst hören wir ihn nur von weitem bellen, doch er kommt immer näher und näher und bellt ununterbrochen. Schlägt er vielleicht bei einem Plantagenbesitzer Alarm? Uns ist mulmig zumute, doch nach einer gefühlten Ewigkeit ist er ruhig und sucht das Weite. Trotzdem finden wir in dieser Nacht nur wenig Schlaf.

Mittwoch, 18.10.2017 In der Nähe von Bam – Zahedan: 300 km

Gegen 4 Uhr morgens werden wir wach, denn es tobt ein Sturm mit sehr starken Böen, der uns fast das Zelt um die Ohren weht. Matze traut sich raus um die Heringe zu kontrollieren und landet in einen ausgewachsenen Sandsturm! Wir harren ca. 2 Stunden aus und hoffen, dass sich der Wind vielleicht wieder legt und unser Zelt durchhält. Doch laut Wetterapp wird der Sturm im Laufe des Vormittages noch zunehmen. Die Böen sind bis 35 km/h gemeldet. Unsere Wasservorräte neigen sich dem Ende zu, und es dringen Unmengen von Sand durch die Lüftungsschlitze ins Zelt hinein. Den Sturm aussitzen ist also keine wirkliche Option, wir müssen hier weg! Draußen rast hellbrauner Sand wie eine Wand auf uns zu, damit wir überhaupt etwas sehen und unser Zelt abbauen können, müssen wir unsere Helme mit geschlossenen Visieren tragen! Trotz des starken Windes schaffen wir es in kürzester Zeit alles irgendwie zusammenzupacken und zu verstauen.  Wir wissen allerdings jetzt schon dass alles, aber wirklich alles, voll mit Sand ist! Er dringt überall ein, nicht nur ins Gepäck sondern auch in unsere Motorradkleidung, in Ohren, Nase und Mund. Den Weg zur Straße zurück zu finden ist unter diesen Umständen auch eine Herausforderung. Melli läuft ein paar Meter vor und Matze versucht so gut es geht über die mittlerweile sehr sandige Oberfläche die sicherste Linie zu Fahren. Auf der Straße angekommen hören die Probleme nicht auf, der Wind ist so heftig dass es uns während der Fahrt stark zur Seite drückt. Beim Anhalten kippen wir fast um und selbst mit geschlossenem Visier haben wir so viel Sand in den Augen, dass wir nicht richtig sehen können. Wir halten an um die Schwimmbrille aus Mellis Koffer zu kramen, zerstören beim Schließen irgendwie das Kofferschloss und dann hält uns auch noch die Polizei an. Sie will uns nicht weiterfahren lassen, deutet uns an ihnen zu folgen und dreht dann allerdings mitten auf dem Highway um, in gegen der Fahrtrichtung!?!. Das ist uns gerade viel zu blöd und zu gefährlich! Wir fahren weiter. Dank der Schwimmbrille kann Matze die Augen aufhalten und so zumindest ein bisschen was sehen. Wir kämpfen uns in Schräglage für viele Kilometer durch den Sandsturm, fragen uns ob wir nicht besser anhalten sollten und kontrollieren ständig die Benzinanzeige, denn eine Tankstelle ist weit und breit nicht zu sehen und das Benzin reicht nicht mehr für die 150 km bis zur nächsten Stadt.

Nach über 100 km hat der Spuk ein Ende und wir lassen den Sandsturm hinter uns. Um uns herum gibt es jedoch nur noch karge Wüstenlandschaft, keine Dörfer und auch keine Tankstellen.

Wir sind mittlerweile in der Provinz Sistan und Beluchistan angekommen. Diese grenzt an Afghanistan und Pakistan und wird als  „gefährliches Pflaster“ bezeichnet. Unser Couchsurfinghost hat uns bereits davon abgeraten hierher zu fahren. Die Belutschen verdienen ihr Geld in der Region durch das Schmuggeln von Drogen, Kleidung und Rohstoffen aus Afghanistan und Pakistan. Neben afghanischen Flüchtlingen sollen auch bewaffnete Taliban-Krieger hier unterwegs sein… Nicht gerade die beste Gegend um mit leerem Tank am Straßenrand zu stehen!

Kilometer um Kilometer rechnen wir mit dem Schlimmsten, bis wie bei einer Fata Morgana plötzlich das rettende Tankstellenschild vor uns auftaucht. Erleichtert rollen wir in Richtung der vermeintlichen Tankstelle, doch weit und breit ist hier keine einzige Zapfsäule zu sehen!? Beim Wenden bleibt Matze mit dem Lenker an unserer neuen Tanktasche hängen, da wir morgens beim Packen einfach alles irgendwo reingestopft haben. Wir kippen und… fallen auf ein parkendes Auto! Mist, der Kotflügel ist demoliert und sofort sind wir von Iranern umringt. Ein besonders unsympathischer Kerl gibt uns per Zeichensprache zu verstehen, dass er sofort Geld von uns sehen will! Wir haben absolut keine Lust auf Streit mit diesen Typen, rechnen mit dem Schlimmsten und sehen uns schon auf einem iranischen Polizeirevier sitzen. Um die Situation schnellstmöglich zu deeskalieren zücken wir schnell den Geldbeutel. Iranische Rial haben wir kaum noch und US-Dollar sind im Iran sehr beliebt. Also halten wir dem aufgebrachten Autobesitzer 100 US-Dollar unter die Nase, mit denen er zunächst aber gar nichts anzufangen weiß. Ein Anderer rechnet mit seinem Handy den Gegenwert in Rial aus und es wird still. Ist es ihm viel zu wenig? Nein, er ist einverstanden! Höchstwahrscheinlich hat er gerade ein gutes Geschäft gemacht, aber uns ist das egal, wir sind froh keinen Ärger mit diesen Typen zu haben!

Doch unser Tank ist immer noch leer! Melli entdeckt einen kleinen Kiosk und fragt nach Benzin. Nach einigem Hin- und Her bekommen wir einige Liter aus einem Kanister zum Schwarzmarktpreis in den Tank gekippt. Endlich können wir hier weg!

Mit etwas gemischten Gefühlen fahren wir weiter bis nach Zahedan, die letzte größere Stadt vor der pakistanischen Grenze. Als hätten wir heute nicht schon genug durchgemacht, müssen wir jetzt auch noch lange nach einem bezahlbaren und anständigen Hotel mit sicherem Parkplatz suchen. Doch irgendwann steht Gregor in einem abgesperrten Hof und wir liegen todmüde in einigermaßen sauberen Betten!

Donnerstag, 19.10.2017 Zahedan: 0 km

Zahedan ist die erste iranische Stadt in der wir uns unwohl fühlen. Es ist dreckig, Tiere und Menschen wühlen im Müll, wir gehen sogar an einem Mann vorbei der Crack oder ähnliches auf der Straße aus seiner Glaspfeife raucht. In keiner iranischen Stadt haben wir bisher derartiges gesehen oder uns unsicher gefühlt!

Wir entscheiden uns dennoch dazu noch eine weitere Nacht hier in Zahedan zu bleiben. Nicht um uns die Stadt anzusehen sondern um die Spuren des Sandsturmes zu beseitigen. Matze versucht Mellis Kofferschloss zu reparieren, Gregor bekommt eine Wäsche und neues Öl.

Außerdem versuchen wir uns auf die kommende Etappe in Pakistan durch die Provinz Belutchistan vorzubereiten. Diese grenzt an Afghanistan und hat immer wieder Schlagzeilen durch Entführungsfälle gemacht. Vom sogenannten Belutchistankonflikt bekommt man in unseren Medien allerdings eher wenig mit: Er exisitiert bereits seit der Entstehung Pakistans. Immer wieder kommt es zu Aufständen, Anschlägen und kriegerischen Auseinandersetzungen, mit denen die Belutschenstämme ihren eigenen Staat und die Unabhängigkeit von Pakistan erkämpfen wollen.

Wir wissen bereits dass wir bis in die Stadt Quetta eskortiert werden und recherchieren darüber wie dies genau laufen soll: Im Iran ist am Donnerstag und Freitag Wochenende, in Pakistan am Samstag und Sonntag. Haben die Grenzen auch am jeweiligen Wochenende geöffnet? Man soll es vermeiden freitags oder samstags in Quetta anzukommen, denn hier muss man am Folgetag der Ankunft bei einer Behörde ein Dokument beantragen. Ohne dieses Dokument kann man nicht weiterfahren! Kommt man am falschen Tag an, sitzt man im berüchtigten Quetta fest, denn freitagsnachmittags bis sonntags hat die Behörde geschlossen. Bis man Quetta erreicht ist man normalerweise zwei Tage unterwegs, manchmal auch nur einen. Die Eskorten von der Grenzstation in Taftan nach Quetta starten in der Regel täglich und zwar ganz früh morgens. Kommt man zu spät an, muss man eine Nacht an der Grenzstation  verbringen. Dort wären wir vielleicht sogar sicherer als in einem Hotel in der Nähe der Grenze? Falls es dort überhaupt so etwas gibt?

Wir halten es für sinnvoll vertrauenswürdigen Kontakten in Deutschland über unsere kommende Reiseroute zu informieren. Aber unseren Familien wollen wir damit keine Angst machen. Beim Auswärtigen Amt können sich Deutsche die zum Beispiel auf eigene Faust in gefährliche Länder oder entlegene Gebiete reisen, in eine Krisenvorsogeliste eintragen lassen. Und wir teilen zwei Freunden unser geplante Route und den geschätzten Zeitplan mit. Im Fall der Fälle könnten sie Alarm schlagen!

Abends gehen wir noch in ein Restaurant neben unserem Hotel und essen leckeres für den Iran typisches Chicken Kebab mit Reis.

Freitag, 20.10.2017 Zahedan-Mirjaveh: 118 km

Morgens arbeiten wir noch an Reiseberichten und checken erst gegen Mittag aus dem Hotel aus. Auf dem Weg weiter in Richtung pakistanischer Grenze passieren wir mehrere iranische Militärcheckpoints. Jedes Mal müssen wir unsere Reisepässe vorzeigen und Fragen nach dem woher und wohin beantworten. Je dichter wir an die Grenze kommen, umso größer wird das Militäraufgebot. Zu unserer linken Seite stehen alle paar Meter bewaffnete Wachtürme und Schilder mit Totenköpfen drauf. Am letzten Checkpoint vorm Grenzübergang müssen wir ewig warten, um dann zu erfahren, dass wir heute nicht mehr weiter fahren dürfen. Wir können entweder wieder über 100 km zurück bis ins Hotel nach Zahedan fahren, oder hier in der nahgelegenen Grenzstadt Mirjaveh ein Hotel beziehen und morgen ganz früh über die Grenze. Wir entscheiden uns für Letzteres und werden von der iranischen Polizei zum einzigen Hotel in der Gegend eskortiert. Gregor dürfen wir in der Lobby parken, ansonsten ist das Hotel ziemlich mies. Im April wurden hier in Mirjaveh 10 iranische Grenzsoldaten von sunnitischen Militanten umgebracht.

Wir verbringen den restlichen Abend also lieber im miesen Hotel und versüßen uns diesen mit einem letzten persischen Granatapfel.

Reisetagebuch Kapitel 8.2: Isfahan und Yazd

Sonntag, 08.10.2107 Kashan- Isfahan: 215km

Wir verlassen heute Kashan in Richtung der Stadt Isfahan. Auf dem Weg machen wir noch einen Stopp in dem historischen Dorf Abyaneh. Die Strecke dorthin ist richtig schön, sie führt vorbei an schroffen Felsen und grünen Tälern. Alleine dafür hat sich der Umweg schon gelohnt! Abyaneh erkundet Melli erstmal zu Fuß, denn die Durchfahrt ist für Fahrzeuge verboten. Das Dorf besteht aus roten Lehmhäusern und ist durchzogen von kleinen Bachläufen. Die Einheimischen meinen schließlich es wäre okay wenn wir mit dem Motorrad durchfahren. Kurz zweifeln wir noch ob das passt, aber wir wollen es versuchen und quetschen uns langsam durch die engen Gassen. Stellenweise ist es so schmal, dass wir nur mit Mühe und Not gerade so durchpassen! Da haben wir Glück gehabt, denn eine Wendemöglichkeit hätte es auch nicht gegeben. Als wir auf der anderen Seite aus dem Dorf wieder rauskommen sind wir happy.
Am frühen Nachmittag kommen wir in Isfahan an und suchen einen Park in dem wir campen können, leider ohne Erfolg. Die Hotels in der Stadt sind entweder ausgebucht oder super teuer, und so landen wir in einem Hostel. Immerhin haben wir ein Dreierzimmer für uns alleine, doch sowohl das Zimmer als auch das restliche Hostel sind leider ganz schön mies, wohl fühlen wir uns hier nicht.  Zum Glück haben wir für die nächsten Tage eine Einladung einer iranischen Familie über Couchsurfing bekommen und müssen nur eine Nacht hier verbringen!

Montag, 09.10.2017 Isfahan- Shahinshar: 35 km

Da unsere iranische Gastfamilie erst gegen Nachmittag Zeit hat und wir nicht länger im Hostel bleiben wollen, machen wir uns heute Morgen auf in die Innenstadt. Seit Kashan suchen wir eine persische Satteltasche, welche viele Iraner hinten auf ihrem Fahrrad oder dem „Motorrad“ für Gepäck nutzen.  Solch eine würde sich gut über Gregors Tank machen! Auf dem Bazar des Imam-Platzes werden wir fündig und müssen unseren „Teppich“ demnächst nur noch irgendwie an Gregor anpassen.  Die restliche Wartezeit über machen wir es uns in einem kleinen Café gemütlich.
Nun machen wir uns auf zu unserer Gastfamilie, die außerhalb von Isfahan in der Stadt Shahinshar wohnt. Es ist das erste Mal, dass wir uns auf das „Abenteuer Couchsurfing“ einlassen und auch das erste Mal, dass wir solch einen engen Kontakt zu einer iranischen Familie bekommen. Wir sind dementsprechend angespannt als der Hausherr uns hinein bittet. Umgekehrt sind auch wir für unsere Gastgeber die ersten Gäste und auch die ersten Deutschen die sie kennen lernen. Gregor darf in der Garage parken, die gleichzeitig auch Hausflur und Zugang zur Gästetoilette ist.
Wir nehmen gemeinsam mit unserem Gastgeber im großen Wohnzimmer auf der Couch Platz und kurz darauf trifft auch unsere Gastgeberin mit der Tochter ein. Die 6-jährige spricht laut ihren Eltern bereits englisch, traut sich aber nicht zu uns ins Wohnzimmer zu kommen. Selbst als Melli ihr Gummibärchen schenken will, weicht sie ängstlich zurück. Wir lassen ihr Zeit, bekommen Tee und Obst serviert und führen eine nette Unterhaltung. Irgendwann beginnt die Mutter zu kochen. Matze möchte gerne helfen und das Gericht lernen, doch die Küche ist für ihn als Mann tabu! Für uns ebenfalls ungewohnt: Zum Essen wechseln wir von der Couch auf den Boden. Auf einer ausgebreiteten Plastikdecke genießen wir dann leckeres Gourme Sabzi und feinen Reis mit Kartoffelboden. Dazu gibt es Salat, frische Kräuter, Chilis und zum Trinken Dugh (eine leicht salzige Buttermilch, bei uns als Ayran bekannt ist. Wird kalt getrunken, ist erfrischend und enthält viel Eiweiß. In unserem Fall streute man auch ein paar Blättchen getrocknete Nana Minze hinein.)

Später am Abend spielen Melli und die Tochter dann doch zusammen, während Matze bezüglich der BMW und Deutschland ausgefragt wird. Die beiden Iraner denken darüber nach aus auszuwandern und sind daher sehr an unserer Heimat und Europa interessiert. Im Kinderzimmer der Tochter bekommen wir zum Schlafen Decken und Matratzen zur Verfügung gestellt um spät nachts zu Bett zu gehen. Wir sind richtig erschöpf! Aus Angst etwas falsch zu machen sind wir den ganzen Tag über sehr angespannt. Auch die Unterhaltungen auf Englisch über Themen wie die deutsche Wirtschaft, Politik und Religion sind sehr anstrengend für uns! Daher sind wir froh zumindest zum Schlafen einen eigenen Raum zu haben.

Dienstag, 10.10. 2017 Shahinshar: 0 km
Als wir aufstehen ist die Tochter schon in der Schule und unsere Gastgeber warten mit dem Frühstück. Auch Gefrühstückt wird auf dem Boden, es gibt sehr leckeres Fladenbrot, iranischen Käse, Walnüsse und das süße „Halva“. Kaffee gibt es keinen, dafür wie immer Tee!
Unsere Couchsurfinghosts möchten uns Isfahan zeigen, und fahren uns mit ihrem Auto durch den dichten Verkehr in die Innenstadt. Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Isfahan ist der Naqsch-e-Dschahan Platz, einer der größten Plätze der Welt und erbaut im 16. Jahrhundert .
Wir bestaunen dort die Scheich-Lotfollah-Moschee, das Eingangstor zur Meidan-e-Eman-Mosche und besichtigen den Ali Qapu-Palast. Für den Eintritt zum Palast müssen wir als Ausländer allerdings den siebenfachen Preis zahlen! Aus dem obersten Stockwerk des Palastes erblicken wir blaue Kuppeln, emaillierte Türme und schlanke Minarette soweit das Auge reicht. Der riesige Naqsch-e-Dschahan-Platz ist mit seinen Moscheen, dem Königspalast und dem Bazar, ein beindruckendes und sehenswertes UNESCO-Weltkulturerbe und ein gutes Beispiel für die iranische Baukunst.
Auf dem Rückweg von unserer Sightseeingtour holen wir noch die Tochter von der Schule ab und nachmittags ruhen wir uns alle etwas aus. Am Abend bekommen wir noch Shahinshar, den Wohnort unsere Gastgeber gezeigt. Wir schlendern über den Nachtmarkt, auf dem es neben viel Krimskram auch viele Essenstände gibt, die z.B. leckere Falaffelbällchen und Sandwiches anbieten. Wir vergnügen uns zudem mit köstlichen, frisch gegrillten Maiskolben. Auch an diesem Abend sitzen wir noch sehr lange zusammen und reden. Wir erfahren unglaublich viel über das Leben und die Menschen im Iran. Ohne Couchsurfing hätten wir niemals solche intensiven Einblicke in die uns so fremde Kultur erhalten!

Mittwoch, 11.10.2017 Shahinshar-irgendwo südöstlich von Näin: 250 km
Für uns heißt es heute Abschied nehmen, denn wir wollen weiter, raus in die Natur. Nach dem Frühstück kommen die Eltern unserer Gastgeberin zu Besuch.
Wir bedanken uns herzlich für die Gastfreundschaft, es werden noch viele Fotos und Selfies von uns und dem Motorrad gemacht und danach verabschieden wir uns von unseren neuen iranischen Freunden.
Wir fahren über die Wüstenstraße zwischen Kashan und Yazd weiter in Richtung Osten. Nachdem wir die Stadt Naeen passiert haben, beginnt es langsam zu dämmern und wir suchen uns einen Platz zum Zelten. Den ganzen Tag fahren wir an super Campingmöglichkeiten vorbei, und jetzt wo wir eine suchen …findet sich wie immer nichts mehr! Entweder steht doch ein Häuschen in der Nähe oder das Gelände ist viel zu unwegsam. Irgendwann finden wir dann endlich gänzlich unbebautes und flaches Gelände, und fahren für einige Kilometer querfeldein durch die wüstenähnliche Landschaft.
Bis unser Zelt steht ist es schon dunkel, wir genießen die Stille und gehen müde schlafen.

Donnerstag, 12.10.2017 südöstliches von Näin- Yazd: 105 km

Da wir gestern auf der Suche nach einem Campingspot weiter gefahren sind als geplant, kommen wir heute schon früh in unserem nächsten Ziel, der Wüstenstadt Yazd an. Wir finden ein hübsches Guesthouse in den engen und verwinkelten Gassen, die uns etwas an Kashan erinnern. Das Beste an unserem Guesthouse ist die schattige Dachterrasse.
Yazd gefällt uns von Anfang an super, eine richtige Oase in der Wüste! In den Gässchen finden wir viele nette Cafes und Restaurants. Neben leckeren Säften und Shakes haben diese oft auch Dachterrassen mit einer tollen Aussicht über die Dächer der Stadt zu bieten.
Zum Abendessen gehen wir wie so oft in ein traditionelles Restaurant. Wir probieren Kamelfleisch, welches einen eher gewöhnungsbedürftigen Geschmack hat und köstliches Khoresht e Fesenjun.
Bevor wir schlafen gehen, genießen wir noch einmal den wunderschönen Ausblick über die beleuchteten Minarette, Moscheen und Windtürme. In Wüstenstädten dienen diese als natürliche Klimaanlage: Die Schlitze der Türme fangen den leisesten Windhauch ein. Im Inneren wird die Luft durch Schächte geleitet und beim Abkühlen sinkt sie dann in die darunter liegenden Räume.

Freitag- Samstag 13+14.10.2017 Yazd: 0 km
Da es uns in Yazd so gut gefällt, entscheiden wir uns länger hier zu bleiben und verbringen typische „Pausentage“ auf Langzeitreise: Wir schlafen aus, genießen ein gemütliches Frühstück, waschen unsere Wäsche, sichern und sortieren Bilder… Auch unsere Motorradkombis haben sich mittlerweile eine Wäsche verdient. Und die für Gregor neu angeschaffte Satteltasche muss noch ein wenig modifiziert werden, damit sie über den Tank passt.
Tagsüber ist es hier auch viel zu heiß, um draußen etwas zu unternehmen! Also bummeln wir abends ein wenig durch die engen Gassen der Altstadt und vorbei an der Freitagsmoschee, deren Portalbau vollständig mit Fliesenmosaik verziert ist. Durch die wunderschöne persische Architektur und die Aussicht über die Dächer der Wüstenstadt fühlen wir uns wie in einem orientalischem Märchen.

Wir schauen uns den Amir Chaqmaq Komplex an, eine Vier-Iwan-Moschee, von der nur noch die Fronten erhalten sind. Die sich davor befindlichen Wasserfontänen werden abends in wechselnden Farben beleuchtet. Viele Iraner tummeln sich hier, wir beobachten, lassen uns treiben und schlendern über den Bazar. Vor einem Hotel entdecken wir eine Honda Africa Twin! So lernen wir ein deutsches Paar kennen, das auf dem Weg nach Kirgisistan ist, und verbringen einen netten Abend zusammen.

Reisetagebuch Kapitel 8.1 Iran:

Samstag, 30.09.2017 Agarak-Tabriz:  270 km

Früh stehen wir auf und machen uns startklar für den Grenzübergang in den Iran. Während Melli gerade überlegt wie sich das obligatorische Kopftuch mit dem Helm tragen lässt, rollt ein Panzer nach dem Anderen vorüber. Hier in Agarak grenzen Armenien, Iran und Aserbaidschan aneinander und es gibt zudem noch russisches Militär!

Wir sind aufgeregt, nicht nur wegen dem Grenzübergang sondern auch weil wir gespannt auf den Iran sind. Persien, für uns der Inbegriff des Orients!

Auf der armenischen Seite müssen wir eine gefühlte Ewigkeit warten. Der Grenzbeamte im ersten Grenzhäuschen ist dermaßen begeistert von unseren deutschen Reisepässen, dass er sich jedes winzige Detail mehrmals mit der Lupe anschauen muss. Am nächsten Schlagbaum wird unser Pass ein zweites Mal kontrolliert und wir dürfen passieren. An der iranischen Grenze angelangt müssen wir erstmal absteigen und in der „Passenger Hall“  unsere Reisepässe stempeln lassen. Dies geschieht nicht ohne „Welcome to Iran“ vom Grenzbeamten! Im Anschluss dürfen wir hineinfahren bis zur nächsten Schranke. Dort wird zum ersten Mal unser Carnet de Passage verlangt und wir müssen wieder eine Weile warten, bis auch diese Formalität erledigt ist. Es folgt eine letzte Passkontrolle und wir haben es endlich geschafft! Direkt hinter der Grenze wechselt Matze US-Dollar in iranische Rial und wir sind Millionäre!

Die folgende Strecke ist wunderschön,  führt vorbei an Bergen und entlang eines ruhigen Flusses. Wir erreichen die Stadt Jolfa und brauchen dringend etwas zu essen und zu trinken. Doch im Iran ist heute „Tassoua“, ein wichtiger Feiertag und alles scheint geschlossen! Wir finden zum Glück einen kleinen Shop bei dem wir uns mit Getränken, Chips und köstlichen iranischen Walnussküchlein eindecken können. Ein Iraner spricht Matze an, wo wir herkommen, wo wir hinwollen und ob wir ihn und seine Familie zu ihrem Feiertagsausflug begleiten wollen. Melli würdigt er keines Blickes. Wir lehnen dankend ab. Gerade als wir losfahren wollen kommt seine verschleierte Frau auf Melli zu, deutet ihr an die Hände zu öffnen und gibt ihr so viele frische Erdnüsse wie sie nur tragen. Uns wird bewusst dass wir uns nun in einem Kulturkreis befinden, der schon sehr unterschiedlich zu allem uns bekannten ist.

Unser Tagesziel, die Stadt Tabriz erreichen wir am Nachmittag.  Da unser Navi nicht funktioniert, irren wir Stunden durch die riesige Stadt, um den uns empfohlenen Park zu finden.  Endlich angekommen werden wir von unseren iranischen Fahrradfreunden begrüßt.  Im Park, der mitten in der Stadt liegt, darf man umsonst kampieren und es gibt herrlich weichen grünen Rasen, Toiletten und Duschen. Morgen sollen wegen einem weiteren Feiertag auch alle Geschäfte in der Stadt geschlossen sein, also gehen wir noch einkaufen. Große Supermärkte gibt es hier keine, dafür aber kleine Geschäfte wo wir alles Nötige finden können. Müde von dem anstrengenden Tag und den vielen neuen Eindrücken gehen wir früh schlafen.

 

Sonntag, 01.10.2017 Tabriz: 0 km

Heute ist der Nationalfeiertag  Aschura: Der zehnte Tag des Trauermonats Muharram ist im Hidschri-Kalender der Arschura Tag. Die Schiiten gedenken an den Enkel des Propheten, Imam Hussain, der als Märtyrer verehrt wird. Es gibt öffentliche Trauer- und Bußrituale die heute mit den Aschura-Prozessionen enden.

Wir ruhen uns heute erstmal mal ausgiebig aus. Melli erstellt eine Excel-Tabelle über unsere bisherigen Ausgaben und Matze checkt u.a. Öl und Luftdruck an Gregor. Abends laufen wir etwas durch die Stadt und erleben ein wenig die Feierlichkeiten.

Montag, 02.10.2017 Tabriz

Die Geschäfte sind heute wieder geöffnet, und wir stürzen uns ins Getümmel der iranischen Großstadt um eine Simkarte und Öl für Gregor zu kaufen. Die Simkarte  ist schnell besorgt, doch das Öl stellt sich als kompliziertere Sache heraus. Nach einer Weile scheinen wir im „Baumarktviertel“ der Stadt angekommen zu sein. Denn auf eine Straße mit lauter Sanitärgeschäften folgt eine Straße mit ausschließlich Lampenshops, dann eine weitere mit Werkzeugläden und endlich finden wir das Viertel mit unzähligen KfZ-Zubehör Geschäften. Wir fragen uns durch, ein Iraner der nur Farsi spricht bietet seine Hilfe an und führt uns durch das Viertel. Laden für Laden klappert er mit uns gemeinsam ab, bis wir schließlich in einer Straße landen die nur aus Motoröl-Shops zu bestehen scheint. Wir suchen 10w50 das es hier aber einfach nirgends zu geben scheint und kaufen am Ende 20w50. Auf dem Rückweg genießen wir noch frischen Granatapfelsaft und Orangen- Karottensaft,  beides köstlich und herrlich erfrischend. Wir kommen auch an einer Bäckerei vorbei und kaufen frisches Fladenbrot. Da wir warmem Brot nicht wiederstehen können probieren wir direkt und Matze beißt auf einen Stein? Wir schauen uns daraufhin die Bäckerei genauer an: Das Fladenbrot wird in einem Holzfeuerofen gebacken, der mit kleinen Steinchen ausgelegt ist. Diese geben dem Brot ein löchriges Muster und sie werden nach dem Kauf auf einem Gitter abgerieben.

 

Dienstag, 03.10.2017 Tabriz-irgendwo in der Nähe von Makh: 275 km

Wir verlassen heute unseren grünen Stadtpark in Tabriz und fahren weiter in Richtung Südosten. Sowohl in der Stadt als auch auf der gesamten Strecke wird über uns gehupt, uns gewunken und uns „Welcome to Iran“ zugerufen! Unterwegs machen wir noch einen kurzen Abstecher in die kleine Felsenstadt Kandovan.

An einem Rastplatz sind wir schnell umringt von Iranern die mit uns reden möchten, und wir bekommen Äpfel, Nektarinen und frische Walnüsse geschenkt. Die Landschaft hier im nördlichen Iran ist wirklich schön und die Straßen sind super.  An einer Art Rasthof möchten wir etwas essen, die Karte ist allerdings komplett auf Farsi. Wir bestellen einfach zweimal irgendwas und bekommen… gegrillte Hähnchenspieße (Chicken Kebab) mit Reis serviert; schmeckt lecker! Uns fröstelt es ganz schön auf der Fahrt, und bei einer weiteren Pause sehen wir bereits dunkle Wolken aufziehen. Es wird kalt hier im nördlichen Iran. 

Während wir mit 100 km/h über die Autobahn brettern,  fahren zwei Iraner im Auto permanent neben uns her und bieten uns Tee aus ihrer Thermoskanne an 😉 In der Dämmerung machen wir abseits der Straße einen Feldweg ausfindig, der zu einigen Bäumen und einem kleinen Bächlein führt, hier schlagen wir unser Zelt für die Nacht auf. Der idyllische Ort entpuppt sich in der Nacht als Schauplatz eines Horrorszenarios für Camper: Es donnert ohrenbetäubend laut, ein Gewitter ist direkt über uns, bei jedem Blitz ist es taghell im Zelt und es schüttet wie aus Eimern.  Wir erleben das Gegenteil einer erholsamen Nacht!

 

Mittwoch, 04.10.2017 In der Nähe von Makh- Zandschan: 150 km

Als wäre die Gewitternacht nicht schon schlimm genug gewesen, fängt es morgens nachdem wir das Zelt abgebaut haben auch noch an zu Hageln! Im Vorfeld dachten wir beim Iran an Wüsten und Dattelpalmen, weniger an Kälte und Hagelstürme! Unter unserer Plane harren wir aus bis es etwas besser wird und dann wollen wir uns schnell aufmachen, weiter in Richtung  Süden.

Matze fährt erstmal ohne Melli los, denn das Gelände scheint uns nach dem Regen nicht mehr so gut befahrbar. Er kommt nicht weit und kippt um! Sein Fuß steckt unterm Koffer fest und wir müssen erstmal die beiden Koffer und das ganze restliche Gepäck abbauen um ihn rauszubekommen, und Gregor wieder aufstellen zu können. Doch auf dem Weg runter vom Acker in Richtung Feldweg ohne Gepäck, der nächste Umfaller! Das Ganze auch noch am Hang und wir kriegen die Maschine nur mit Mühe und Not überhaupt wieder hoch. Und jetzt steckt Gregor richtig fest. Bei jedem Versuch weiter zu fahren gräbt er sich nur noch tiefer in den Acker, Melli drückt und schiebt von Hinten, wir sind komplett mit Erde verdreckt und kommen kein Stück weg. Wir versuchen in allen erdenklichen Varianten vorwärts zu kommen….irgendwann blockiert das Vorderrad komplett. Es ist eiskalt, nass und wir frieren. Wir legen Gregor wieder hin und versuchen ihn irgendwie auf den Feldweg zu ziehen, der etwas oberhalb gelegen ist. Blöde Idee, wir kriegen ihn nicht mal in die Nähe des Weges. Nicht verwunderlich, Gregor wiegt ja auch über 240 kg. In solch einer Situation zerreißen sogar Nerven wie Drahtseil und wir sind einfach nur fix und fertig und wissen nicht mehr weiter! Melli erkennt den Grund für das blockierte Vorderrad: Der Fender ist komplett zugestopft  mit Erde und Schlamm, also schraubt Matze ihn teilweise ab, damit wir mit Schraubenzieher und Co. irgendwie den Dreck rauspuhlen können. Danach hat Matze eine Idee: Wir legen unsere Baumarktplane vor den Vorderreifen und Matze schafft es drauf zu fahren, Melli legt die Picknickdecke vor den Vorderreifen und es klappt, die Plane rutscht nicht durch und Matze kann bis auf die Picknickdecke fahren. Mit dieser Taktik schaffen wir uns Stückchen für Stückchen voran. Nach über einer halben Stunde erreichen wir endlich den nur 20 Meter entfernten Feldweg! Mit den Nerven total am Ende und frierend müssen wir nun auch noch unser ganzes Gepäck vom Zeltplatz zum Motorrad schleppen. Im Nachhinein bereuen wir es keine Fotos von der Aktion zu haben. Aber in diesem Moment der puren Verzweiflung, Gregor im Acker steckend, schlammbedeckt im Regen stehend und ausnahmsweise nicht gerade ein harmonisches Paar abgebend, dachten wir nicht daran die Kamera zu zücken.

In der Hoffnung auf einen ähnlichen guten Zeltplatz wie in Tabriz, machen wir uns nix wie weg von dem „Scheißacker“, dem „Scheißwetter“, der „Scheißstimmung“ und der „Scheißkälte“; ab in die nächste größere Stadt Zandschan. Nach ca. 100 km erreichen wir endlich den ersehnten Sonnenschein und tanken erstmal Wärme, Energie und Benzin an einer Raststätte.

Laut Navi gibt es einen Park mit Campingmöglichkeit, und da bereits Iraner dort zu campen scheinen, schlagen auch wir unser Zelt auf. Es kommen unzählige Jugendlich mit ihren kleinen Motorrädern vorbei und wir machen wie schon so oft im Iran hunderte Selfies mit ihnen. Motorräder über 200 ccm sind hier verboten und dadurch ist Gregor immer ein richtiges Highlight für die Iraner, es gibt oft einen richtigen Rummel um uns, daran haben wir uns schon gewöhnt.  Doch dieses Mal sind die Jugendlich unglaublich interessiert, auch an allen Bauteilen, an dem Kardanantrieb und sie fassen auch alles an, das kennen wir bisher so nicht. Ganz geheuer ist uns die Situation auch nicht. Gegen Abend werden die Toiletten abgesperrt und die Iraner bauen ihr Zelt wieder ab? Wir sind allerdings viel zu müde um heute noch weiter zu ziehen, bauen unsere Koffer und die Gepäckrolle von Gregor ab, nehmen sie mit unser Zelt und legen uns schlafen. Kurz darauf bekommen wir Besuch am Zelt: Ein iranischer Polizist auf einem kleinen Motorrad.  Mithilfe eines miesen Übersetzungsprogramm auf seinem Handy (Google Services sind genauso wie Facebook im Iran gesperrt) erklärt er uns, dass er besorgt ist um unsere Sicherheit und vor allem die Sicherheit unseres Motorrades. Er geht davon aus, dass Jugendliche sobald wir schlafen alles abschrauben würden was sie können. Wir sind eigentlich viel zu müde, und fahren normalerweis auch nicht im Dunkeln. Auch haben wir nicht so große Bedenken…  Aber der Polizist lässt einfach nicht locker und da wir heute sowieso eher ein ungutes Gefühl haben, bauen wir alles wieder ab und packen in Rekordzeit  zusammen. Wir sollen in der Nähe eines Hotels zelten, welches wir auch relativ problemlos finden. Allerdings irren wir eine Weile hin und her bis wir einen möglichen Zeltplatz finden.  In einem Freizeitpark mit Riesenrad und See schlagen wir unser Zelt auf einer Wiese im Eingangsbereich auf, in Sichtweite eines Wachmanns. Per Hand und Fuß erklären wir ihm dass er ein Auge aufs Motorrad haben soll, bauen zum zweiten Mal für heute unser Zelt auf und können endlich beruhigt schlafen.

 

Donnerstag, 05.10.2017 Zandschan-Zwischen Zandschan und Kaschan: 400 km

Wir entscheiden uns gegen einen Besuch in der iranischen Hauptstadt Teheran. Die Luftverschmutzung soll hoch sein, und wir empfinden große Städte als stressig mit unserer Maschine. Generell ist der Verkehr in iranischen Großstädten sehr nervenaufreibend für uns und nicht immer ganz ungefährlich. Als nächstes Ziel peilen wir daher die kleinere Stadt Kaschan, südlich von Teheran an. Auf unserem Weg dorthin kommen wir in Soltanyeh vorbei, bekannt für das Öldscheitü-Mausoleum. Dieses wurde im Jahr 1312 fertiggestellt und besitzt eine riesige Rundkuppel die mit türkisenen Kacheln verkleidet ist.

Bis nach Kaschan ist es uns heute zu weit. Über eine Offroad-Piste, einige Kilometer abseits des Highways, finden wir am späten Nachmittag einen super Platz zum Zelten. Wir genießen die schöne, wüstenähnliche Natur und die Ruhe.

 

Freitag, 06.10.2017 Zwischen Zandschan und Kaschan – Kaschan: 80 km

Nach einer angenehmen Fahrt erreichen wir Kashan am Nachmittag. Wir befinden uns hier am Rande der zentraliranischen Wüste und endlich wieder in warmen Gefilden. Wie sich nun herausstellt befindet sich das im Voraus rausgesuchte Hotel mitten in dem engen Gassengewirr der Altstadt. Die Häuser bestehen aus Lehm und wir fühlen uns wie in einem orientalischem Märchen.

Wir wagen uns mit dem Motorrad hinein und werden belohnt: Das „Sana Historical House“ ist ein traditionelles Gebäude mit ruhigem Innenhof, Feigenbaum und hübschem Zimmer. Gregor dürfen wir in einer Garage in der Nähe parken. Die Nacht kostet uns hier 35 €, für iranische Hotels nicht teuer!

Abends gehen wir in das Abbasie Tea House & Traditional Restaurant  und kosten Dizi und Khoresht-e Bademjan.  Beides schmeckt uns sehr gut! Auf dem Rückweg schlendern wir ein wenig durch die verwinkelten Gässchen und sehen uns die hübsche und ruhige Aqa-Bozorg-Moschee an.

Für uns war es eine gute Entscheidung nach Kashan zu fahren, uns gefällt die gemütliche kleine Altstadt sehr und wir fühlen uns hier wohler als im großen Tabriz.

 

 

Samstag, 07.10.2017 Kashan: 0 km

Der Tag beginnt mit einem Frühstück aus Fladenbrot, Gemüse, hartgekochtem Ei, köstlichen Datteln und Tee, welches uns im traditionellen Innenhof serviert wird. Im Anschluss erkunden wir den Bazar von Kashan. Es gibt hier neben viel Ramsch auch einige Schätze zu entdecken und der Besuch lohnt sich vor allem wegen der wunderschönen Architektur der Markthallen. Zufällig entdecken wir ein  Teehaus, das sich in einem ehemaligen Badehaus versteckt und genießen hier einen Tee.

Wir besichtigen außerdem das Sultan-Amir-Ahmad-Badehaus,  ein historisches Badehaus (Hamam) aus dem 16. Jahrhundert t. Im Inneren ist es mit Fliesenarbeiten, Stuck, Ziegelwerk und Malereien verziert. Das begehbare Dach besteht aus vielen Kuppeln mit Konvexlinsen die der Lichtversorgung im Inneren dienen.

Da uns die Atmosphäre des Bazars sehr gefällt, suchen wir ihn am Abend noch einmal auf. Matze entdeckt eine winzige Treppe die in ein kleines, höhlenartiges  Café hinunter führt. Dort probieren wir die köstlichste Limonade mit traditioneller Garnitur:

Es gibt nur zwei Gerichte auf der Karte, von Farsi ins Englische übersetzt als  „Omelette“ und „Eggplant“. Ohne zu wissen was uns erwartet, bestellen wir einfach mal beides und werden nicht enttäuscht. Vielmehr sind wir begeistert von der Einfachheit des Essens, das in Kombination mit unglaublich gutem Geschmack daher kommt!

Reisetagebuch Kapitel 7: Armenien – 2 GS bei 3 Gs

Samstag, 23.09.2017 Tiflis- Aserbaidschan 210 km

Endlich ist Gregor startklar! Wir verabschieden uns von Dima, unserem Mechaniker bei Bikeland und drehen noch eine Abschiedsrunde durch Tiflis. Danach geht es Richtung Süden, unser nächstes Ziel ist Armenien. Hinter Sadakhlo passieren wir ohne Probleme die georgische Grenze, auf armenischer Seite wird’s allerdings zum ersten Mal etwas komplizierter. Hier müssen wir Gregor parken und ins Zollgebäude gehen. Dort erhalten wir unsere Einreisestempel und auch ein spezielles Einreisedokument fürs Motorrad.  Vorbei die Zeiten in denen wir ohne viel Papierkram und ohne abzusteigen über die Grenze fahren können! Und kaum verlassen wir den Grenzposten, rennen uns zwei Jungs vors Motorrad und brüllen uns an: „Hello Mister, insurance, insurance  please come with me!“ Matze nickt einem der Beiden zu, und so sprintet dieser neben uns her und deute uns an zu einer Ansammlung von Häuschen zu fahren. Hier gibt es die grenztypischen Sachen wie Wechselstuben, Simkarten und eben Versicherungen.  Für 10 Tage sollen wir zuerst 30€  zahlen, dann nur noch 20 €. Wir lehnen danken ab, denn Versicherungspolicen mit verhandelbaren Preisen und die ganze Situation ist uns nicht geheuer.   Wir sind uns auch nicht sicher ob wir die Grenzpolice abschließen müssen oder ob sie freiwillig ist und so fahren wir weiter.

Armenien begeistert uns auf Anhieb, wir passieren wunderschöne Landschaften und ausschließlich kleine Dörfer, alles ist sehr ländlich, ruhig und friedlich! Am späten Nachmittag beginnen wir Ausschau nach einer Campingmöglichkeit zu halten, verlassen die Hauptstraße und landen bei verlassenen Ruinen in verbrannter Umgebung. Zu unserer Linken entdecken wir Stacheldraht und schon kommen uns zwei Soldaten mit Hunden entgegen! Wir sollen bitte umkehren. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und suchen schnell das Weite. Als wir dann endlich eine gute Campingmöglichkeit gefunden haben wird es schon dunkel. Zu Beginn unserer Reise hätte uns solch eine Situation weitaus mehr gestresst, mittlerweile können wir damit schon lockerer umgehen! Nachts im Zelt entdecken wir dann bei der Routenplanung für den folgenden Tag: Wir zelten gerade in Aserbaidschan 😉  In der Ferne hören wir ein Heulen, für uns klingt  es nach Wölfen oder Schakalen, welch seltsames gute Nacht Lied!

 

Sonntag, 24.09.2017 Aserbaidschan- Goght: 208 km

Bereits früh am Morgen bauen wir unser Zelt ab, futtern ein paar Kekse und fahren weiter. Der Weg führt uns vorbei am Sewansee, der größte See des Kaukasus und mit einer Höhe von 1.900 m einer der größten Hochgebirgsseen der Welt. Die dort geplante Mittagspause lassen wir allerdings ausfallen, es ist uns einfach zu kalt.  Das armenische Hochland bietet uns immer wieder fantastische Ausblicke, immerhin eine kleine Entschädigung für die schlechten Straßen! Nachmittags erreichen wir unser Ziel, das Bed&Breakfast 3Gs, welches von einem niederländischen Paar betrieben wird. Neben Stellplätzen für Fahrzeuge gibt es hier auch einen Zeltplatz, einen Pool mit Ausblick auf den Khosrov-Nationalpark , eine hübsche Gemeinschaftsküche, luxuriöse Waschräume und einen gemütlichen Chillout-Bereich. Auf dem Parkplatz steht bereits eine BMW R1150 GS, woraus wir schließen das wir hier auf Freunde treffen 😉 Die beiden Letten, Rolands und Kitija  kennen wir bereits von ihrer Facebook-Seite Motoaround . Wir freuen uns sehr über das persönliche Treffen und verstehen uns prima! Zum Abendessen fahren wir gemeinsam ins nahe gelegene Geghard, das Essen haut uns nicht vom Hocker, aber die Aussicht ist wunderschön!

 

Montag, 25.09.2017 – Mittwoch, 27.09.2017 Goght, Camping 3Gs: 20 km

Hier in Sandras und Martys Overlander-Paradies verbringen wir noch einige Tage um uns auszuruhen und zu erholen.Jeden Morgen kaufen wir in der Nähe frische Eier zum Frühstück. Wir waschen Wäsche, schreiben Berichte, sortieren Bilder, schlafen aus und relaxen am Pool! Zusammen mit Rolands und Kitija besichtigen wir den nahe gelegenen Tempel von Garni.


Leider hat man nicht immer Glück wenn fremde ein Bild machen…

Wir schauen uns ausserdem die  „Simphony of the Stones“ an, dies sind beeindruckende Basaltfelsen, deren Besuch sich im Gegensatz zum Tempel, unserer Meinung nach mehr lohnt.

Abends kocht Matze in der Gemeinschaftsküche immer köstliche Gerichte, die wir mit den anderen Gästen zusammen genießen. Ein besonderes Highlight: Geheiratete. Wir unterhalten uns über das Reisen und erfahren von Sandra und ihrem Mann Marty auch viel über das Leben hier in Armenien.  Dazu genießen wir auch das ein oder andere Gläschen armenischen Wein.

 

Wie wir mittlerweile wissen, droht uns eine Geldstrafe seitens der Polizei, wenn sie uns ohne Versicherung erwischt.  Und so fährt uns Sandra, die Besitzerin des Bed & Breakfast 3 Gs mit ihrem Jeep in die 30 km entfernte Stadt Jerewan, die Hauptstadt Armeniens.  Dort möchten wir die Versicherung, sowie eine Simkarte fürs Handy und US-Dollar für den Iran besorgen. Diese bekommen wir allerdings weder am Bankautomaten noch auf der Bank: In einem großen Supermarkt ist eine Geldwechselstube mit offener Tür und einer Menge Cash, wo wir unsere armenische Drahm problemlos eintauschen können. Ohne Sandras Hilfe wären wir sicherlich stundenlang durch Jerewan geirrt, und alles hätte viel länger gedauert! Im Gegensatz zu uns spricht sie armenisch und kennt sich gut aus in der Stadt.

Unser Tipp: Direkt an der Grenze wird uns die 10 Tages-Versicherung für 30€ (zwei Fahrer) und 20€ (ein Fahrer) angeboten. In einem offiziellem Versicherungsbüro in Jerewan zahlen wir nur 3,50€! Auf unserem Weg von der Grenze bis nach Jerewan passieren wir unter Herzklopfen viele Polizeikontrollen, werden aber zum Glück nie rausgewunken.

 

 

Donnerstag, 28.09.2017 Goght- irgendwo hinter Vorotan Pass: 215 km

Die Nächte hier in Goght werden zunehmend kälter!  Wir befinden uns auf ca. 1.650m Höhe und es geht gegen Ende der Saison, also ziehen wir heute weiter! Wieder geht es Richtung Süden, denn unser nächstes Ziel ist der Iran! Bei schönem Wetter cruisen wir gemütlich durch wunderschöne, hügelige Landschaft, bis es immer höher in die Berge geht. In den vor uns liegenden Bergkämmen sehen wir riesige Wolkenfelder, die wie ein weißer Schleier langsam aber stetig voran ziehen und alles auf ihrem Weg „verschlucken“.  Dort müssen wir nun durch! In dem Moment als wir hineinfahren sehen wir kaum noch die Hand vor unseren Augen, es ist nass und bitterkalt.  Plötzlich tauchen wie aus dem Nichts zu unseren beiden Seiten riesige, gespenstige Betonstelen auf. Melli läuft ein kalter Schauer über den Rücken, sie wartet nur darauf  dass plötzlich die Nazgûl oder der Schneekönig persönlich samt seiner Armee der Toten dazwischen erscheinen. Die Betonstelen stammen aus der Sowjetzeit und markieren den höchsten Punkt des Vorotan-Passes auf 2.344m. Durch ein Schild erfahren wir, dass wir uns gerade auf der armenischen Seidenstraße befinden, doch für das obligatorische Erinnerungsfoto ist die Sicht einfach zu schlecht! Frierend und hoffend, dass wir es heute wieder aus dieser Suppe raus schaffen fahren wir weiter. Nach ungefähr 40 km schaffen wir es zwar nicht raus aus dem Nebel, jedoch finden wir in der Nähe von Sissian eine Campingmöglichkeit  die zumindest unterhalb der dichten Nebelschwaden liegt.  So sind wir zumindest nicht mehr der alles durchdringenden Nässe ausgesetzt, frieren nachts aber dennoch ein wenig.

 

Freitag, 29.09.2017 irgendwo hinter Vorotan Pass- Agarak: 180 km

Nach der kalten Nacht brechen wir früh morgens auf. Wir befinden uns immer noch im alles verschluckenden Nebel, sehen kaum weiter als ein paar Meter, zudem ist es sehr dunkel, kalt und nass. Immer wieder müssen wir stoppen da direkt vor uns auf der Straße plötzlich große Kuhherden spazieren, die von reitenden Hirten begleitet werden. Unser Weg führt uns vorbei an dem Kloster Tatew, welches eines der schönsten Sehenswürdigkeiten Armeniens sein soll. Vor allem seine Lage und die Landschaft drum herum sollen beeindruckend sein.  Doch aufgrund des dichten Nebels bleibt uns der Ausblick darauf verwehrt. Die asphaltierte Straße endet und wir können nur erahnen wie es hier aussehen könnte, während wir uns in steilen und engen Serpentinen über eine Offroad-Piste höher in die Berge kämpfen.  Über 40 km geht es bei dichtem Nebel durch Berge, Wälder und kleine armenische Dörfer. Manchmal gibt es kurze Abschnitte mit schlechtem Asphalt,  und mehrmals windet sich die Piste in engen Kehren über matschige Passagen in die Höhe. Auf einer Schotterstrecke verlieren wir sogar unser Windschild, finden es aber zum Glück wieder! Völlig durchgefroren erreichen wir am frühen Nachmittag die Stadt Kapan. Im schicken Restaurant “Elegant“ wärmen wir uns bei Cappuccino, Suppe und Steak auf und kommen wieder zu Kräften. Wir entscheiden uns dazu noch 80 km weiter zu fahren bis nach Agarak, direkt an der iranischen Grenze.  Denn dort können wir im Hostel Samuel günstig im privaten Doppelzimmer mit eigener Dusche übernachten, genau das was wir jetzt brauchen! Auf dem Weg dorthin sehen wir in der Ferne die ersten iranischen Berge, und diese liegen zu unserer Freude in der Sonne. Wir treffen auf einen deutschen Fahrradreisenden und kurzer Zeit später halten auch zwei iranische Fahrradreisende, die uns mit leckeren Pflaumen versorgen. Mit einem strahlenden Lächeln zeigen sie in Richtung der sonnigen, iranischen Berge und wir hören bereits hier in Armenien das erste Mal ein herzliches: „Welcome to Iran!“

Im Hostel angekommen lädt uns der Betreiber Samuel auf einen Tee ein.  Zu unserer Überraschung endet die Einladung auf einen Tee jedoch mit einem großen Abendessen im Kreise seiner ganzen Familie.  Die beiden Kinder lernen englisch in der Schule und mit Samuel unterhalten wir uns viel über Armenien und sein neu gebautes Hostel. Wir werden vom Opa mit frisch geernteten Granatäpfeln und von der Oma mit eingelegten Feigen verwöhnt. Dieser Abend ist wirklich der perfekte Abschluss für unsere Reise durch Armenien. Gerne würden wir dieses schöne Land irgendwann erneut bereisen!

Reisetagebuch Kapitel 6: Georgien- Caucasus im Kaukasus

Freitag, 15.09.2017 Of- Tsikhisdziri: 171 km

Erst gegen Mittag verlassen wir unser schickes Hotelzimmer und fahren entlang der Schwarzmeerküste in Richtung Georgien. Hinter der Stadt Hopa stauen sich bereits kilometerweise die LKW bis zur georgischen Grenzen. Wie immer sind wir am Grenzübergang etwas aufgeregt doch es verläuft alles problemlos. Wir lernen hier einen jungen Ungaren kennen, der mit einer Art Liegerrad durch den Balkan über die Türkei bis nach Georgien reist! Durch den Austausch von Reisegeschichten können wir uns so die Wartezeit versüßen. Auf der georgischen Seite angekommen wechseln wir unsere letzte türkische Lira in georgische Lari und machen uns auf in Richtung Norden. Unsere erste Begegnung mit einem Einheimischen (nach den Grenzbeamten) haben wir wie so oft mit einem Tankwart. Dieser plappert uns fröhlich in seiner Landessprache zu, wir verstehen leider kein Wort aber lachen freundlich zurück. Auch mit der lokalen Tierwelt kommen wir von nun an ständig in Kontakt: Kühe am Straßenrand, Kühe die auf der Straße stehen, sie überqueren oder sogar auf der Autobahnmitte weiden. Unsere weitere Route führt uns entlang der Küstenstraße, vorbei an der Hafenstadt Batumi. Wir sehen von weitem die futuristische Skyline an der Standpromenade, doch lassen die große Stadt lieber links liegen und fahren durch die Randbezirke. Unsere Augen sind an den Anblick der heruntergekommen, sowjetischen Mehrfamilienhochhäuser nicht gewohnt, man sieht hier deutlich die Zeichen des Zerfalls der Sowjetunion vor rund 16 Jahren. Zwischen den riesigen Wohnblocks sind volle Wäscheleinen gespannt, die Menschen sitzen am Straßenrand und wirken sehr fröhlich und freundlich auf uns. Alles ist neu für uns, die georgische Schrift, der Verkehr und die gesamte Umgebung, es prasseln zu viele unterschiedliche Reize auf uns ein, wir fühlen uns überfordert! Nachdem wir das Einzugsgebiet von Batumi verlassen haben, fällt uns auf wie unglaublich grün die Umgebung hier an der georgischen Schwarzmeerküste ist, es wachsen Palmen und Bananenstauden.

Am Nachmittag finden wir eine Campingmöglichkeit bei einem Restaurant direkt am Meer. Hier treffen wir auf einen Russen, der ebenfalls auf seiner GS angereist ist 😉 Nach dem Versuch einer Konversation mit uns, die letztendlich an der Sprachbarriere  scheitert, torkelt er in sein Zelt.

Zum Abendessen probieren wir „Soko Kecze“, in einem Tontöpfchen gegarte und mit georgischem Sulguni-Käse überbackene Pilze. Und „Madame Bovary“, Kalbsrücken mit Kartoffeln, ebenfalls in einem Tontöpfchen gegart, mit Tomaten und Schmand verfeinert und mit Sulguni überbacken. Beides schmeckt uns richtig gut und während die Sonne im Schwarzen Meer versinkt endet unser erster Tag in Georgien.

Samstag, 16.09.2017 Tsikhisdziri- Mestia: 244 km

Heute geht’s ins Kaukasusgebirge! Wir fahren bis zur Stadt Poti und verlassen dann die Schwarzmeerküste in Richtung Norden. Durch kleine Dörfer, in denen Kühe, Hühner und auch Schweine an den Straßen rumlaufen, fahren wir über teilweise sehr holprigen Straßen. In der Stadt Sugdidi müssen wir tanken. Dummerweise meint der Tankwart er müsste Gregor und Matze nach dem Volltanken zusätzlich noch mit 2 Litern Benzin abduschen! Total relaxt meint er wir sollen uns doch mit etwas Wasser abspülen, während Matze in einer riesigen Benzinpfütze steht. Unsere Essensvorräte inklusive frischem Fladenbrot sind hinüber, immerhin hat der Tankwart die 2 Liter von unserer Rechnung abgezogen. Aber von nun an haben wir Benzingeruch in den Nasen. Wir fahren weiter entlang des Flusses Enguri, der im großen Kaukasus entspringt. Unser Ziel ist der Ort Mestia, gelegen in der Region Oberswanetien, die vor allem für ihre historischen Bergdörfer bekannt ist. Je höher wir kommen, umso schöner wird die Landschaft.

Wir halten bei einem lokalen Bienenzüchter der mit seinen Bienenboxen entlang des Flusses steht, probieren sämtliche Sorten seines Honigs und kaufen den Leckersten (Lavendel). Es geht vorbei an mehreren kleinen Wasserfällen und am frühen Nachmittag sehen wir bereits die ersten schneebedeckten Gipfel des Kaukasusgebirges. Angekommen in Mestia gönnen wir uns für die erste Nacht hier oben ein Zimmer in einem hübschen Guesthouse.

 

Sonntag, 17.09.2017 Mestia:  ca. 30 km

Vom Guesthouse wechseln wir heute auf einen Campingplatz in der Nähe, wo wir auf ein deutsches Paar treffen. Petra und Dieter haben mit ihrem Wohnmobil schon viele Länder bereist, wir verstehen uns prima und tauschen Reiseerlebnisse aus. Auf einer kleinen Ausfahrt ohne Gepäck erkunden wir am Nachmittag die Umgebung. Hierbei geht’s für uns das erste Mal durchs Wasser! Zuerst sind wir etwas verunsichert, steigen ab… schauen uns erst mal alles in Ruhe an… Hilft ja aber alles nix, wenn wir weiter wollen müssen wir es versuchen! Mit nassen Stiefeln und einem Grinsen im Gesicht kommen wir auf der anderen Seite an. Am liebsten würde Matze gleich nochmal durch 😉 Wir finden sogar noch eine weitere Wasserdurchfahrt abseits der Straße und kommen so bei dem heutigen Ausflug voll auf unsere Kosten! Zurück in Mestia gehen wir essen und probieren „Chashushuli“, georgischen Rindereintopf mit Tomaten und Kräutern, „Qababi“ und gegrilltes Schweinefleisch.  

Da dies das erste Land ist in dem wir Schweine in der Natur sehen, trauen wir uns auch das Fleisch zu essen. Der Geschmack ist nicht ansatzweise zu vergleichen mit dem , welches uns in Deutschland angeboten wird! Es schmeckt nach dem was es ist! Auch lassen wir uns einige Gläschen des jungen georgischen Weißweins schmecken. Vom Geschmack her geht er leicht in die Richtung Federweiser, aber in lecker! In der Nacht sinkt das Thermometer hier runter bis auf 7 Grad. Zum Glück halten uns unsere Daunenschlafsäcke schön warm.

 

Montag, 18.09.2017 Mestia-Ushguli-Mestia: 90 km

Offroad-Time! Ohne Gepäck wagen wir uns heute noch höher in die Berge, in das Dorf Ushguli auf 2.200 m, welches eines der höchsten, dauerhaft bewohnten Dörfer in Europa ist. Die ersten 15 km sind noch asphaltiert, doch danach bricht die Straße abrupt ab. Es folgt 4 km Baustelle, und wir müssen auf von LKW festgefahrenen Grund ausweichen.  Über Steine und Geröll erreichen wir ein kleines Dorf, hier besteht die Piste fast nur noch aus Schlamm. Wir schaffen es zum Glück heil durch und gönnen uns eine Rast an einem Flusslauf, wo wir Freundschaft mit einigen Kühen schließen.

Der Weg führt uns immer weiter hinauf in die wunderschöne Berglandschaft. Diese können wir allerdings nur teilweise genießen, denn die Piste ist gespickt mit riesigen Schlammlöchern. Einige davon ziehen sich über 10 bis 20 Meter hinweg, berghoch und oftmals durch Kurven! Mehrmals sehen wir uns schon im Schlamm liegen, doch unser treuer Gregor richtet sich immer in letzter Sekunde wieder auf! Auf den letzten Kilometern geht es noch einmal über Stock und Stein steil hinauf. Nach über zwei Stunden „Fahrt“ erreichen wir dann endlich Ushguli, Matze ist fix und fertig.

Mit Gedanken an den Rückweg im Kopf fällt es ihm schwer das Panorama zu genießen. Von hier aus haben wir einen wundervollen Blick auf den Berg Schara, der mit 5.200 m der höchste Berg Georgiens im Kaukasus ist.

Apropos Kaukasus:  Unser Zelt namens Caucasus haben wir heute mit im Gepäck und platzieren es vor dem Gipfel des Scharas. Wir haben es von der Firma Coleman zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank an dieser Stelle!

Gerade als wir das Zelt fertig abgebaut und verstaut haben, rast ein Polizei Auto auf den Hügel. Hier dachte wohl jemand, dass wir hier übernachten wollen 😉

Wir treten den Rückweg an und werden von 2 Jungs stilecht auf Pferden verabschiedet. Auch hier wird uns alles abverlangt, wir kämpfen uns wieder durch die Schlammlöcher und denken jedes Mal das Schlimmste hinter uns zu haben.  Doch weit gefehlt, es folgen immer wieder noch schlimmere Abschnitte an die wir uns gar nicht mehr erinnern können. Im Baustellenabschnitt ist die festgefahrene Straße mittlerweile durch Geröll überschüttet worden, hier kommen wir nur mit Mühe und Not durch. Zurück auf der asphaltierten Straße wartet Melli nur darauf, dass Matze den Teer küsst 😉  Heute sind wir besonders stolz, stolz auf unser Motorrad und überrascht darüber was Gregor alles abkann! Das Vertrauensverhältnis zwischen Matze und Gregor ist wieder einmal gewachsen. Unser kleiner Dreckspatz nach der Tour: 

Jetzt aber schnell ab unter die Dusche!

Für umgerechnet 2 € wird Gregor wieder Saubergespühlt.

Zur Belohnung gönnen wir uns wieder georgische Köstlichkeiten mit kühlem Bier und erfrischender Limonade.  Es gibt zum Beispiel „Nigsiani Badrijani“ und eine Käseplatte mit georgischem Bergkäse sowie geräuchertem und ungeräuchertem Sulguni.

 

Dienstag, 19.09.2017 Mestia- irgendwo im Wald bei Kutaissi 217 km

Per Email hat Melli seit Längerem Kontakt zu der Motorradwerkstatt Bikeland in Tiflis, in der Hoffnung dass wir dort vielleicht unsere Kupplung erneuern können. Angeblich ist das passende Teil auf Lager. Wir ersuchen Rat bei Michi und Arno, unsere Ansprechpartner bei Wunderlich. Diese leiten die Eckdaten direkt an einen ihrer Spezialisten Thomas weiter. Er antwortet uns prompt und nach der Überprüfung der Fahrgestellnummer gibt er uns das OK! Vielen Dank an dieser Stelle für die schnelle und kompetente Hilfe! Voller Zuversicht machen wir uns daher heute auf den Weg in Richtung der georgischen Hauptstadt. Von Mestia geht es die schöne Strecke durch die Berge und entlang des Enguri Flusses bis nach Kutaissi. Doch bis nach Tiflis schaffen wir es nicht an einem Tag, und so schlagen wir am späten Nachmittag unser Zelt auf einer Wiese neben einen kleinen Bachlauf auf. Wir sind uns nicht sicher, ob unser Zeltplatz wirklich abgeschieden genug von den kleinen Dörfern in der Nähe ist und haben dadurch einen unruhgien Schlaf.

Mittwoch, 20.09.2017 irgendwo im Wald bei Kutaissi – Tiflis: 230 km

In der Frühe werden wir durch Schüsse geweckt. Wird in der Nähe gejagt? Werden auf diese Weise in den Dörfer ungebetene, tierische Gäste vertrieben? Oder schießen sie hier auch wieder auf Dosen? Wir wissen es nicht und packen lieber schnell zusammen. Doch durch die Nähe zum Bachlauf sind Zelt und Motorrad total nass geworden und auch wir haben Besuch: auf und unter unserem Zelt sitzen kleine Frösche! Vorbei am Bordschomi Nationalpark und der Stadt Goris fahren wir durch die grünen Landschaften Georgiens bis wir am späten Nachmittag Tiflis erreichen. Wir können die Werkstatt nicht auf Anhieb finden, doch zu unserem Glück taucht vor uns ein Motorradfahrer auf, der weiß wo wir hinwollen und geleitet uns zur Werkstatt. Im Hof stehen die unterschiedlichsten Motorräder rum, in mehreren Garagen wird geschraubt und wir fühlen uns hier gleich wohl. Der Besitzer, Dima hat eine BMW 1100 RT, die er über alles liebt und die (bis auf wenige Unterschiede), baugleich zu unserer Maschine ist. Er hat die benötigten Teile da und macht uns ein gutes Angebot für Kupplung und Öl- und Filterwechsel, in 2 Tagen soll Gregor fertig sein. Sebastian, der mit seiner Freundin von Singapur unterwegs nach Deutschland ist, steht ebenfalls gerade mit seiner defekten Triumph Tiger bei Bikeland. Wir folgen den Beiden bereits länger auf Facebook (Makaka on the run Link) und freuen uns über das zufällige Treffen! In der Nähe des Bikeshops suchen wir uns ein kleines Appartement mit Küchenzeile und schleppen sämtliche Sachen, die wir nicht in der Werkstatt lassen wollen, zu Fuß dorthin. Schon beginnen wir Gregor zu vermissen 😉 Nach einer heißen Dusche und Abendessen mit frischem georgischem Gemüse fallen wir müde ins weiche Bett.

 

Donnerstag, 21.09.2017 Tiflis: 0 km

Da Gregor ja in der Werkstatt ist, machen wir uns mit Bus und Metro auf in die etwa 8 km entfernte Innenstadt. Jede Busfahrt kostet 0,50 georgische Lari, die wir brav am Automaten im Bus einwerfen. Allerdings reicht es anscheinend auch erst dann zu bezahlen wenn der Kontrolleur einsteigt. Wenn er nach dem Fahrschein fragt einfach die 17 cent geben. Vielleicht kann das jemand mal in Deutschland ausprobieren? 😉 Gerade nach einer Stunde Anfahrt angekommen, erhalten wir eine Nachricht aus der Werkstatt: „Kupplung passt nicht,  bitte vorbeikommen“. Also fahren wir direkt wieder 30 Minuten zurück und erfahren was genau los ist: Die Kupplungsscheibe ist eigentlich für eine 1150 GS und passt von der Aufnahmeschraube her nicht an unser Moped. Der Witz ist, das das komplette Teil Baugleich ist. Nach der Frage warum BMW dies tut, bekommen wir die Gegenfrage warum BMW alle paar Jahre den Kardanantrieb von einer Seite auf die andere wechselt… Die Jungs wissen allerdings einen Ausweg: Der Kupplungsbelag wird an unsere alte Kupplungsscheibe montiert und so haben wir wieder einen neuen Belag auf unserer alten Kupplungsscheibe! Allerdings dauert es dann doch einen weiteren Tag und ein weiteres Problem wird gefunden: Der Kupplungszug muss auch noch gemacht werden, da sich bereits vier Stahlseile getrennt haben. Am Abend sind wir mit unseren neuen Freunden Sebastian und Yuliya von Makaka on the Run, in der Innenstadt verabredet. Da wir heute schon über zwei Stunden in Bussen gesessen haben, bestellen wir uns dieses Mal ein Taxi. Im Restaurant genießen wir Kebab, Salate und eine georgische Spezialität, Adjaruli Khachapuri. Ein köstliches mit Käse, Butter und Ei gefülltes Brot, wobei das Ei meisten oben drauf zu sehen ist. Nach dem Essen geht’s weiter in eine Rooftop Bar mit herrlicher Aussicht auf die beleuchtete Trinity Kathedrale und das Narikala Fort. Neben georgische Weißwein probieren wir auch den traditionellen georgischen Tresterbrand namens Chacha. Wir ziehen weiter durch die belebte Altstadt von Tiflis, viele Bars und Kneipen haben heute Livebands, es herrscht überall eine ausgelassene Stimmung, die Menschen trinken und feiern und wir sind mittendrin! Unsere letzte Station ist ein Irish Pub, dort verbringen wir bei Karaoke und Bier einen lustigen Abend mit unseren neuen Freunden, bevor wir uns gegen 3 Uhr müde auf den Heimweg machen.

Freitag, 22.09.2017 Tiflis: 0km

Heute kommt mal wieder alles anders als geplant. Wir schlafen zunächst aus, und wollen uns danach endlich mal Tiflis bei Tageslicht anschauen. Vorher gehen wir an der Werkstatt vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Dort treffen wir auf Mike, einen Motorradreisenden aus Kolumbien, der schon seit 3 Jahren unterwegs ist und noch weitere 3 Jahre vor sich hat!

Melli, Matze, Dima, Mike!

Wir haben uns unendlich viel zu erzählen und im Nu vergehen Stunden! Die Begegnung mit Mike gibt uns so viel mehr als eine Sightseeing Tour durch die Stadt. Er hat wirklich unsere Herzen berührt und wir sind froh den Tag mit ihm verbracht zu haben! Es sind solche Menschen, die unsere Reise interessant und einzigartig machen.

Am Abend schlendern wir dann zumindest noch ein wenig durchs romantisch beleuchtete Tiflis, vorbei an kleinen Läden wo es die georgische Spezialität Tschurtschela gibt. Dazu zieht man Walnüsse oder Haselnüsse auf eine Schnur und überzieht sie mit angedicktem Traubensaft. Wir spazieren durch kleine Gassen hoch bis zur Narikala Festung und zur Statue Kartlis Deda, die die Stadt Tiflis symbolisiert und im Volksmund „Mutter Georgiens“ genannt wird. In ihrer linken Hand hält diese eine Schale Wein für die Freunde und ein Schwert gegen die Feinde in der rechten.

Reisetagebuch Kapitel 5.2 Türkei: Gehirn zum Abendbrot

Sonntag, 10.09.2017 Vor Konya im Wald- Kappadokien:  350 km

Die heutige Strecke ist irgendwie öde! Wir mogeln uns an der riesigen Stadt Konya vorbei, fahren dabei allerdings durch riesige Industriegebiete mit Maschinenbau- und Metallbetrieben. Die sich anschließende Straße bietet unseren Augen wenig Abwechslung und geht größtenteils geradeaus. Doch irgendwann taucht vor uns ein Ural Gespann mit Schweitzer Kennzeichen auf! Wir sind begeistert, winken und machen an der nächsten Gelegenheit halt um auf die Beiden zu warten. Tatsächlich machen sie ebenfalls dort halt und so lernen wir Oli und Corinne kennen. Das Paar ist auf dem Weg nach Afrika, wo es kreuz und quer durchs Land fahren möchte. (the slow riders) Wir haben uns viel zu erzählen und sogar das gleiche Tagesziel, weshalb wir hoffen uns abends wieder zu sehen. Einfach super unterwegs zufällig solche Bekanntschaften zu machen! Unsere Stimmung ändert sich schlagartig: Die öde Strecke wird zur Nebensache, das Kennenlernen von den beiden „Slowrider“, ihrer Ural und ihrer Route wird zum spannenden Thema für unsere Kommunikation unterwegs (dank den Bluetooth headsets die wir von Hantz und Partner zur Verfügung gestellt bekommen haben). Es kommt noch besser: bei unserer nächsten Rast, als wir gerade aufbrechen wollen, rollt das Gespann ebenfalls an die gleiche Tankstelle, und davon gibt es hier in der Türkei unheimlich viele. So verlängern wir diese Pause um ein weiteres Schwätzchen! Die Beiden empfehlen uns den Kaya Campingplatz, dort angekommen treffen wir weitere Gleichgesinnte: Uwe und Sabine aus Deutschland reisen ebenfalls zu zweit mit einer BMW F 800 GS, auch für sie geht es Richtung Afrika (follow the blue sky). Als wir uns gerade im Pool des Campingplatzes erfrischen trudeln Oli und Corinne ebenfalls ein, obwohl wir erst viel später mit ihnen gerechnet hatten. So langsam ist das Gespann also gar nicht 😉 Wir schlagen unser Zelt auf und können direkt von hier das Märchenland Kappadokiens bewundern: Seltsam geformte Felsen, Feenkamine und die Stadt Göreme mit ihren Felsen- und Höhlenhäusern liegen in Sichtweite. Wir haben keine Essensvorräte mehr und müssten jetzt erstmal noch Einkaufen fahren. Doch zu unserem Glück lädt uns Sabine zum gemeinsamen Essen mit Allen ein. Immerhin können wir türkische Wurst beisteuern. So genießen wir heute Abend eine köstliche Reispfanne, begleitet von kappadokischem Rotwein und garniert mit Reiseerlebnissen unserer neuen Freunde!

 

Montag, 11.09.2017 Kappadokien: 0 km

Kurz vor Sonnenaufgang werden wir wach, es klingt als würden feuerspeiende Drachen unser Zelt angreifen! Das Geräusch kommt allerdings nicht von Fabelwesen, sondern vom Befeuern der Heißluftballons, die ganz in der Nähe unseres Zeltplatzes starten, um Touristen über die unwirkliche Landschaft Kappadokiens zu fahren. Es hält uns nicht im Zelt, auch wenn es noch nicht mal 6 Uhr ist, das müssen wir uns anschauen. Nach und nach starten immer mehr Ballons, wir zählen über 70 Stück die langsam steigen und abwechselnd glühen. Manche fliegen sogar ganz dicht an den Felsen entlang. Was für ein tolles Spektakel! Wir legen uns allerdings anschließend wieder ein Weilchen aufs Ohr 😉 Gegen Mittag fahren wir in das nahgelegene Dorf Ürgup, wo es eine unterirdische Höhlenstadt, Felsenhotels, Restaurants und Souvenirläden gibt. Wir essen hier eine Kleinigkeit zu Mittag, genehmigen uns als Nachtisch köstliche Baklava mit Dondurma (türkisches Eis) und begeben uns auf die Suche nach einem Metzger. Heute Abend möchten wir gemeinsam mit unseren Overlander- Freunden grillen und kümmern uns um Fleisch und Kohle. Das Fleisch in den Supermärkten wird unseren Ansprüchen nicht gerecht, aber wir fragen uns durch bis wir einen Metzger finden.  Eigentlich erkennen wir die Wörter für Lamm, Huhn usw. auf den Speisekarten der Restaurants, aber natürlich kommen sie uns just in dem Moment nicht in den Sinn. Auf der Theke steht eine Kuhfigur und auch ein Lämmchen, und so können wir ohne „Määäh“ und „Muuuh“ von uns zu geben, erklären was wir wollen bzw. der Metzger uns erklären was er im Angebot hat. Von welchem Teilstück genau die Rede ist zeigt er uns dann zusätzlich auch noch an seinem Körper und so machen wir uns mit genügend Rindersteaks in den Koffern zurück zum Campingplatz.

Viel vorgenommen haben wir uns ansonsten nicht für heute. Matze kränkelt ein wenig und erholt sich in der Hängematte, Melli nutzt das Wifi des Campingplatzes. Nachmittags machen wir uns dann aber auf zu einem der Wanderwege, den wir in kurzer Distanz zum Zeltplatz erreichen. Durch seltsam geformte Felsen führt uns ein steiler Pfad hinunter ins Rose Valley, hinein in die Märchenwelt Kappadokiens. Wir spazierend staunend durch Felsentunnel, genießen die Ruhe und Einsamkeit und entdecken viele Höhlen die in den Tuffstein gehauen wurden, selbst in den höchsten Bereichen. Hier gibt es wirklich unglaublich viel zu erkunden und zu erwandern! Abends heizt Uwe dann der Kohle ordentlich ein, Grillmeister Matze kümmert sich ums Fleisch, Sabine zaubert uns leckeren Tzatziki und Salat, Corinne und Oli spendieren abermals eine Flasche Rotwein und so verbringen wir erneut einen unvergesslichen Abend. Oli und Corinne erzählen uns von ihren bisherigen Expeditionen durch Afrika, Uwe und Sabine von ihren Erlebnissen mit der Istanbuler Polizei. Wir philosophieren über das Reisen an sich, über den Sinn und den Zweck, haben ähnliche Ansichten, teilen dieselben „Probleme“ die solch eine Langzeitreise mit sich bringt… und könnten ewig so weitermachen. Der heutige Platzwart des Campingplatzes, Osman gesellt sich zu uns, wir kredenzen ihm Schweizer Tee, er lehnt eine zweite Tasse allerdings dankend ab und kocht uns lieber die türkische Variante 😉 Mithilfe des Google Translaters „unterhalten“ wir uns ein wenig mit ihm und erfahren so ein paar Details aus seinem Leben. Irgendwann, zu späterer Stunde, kriechen wir müde aber glücklich in unsere Schlafsäcke.

 

Dienstag, 12.09.2017 Kappadokien- Sivas: 270 km

Auch an diesem Morgen lassen wir uns das Heißluftballonspektakel nicht entgehen, und schlafen danach noch aus.  Nun heißt es für uns zusammen packen und Abschied von unseren neuen Freunden nehmen! Sowohl Sabine und Uwe als auch Oli und Corinne reisen deutlich langsamer als wir, aber wer weiß, vielleicht kreuzen sich unsere Wege im Iran noch einmal!

Auf unserer Fahrt nach Sivas in Zentralanatolien kommen wir in unsere zweite türkische Polizeikontrolle. Beim ersten Mal musste Matze nur seinen Führerschein vorzeigen. Doch heute haben wir noch mehr Glück, gerade als uns der Beamte rauswinkt, ruft ihn ein anderer zum Mittagessen und wir können ohne kontrolliert zu werden weiter fahren! Ansonsten passieren wir heute noch den einzigen Militärcheckpoint auf unserer gesamten Türkei-Route, doch auch hier können wir ohne Kontrolle durch. Wir sehen hier in der Türkei täglich auf den Straßen Verkehrspolizeikontrollen, doch viel öfter sehen wir Attrappen von Polizeiautos am Straßenrand, bei denen wir jedes Mal zweimal hinschauen müssen, ob es nicht doch ein echter Wagen ist!

Wir übernachten heute auf einer Farm in der Nähe von Sivas, der Besitzer Ugur ist eine Reisebekanntschaft der Bodensee-overlander, von denen wir die Empfehlung haben. Leider ist Ugur selber nicht auf der Farm, doch wir dürfen trotzdem dort übernachten und genießen neben Bett und warmer Dusche die friedvolle Farm.

 

Mittwoch, 13.09.2017 Sivas: 0 km

Zum Frühstück bekommen wir von den Jungs auf der Farm köstliches Fladenbrot gebracht. Den Tag verbringen wir mit Schreiben von Artikeln, Sortieren von Bildern und wir erkunden die Farm. Abends begleitet uns einer der Farmjungs zu einem Suppenrestaurant. Die Speisekarte ist für uns wenig aufschlussreich und so bestellen wir das Gleiche wie unsere Begleiter. Dummerweise bekommen wir dadurch mal wieder Lammhirnsuppe serviert 😉 Schmeckt gar nicht mal so schlecht, aber wird trotzdem nicht zu unserer Lieblingsspeise! Wir beenden den Abend mit einem gemütlichen Lagerfeuer vor „unserem Farmhaus“ und gehen früh ins Bett, denn morgen geht’s weiter!

 

Donnerstag, 14.09.2017 Sivas- Of: 436 km

Wir planen für die Fahrt von Sivas bis nach Trabzon am Schwarzen Meer zwei Tage ein. Doch heute kommt alles anders! Auf unserem Weg in Richtung Nordosten fahren wir durch Zentral- und Ostanatolien. Es geht entlang endloser Weiten und durch die Berge. Nach einem der vielen Tunnel erreichen wir 2.000 Höhenmeter, ganz schön frisch! Wir rasten an einem Restaurant zum Abendessen und entscheiden uns dazu doch noch etwas weiter zu fahren bis ans Schwarze Meer. An der Schwarzmeerküste angekommen sehen wir eine komplett andere Landschaft: grüne Berge mit Teeplantagen an den Hängen, dazwischen stehen immer wieder Moscheen und die Straße führt direkt am Meer vorbei. Es beginnt dunkel zu werden, hier direkt hinter der großen Stadt Trabzon finden wir allerdings keine Campingspots, auch möchten wir die Hauptverbindungsstraße in Richtung georgischer Grenze nicht verlassen, und so suchen wir uns auf der Strecke ein Hotel. Wir finden das Caykent Suites Hotel in Of, wo wir für 37 € die Nacht ein schickes Zimmer inklusive Frühstück bekommen. Auf unserem Balkon mit Blick aufs Schwarze Meer hören wir zum letzten Mal auf unserer Reise den Adhan des Muezzin.

Reisetagebuch Kapitel 5.1 Türkei: Büchsenschießen mit Schrot

Sonntag, 03.09.2017 Alexandroupolis – Kumkale Köyü/Çanakkale: 232 km

Schnell packen wir heute Morgen zusammen und starten, denn wir wollen so früh wie möglich an der Grenze sein. Nach wenigen Kilometern sind wir da und auf der griechischen Seite geht es relativ zügig voran. Danach fahren wir vorbei an türkischem Militär bis zum ersten Grenzposten der Türkei. Prompt landet der erste Schlagbaum auf unserer Gepäckrolle, immerhin nicht auf Mellis Kopf 😉 Das kann ja heiter werden! Doch der Grenzbeamte entschuldigt sich und möchte wissen ob unser Motorrad das erste Mal in die Türkei einreist, da dies der Fall ist werden Grüne Karte und Fahrzeugpapiere erfasst. Wir freuen uns weil alles so schnell geht, doch zu früh gefreut, es folgt Schlange stehen vor einem weiterem Grenzübergang. Hier durchsucht ein süßer Golden Retriever das Gepäck der Autos, wir vermuten aber dass dieser eher Wurst erschnüffelt als Drogen! Die Einfuhr von Fleischerzeugnissen ist hier laut den Anzeigetafeln strengstens verboten. Endlich kommen auch wir an die Reihe und nachdem nun auch unsere Pässe verlangt werden, denken wir jetzt hätten wir die Einreiseprozedur überstanden. Wir pausieren hinter dem Zoll, denn dort stehen ebenfalls 2 Motorradreisende. Phil und seine Sozia sind Australier. Ihr Motorrad haben sie nach England verschifft um nun heim nach Australien zu fahren. Es stellt sich heraus das wir uns bereits aus der „Overlanding Asia“ Facebook-Gruppe. Wir möchten in Kontakt bleiben und werden uns sicherlich unterwegs wieder sehen! Überraschenderweise folgt auch noch ein dritter Grenzübergang, wieder müssen wir sämtliche Unterlagen vorzeigen und nun haben wir es auch wirklich geschafft, wir sind in der Türkei! An einer Tankstelle halten wir und ruhen uns auf der einzigen Sitzgelegenheit im Schatten aus, als sich eine türkische Familie zu uns an den Tisch gesellt. In unserm Heimatland eher ungewöhnlich sich zu Fremden an einen Tisch zu setzen, aber wir können es ihnen in der Hitze hier nicht verübeln, freuen uns über die Gesellschaft lächeln ihnen freundlich zu. Der Vater packt eine Tüte voller Backwaren aus und reicht wie selbstverständlich auch uns jeweils eine der Köstlichkeiten. Uns bleibt nichts anderes übrig als zuzugreifen und uns zu bedanken! Welsch herzlicher, erster Kontakt mit den einheimischen der Türkei!

Von Asien trennt uns jetzt nur noch die Fährfahrt durch die Meerenge der Dardanellen. In Eceabat besorgen wir uns türkische Lira und trinken einen türkischen Kaffee, bevor es dann für uns das erste Mal mit Gregor auf eine Fähre geht. Etwas nervös ergattern wir kurz vor der Abfahrt noch unser Ticket, fahren angespannt auf die Fähre, doch alles läuft problemlos ab! Die Fahrt dauert nur ca. 15 Minuten und im Anschluss befinden wir uns in der quirligen Stadt Çanakkale. Diese verlassen wir schnell und landen am frühen Nachmittag in einem kleinen Bauerndorf, indem die Hühner über die Straße laufen und alles sehr beschaulich wirkt. Hinter dem Dorf finden wir sogar einen kleinen Strand mit Restaurant. Dort relaxen wir ein Weilchen bei Eis und kühlen Drinks. Ein Einheimischer kommt vorbei und bringt uns eine „speciality from the mountains“: viele kleine, köstliche Beeren und dazu noch genau drei Kartoffelchips!? 😉 Ob wir hungrig ausgesehen haben? Vielleicht nicht, sonst hätten wir bestimmt mehr Chips bekommen!

Abends finden wir in einem Olivenhain ein Plätzchen zum Zelten, doch zum Lager aufschlagen ist es noch etwas früh. In der Dämmerung kocht uns Matze Abendessen und plötzlich werden wir von hunderten kleinen Stechmücken attackiert. Total genervt von den Viechern und den fiesen Stichen bauen wir unser Zelt auf. Wir essen heute dann auch lieber im Zelt! Nachts haben wir ein ungutes Gefühl, es fahren viele Autos oder Traktoren an unserem vermeintlich guten Zeltplatz vorbei. Und neben den Gesängen des Muezzin hören wir immer wieder Glocken von Ziegenherden und Rufe des Hirten. Zum Glück bleiben wir aber von nächtlichem Besuch verschont!

 

Montag, 04.09.2017 Kumkale Köyü/Çanakkale – Pamukkale: 485 km

Auf unserer heutigen Fahrt geht es kilometerweise an Melonenfeldern vorbei, und entlang der Straße steht ein mit Melonen überladener Verkaufsstand nach dem Anderen. Gerne hätten wir uns eine geholt, aber die Teile sind viel zu riesig für uns und Gregor! In dem Ort Burhaniye/Balıkesir fahren wir durch die Seitenstraßen, denn wir möchten nicht immer nur an Raststätten halten und außerdem auch eine Pausengelegenheit mit Internet finden. Wir finden ein hübsches Aparthotel (Asil Apart Otel) und nehmen dort Platz. Der Besitzer des Hotels spricht Deutsch und seine Frau ist ganz aus dem Häuschen nachdem er ihr übersetzt, dass wir mit dem Motorrad aus Deutschland hierhergekommen sind und normalerweise in unserem Zelt übernachten. Wir werden auf unsere Getränke eingeladen und bekommen noch Kekse serviert 😉

Unser Weg führt uns immer weiter Richtung Süden. Wir fahren durch ein Gebiet, in dem soweit das Auge reicht Tafeltrauben angebaut werden. Gerade ist Erntezeit der Hauptsorte! Am Nachmittag können wir bereits von weitem unser Ziel in den Bergen erkennen:  Die weißen Kalksinterterrassen von Pamukkale. Diese sind über Jahrtausende durch kalkhaltige Thermalquellen entstanden und stehen auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes. Morgen möchten wir sie besichtigen, also fahren wir auf einen Campingplatz (Tepe Camping), 6 km oberhalb der Terrassen in den Bergen gelegen. Wir schlagen unser Zelt direkt am Rand des Platzes auf und genießen am Abend eine wunderschöne Aussicht auf das Tal.

 

 

Dienstag, 05.09.2017 Pamukkale: 0 km

Heute besichtigen wir die Terrassen von Pamukkale und die dazugehörige historische Stätte Hierapolis. Der Eintritt kostet pro Person 35 Lira und man kann einen Teil der mit mineralischem Thermalwasser gefüllten Becken betreten, allerdings nur barfuß. Zuerst befürchten wir auf dem nassen Fels zu rutschen, aber man hat hier unglaublich guten Gripp. Wir finden ein Becken fast für uns alleine, baden im Heilwasser und schmieren uns sogar mit dem Mineralschlamm ein, Naturwellness pur 😉 Vielleicht hilft die Schlammpackung ja auch gegen den Sonnenbrand den Melli hier in Pamukkale bekommen hat! Bevor wir zurück auf den Campingplatz fahren, decken wir uns im Dorf noch mit Brot, türkischer Wurst, Käse und Kartoffeln ein. Was wir für Käse hielten entpuppt sich allerdings als eine Art Quark, aus dem Matze mit Knobi, Olivenöl und Gewürzen einen leckeren Dip zu unserem Brot zaubert. Die Wurst stellt sich als Glücksgriff heraus, sie schmeckt unglaublich gut! Nachmittags arbeiten wir am Laptop, ruhen uns aus und genießen die großartige Aussicht von unserem Camp aus. Zum Abendessen kochen wir die frischen Kartoffeln. Gemeinsam mit dem Rest Dip, der Wurst, der tollen Aussicht und einem türkischem Bier ein richtiger Festschmaus!

Mittwoch, 06.09.2017 Pamukkale- Faralya: 277 km

Wir fahren in Richtung Mittelmeerküste, zum Einen haben wir wieder Lust auf Meer und zum Anderen möchten wir nach Antalya. Matze ist etwas bekümmert um Gregors Kupplung und in Antalya gibt es eine BMW Werkstatt. Doch bevor es nach Antalya geht, fahren wir an die lykische Küste. Auf dem Weg dorthin finden wir eine Traum-Motorradstrecke: bester Asphalt, kaum Verkehr und eine herrliche Berglandschaft. Auch die lykische Küste ist ein Traum, die Küste ist gesäumt von herrlich grünen, mit Pinienwäldern bedeckten Bergen, oft geht es von diesen aus steil runter bis ans türkisblaue Wasser. Als wir an dem von uns im Voraus ausgesuchten Campingplatz ankommen, steht für uns beide aber schnell fest: Nix wie weiter! Die Bucht ist zwar wunderschön, aber auch super überfüllt und auf dem Campingplatz herrscht Trubel, es ist laut und uns auch viel zu groß. Wir fahren weiter in Richtung Fethiye. Den berühmten und beliebten Strand bei Ölüdeniz betrachten wir unterwegs von der hochgelegenen Küstenstraße aus. Dieser wunderschöne Strand ist kilometerlang, es gibt eine Art Landzunge und eine Lagune, das Wasser ist türkisfarben und geht weiter draußen in kräftiges Blau über. Dummerweise gibt es hier auch ein Hotel nach dem Anderen. Die Straße über die wir weiterfahren schlängelt sich malerisch durch die grünen Pinienwälder immer oberhalb des Meeres entlang. Wir versuchen zwei weitere, bereits rausgesuchte Campingplätze zu finden, was leider nicht so einfach ist. Der Eine ist nicht ausgeschildert, laut Navi sollen wir für den anderen die Steilküste über einen sandigen Pfad runterfahren, mit der schweren Maschine trauen wir uns das nicht zu! Ein türkischer Motorradfahrer auf einer 125 ccm Enduro versucht sein Glück, wir warten, er kommt zurück und schüttelt den Kopf! Wir sind etwas planlos, am Ende mit den Nerven, Melli geht’s richtig schlecht. Vielleicht ist es ein Sonnenstich, heute ist es extrem heiß und wir sind viel in der Sonne. Wir fahren hin und her, es gibt keinen Supermarkt in der Nähe und wir sehen auch keine Möglichkeit hier in der Gegend zu Zelten. Verzweifelt fragen wir bei einem teuren Resort, ob wir vielleicht dort zelten dürfen für eine Nacht oder ob sie uns weiterhelfen können. Der Angestellte telefoniert mit dem Besitzer und dieser empfiehlt uns zur Faralya Botanica zu fahren, dort kämen wir ohne Probleme mit der Maschine hin! Die Faralya Botanica stellt sich als kleiner, versteckter Garten Eden mit Meerblick an der Felsküste heraus! Es gibt hier, umgeben von Obstbäumen und Trauben, Steinhäuschen zum Mieten, und eingerichtete Zelte auf einer Plattform. Melli versucht noch mit dem Besitzer Nuri zu verhandeln, doch es bleibt bei 35 € pro Nacht im fertigem Zelt inklusive Frühstück. In unserm eigenen Zelt müssten wir das Gleiche zahlen. Wir wollen und können nicht mehr weiter suchen, Melli hat wirklich einen Sonnenstich und so bleiben wir trotz des für uns teuren Preises! Matze muss Melli samt Klamotten zur Abkühlung unter die Dusche stellen, welche übrigens draußen umgeben von Bambus angelegt ist, super schön! Es gibt hier zudem überall frisches Quellwasser zum Trinken, und so kann Melli viel trinken, sich direkt ins fertige Zelt legen und schlafen!

 

Donnerstag, 07.09.2017 Faralya Botanica: 0 km

Der heutige Tag beginnt mit einem liebevoll, aus frischen Zutaten angerichtetem Frühstücksbuffet: Es gibt allerlei Köstlichkeiten aus der Region, Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten, Rührei und Nuri macht uns sogar French Toast. Wir beschließen trotz des Preises noch einen weiteren Tag in der Faralya Botanica zu bleiben, damit wir uns ausgiebig erholen können und dieses schöne Fleckchen noch richtig erkunden und genießen können. Die große Holzplattform mit Sicht aufs Meer ist perfekt für Yoga. Hier gibt es neben der schönen Bambusdusche zum Beispiel Hühner, viele Hängematten, kuschelige Sitzgelegenheiten und die Möglichkeit für 10 € von Nuri ein Abendessen mit lokalen Spezialitäten gekocht zu bekommen. Es wachsen die von uns so geliebten Feigenbäume, Limetten, Avocados, Kaktusfeigen, Haselnüsse und überall Unmengen von köstlich süßen Trauben- wir dürfen von Allem naschen 😉 Melli ist mittlerweile Profi im überall Feigenbäume entdecken und ernten geworden! Ein versteckter, verschlungener Pfad führt uns durch den Wald und über Felsen bis zum Aktas Beach, der eher eine kleine, romantische Bucht ist, wo wir den halben Tag verbringen und uns gut erholen. Auf dem Rückweg entdecken wir eine Schildkröte! Endlich können wir mal eine in Ruhe betrachten, das geht bei den Exemplaren die über die Straße schleichen leider nie. Diese hier ist zum Glück nicht sehr scheu und springt nicht direkt ins Geäst. Zum Sonnenuntergang nutzt Melli die Holzplattform dann auch wirklich zum Yoga. Bei Kerzenschein gönnen wir uns im Anschluss das Abendmenu von Nuri: Nach einer orientalischen Kürbissuppe bekommen wir Salat, geröstete Paprika, Meze und frischen gegrillten Fisch und Hähnchen mit Rosmarinkartoffeln serviert. Köstlich!

 

Freitag, 08.09.2017 Faralya- Antalya: 220 km

Schweren Herzens verlassen wir den kleinen Garten Eden und die schöne lykische Küste. Antalya heißt unser heutiges Ziel. Leider finden wir so kurzfristig dort keinen Couchsurfing Host, aber ein kleines Hotel für 15 € die Nacht. Das Zimmer ist einigermaßen sauber, hat drei Einzelbetten und das Bad ist auf dem Flur, aber Gregor kann direkt an der 24 Stunden bewachten Rezeption parken! Und wir können ihn sogar von unserm Zimmer aus sehen, super! Wir sind müde von der Anfahrt, schlendern daher nur etwas durch das Viertel und gehen bei einem Imbiss essen: Es gibt nur vier Gerichte zur Auswahl, der Wirt spricht kein Englisch und unser Türkisch reicht nicht aus um seine Erklärungen zu verstehen. Also bestellen wir einfach die ersten drei Gerichte auf der Karte und lassen uns überraschen. Uns wird zuerst eine Suppe serviert, Matze kostet und grinst: „ Die esse ich wohl schon mal alleine!“ Es sind Innereien drin, auch Lammhirn. Melli kostet tapfer und isst auch einen großen Teil davon mit. Als nächstes bekommen wir Kebab, das wird hier allerdings nicht so serviert wie in Deutschland. Hier in der Türkei ist Kebab gegrilltes Fleisch, meistens Lamm, auf „Pide“ (Fladenbrot) serviert und dazu etwas gegrillte Paprika, Tomaten und gegarten halben Zwiebeln. Das dritte Gericht entpuppt sich als Salat aus weißen Bohnen, verfeinert mit Ei und angemacht mit Tahin, super interessanter Geschmack! Zusätzlich bekommen wir noch einen Salat aus Tomaten, Gurken und rohen Zwiebeln. Nachdem wir alles brav verputzt haben bringt uns der Wirt auch noch das vierte und somit letzte Gericht auf der Speisekarte, das wir gar nicht bestellt hatten. Aber er erklärt uns es sei die Spezialität des Hauses und es geht zusammen mit türkischem Tee dazu für uns aufs Haus: Helva, eine warme, mit Zimt bestreute Süßspeise, die schmeckt wie der köstlichste Zimtwaffelteig! Von den türkischen süßen Versuchungen bekommen wir nicht genug, auf dem Rückweg ins Hotel kommen wir noch an einem Geschäft vorbei wo Unmengen von „Turkish Delight“ und Nüsse verkauft werden und wir holen uns einige Leckereien und Datteln.

Samstag, 09.09.2017 Antalya – 80 km vor Konya im Wald: 232 km

Nachdem wir uns beim Bäcker um die Ecke mit frischen türkischen Backwaren eingedeckt haben steht unser Besuch bei BMW Antalya an. Schnell ist Jemand gefunden der englisch spricht. Wir möchten wissen was ein Ölwechsel kostet und bitten darum dass die Kupplung mal gecheckt wird. Matze gibt dem Mitarbeiter den Schlüssel und in klimatisierten Räumen bei Wasser und türkischen Tee warten wir ab. Nach einer Weile die erste schlechte Nachricht: Der passende Ölfilter ist nicht vorrätig, Lieferzeit ca. 2 Tage aus Istanbul. Naja, den Ölwechsel können wir auch woanders noch machen. Und die Kupplung? Wir müssen weiter warten. Erstmal ist jetzt Mittagspause angesagt. Danach erfahren wir, dass der Kupplungssatz ebenfalls nicht lieferbar ist und auch aus Istanbul bestellt werden muss. Aber der Mechaniker hat die Kupplung noch nicht durchgecheckt. In der Zwischenzeit schauen wir schon mal online nach Hotel Alternativen und Couchsurfing Hosts… Dann kommt der Mechaniker zusammen mit dem englisch sprechenden Mitarbeiter, und dieser übersetzt dass soweit mit der Kupplung alles in Ordnung zu sein scheint und dass er gerne gemeinsam mit Matze eine Probefahrt machen will. Nach der Probefahrt erhalten wir folgende Diagnose: Mit der Kupplung sei soweit noch alles in Ordnung und sie wird mit Sicherheit noch 5.000 km ohne Probleme halten! Puh, jetzt sind wir erleichtert. Eine neue Kupplung bei BMW Antalya würde uns übrigens schlappe 1.700 € kosten. Wir recherchieren derzeit ob wir uns einen günstigen Kupplungssatz aus Deutschland irgendwohin schicken lassen können oder ob wir unterwegs vielleicht einen finden können. Aber für heute ist das Problem erstmal vom Tisch und wir verlassen nach über 3 Stunden ohne etwas zahlen zu müssen die BMW Filiale. Unser nächstes Ziel ist das berühmte Kappadokien, aber bis dorthin sind es noch über 500 km. Zu viel für heute, denn es ist mittlerweile schon nach 14 Uhr. Die Strecke führt uns durch die Berge, vorbei an unzähligen Straßenständen an denen Honig verkauft wird. In einem kleinen Dorf in den Bergen machen wir nachmittags halt und bestellen „Balik“ (Fisch) und „Köfte“ (gegrillte Hackbällchen). Auch dazu bekommen wir wieder Pide und einen Salat aus Tomaten, Gurken und Zwiebeln serviert. Wir decken uns noch mit Wasser und Brot ein und suchen uns im Verlauf der Strecke vor der Stadt Konya einen Platz zum campen. In einem bewaldeten und felsigen Gebiet finden wir eine Seitenstraße von der eine kleine Schotterpiste abgeht. Nach kurzer Zeit sind wir außer Sicht- und Hörweite der Straße und finden ein hübsches Plätzchen für unser Nachtlager. Dieses Mal hören wir auch keinen Muezzin und nur aus weiter Ferne vereinzelt ein paar Ziegenglocken läuten. Ansonsten ist es mucks Mäuschen still, doch in abends fallen Schüssen- Wie unheimlich! Später erfahren wir allerdings, dass hier viel mit Schrot!? auf Büchsen geschossen wird, also wohl halb so wild!

« Ältere Beiträge

© 2018

Theme von Anders NorénHoch ↑